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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 736 Veyrrrrktzifchr Wochenschrift Nr. 38 Empfang der Juden mit den übrigen consessionellen Deputationen auf die Initiative des Ministeriums geschehen sei und ob demselben etwaige Verhandlungen mit den Obersthofmeister¬ oder einem sonstigen Hofamte vorangegangen. Minister Hieronymi antwortete: „Die Sache war ganz einfach und es bedurfte keinerlei vorheriger Verhandlungen. Der Empfang der Juden in einer Reihe mit den übrigen Confessionen geschah aus spontaner Entschließung Seiner Majestät. Als voriges Jahr in Güns die Juden nach allen anderen Deputationen als letzte empfangen wurden, führten sie hierüber Beschwerde, da sie sich nicht unbilligerweise als gleichberechtigte Confession betrachteten. Bor Kurzem sprach bei mir, wie sie wissen, eine Deputation der Balassa-Gyarmater Judengemcinde mit dem Ersuchen vor, in der Reihe der übrigen Confessionen von Sr. Majestät empfangen zu werden. Da die Regierung den Wunsch für billig und gerecht fand, wurde bei der Zusammenstellung der Empfangslifte dementsprechend vorgegangen. Wir stellten einfach die Juden unmittelbar nach den übrigen von Sr. Majestät zu empfangenden Confessionen auf die Liste und es bedurfte keinerlei anderer Schritte, da Se. Majestät, der in der heutigen Antwort selbst erklärte, daß der Confessionsunterschied für ihn keine Scheidewand zwischen den Unterthanen bilde, die vorgelegte Liste ohne weitere Bemerkung einfach zu genehmigen geruhte. Wenn die Juden für den heutigen Empfang zu Dank verpflichtet sind, so schulden sie diesen Dank ausschließlich der edlen und hochherzigen Gesinnung des Königs. Wien. Die Expedition der Wiener Wander-Antisemiten nach Graz ist gründlich mißglückt. In allen deutschen Blättern der Steiermark werden die Herren in einer Weise abgetrumpft, daß ihnen für eine Weile die Lust zum Reisen ganz vergangen ist. Die „Deutsche Wacht" in Cilli äußert sich neuestens über den Vorfall: „Wir deutschen Steirer brauchen nicht Schneidens antisemitische Vorlesungen und nicht Lue ger's nationale Expectorotionen. Diese mucsle Walze auf dem christlich-socialen Agitationswerkel wird in der «Steiermark nicht populär werden. Der nationale Fistelt o n L u e g e r's i st falsch und der gut bezahlte Patriotismus Schn erd er's, der sein Gebiß gegen Deutsche fletschte — ..Regierunashund", wie Schön erer sagte — ist noch von des seligen T a a ff e Zeiten her bekannt. „Jagen Sie Ihre Abgeordneten hinaus", war Herr Scbneider so frech, den Deutschen Steiermarks zu rathen. Vielleicht um Wiener Ablegern Platz zu machen, Herr Schneider? Daraus wird nichts. Hinaus aus der Steiermark mit den ckristlich-social-clericalen Gastspielern! Und Sie Herr Lueger, S^e mögen deutschnational trompeten und antisemitisch blasen — wir deutschen Steirer haben Sie wohl kennen und nach Gebühr schätzen gelernt als Generalredner der Slovenen!" Das „Grazer Tagblatt" bringt den nachfolgenden kräftigen Schlußaccord zu dem Zankduette, das an die Stelle des gehofften harmonischen Zusammenwirkens der Christlich-Socialen und der Deutschnationalen getreten ist: Der Umstand, daß die Meinung der deutschen Bevölkerung Steiermarks. ja der Alpenländer überhaupt, über den Besuch der C h r i st l i ch-S ocialeu in Graz und die Rede desHerrn Schneider in sämmtlichen nationalen Proviuzblättern einmüthigen Ausdruck findet, könnte uns erst recht der Aufgabe entheben, auf die bereits recht gehäuften klobigen Leitartikel und Entrefilets des christlichsocialen „Deutschen Volksblatt" noch einmal zu erwidern. Doch das hat heute einen wohlthätigen Zweck. Wir nageln nämlich fest, daß das Wiener Blatt, welches sich im „Briefkasten" derselben Nummer zu commentiren gedrängt fühlt, daß es eine „nationale.Politik" vertrete, den deutsch-österreichischen Antisemitenzug, den der mit den Jungczechen verbrüderte Pilgrim von Praha, Herr Schneider, nach Paris, der Metropole des Deutschenhasses, führen will, recht und billig findet. Das sei einem besseren Gedächtnisse anfbewahrt, als das „Deutsche Volk-blatt" selbst besitzt, welches sich nicht daran erinnert, wie es noch im August 1891 ein ähnliches Unternehmen des Taaffe'schcn Völkerversöhnungsagenten, die Reise zur czechischen Ausstellung, entschieden verurtheilte. Tempora mutantur et nos mutamur in illis! Wien. (Herr Adam Müller-Guttenbrunn.) Wir lesen im „Wiener Tagblatt": „Wir hätten es nie geglaubt, wenn es nicht Dr. Bree, der Verfasser der „Wildlinge", erzählt hätte. Die „Wildlinge" sollten contractlich bis Ende März d. I. aufgeführt werden; sie gelangten erst am 17. April auf die Bretter. Das Stück interessirte, wurde aber bald abgesetzt. Als nun Dr. Bree das contractliche Pönale wegen nicht rechtzeitiger Aufführung verlangte, gab Herr Müller-Guttenbrumn ßine Antwort, die ihm mehr zum Abgeordneten von Mariahilf, als zum Director in der Wallgasse befähigt. Der Streit um den Contract läßt uns kalt. Vielleicht ist Adam Müller- Guttenbrunn in seinem Rechte, wir wollen es sogar glauben, aber die Begründung seines Rechtes mit Worten vorzunehmen, wie sie als letzte politische Kritik beim „Luchsen" gebräuchlich sind, darf man sich nur gestatten, wenn ein Prinz Liechtenstein den „Raimund-Preis" stiftet und Dr. Lueger den Vorhang malen läßt. Oder war es nicht Prinz Liechtenstein und nicht Dr. Lueger?" Baden. Das „Badener Bezirksblatt" enthält heute unter der Ueberschrift „Ein nächtliches Rencontre" folgende Mittheilung: „Am 11. d. M. kam es im Cafe Kerschbau m zu einem argen Exceß, indem dort der Sohn des Villenbesitzers Herrn T., ein Wiener Student, von dem hiesigen Architekten Carl Sch. mit der Hundspeitsche insultirt wurde. Der peinliche Vorfall, welcher angeblich in der Provocation des Architekten durch den Studenten seine Vorgeschichte hat, erregt hier umsomehr Sensation, als die beiden Hauptbetheiligten, die derartig aneinander geriethen, daß die ganze Angelegenheit vor Gericht ausgetragen werden wird, zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt gehören." — Die Vorgeschichte dieses Rencontres ist folgende: Bor einigen Tagen saß der Student Trautzl, Sohn eines Billenbesitzers in Baden, mit drei Freunden, worunter sich auch zwei Studenten aus Wien befanden, im Salon des Gasthauses „zum goldenen Kreuz" in der Antonsgasse/ als der Architekt Carl Schmidt, Obmann des Badener Gesangvereins der Liederfreunde, den Schmidt vor Kurzem gegründet, mit mehreren Vereinsmitgliedern gleichfalls im Gasthause erschien. Herr Trautzl jun. und seine drei Freunde verließen kurz darauf den Salon und Einer der Herren vergaß beim Verlassen des Locales die Thüre zu schließen. Sofort erscholl es im Chorus vom Tisch des Architekten Schmidt: „Binkeljud! Zumachen!" Herr Trautzl jun. kehrte nun in den Salon zurück und forderte Herrn S chm idt auf, ihm wegen dieser Beleidigungseiner Studiengenossen Rede zu stehen und Satisfaction zu geben. Statt jeder Antwort riefen nun der Architekt und seine Begleiter! „Hinaus! Hinaus!" Herr Trautzl jun. erwiderte, daß er ein derartiges Benehmen nur als gemein bezeichnen könne und verließ daß Local. Als am 11. d. M. Nachts der Student allein das Cafe Kersch bäum betrat, befand sich dort der Architekt Schm id t mit mehreren Freunden. Herr Schmidt zog eine Hundspeitsche hervor und schlug auf den jungen Mann ein. dem nichts anderes übrig blieb, als angesichts der Uebermacht das Local zu räumen. Herr Trautzl jun. hat bereits die gerichtlichen Schritt eingeleitet. Lemberg. Wie das Freiheitsfest, das den 1. und 7. Tag zur Feier zählt, so sind der 1. und 7. d. M. Freudentage für die Juden Rzeszows. Am 1. d. M. beehrte mit einem mehrstündigen Aufenthalt Se. Excellenz der Herr Minister Madejski jene Stadt und hat u. A. auch eine Deputation der israelitischen Cultusgemeinde empfangen, die unter Führung ihres Präsidenten Herrn Isaak Holzer (Chef der Firma Matzner & Holzer) erschienen war. Se. Excellenz erkundigte sich eingehends über die Gemeindeangelegenheiten sowohl als auch über Herrn Holzer's Privatverhältnisse und geruhte bei diesem Anlasse sich über die Familie Holzer, die ihm aus Krakau wohlbekannt sei. überaus lobend zu äußern. Beim Abschiede reichte dieser liberalste der Minister jedem der Deputationsmitglieder die Hand und eine Stunde darauf erhielt Herr Holz er die Visitkarte des Herrn Ministers! —.Am 7. d. M. widerfuhr ihnen während der Anwesenheit Sr. Majestät eine besondere Auszeichnung. Nächst dem Gemeinderathe wurde der israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des Herrn Holzer die Ehre zu Theil, Sr. Majestät vorgestellt zu werden. Auf die durch Herrn Holzer dargebrachte Huldigung und Versicherung der Ergebenheit und Treue für Kaiser und Reich geruhte Se. Majestät zu erwidern: „Ich danke bestens. Ich bin von Ihrer Treue und Anhänglichkeit überzeugt". Wir müssen dankerfüllt sagen, daß,diesem humanen Regenten es Vorbehalten blieb, diese uns Juden ehrende Thatsache zu documentiren. . ■ P. B. Lemberg. Am 12. d. M. fand in Sarrow das Leichenbegängniß. des in Lemberg.in der Nacht des 10. d. M. plötzlich verstorbenen Papierfabrikanten Herrn Sigismund Weiser statt. Von der Verehrung und Dankbarkeit nicht nur der Stadt, sondern der ganzen Umgegend gegen den verklärten Wohlthäter gab diese Todtenfeier ein erhebendes Zeugniß. In Sarrow hatte jedes Haus, auch die kleinste Hütte, Trauerfahnen aufgezogen. außerdem waren aber aus Zloczow, Tarnopol und Brody mehr als 10.000 Menschen zusammengeströmt. Nachdem der aus Lemberg berufene Rabbiner Dr. Caro im

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