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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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msmss WWWWWMMWWWWWWWW» iE°»: AäÄiÄÄ^ Nr. 38 DeflerveichWxe WochLnsst^rM Seite 728- „Bettin a"-Stiftung" des Freiherrn Albert von Rothschild, welch' neuer Beweis seiner Großherzigkeit den armen Frauen aller Confessionen gilt. „Wie bereits mitgetheilt, hat Baron Albert v. Rothschild zur Erinnerung an seine verstorbene Gattin Bettina die Erbauung eines neuen Pavillons für kranke Frauen im Kaiserin Elisabeth- Spitale im XIV. Bezirke beschlossen, woselbst kranke Frauen ohne Unterschied der..Nationalität oder Confession unentgeltlich Aufnahme und humane Pflege finden sollen. Mit dem Bau dieses Krankenpavillons, für welchen Baron Rothschild den Betrag von fl. 500.000 widmete, ist nun dieser Tage begonnen worden, nachdem der Kaiser die Fondsverwaltung der k. k. Krankenanstalten zur Uebernahme des Widmungsbetrages ermächtigt hatte. Nach dem Stiftungsbriefe wird aus einem Theile des Stiftungscapitals, und zwar auf einem zur Vergrößerung des Kaiserin Elisabeth-Spitals angekausten Grundcomplexe nächst der Felberstraße in Rudolfsheim, inmitten einer Gartenanlage ein Pavillon für 60 Betten erbaut, welcher den Namen „Bettina-Stiftungspavillon" führen wird. Die Hauptfront mit den Krankenräumen ist nach Südosten gerichtet und besitzt eine Länge von 93-6 Metern. An den beiden Flügeln sind gegen Nordosten kleine Ausbauten angebracht. Der Pavillon enthält ein Parterregeschoß und zwei Stockwerke. Mit Rücksicht auf die specielle Widmung des Pavillons sind in demselben nur kleine Krankenzimmer projectirt, und zwar zwölf Zimmer mit je 1 und vier Zimmer mit je 3, 4 und 5 Betten. Die Anlage gruppirt sich in vier durch den Mittelbau getrennte Abtheilungen. Der große Mittelbau enthält gegen Südosten das Stiegenhaus, in dessen Mitte ein Denkmal zur Erinnerung an Frau Bettina v. Rothschild aufgestellt werden soll. Im Mittelbau liegen ferner die aus mehreren Räumlichkeiten bestehenden Ambulatorien und die Operationssäle. Die innere Einrichtung des Pavillons wird mit Bedachtnahme auf dessen besondere Bestimmung und die Erfordernisse der darin unterzubringenden Krankenabtheilung, in welcher nach dem speciellen Willen des Stifters insbesondere auch Tumoren zur Behandlung kommen werden, erfolgen. Der Bau soll im nächsten Jahre bereits feiner Bestimmung übergeben werden." Der Kaiser in Lemberg. Anläßlich der Besichtigung des jüdischen Waisenhauses erkundigte sich Se. Majestät beim Cultuspräsidenten Herrn S. Horowitz, aus welchen Fonds die Anstalt erhalten wird, lobte die Leistungen des Tempelchores und der Waisenhaus-Knabencapelle. Namentlich gefiel es Sr. Majestät, daß von letzterer bereits viele Zöglinge an die verschiedenen Militärmusikcapellen abgegeben wurden. Der Kaiser erkundigte sich ferner über die Art des Unterrichtes der Zöglinge und aus die Antwort des Cultuspräsidenten, daß die Kinder öffentliche Volksschulen besuchen, fragte der Kaiser, ob sie polnisch unterrichtet werden. Horowitz bemerkte, daß die Unterrichtssprache polnisch sei. „Die Kinder sprechen doch auch deutsch?" fragte der Kaiser, worauf Horowitz erwiderte,, daß die jüdische Gemeinde auf die Kennmiß der deutschen Sprache ein besonderes Gewicht lege. In der Mädchenschule bemerkte der Kaiser, daß Alles schön und sauber gehalten fei. Um das Zustandebringen des neuen Waisenhauses, wie überhaupt um die Pflege der humanitären Anstalten in der Lemberger Gemeinde haben sich besonders hohe Verdienste erworben: die Herren Director Lazarus, Spitalsrath.Obmann, Dr. Holzer — der allbekannte, unermüdliche Wshlthäter — Obmann des ArmenwesenS, B. Sokal, Synagogen- und Finanzverweser und Osias Z. Menkes, Verweser des Waisenhauses, der Volksbäder und des Spitals, Ortsschulrath und Ehrenmitglied des Vereines „Jad Charuzim". Bei der Jnsplccrung des Waisenhauses seitens Sr. Excellenz des Herrn Stütiyalters Grasen B a d e n i zeichnete Se. Excellenz Herrn Menk mit den Worten aus: „Ihnen hat die Gemeinde diesen Prachtbau zu verdanken, und ist es kein Wunder, daß derselbe derart gelungen ist, da unser ärarischer Bauunternehmer den Bau geleitet hat/' Bei seinem Rundgange in der galizischen Landesausstellung in Lemberg hielt sich der Kaiser längere Zeit im Jndustriepavillon auf, beehrte hier einzelne Aussteller mit Ansprachen und informirte sich eingehend über den Betrieb der betreffenden Etablissements. Unter Anderem lenkte die Aufmerksamkeit des Kaisers die größte Spiritusfabrik Galiziens, die Spiritusraffinerie, Rum-, Liqueur- und Effigfabrik I. M i k o l a s ch' Nachfolger, Jacob Sprecher u. Sohn in Lem b erg, auf sich. Der Kaiser nahm mit lebhaftem Interesse die Aufschlüsse entgegen, welche der Chef dieser Firma, Herr Jacob Sprecher, über Productions- und A^satzverhältnisse der Fabrik gab. Diese Fabrik, die ein Areale rwn über 18.000 Ouadratmelern einnimmt, ist im vergangenen Jahre von einer großen Brandkatastrophe heimgesucht worden. Die Fabrik wurde dann wieder aufgebaut und nach allen technischen Neuerungen der Betrieb eingeführt. Jeder der Colonnenapparate liefert per Stunde 700 Liter concentrirten vollständig fuselfreien Spiritus, somit im Jahre circa 15,000.000 Liter. Eine der wichtigsten im Lemberger Ausstellungswesen ist die galizische Mühlen-Jndustrie. In Lemberg hat vie renommirte Neue Dampfmüyle der Herren F r e n k e l u. C o m p. in Przemysl ausgestellt und ist auch der Berwaltungsrath dceser Dampsmühle, Director Lazarus, anläßlich des Kaiserbuches in der Jndustriehalle mit einer Ansprache vom Kaiser beehrt worden. Die erwähnte Neumühle in Przemysl wurde im Jahre 1863 gegründet und waren ursprünglich für 4- bis 5000 Melercentner Getreide zur monatlichen Vermahlung bestimml. Als Herr Moriz Lazarus, Director der Hypothekenbank, im Jahre 1882 die Aufsicht und unter Mitwirkung des jetzigen Directors der Neumühle, Herrn David Löwenthal, welcher seit 1867 in dieser Mühle thätig ist, die Leitung übernahm, wurde der Betrieb auf 22.000 Melercentner vergrößert, mit neuester Construction, elektrischer Beleuchtung versehen, und erfreut sich des besten Renommes und ist jetzt von derJury der X. Gruppe mit dem höchsten Preis, einem Ehrendiplom, ausgezeichnet worden. Die Mühle beschäftigt 200 Arbeiter. Der Kaiser besichtigte auch die Exposition der Firma I. Grünsp an,Lein-und BaumwollwaarensabrrkinAn drichow, erkundigte sich über den Bestand des Etablissements und war sichtlich überrascht von der Schönheit der ausgestellten Erzeugnisse. Ueber Anfrage des Kaisers wurde demselben mitgetheilt, daß die Fabrik 250 Arbeiter beschäftige. Ebenso besichtigte der Kaiser das Object der Spiritusraffinerie H. Per lberg e r's Sohn in Klasno beiWieliczka, die für ihre vorzüglichen Leistungen aus dem Gebiete der Spiritus-Jndustrie abermals mit der goldenenMedaille prämiirt wurde. Diese Fabrik wurde im Jahre 1836 gegründet, erzeugt jährlich fünszigtausend Hektoliter feinsten rectificirten Sprit, Rum und Liqueure, zahlt dem Staate eine Million Gulden Steuer und wurde in diesem Jahre bei der Liverpooler, Amsterdamer sowie bei der Lemberger Ausstellung für die vorzügliche Qualität mit der goldenen Medaille prämiirt. Bei diesem Rundgange nahm der Minister des Innern, MarquisBacgue hem, die Mittheilung entgegen, daßHerr Perlberger den Mitgliedern des Niederösterreichischen Gewerbe- Vereins anläßlich deren Anwesenheit in Wieliczka in ungemein gastfreundlicher Weise entgegengekommen ist, wofür das Präsidium des Niederösterreichischen Gewerbevereins folgendes Diplom an Herrn Perlberger gerichtet hat: „Hochgeehrter Herr! Die Teilnehmer der Excursion, welche der Niederösterreichische Gewerbeverein nach Ärelitz-Bial a, Krakau, Wteliczka und Lemberg zum Besuche der galizischen Landesausstellung veranstaltet hatte, sind heimgekehrt, voll von Befriedigung und Genugthuung über Alles, was sie gesehen und gelernt, und voll der innigsten und unauslöschlichen Dankbarkeit für alle Freundschaft und Liebenswürdigkeit, die ihnen während der ganzen Studienreise entgegengebracht wurde. Es drängt uns, allen Herren, die unseren Mitgliedern so überaus liebenswürdig entgegengekommen sind, unseren innigsten Dank auszusprechen und Sie, hochgeehrter Herr, zu bitten, die Erinnerungs- Medaille, die wir im Anschlüsse als ein kleines Zeichen unserer aufrichtigen dankbaren Gefühle einsenden, entgegenzunehmen. Hochachtungsvoll Niederöfterreichischer Gewerbeverem: Czedik, Präsident m. p. Dr. Auspitz er, Secretär". Unter den zahlreichen Ausstellern jüdischer Confession, deren Ausstellungsobjecte sich besonderer Aufmerksamkeit erfreuen, ragt die Firma Moritz Reich's Nachfolger in Biala namentlich hervor. Diese auf dem Gebiete der Spiritusraffinerie und Liqucur-Erzeugung wohlrenommirte Export-Firma, deren jüngerer Chef, Herr Siegmund Reich, von der Ausstellungs- Commission als Juror für Spiritus und dessen Nebenbranchen bestellt ist, besteht seit dem Jahre 1855 und wurde auf allen bisherigen Ausstellungen, zuletzt auch in Chicago, prämiirt. Herr Siegmund R e i ch genoß auch die hohe Auszeichnung, von Sr. Majestät bei dessen Rundgange in der Ausstellung j -i : i 'i I :■! 1! 4 j v ' ’f •i . 4!

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