Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 38 (21.9.1894)
- Date
- 1894-09-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 740 Vrperreichischr Wochenschrifl Nr. 38 Saaten, die der Verewigte überall hingestreut, mächtig em- I porsprießen und sich entfalten." Tragisch und herzerschütternd nannte der Redner das Schicksal des Verewigten, tragisch und herzerschütternd klang es, als Dr. Spira die edlen, geistigen Vorzüge, das hilfreiche Eingreifen des Verewigten schilderte. Kein Auge blieb thränenleer, als Dr. Red er darauf hinwies, daß wenige Monate vor seinem Tode der in Gott ruhende Dr. Zimmels seinem Amtsbruder, der hier auch gewirkt, (Kreisrabbiner Fried mann, Tefchen) an dessen Bahre einen Nachruf hielt, in welchem er das lange Siechthum und Leiden, die fürchterlichsten seelischen und körperlichen Qualen schilderte, als hätte er mit geistigem Auge vorhergesehen, daß er demselben Schicksale verfallen sei/Ohne ein Wort der Klage, still und Gott ergeben schlummerte der Verklärte am Sabbath des Jenseits zum ewigen Sabbath zur ewigen Ruhe und bleibt dem ersten Rabbiner der hiesigen Gemeinde, dessen Gebeine in einer Provinz ruhen, aus der große Männer und Gelehrte Israels hervorgegangen, ein ehrendes Andenken gesichert. Podersam. Hochgeehrter Herr Redacteur! In Ergänzung der von Ihnen in Nr. 37 Ihres geschätzten Blattes gebrachten Notiz unter dem Schlagwone: „Aus Böhmen", beehre ich mich mitzutheilen, daß unser Rabbiner, Herr Rudolf Rychnovsky bereits seit mehr als l'/r Jahren ebenfalls Beirath des löbl. k. k. Bezirksschulrathes ist. Es dürste ferner nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß in unserem Schulbezirke a ch t Juden an öffentlichen Volksschulen angestellt sind. Triest. (Tod eines Sonderlings.) In T r i e st wurde, wie die „Grazer Tagespost" von dort berichtet, der 75jährige Mvriz Füchsel toot in seinem Bette gesunden. Er stammte aus Straßnitz in Mähren, hatte in der österreichischen Kriegsmarine gedient und es zum Range eines Maschiuisten gebracht. Füchsel hat auch an der Expedition des Kaisers Max von Mexico theilgenommen und von diesem das Ritterkreuz des Guadelupe-Ordens erhalten. Im Jahre 1873 ging er in Pension und nahm in Triest Domicil. Obwohl er einen Ruhegehalt von 800 fl. bezog, lebte Füchsel, ein kleiner, mumienhaft aussehender Mann mit schneeweißem Haupt- und Barthaar, schlechter als ein Bettler; er wohnte in erner kleinen, dumpfen Kammer und die Kleider hingen ihm in Fetzen vonr Leibe. Täglich ging er zur Post, um ein Wiener Blatt, aus welches er abonnrrt war, zu holen, sonst hockte er den ganzen Tag in seiner Kammer. Die nach seinem Tode durchgeführte Inventur-Aufnahme ergab ein überraschendes Resultat. Zwischen zerrrssenen Strümpfen und zerschlissenen Hemden fand man in einer mit alten Hüten vollgepfropften Kiste Renten- Obligationen, Staatsschuld-Verschreibungen und ändere Werthpapiere im Betrage von 60.000 Gulden. Unter den Papieren lag auch ein Dankschreiben der israelitischen Cultusgemeinde von Straßnitz für eme Spende von 850 fl., welche Füchsel für den dortigen Tempelbau gewidmet hatte. Dieser Wohlthätigkeitsact ist umso merkwürdiger, als Füchsel sich stets für einen Christen ausgegeben hat. Sein Vermögen soll einem in Mähren lebenden Neffen zufallen. Suezawa, 14. September 1894. Am 12. d. M. führte der hiesige Cultusvorsteher Herr Dr. Finkler, nachdem die hohe Landesregierung die von der Suczawaer isr. Cultusgemeinde getroffene Wahl des Rabbiners Herrn Dr. Abraham Löwy laut herabgelangten Erlasses dd. 29. August l. I., Zahl 15051, mit besonderer Besriedigung genehmigt hatte, den neuernannten Seelsorger in sein Amt ein. Aus diesem Anlasse versammelte sich ein zahlreiches Publicum im hiesigen Tempel, wo der Herr Cultusvorsteher an den Herrn Rabbiner eine schwungvolle Ansprache richtete, worin er ihn mit den dem Rabbinate zustehenden Functionen betraute und auch die Gemeinde beglückwünschte, einen Mann gewählt zu haben, der nicht nur wegen seiner modernen Bildung, sondern auch wegen seines tiefen talmudischen Wissens würdig ist, als Seelsorger in einer so großen Gemeinde zu wirken. — Daraus hielt der Herr Rabbiner seine Antrittsrede, die von der versammelten Menge mit Beifall aufgenonimen wurde. Herr Dr. Löwy hatte nämlich in semer Rede alle diejenigen Principien und Grundsätze dargelegt, nach welchen er in der Gemeinde zu wirken bestrebt sein werde, forderte aber gleichzeitig die Gemeinde auf, ihn in seinem Wirken zu unterstützen. . Libeznitz. Der Oberlehrer und Director der hiesigen sechsclassigen Volksschule Pawelka wirkt an derselben durch 48 Jahre. Mit voller Befriedigung kann er auf die abgelausene Zeit seiner Lehrthätigkeit zurückblicken. — Es schmückt zwar noch kein „äußeres" Zeichen seine Brust, allein der Adel seiner Gesinnungen, die Güte seines Herzens und die liebevolle Fürsorge, die er allen Kindern gleichmäßig angedeihen läßt, zieren und zeichnen ihn aus. Er duldet keinen Rassenhaß, er macht und 'aßt keinen Unterschied machen zwischen Religion und Nation, wobei ihm der Herr Bürgermeister L a h a — ein Mann der Aufklärung und der Humanität, dem das Wort „Antisemitismus" ein ganz fremder Begriff ist —würdig zur Seite steht.'Möge Solches überall Nachahmung finden. München, 11. September. Herr Rabbiner Dr. Werner aus Danzig ist von unserer Cultusverwaltung mit Stimmeneinhelligkeit zum Rabbiner gewählt worden. Die Annahme der Wahl seitens des Herrn Dr. Werner steht außer Zweifel. Die Münchener Gemeinde kann sich zu dieser Wahl Glück wünschen, da sie einen vortrefflichen Kanzelredner und einen in jeder Beziehung würdigen Vertreter ihrer religiösen Angelegenheiten in Herrn Dr. Werner gefunden hat. Feuilleton ♦ „Im Hinterhaus." Erzählung von M. Büßgang, Falkenau. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. Drei Jahre nach dem verhangnißvollen Ereignisse brachte eines Tages der Mäkler Chaim Adler aus Husiatyn ein sehr schwaches, körperlich ganz herabgekommenes Weib nach Benevice, in der Rosenheim sich vergeblich bemühte, seine einst so schöne Tochter zu erkennen. Der Mäkler erzählte, daß er von einer Geschäftsreise nach Hause begriffen, auf der Landstraße, nahe der russischen Grenze, eine anscheinend dem besseren Stande angehörige Frau leblos aufgefunden hatte. Nach großer Mühe gelang es ihm, sie-wieder in's Leben zurückzulufen und in seine Wohnung nach Husiatyn zu bringen, wo die äußerst leidende Frau sich etwas erholte. Der Arzt, den er zu Rathe gezogen, habe aber erklärt, daß es einer längeren, besonders sorgsamen Pflege nöthig, sein werde, bis. das geistig und körperlich so herabgekommene Weib sich ■ ganz erholen werde, und da dieses verlangt habe, zum Gutsbesitzer Rosenheim, gebracht zu werden, so habe er ihren Wunsch erfüllt. Paierl hatte, wie sie nachher erzählte, nicht lange der Liebe ihres Gatten, dem sie so viel geopfert, sich zu erfreuen gehabt. Derselbe war nämlich Verwalter eines der fürstlich Czartoryskischen Güter in Chotin. Aber in dem genußsüchtigen Leben der Großstadt erzogen, konnte er sich in die kleinen Verhältnisse, die ihm auf so Manches ein Verzicht auflegten, für die Zeit nicht fügen und ergab sich aus Aerger darüber dem Trünke, vernachlässigte sein Amt so sehr, daß er seines Dienstes entlassen werden mußte. Da sich in Folge dessen die Noth bei ihnen einstellte, und der Graf nicht mehr die Mittel besaß, seinem Leichtsinn zu fröhnen, so maß er seiner Gattin all' sein Unglück bei, und Zank und Streit, die nicht selten mit Mißhandlungen endeten, verbitterten fortan ihr Leben. - ■ Paierl ertrug ihr trauriges, aber selbstverschuldetes Schicksal mit einer solchen Ergebung, die fast an Selbstlosigkeit grenzte. Später, als sie bereits Mutter eines Kindes geworden, und chre Lage immer unerträglicher würde, faßte sie den Plan, mit dem Kinde zu ihren Eltern zu fliehen und sich vor deren Füßen Verzeihung zu erflehen. Sie zweifelte nicht, daß die von ihr so tief gekränkten Eltern ihr diese gewähren würden. Allein ihre Flucht ward von ihrem Gatten bald entdeckt, sie wurde verfolgt, gewaltsam zurückgebracht, das Kind ihrer Obhut entrissen und anderweitig in Pflege gegeben, sie selbst unter steter Mißhandlung in ihrer Stube strenge bewacht. Aber die lieblose Behandlung ihres Gatten und namentdie Trennung von ihrem Kinde machten sie verzweifelt. Auf den Knien flehte sie ihren Gatten an, ihr ihr Kind zürückzugeben, aber vergebens. Ihre Verzweiflungsausbrüche, die zuletzt sogar in Tobsucht ausarteten, prallten an dem durch Trunksucht tief herabgekommeneu Gatten wirkungslos ab. Ihre Thränen versiegten, die Ausbrüche der Verzweiflung hörten nach und nach aus und machten einem dumpfen Hinbrüten Platz. Doch ihr stiller Gram, der so lange in ihrem Innern zehrte, schwächte