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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 38 Österreichische Wochenschrift Seite 737 Sterbezimmer ein Gebet verrichtet und der Lemberg er Obercantor Halpern mit dem gesammten Tempelchor die rituellen Gesänge geendet hatte, wurde der Sarg gehoben und in der Mitte des Gartens, welcher das Weiser'sche Etablissement umgibt, aufgebahrt. Vor einer vieltausendköpfigen Menge, unter der sich der Bezirkshauptmann, die Beamten, sowie die christlichen und jüdischen Honoratioren der ganzen Umgegend befanden, hielt Herr Rabbiner Dr. Caro zuerst in polnischer, sodann in deutscher Sprache eine tief ergreifende Leichenrede. In beredten Worten schilderte er das Wirken des Verewigten als Familienvater, als Wohlthäter der Armen und als Förderer der Volksbildung. Als der Redner hervorhob, daß der Verstorbene das schwere Problem der Arbeiterfrage im Sinne der jüdischen Religion durch Liebe und Barmherzigkeit gelöst hat, wurde er durch lautes Schluchzen aus den Reiben der vollzählig versammelten Fabriksarbeiter unterbrochen. Ebenso machte die Aufforderung des Redners, das Andenken des Präsidenten des Sarrower Localeomites der Baron Hirsch-Stiftung durch unentwegtes Arbeiten auf dem Gebiete des Unterrichts und der Volksbildung zu ehren,, einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer. Der drei Kilometer lange Weg bis zum Friedhofe in Sarrow war mit einer dichten Menschenmenge eingezäunt. In Sarrow hatte der dort wohnende Wunderrabbi, obwohl er an der Leichenfeier nicht persönlich Theil nahm, sowohl in der Synagoge, als auch im Bethamidrasch sämmtliche Lichter anzünden lassen. Zum Dank dafür ließ Herr Rabbiner Dr. Caro den Zug vor der Synagoge halten und durch den Cantor ein feierliches LI mole anstimmen. Auf dem Friedhofe herrschte ein lebensgefährliches Gedränge. An der offenen Gruft sprach der Secretär der Brodyer Handelskammer, Herr Herzberg-Fräukel, namens der Kammer einen herzlichen und ergreifenden Abschied an das verewigte Mitglied, hierauf verrichtete der Rabbiner noch ein ergreifendes Gebet und unter dem Gesänge des Chores wurde die Gruft geschlossen. Als Vertreter der Baron Hirsch- Stiftung nahmen der Präsident des Lemberger Executiv- Comites Herr Moritz Lazarus, Director der galizischen Hypothekenbank, und der Jnspector der Stiftungsschulen Director Landes an der Trauerfeier Theil. Ans Czerlany war der Berufsgenoffe des Verklärten Herr Dr. H. Kolischer, Mitglied des Landeseisenbahnrathes, erschienen. Im Geiste des Verstorbenen sucht die Familie ihren Trost in edlem Wohlthun und eine ganze Reihe wohlthätiger Vereine in Sarrow, Zloczow und Lemberg wurden mit anfehnlicheu Gaben bedacht. Lemberg. Der Handwerker-Unterstützungs- und Fortbildungs-Verein „Jad Charuzim" hat Donnerstag am 6. d. M. den Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, welcher Ehrenmitglied des Vereines „Jad Charuzim" ist. am Bahnhofe erwartet und Mitglied Porges begrüßte ihn freundlichst namens des Vereines. Dr. Bloch wurde im Vereinslocale als Gast Samstag am 8. d. M. von Herrn Simon Weich, Vorsteher des Vereines, begrüßt, worauf Herr Porges die Aufgabe hatte, die Geschichte des Vereines vorzuführen. Herr Porges sprach, wie folgt: „Meiner Wenigkeit ist die Ehre zu Theil geworden, einen kurzen Umriß unserer Vereinsgeschichte vorznführen. Die jüdische ' Handwerkergeschichte, welche sich traditionell in die ältesten Zeiten hineinverliert, ist vor 25 Jahren in Galizien auf einem sehr niederen Niveau gestanden. So oft der Handwerker in die Lage gekommen ist, die Hilfe anderer zu beanspruchen, ist er vereinzelt dagestanden. Zu jener Zeit, als das Asfociationswesen seinen Aufschwung begann, hatten auch wir das allgemeine Bedürfniß, einen Verein ins Leben zu rufen. Der Handwerkerstand bestand damals aus zwei Kasten, u. zw. ein kleines Häuflein von Fortschrittlichen, hingegen ein Phalanx von conservativ Gesinnten; ba doch ihre Ziele dieselben waren, ist dieser Verein gegründet worden von 30 Mitgliedern. Jetzt erfreuen wir uns einer Zahl von circa 400. Wir sind uns selbst überlassen, und von unseren schwer erworbenen und ersparten Pfennigen müssen wir uns in Noth¬ und Krankheitsfällen gegenseitig unterstützen. Unsere Einkünfte waren annäherungsweise circa 5000 fl. an Aufnahmstaxen, circa 20.000 fl. an Monatsbeiträgen, circa 1500 fl. an Spenden und circa 1000 fl. Reinertrag von Theatervorstellungen und Concerten. Sämmtliche Einkünfte deckten kaum die erforderlichen nöthigen statutenmäßigen Ausgaben, und ist es nur unserem früheren Vorsteher, Herrn Adolf S i l b e r st e i n zu verdanken, durch dessen Fürsprache mit meiner Wenigkeit es gelungen ist, - vier Subventionen ä 100 fl., u. zw. vom hohen k. k. Landesausschusse 100 fl., vom löbl. Magistrat 100 fl., von der galizischen Sparcassa 100 fl. und vom israelitischen Vorstände 100 fl. jährlich zu erhalten, durch welche wir in die Lage versetzt wurden, die jedesmalige Lücke auszufüllen. Wir können uns leider nicht rühmen, daß irgend welche Vermächtnisse von edlen Stiftern unseren jüdischen Handwerkern zu Theil werden. Unsere Baarschaft von 6000 fl. ist jetzt laut Generalversammluugsbeschluffes zum Ankauf eines Grundstückes für ein zu erbauendes Bereinslocal bestimmt, und wenden wir uns an Euer Ehrwürden mit der Bitte, Ihre geschätzten Blattspalten mögen uns geöffnet werden, durch welche wir zu den Ohren und Herzen edler Spender gelangeu können. Wir danken für die Ehre, die Sie uns zu Theil werden ließen." Mit freundlichen und herzlichen Sympathiebezeugungen schloß die Rede. Lemberg, den 9. September. (Bericht über den zweiten D e l e g i r r e n t a g des Verbandes „Zion" zur C o l o u i s irun g P a l ä st i n « s u u d S y r i e n s v o m 30. u n d 31. A :i g u st 1894.) Nach Begrüßung der Delegirten durch den Präsidenten wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten und wurden gewählt: zum Vorsitzenden Dr. M. T. Schuirer, Wie»: zu Stellvertretern: L. M. Landau. (Przemysl) und Dr. A. Salz, (Tornow): ui Schriftführern : D. Malz und A. D. ftoslis (Lemberg). Dr. Schuirer erstattet den Jahresbericht, aus dem die großen Fortschritte des Verbandes ersichtlich sind. In Galizien entstanden 11 neue Ortsgruppen mit je Hunderten von Mitgliedern: außerhalb Galiziens gebt die Gründung neuer Ortsgruppen in Brünn, Prag, Pilsen und Baden in sicherer ''Aussicht. Die ein zellten «Gruppen haben den Import palästinensischer Producce, als: Wein, Cognac, Esrogim:c. mit vielem Erfolge in Angriff genommen, llin mit den Gruppen in steter Fühlung zu verbleiben, gelangten seitens des Comites periodische „Mittheilungen" zur Herausgabe. Auch wurde an der Gründung des palästinensischen eisernen Fondes behufs Gründung selbstständiger Ackerbaucolouieu ltrereu kajemeth) theilgeuommeu. Der Bericht wurde hierauf zur Kcnntniß genominen und dem Exeeutivcomite der Tank votnt. Von den darnach gefaßten Beschlüssen verdienen besonders jene hervorgehoben zn werde'.:, welche aus die Decentralinrnng der Verbaudslütung durch Creirnng von Laudescomites Bezug haben, wie auch die Beschüsse, die vom Verbände gcsamnielten Gelder zur seinerzeitigen Gründung einer galizischen Ackerbaiicoloiiie in Palästina zu verwenden; behufs Importes palästinensischer Producte eine Genossenschaft in's Leben zll rufen und dem Pariser Coniite mit einem Jahresbeiträge von 000 Francs beizntreren. Bei den hierailf vorgenommeneit Wahlen wurden gewählt: In das Executiv-Eomite: ans Wien Dr. M. Schuirer als Präsident und Carl Bringer, Hofrind Gerichtsadvocat Dr. O. ft o r! i s ch. Paul Lobt, Rüben Br aini n, wie auch Banqnier Alexander K o hn als Cassaverweser, iu die Verbandsleitung ans Galizien für den Fall der Bestätigung der Statutenänderung: A. D. ftorkis (Lemberg), Dr. A. Salz (Tarnow), N. A n d e r m a n n >' Stanislau), L. M. Landau (Przemysl t. Als Ersatzmänner in Wien: S. Ba u er, Dr. S. R. Landau, Pineles und Seid» er, aus Galizien L. K o r e tz (Ropczpce), Sinn P c l z (ftrakau), M. P o m e r a n z (Tarnopol), und Samuel Thal er (Buczacz), als Eassarevisoren Alexander Kv hu nud Gtückmaun (Wien). Hierauf wurde mit einer erhebenden Ansprache seitens des Dr. Schuirer der Delegirteutag geschlossen. E. 8. Lemberg, den 6. September. (Die zw e i t e D e l e g! r ce tt- (5 onfereu z der j ü d i s ch - u a r i o n a 1 e u Partei Galiziens.) Dieselbe hat am 2., 3. und 4. Scvtember in Lemberg stattgesiiuden. Gegen 30 Städte waren bei der Eousereuz vertreten durch circa 100 Delegirie, welche sümmtlicheu Elasseu unb Ständen cmaehörteu. Es erscbienen außerd m zur Eousereuz und bekundeten damit ihre Solidarität die außergalizischeu Eonnationalen. so der Präses der Wiener „ft a b i m a h" D:d. med. Philipp Bl e u c; e!, der Präses und Schriftsührer der Ezeruowitzer „Hasmonaea" Slud. med. S ch m i erer und Stud. med. ft o m m e r, der Prager Delegirte der jüdischen S t n d e n t e n s ch a st Bö h m e tis. :c. Die Eonscreuz erössnele D''. A. Salz mit einer schivunavollen Ansprache, worauf nach Annabme des von H. Max Sprecher beantragten Reglements für den ersten Verho.ndlnngstag gewählt wurden : Znm Vorsitzenden Tr. med. S. K n t t n a (P r z e nr y s 1), zit Stellvertretern M. L. Landau (P r z e m n s l; nitd D. H. T i g e r (L e mberg), zu polnischen Schrittsühreru Tr. nnw. G. Zipper nnd Stud. med. ft o r m a n u, zrr deutschen Stud. vhil. T h v n und Stud. med. Schreiber. Hierauf erstattet H. 0l. D. .st o r k i s im Namen des Executivcomües den Bericht, der überdies an. alle Theilnehmer lithographirt zur Bertheilnug gelangte und der nach einer mehrstündigen, eifrigen Disenssioi: zur Kenntnis; genommen wurde. Es verlas hierauf Tr. ftnttna die eingelausenen zahlreichen relegramme, wonach einer der iitleiessantesteu Punkte der Tagesordnung, nämlich die Benchterstatlung der Delegirten sämmtlicher galizischer Vereine, folgte. A»t zweiten Berhandlungstage prüsidirten Herr Sradtassessor S 1 e r i: { 5 t r y j) und als desseii Vertreter M e n c z e l (Wie nl und Rudnik (T a r n o p o i). Zur Annahme gelangten die vom Referenten Tr. Zipper bezüglich der Agitation voraeschlagenen Resolutionen, welche die Organisirung von Agitalionscomites tn den größeren Be- ' zirksstädien, die Herausgabe populärer Schriften judaistischen und

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