Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 722 Vesterrektztptze Wochenschrift Nr. 37 Entwicklung, wie dies besonders durch Gymnastik am besten geschieht, der Blutarmnth, Bleichsucht und den Rückgratsverkrümmungen vorzubeugen ist. Indem wir die Aufmerksamkeit aller Eltern auf die Wichtigkeit dieser Erziehungsfrage lenken, bringen wir auch in Erinnerung, daß die Wiener mechanotherapeutische Anstalt „am Rudolfsplatz 11, unter Leitung des Dr. Max R o t h jenes Institut ist", wo durch fachtüchtige gewissenhafte ärztliche Behandlung die körperliche Erziehung der Jugend mittelst Heilgymnastik und Orthopädie am erfolgreichsten geschieht. Die Anstaltsleitung versendet auf Verlangen Prospecte gratis. E.B. Wien. (Jubiläum.) Das Jubiläum, welches Herr David L ö b, Reisender der Großindustriellen-Firma M. L I. Mandl in Wien, am 8. d. M. beging, gestaltete sich zu einem die Feiernden und den Gefeierten gleich ehrenden Feste, an welchem sich die Chefs, das ganze Personal des Wiener- und eine aus acht Beamten bestehende Abordnung des Proßnitzer-Hauses betheiligten. Der Gesellschafter der Firma M. L I. Mandl, Herr Siegmund Mandl, hielt eine mit intensivstem Beifalle aufgenommene, die Bedeutung der Feier hervorhebende und die Verdienste des Jubilars kennzeichnende Ansprache, auf welche Letzterer gerührt dankte. Die Feier schloß mit einem Festmahle bei T o n e l l o ab, bei welchem zahlreiche Toaste ausgebracht wurden. Außer unzähligen brieflichen und telegraphischen Glückwünschen sind Herrn Löb auch viele Ehren-Geschenke von Seite seiner Chefs und Collegen zugekommen. Krakau, 5. September. Eine Huldigungs-Deput a t i o n des Gemeinderathes, bestehend aus dem Bürgermeister Fried lein und sieben Gemeinderäthen, begibt sich heute Abends nach Lew b erg/Die Repräsentanz der israelitis ch en- Cultusgemeinde entsendet aus gleichem Anlasse den Borsttzenden Dr. H o r o w i tz und dessen Stellvertreter. Budapest, 6.. September. Der Privatdocent Doctor Gustav Schwarz wurde zum ordentlichen Professor des römischen Rechtes an der hiesigen Universität ernannt. Brünn, 8. September. (Ignaz Wohlmuth — todt.) Heute Vormittags 10 Uhr wurde der am 8. d. im Alter von 75 Jahren dahingeschiedene Chef der hiesigen Firmen Ignaz Wohlmuth und Wohlmuth und Comp, unter zahlreicher Betheiligung zu Grabe getragen. Mit ihm ist Einer aus der Reihe jener Mitbürger unserer Stadt aus dem Leben geschieden, die einst im öffentlichen Leben thatkräftigst zum Aufschwung derselben mitgewirkt haben. Durch mehrere Jahre gehörte Ignaz Wohlmuth dem Gemeinde-Ausschüsse und der Brünner Handelskammer an. in welch' beiden Körperschaften er eine sehr ersprießliche Thätigkeit entwickelte. Bei zunehmendem Alter resignirte cr auf diese Ehrenämter. Auch als Vorstandsmitglied der hiesigen israelitischen Cultus gemein de und des mährisch-jüdischen Waisen-Hilssvereines bethätigte er sich auf das Beste. Er war auch Ehrenbürger mehrerer Gemeinden, sowie Ehrenmitglied zahlreicher humanitärer Anstalten und Vereine. In den Fünfziger-Jahren leitete er die Verwaltung der Jsraeliten-Gemeinde B o s k o w i tz, um die er sich durch Erweiterung der Schule und andere gemrmeinnützige Einrichrichtungen große Verdienste erwarb, die auch von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone belohnt wurden. In Brünn wurde er im Jahre 1875 in den Gemeinde-Ausschuß gewählt, wo er in derFinanz- Section, Schuldeputation u. s. w., ebenso wie im Bezirksschulrathe für den hiesigen Landbezirk ersprießlich wirkte. Die eifrigste Thätigkeit entfaltete Herr Ignaz Wohlmuth im Interesse seiner israelitischen Glaubensgenoffenschaft. Er gehörte dem Präsidium de§ mährisch-jüdischen Landesmaff.ffonds seit dessen selbstständiger Verwaltung an, er war ein thätiges Mitglied des israelitischen Vorstandes, insbesondere als Obmann der Schul-Section, ferner des Waisen Vereines und des Proseminars. In allen diesen Stellungen war es das aufrichtige Jntereffe am Gemeinwohl, das ihn beseelte, keinerlei selbstsüchtige Regung, und ihn mit Leib und Seele sich den Aufgaben widmen ließ, die er übernommen- Ihn betrauern nebst der tiefgebeugten Gattin, mit der ihn eine 46jährige, glückliche Ehe verbunden, drei Söhne und vier Töchter. Das Leichenbegängniß des Dahingejchiedenen gestaltete sich zu einer großartigen Trauerfeier, welche, wie bereits erwähnt, heute Vormittags 10 Uhr im hiesigen israelitischen Tempel stattfand. Das Gotteshaus war in allen Räumen mit Trauergästen gefüllt. Außer den trauernden Familienmitgliedern, denen allseits die aufrichtigsten, herzlichsten Beileidsbezeugungen zum Ausdrucke gebracht wurden, hatten sich auch der Herr Bürgermeister Dr. v. Wieser und der Herr Bice-Bürgermeister Rohrer mit nahezu sämmtlichen Gemeinderäthen und, Gemeindeausschuß-Mitgliedern eingefunden; ferner die Mitglieder des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, sowie Vertreter sämmtlicher Vereine und Körperschaften, denen der Verewigte Zeit seines Lebens angehörte, und jener Gemeinden, deren Ehrenbürger er war, weiters Mitglieder aller Kreise der Geschäftswelt des Brünner Platzes. Im Hofe des Tempels hatte eine Abordnung des Nennowitzer Veteranenvereins mit der Fahne Aufstellung genommen, während im Tempel Mitglieder des Brünner Veteranenvereins den Sarg mit der Leiche des Ehrenmitgliedes dieser beiden Corporationen umstanden. Die Arbeiterschaft der Tuchfabriks-Firma Wohlmuth u. Comp, wohnte in und um den Tempel der Trauerfeier bei. Dieselbe wurde durch einen weihevollen Trauergesang eingeleitet. Sodann widmete der Herr Landesrabbiner Dr. B. Placzek dem Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. Mit Recht rühmte er den hohen Gerechtigkeitssinn, die Humanität, Schulfreundlichkeit, Vaterlandsliebe und Kaisertreue, die hingebende Thätigkeit des Verewigten für das öffentliche Wohl in der Gemeindevertretung der Landeshauptstadt, im Schulrathe, Cultusvorstande rc., sowie seine Mannestugenden als Gatte und Vater. Die warmen Worte Dr. P l a c z e k's erweckten allseits tiefe Ergriffenheit. Unter rituellen Gesängen wurde der Sarg sodann aus dem Tempel getragen und auf den vierspännigen Leichenwagen der Bestattungsanstalt „Asyl" gehoben. In langer Wagenreihe gaben die Trauergäste dem Verblichenen das letzte Geleite auf den israelitischen Friedhof, wo nach rührenden Abschiedsworten, die der Landesrabbiner dem Todten noch ins Grab nachries, die Beisetzung der Leiche erfolgte. Ans Böhmen, 30. August. Der Herr Rabbiner Dr. C. K ohn in Leito mischt ist jüngst von der Statthalterei zum Beirath des k. k. Bezirksschulrathes von Leitomischl erwählt worden. Es ist dies in Böhmen ein höchst seltener Fall, daß auch ein Rabbiner zum ordentlichen Mitglieds des k. k. Bezirksschulrathes ernannt wird. Meines Wissens sind blos noch der Vater des Genannten, Herr Dr. Abraham Kohn, Rabbiner in Königgrätz, Beirath des Bezirksschulrathes, und Dr. Tauber, Oberrabbinatsstellvertreter in Pr ag, Beirath des Landesschulrathes. Heiligenblut, 12. September. (Eine Gedenktafel auf dem Großglockner.) Zur Erinnerung an die drei Wiener Touristen Dr. Ludwig Kohn, Dr. Sigm. Patzau und Robert Pick, welche zu Weihnachten vorigen Jahres bei der Besteigung des Großglockners unterhalb der Adlersruhe in der Höhe von 3500 Metern verunglückt sind, wurde gestern eine Gedenktafel von hier aus zur Unglücksstätte transportirt, dort angebracht und enthüllt. Mehrere Wiener Freunde der Verunglückten wohnten der Feier bei und einer derselben, Herr Albert Frankl, widmete den Geschiedenen .einen wehmüthigen Nachruf. Der Aufstieg war in Folge des starken Neuschnees sehr schwierig. Lemberg. (Papierfabrikant Weiser gestorben.) Aus Lemberg wird gemeldet: Der hieranläßlich des Kaiserbesuches anwesend gewesene bekannte galizische Großindustrielle Sigmund Weiser, Inhaber der Papierfabrik in Sassow, starb Samstag 12 Uhr Nachts, unmittelbar, nachdem er von der Soiree beim Landmarschall in sein Hotel zurückgekehrt war. Während Weiser sich entkleidete, erlitt er einen Herzschlag und war nach wenigen Secunden eine Leiche. Weiser war noch am Freitag in der Ausstellung vom Kaiser durch eine längere Ansprache ausgezeichnet worden. Sein Tod erregt allgemeines Mitgefühl. (Ein Massenmord.) Im Dorfe Poganowsk, Gouvernement Samara, wurde unlängst, wie die „Samarskaja Gazeta" meldet, ein gräßlicher Mord verübt, dem 21 Menschenleben zum Opfer fielen. Vier Pächter bezogen aus dem benachbarten Städtchen Nikoljewsk Arbeiter zur Verrichtung von Feldarbeiten. Nach der Ernte erhielten sämmtliche Arbeiter ihren Lohn, der in diesem Jahre 20 Rubel per Dessjatine betrug. Die Pächter faßten den Entschluß, das den Arbeitern ausbezahlte Geld zurückzuerlangen. Sie überfielen deshalb bei Nacht die schlafenden Arbeiter, 21 an der Zahl, ermordeten dieselben und raubten ihnen den erhaltenen Lohn. Sämmtliche vier Mörder l befinden sich bereits in den Händen der Justiz.