Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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_ Nr. 37 Hier ein Beispiel seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete, ein Fall, den ich selbst mitellebte. Zur Diöcese des Bischof Moyses gehörte auch das Thuroczer Comitat, dessen jüdische Bevölkerung seit dem Jahre 1826 dem Oberrabbinat meines gottseligen Vaters als Cultusgemeinde ganz im Geiste altpatriarchalischer Würde zugethan war. Die Thuroczer Juden waren mit unter den Ersten, welche von der frischen Freizügigkeit Gebrauch gemacht hatten, und fast alle Pächter des weit ausgedehnten bischöflichen Großgrundbesitzes waren Thuroczer Juden. Da verstand es sich selbst, daß bei jeder Rundreise, welche der Herr Bischof in seinem Sprengel veranstaltete, die Thuroczer Cultusgemeinde an den ossiciellen Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren Sr. Eminenz sich namhaft bet heiligte. (Solch von einer exotisch eigenthümlichen und dabei echten Toleranz eingeslößte, traute Sitte herrscht heute noch im schönen Ungarlande.) Da traf es sich, daß ich im August 1863, meine letzten Candidatsferien im Vaterhause zubringend, mit Zeuge einer solchen, geradezu pompösen Willkomms-Begrüßung Sr. Eminenz war. Eine Deputation der jüdischen Cultusgemeinde, bestehend aus dem Oberrabbiner, dem Vorstand und meiner Wenigkeit als Sprecher, hatte die übliche Vorstellung, und wir wurden, wie das so gang und gäbe, zu dem in der Dechantei für den Abend anberaumten Ehrenbankett officiell eingeladen. Wir folgten der Einladung. Jedoch, wie sich das von selbst verstand, nahmen wir nicht am Essen Theil. Dann folgten die Tischreden. Die Gruppe der Juden wurde weder übersehen, noch überhört. Ich sprach einen kurzen, wohlvorbereiteten Toast und brachte ein jüdisches Hoch auf Se. christliche Eminenz aus. Der Herr Bischof ließ sich herab, den jungen Rabbinats-Candidaten mit ein paar herzlichen Worten auszuzeichnen und reichte mir die Hand. — Das war für einen der anwesenden alten geistlichen Herren denn doch „der Toleranz zu viel"! Mit einer in Folge des schweren Ballastes etwas komisch aussehenden Würde erhob sich dieser, „jeder Zoll ein Dominicaner"! Was er eigentlich sprach, das weiß ich nicht mehr, das habe ich vergessen, denn er sprach überhaupt nicht; er sagte blos etwas. So etwas ungefähr von viel zu viel Aufhebens, das man von den Juden macht, und dergleichen ... Aller Augen waren auf den Bischof gerichtet. Der aber schwieg. Toast folgte auf Toast. Und als endlich die Abschiedsstunde schlug, (denn wir Juden befanden uns in gar peinlicher Verlegenheit) da erhob sich ruhig und mit der ganzen so imponirenden Liebenswürdigkeit seines Wesens der Herr Bischof und hielt eine kurze Ansprache des hauptsächlichen Inhalts : „Er wünsche, daß die Herren Fratres etwas mehr studirten und etwas weniger tränken! Und daß sie sich ganz besonders die Werke des heiligen Augustinus zu Gemüthe führen möchten. Denn nur dann und so wmden sie es lernen, mit welcher Anerkennung dieser größte aller römischen Kirchenväter von den Juden und dem Judenthnm und von der Mission, welche dasselbe noch zu erfüllen habe, ausdrücklichst bei mehr als einer Veranlassung sich ausspricht, und die Herren Fratres würden dann ganz gewiß keine Dummheiten mehr machen!" — Tableau Nicht wahr: Es ist schon Alles dagewesen! GorreripontlenLen. Wien. (Von den Gemischtwaarenverschleißern.) An der Spche der Genossenschaft der Gemischtwaarenverschleißer steht seit ungefähr einem Jahre ein in der Mehrheit aus christlichsocialen Parteigängern zusammengesetzter Ausschuß, der sich in seinem Gebühren derart von parteipolitischen Motiven leiten ließ, daß im Schoße der Genossenschaft eine immer mehr anwachsende Opposition entstand. In einer in der Ressource abgehobenen Versammlung von über 300 Gemischtwaarenverschleißern kamen die Mißhelligkeiten zwischen Borstehung und Genossenschaftsmitgliedern zum offenen Ausbruch. Schriftführer Rieder der Seite 719 Krankencasse erhob als Referent gegen den derzeitigen Vorsicher Papst eine Reihe von Beschwerden. Statt die humane Institution der Krankencasse zu fördern, schädige der Vorsteher dieselbe empfindlich. Eigenmächtig habe er dahin gewirkt, daß der Beschluß der Generalversammlung, der Casse eine Subvention von 2000 fl. zuzuwenden, welche den dürftigen Genossenschaftsmitgliedern zu Gute kommen sollten, sistirt worden sei, und dies deswegen, weil an der Spitze der Krankencasse ein fortschrittlich gesinnter Mann stehe, der den Christlich-Socialen ein Torn im Augesei. (Rufe: Hoch Dauer!) Derselbe Vorsteher, der versprochen, die Interessen der Gemischtwaarenverschleißer zu schützen, gehe Hand in Hand mit den Herren Purscht, Wecerz und Spitaler, den geschworenen Feinden des Gemischtwaarenverschleißers, er halte mit ihnen gemeinsame Berathungen ab und verstoße so gegen die Psiichten, die er als Vorsteher übernommen. (Lebhafte Pfui-Rufe.) Obmann Dauer theilte mit, daß im Genossenschastsausschusse die Aeußerung gefallen sei. die Krankencasse müsse zu Grunde gehen, wenn sie nicht in christlich-sociale Hände übergehe. Man müsse sie zu Grunde richten (Pfui-Rufe), so lautet die Devise der Borstehung, die nunmehr entschiedenst zu bekämpfen die Pflicht eines jeden Genossenschaftsmitgliedes sein müsse. (Beifall.) Ausschußmitglied Schneider erklärte, daß Vorsteher Papst nur ein Strohmann in den Händen der christlich-socialen Koryphäen fei. Einberufer Grünberger führte aus, daß er einer der eifrigsten Anhänger der antisemitischen Borstehung gewesen; jetzt, nachdem er Einblick in deren Gebühren gewonnen, müsse er öffentlich erklären. daß er bedauere, jemals zu deren Anhängern gezählt zu haben. Die Versammlung sprach der Borstehung ihr Mißtrauen aus und beschloß einstimmig, gegen die Sistirung des Generalversammlungsbeschlusses bezüglich der Subventionirung der Krankencasse den Recurs zu ergreifen. Leitomischl, 6. September. Anläßlich des Empfanges Sr. Majestät des Kaisers in Lands krön war auch die israelitische Cultusgemeinde Leitomischl zur Audienz beschieden. Die Deputation, welche aus dem Rabbiner Dr. Carl Kohn, Cultusvorsteher Thein und Gemeindemitgliede Doctor Mändl bestand, wurde von Sr. Majestät huldvollst empfangen. Der Cultusvorsteher Thein richtete an Se. Majestät folgende Ansprache: „E ur e k. u. k. a p o st. M a j e st ä t! Die israelitische Cultusgemeinde Leito misch l- Landskron ist glücklich, den Gefühlen ihrer Anhänglichkeit und unbedingten Treue an Eure Majestät und das Allerhöchste Kaiserhaus Ausdruck'geben zu können. Gott erhalte, G o t t b eschütze Eure Majestät!" Se. Majestät geruhte zu erwidern: Ich danke Ihnen für den Ausdruck Ihrer Loyalität, von deren Aufrichtigkeit ich überzeugt bin. Hierauf wandte sich der Kaiser an den Herrn Rabbiner Dr. Carl Kohn, welcher um die Erlaubnisi ansuchte, Se. Majestät segnen zu dürfen, und als der Kaiser dies zu erlauben geruhte, flehte der Rabbiner folgenden Segensspruch auf das gekrönte Haupt herab: „Gepriesen sei die himmlische Majestät, die ihren Abglanz der irdischen Hoheit sichtbar verleiht." Der erlauchte Monarch unterhielt sich noch einige Zeit mit dem Rabbiner und der Deputation und entließ dann dieselben huldvoll. Budapest, 3. September. (Ein Student der Theologie a'ls Betrüger und Deserteur.) Bor ungefähr acht Monaten fahndete die Polizei der ungarischen Hauptstadt nach einem angeblichen geistlichen Herrn, der sowohl hier, wie in Provinzstädten verschiedene Betrügereien sich zu Schulden kommen ließ. Unter dem klangvollen Namen eines voetor theologiae Bela v. Szecheny aus Rom prellte er die Kellner im „Hotel Elisabeth" und tauchte nachher in Stuhlweißenburg auf, wo er die Domherren des dortigen Capitels nach der Reihe anpumpte. In einem Nachtcafe saß er die ganze Nacht mit aufgestülpten Ueberzieherkragen in Gesellschaft flotter Damen und als es zum Zahlen kam. lüftete er den Ueberrock, wies auf sein blaues Monsignorecollar — und wollte sich, als angeblicher Bischosssecretär, vom Oberkellner noch 50 fl. ausborgen. In Budapest erschien er bei einem kinderlosen Aristokraten von streng ultramontaner Richtung und trug sich als Erzieher bei den kleinen Grafen an. Als der Aristokrat das Anerbieten nicht annehmen zu können erklärte, legte er sofort — mit Erfolg -- einen großen Pump an. Als ihm hier der Boden zu heiß wurde, flüchtete er sich nach Rom, von wo er vor fünf Monaten, wahrscheinlich auch wegen Betrügereien, Veflerretchische WochrnschrM