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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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TSSASa^S Nr. 38 Oxsterreirtzifchr Wochrnschrifl Seite 73S es aber der Commission anheim, ihre Mitglieder dem großen Verein anzuschließen und theilzunehmen an der gemeinsamen Arbeit, die Strafentlassenen durch Erziehung zur Arbeit wieder zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft zu machen." Leipzig, 5. September. Was für merkwürdige Blüthen der heutige Antisemitismus zeitigt, läßt wieder ein Fall erkennen, der Anfangs October d. I. vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt werden wird. Der hiesige Schriftsteller Georg Blecsteiner ließ zu Ostern d. I. in dem hiesigen Verlag von S i e g i s m u n d u. V o.f f e n t n g die Schrift: „Der Richard Wagner- Taumel — ein Mahnruf gegen den Verfall der Künste" erscheinen, und zwar bediente er sich dabei des Pseudonyms Wilhelm H o f f m a n n. Der Verleger der gesammelten Schriften Richard Wagner's, F. W. Feitzsch behauptete nun im „Musikal. Wochenbl.", Georg Bl ei stein er habe den deutschen Namen Wilhelm H o ffm a n n mißbraucht, um damit das Publicum über seine „eigene Abstammung" irre zu führen. Bleisteiner hat nun Klage gestellt, da seine Abstammung durchaus „germanisch" und sein Name in Franken, woher er stamme, ganz gewöhnlich sei; er selbst habe lutherische Theologie studirt, ein Bruder von ihm sei evangelischer Geistlicher, sein Vater evangelischer Cautor und Organist u. s. w.! Commentar überflüssig. VermiMtes. Wien. Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n ist in die innere Stadt, Heinrichsgasse3,übersiedelt.DieRabbinatskanzlei. in welcher, der Herr Oberrabbiner Nachmittags von 3—41/* Uhr zn sprechen ist, befindet sich Seitenstettengasse 4, 1. Stock. Wien, den 17. September 1894. (Auszeichnung.) Von verläßlicher Seite erfahren wir aus Constautinopel, daß der Sultan dem Herrn Berthold Freiherrn von Popper-Podhragy für hervorragende Verdienste um den Staat, den Osmanje- Orden verliehen hat. (Professor Neumann —Hofrath.) Wie wir erfahren, wurde dem Abtheilungsvorstande im Allgemeinen Krankenhause, Professor Dr. Isidor Neü"mann, der Hofrathstitel verliehen. (Verlobung.) Der bekannte Orgelvirtuose und Musikschulinhaber Professor S. Storch hat sich mit Frl. Bertha Blum verlobt. Fräulein Klara Kornfeld, eine Tochter des Herrn David Kornfeld, öffentlicher Gesellschafter der Firma S. Weiß u. Comp, hier, hat sich mit dem in Jaroslau gebürtigen, in Wien prakticirenden Med. Dr. Sigmund Pfeffer verlobt. Am 12. d. M. hat sich Fräulein Gisela Israeli, Tochter des Herrn Julius Israeli, Industriellen in A nd r i ch a u, mit Herrn Dr. I. Ausländer, Landes- und Gerichtsadvocaten aus Czernowitz, verlobt. Wien. (Einweihung eines Bet Hauses.) Eine Anzahl Glaubensgenossen aus Galizien, welche im HI. Bezirk, Weißgärber, ansässig sind, hat sich vereinigt und in der Hetzgasse 40 ein eigenes, hübsches Bethaus nach polnisch-jüdischem Ritus eingerichtet. An der Spitze des Vereines stehen Herr Simon Silber st ein und Oscar I u e r, und gemeinsam mit opferwilligen Freunden ist es ihnen gelungen, das Betlocal rechtzeitig fertigzustellen. Ebenso bemühten sich die Arrangeure des Comites, die Herren Leon Halpern, Isaak Mayer und Joachim Halb er st am, redlich, damit sowohl dieses Werk, als auch die Einweihungsfeier gelinge. Sonntag, am 16. Sept. d. I., 5 Uhr Nachmittags, fand die Einweihungsfeierlichkeit fielt, zu welcher eine große Anzahl von Honoratioren sich eingefunden hatte. Nach dem vom Bereinsvorbeter verrichteten Minchagebet ergriff Obmann Herr S. S i l b e r st e i n das Wort, begrüßte in herzlichen Worten die Versammlung und dankte den Gästen für das zahlreiche Erscheinen. Herr Obercantor M. Schorr vom Poln.-jüd. Tempel sang in seiner unübertrefflichen Art mit dem Chor das Matauwo, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann die Einweihung durch das Anzünden des ewigen Lichtes vollzog. Nach dem Einzug der Thorarollen durch die Vorstandsmitglieder und Absingen des Psalm 30 durch den Obercantor S ch o r r hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann die Festrede. Er pries die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit des Bereinsvorstehers und der Vereinsgenossen, welche die Errichtung dieses Bethauses ermöglichten, warnte aber vor Ueberschätzung der Synagoge. Für das Judenthum ist das Haus, wo die Jugend herangebildet und die Kinder erzogen werden, ungleich wichtiger. Vater und Mutter sollen den Kindern als Beispiel und Vorbild voranleuchten in Gottesfurcht und Frömmigkeit. Mit innigen Segenswünschen für das Gedeihen des frommen Unternehmens schloß die halbstündige andachtsvoll angehörte Rede. Die Rede machte auf die Versammlung einen tiesen Eindruck. Hierauf folgte ein Gebet für Se. Majestät den Kaiser. Mit dem Absingen der Volkshymne schloß die erhebende Feier. Wien. (Sammlung.) Der Stitthalter Graf K i e lm a n s e g g hat dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde in Mödling die Bewilligung ertheilt, durch sechs Monate bei Glaubensgenoffen und den israelitischen Cultusgemeinden in Niederösterreich eine Sammlung von Beiträgen zum Ankäufe eines Grundes behufs Herstellung eines israelitischen Friedhofes in Mödling veranstalten zu dürfen. Wien. Das Directorium des Musikinstitules Drucker hat in seiner letzten Conferenz beschlossen, an unbemittelte, aber talentirte Musikbeflissene 8 ganze und 16 halbe Freiplätze zu vergeben und zu je 2 ganze und 4 halbe für Gesang, 3 ganze und 6 halbe für Violine, 3 ganze und 6 halbe für Clavier. Schriftliche oder persönliche, jedoch wohlbegründete Ansuchen werden bis 1. October d. I. im Secretariat des Institutes, Obere Donaustraße 57, entgegengenommen. Wien. (I erusal em-Pa norama.) In einem Parterrelocal der Oberen Donaustraße (Nr. 89s) ist zur Zeit eine wirklich sehenswerthe plastische Darstellung der Stadt Jerusalem vor der zweiten Zerstörung dargestellt. Sie ist das Werk eines polnischen Künstlers, Franz Styb i er. der 38 Jahre seines Lebens an ihre Ausführung setzte. Ein Gewirr von Palästen zieht sich in die steilen, hügeligen Straßen empor; vorragend sind die Königsburg, der Tempel Salamonis, von dem ja noch ein trauriger Rest erhalten sein soll. Die Architektur ist phantastisch — so hat der Tempel Rundbögen ' mit Säulenordnungen — doch wirksam. Der Hügelzug des Oelberges überragt die Stadt, die Mauer mit ihrem Kranz von starken Thürmen umschließt das Ganze, das unter allen Umständen als Versuch der Reconstruction einer allen Menschen, allen Religionen gleich heiligen und ehrwürdigen Stätte Betrachtung und Theilnahme verdient. Budapest, 17. September. (Ein Opfer derHypnose.) Im Castell zu Du cs er im Tapolcsaner Comitat producirte sich heute der Hypnotiseur N e u k o m m, der in der Tochter des Schloßbesitzers Aladar v. Salamon, Fräulein Ella, ein geeignetes Medium gefunden hatte. Er suggerirte ihr unter Anderem, eine Lungenkranke darzustellen. Während der Vorstellung stieß das Medium einen markerschütternden Schrei aus und sank todt zu Boden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Vorstellung hatte merkwürdigerweise auch ein Arzt, der in Wien bekannte Dr. v. B r a g a s s y, der ehemalige Leiter der Rettungsgesellschaft, beigewohnt. Doctor v. Vragassy hatte gegen die Vornahme der hypnotischen Experimente durch einen Laien keine Einwendung erhoben. Krems. Die feierliche Einweihung des neuerbauten Tempels in Krems (Dinstlstraße) findet Dienstag, den 25. September, präcise 7»11 Uhr Vormittags, statt. Der schöne Tempel ist von dem berühmten Architekten M. Fleischer erbaut worden. Die Einweihung vollzieht Oberrabbiner Doctor Güdemann. Mähr.-Ostrau, 10. September. (Gedächtnißfeier für E h rw ü r d e n D r. B. Z i m m e l s.) In den schmucklosen einfachen Mauern des interimistischen Bethauses, dem Turnsaale der israelitischen Volksschule, — in der Synagoge wird eben die letzte Hand zur Vollendung einer prunkvollen Malerei angelegt, — fand heute in Gegenwart einer zahlreichen, den distinguirten Kreisen der hiesigen Cultusgemeinde angehörenden Gesellschaft ein erhebender Trauergottesdienst für den so früh dahingeschiedenen ersten Rabbiner Dr. Bernhard Zimmels statt. Nach dem Mncha-Gebete nahm Ehrwürden Dr. Spira das Wort, um in formvollendeter Weise das Leben und Wirken des in schönster Blüthe des Mannesalters Hingerafften ergreifend zu schildern. „Mir wird das wehmüthige Vorrecht," sagte Dr. Spira. „des ersten Rabbiners der jungen, aufstrebenden Gemeinde, Lehrers der Leuchte Gottes, am ersten Jahrestage seines Todes zu gedenken. Wohin ich mich wende, finde ich die E3

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