Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 38 (21.9.1894)
- Date
- 1894-09-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 734 Veprrrrichtfttzr Wochenschrift Nr. 38 so wäre ihnen sogleich gesagt worden, daßeseinem Geistlichen nicht erlaubt sei, Schulden zu m achen, und wären so vor Schaden bewahrt geblieben. Dieses Wenige diene Ihnen zur Nachricht und Klärung. Hochachtungsvollst Dr. Josef Pflüger, fürsterzbischöflicher Ordinariats-Secretär. Wien, 13. März 1894. Glücklicherweise fand Herr Gratzer mitleidige Verwandte, welche ihn aufnahmen und ihn verpflegen, da er sonst gezwungen gewesen wäre, das städtische Asylhaus aufzusuchen. Herr Gratzer, der auf diese Weise ohne sein Verschulden ins Elend gerathen ist, bittet, ihm eine Stellung zu verschaffen. Vielleicht wird das Consistorium sich doch veranlaßt sehen, dem Manne, der durch sein blindes Vertrauen zu einem Pfarrer in diese Nothlage gekommen ist, eine Existenz zu verschaffen." „Auch christlich!" Unter dem Schlagworte „Auch christlich" bringt die „Arbeiterzeitung" unterm 14. d. M. folgende Notiz: „In Tejuka bei Prag ist ein Benedictiner. kloster, das, wie viele andere Klöster, einen großen Grundbesitz hat und zahlreiche Arbeiter beschäftigt. Zum Beweis, daß es die geistlichen Herren wirklich mit der Besserung der Lage der Arbeiter und mit der christlichen Nächstenliebe ernst nehmen, diene die glänzende Entlohnung der auf dem Gute der Pater Benedictiner beschäftigten Landarbeiter. Der Oeconomieverwalter des Klosters zahlt pro Tag bei einer zehnstündigen Arbeitszeit ganze — 36 Kreuzer. Bei der Auszahlung macht er — namentlich den Frauen — willkürlich Abzüge, so daß manche von ihnen pro Tag nur 24 Kreuzer erhalten. Der Lohn des Klosterkutschers beträgt monatlich 18 Gulden und dafür muß der Mann von 5 Uhr Früh bis 8 Uhr Abends, auf den Beinen sein und muß im Sommer, zur Erntezeit, des Nachts und an Sonntagen die Felder hüten. Obendrein lassen sich die Herren Patres für diese christliche Ausbeutung die Hände küssen! Das National-Vermögeu. Herr D eckert von Weinbaus machte die Entdeckung, die Juden besäßen Dreifünftel des deutschen National-Bermögens. Zur Jllustrirung dieser vagen Behauptung möge mir nun gestattet sein, den geschätzten Lesern Ihrer so vortrefflich redigirten Wochenschrift einige steuerämtlich beglaubigte Daten über Grundbesitze der „todten Hand" zur Kenntniß zu bringen. Von der gesammten Fläche Böhmens im Ausmaße von 9,027.231 Joch gehören dermalen 177.834 Joch im approximativen Gesammtwerth von rund 54,000.000 Gulden allein der todten Hand. Und zwar participiren hieran: das Erzbisthum Prag mit 41.467 Joch; der Orden der Prämonstratenser mit 38.358 Joch; das Metropolitan-Dom-Capitel Prag mit 21.156 Joch; der Orden der Benedictiner mit 17.978 Joch; jener der Cistercienser mit 15.095 Joch; der Maltheser-Orden mit 13.119 Joch; der der Kreuzherren 9465 Joch rc. Hiezu gehören an Jndustrialien: 1 Zuckerfabrik, 51 Brauereien, 13 Spiritusbrennereien, Mahlmühlen, Brettsägen und 45 Ziegeleien in einem Gesammtwerthe von 28V» Millionen. Der Werth der Oeconomiegebäude, der 63 Herrschaftsschlösser, 237 Meierhöfe und der 147 Förstereien beträgt IO'/» Millionen Gulden; der des Fundus instructus iiBer 8,000.000 Gulden; der Ordensklöster und der Wohnhäuser 20,000.000; derStiftungs- Capitalien 24,000.000 Gulden. Außerdem bestehen in Böhmen 3448 Pfarreien, Dechanteien und Localien mit Oeconomien, deren Werth approximativ 120,000.000 Gulden beträgt. Man kann daher den Werth der unbeweglichen Güter der todten Hand ohne Uebertreibnng auf rund 300 Millionen Gulden beziffern. Die Gesammtzahl des Clerus in Böhmen beträgt circa 3600 Personen; es entfällt daher in Böhmen auf eine Person des geistlichen Standes ein unbewegliches Vermögen von mehr als 80.000 Gulden. Der jeweilige Erzbischof von Gran und Primas von Ungarn besitzt 92.200 Joch bebauten Landes, außerdem oas Regalrecht in vielen Städten und Ortschaften. Ihm zunächst steht an Grundbesitz und Einkommen der Erzbischof von Olmütz mit circa 84.000 Joch Grund, sowie jener von Kalocsa in Ungarn und von Salzburg. Das Bisthum von Diakovar in Croatien umfaßt über 25-000 Joch. Bon den übrigen, immens reichen Stiftungen der Benedictiner, der Cistercienser, der Kreuzherren rc. in Ungarn, Mähren, Nieder- und Ober-Oesterreich und Steiermark stehen mir augenblicklich keine statistischen Daten zu Gebote; es ist dies auch gar nicht nothwendig. Der P. T. Leser wird schon aus dem bischen ihm Gebotenen zu entnehmen vermögen, wie vage die oben angeführte Behauptung des Weinhauser Hetzpfarrers ist und welch Vermögen in den Händen Jener liegt, die nicht genug verabscheuenswürdige Worte finden, um gegen das in jüdischen Händen befindliche Capital die gläubigen Schafe zu hetzen. Thajsächliche Berichtigungen. I. Das „Deutsche Volksblatt" in Wien brachte am 17. Juli, die Dresdener „Deutsche Wacht" am 17. Juli, der „Bundschuh" am 28. Juli, das Caffeler„Antisemitische Bolksblatt" am II.Aug. u. A. folgende Notiz: Ein antiliberaler Gemeinderath erhielt von befreundeter Seite ein Schreiben übermittelt, demzufolge am 13. Juli in Chronow in Galizien ein siebenjähriges Christenmädchen von Juden in ein'r geradezu bestialischen Weise ermordet worden sein soll. Die Kunde von der Ermordung des Kindes verbreitete sich rasch im Orte und hatte zur Folge, daß die auf das Aeußerste erbitterte Menge, mit Sensen bewaffnet, die Häuser der Juden stürmen wollte. Die gerichtlichen Erhebungen sind bereits eingeleitet, doch sind nähere Mittheilungen noch ausständig. Wie unserem Wiener Berichterstatter mitgetheilt wurde, sind während der lehtverflossenen Jahre nicht weniger als sieben Kinder, sechs Mädchen und ein Knabe, in spurloser Weise verschwunden und konnten nicht mehr aufgefunden werden. Sonderbarer Weise ist es den Behörden bis jetzt nicht gelungen, auch nur die Spur der vermeintlichen Mörder zu entdecken, wiewohl man in der Ortschaft ganz allgemein die Inden mit den Mordthaten in Verbindung brachte. Aus Lemberg gibt man uns folgenden authentischen Bescheid: Mit voller Gewissensrnhe muß es erklärt werden — und ich nehme gerne die Verantwortung hierfür auf mich — daß die Mittheilung der „D. Wacht" von A bis Z erfunden ist. Es existirt in Galizien eine Ortschaft „Chronow" überhaupt nicht, noch ist es bekannt, daß in irgend einer anderen Ortschaft ein Aufruhr wegen Verschwinden eines Kindes entstanden wäre und schließlich ist es hier vollständig unbekannt, daß im letzten Jahre sieben christliche Kinder ermordet worden wären. Erweisen lassen sich aus der Luft gegriffene Thatsachen nicht, weil man ja das Zeugniß aller Gerichte und aller Gendarmerieposten in Galizien sonst anrufen müßte, aber so viel kann festgestellt werden, daß, um einen Zeitraum zu nennen, im Laufe des letzten Jahres kein einziger Fall von einem von Juden ermordeten oder geheimnißvoll verschwundenen Kinde und nichts Aehnliches in Galizien zur öffentlichen Kenntniß gelangt ist, trotzdem hier acht polnische Journale und zwei ruthenische in Lemberg und Krakau, sowie eine Menge von Provinzblättern erscheinen, von denen manche ganz antisemitisch angehaucht sind und die sich die Gelegenheit, über die Juden herzufallen, nicht hätten entgehen lassen. Andererseits ist noch kein Fall in Galizien vorgekommen, welker irgend welches öffentliche Interesse hatte und nicht publicirt worden wäre. Auf Grund dieser Umstände kann mit aller Bestimmtheit die Meldung der „D. Wacht" als erfunden, jeder thatsächlichen Basis entbehrend bezeichnet werden. Das „Volk" brachte am 4. Sept. nachstehende Notiz. „Aus Leer schreibt man uns: lieber den Nachlaß des Juden Pohl m a n n , der sich erst zu vergiften versuchte und sich dann ertränkte, weil er wegen Betruges verhaftet werden sollte, ist der Concurs eröffnet worden. Die Unterbilanz beträgt 800.000 Mark, größtentheils durch die verschwenderische Lebensweise Pohlmann's hervorgerufen. Viele kleine Leute sind um ihren Sparpsennig gebracht." Zu dieser Notiz des „Volk" schreibt man der „Volks-Ztg." von zuverlässiger Seite: Es ist eine Lüge, daß der Pohlmann Jude gewesen. Er, wie seine Gattin entstammen alten, in Ostfriesland sehr angesehenen christlichen Familien. Einer seiner Schwiegersöhne ist königl. preuß. Landrath. Richtig ist nur, daß Pohlmann freiwillig den Tod gesucht hat. Jüdische Ausbeuter in Rußland. Zugleich mit den Vertreibungen aus der Kieffer Vorstadt Diewieska haben Vertreibungen der Juden aus der Vorstadt Nikolskaja Slobodka stattgefunden. Die christlichen Bewohner, denen die Vertreibung großen geschäftlichen Schaden bringt, haben an den Gouverneur ein Gesuch zu Gunsten der Juden gerichtet, da viele von ihnen sonst ruinirt seien. Der „Kijewskoje Slore" theilt mit: Auf der neuerbauten Mühle bei Smiela meldeten sich 600 Juden aller Altersclassen, nachdem 200 Arbeiter durch die Zeitung verlangt waren. Alle eingestellten Arbeiter sind Juden, und sie arbeiten fleißig und ordentlich.