Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 712 Vesterreichische WochenfrtzrM Nr. 37 „Einer von ihnen macht jetzt Versuche, um in Verbindung mit andern galizischen Juden unter, fremder Firma in Kolomea neuerlich dus Glück am Sensenhandel zu erproben." Diese Circulare sind aber nicht nur in über 150.000 Exemplaren unter das deutsche und polnische Landvolk verbreitet worden, sondern wurden auch von dem Verfasser an die antisemitische Buchhandlung in Köln gesandt, welche dasselbe an ihrem Schaufenster angeklebt hat. Wir haben uns die Mühe gegeben, die Urheber dieser schändlichen Machwerke zu ermitteln, um deren Bestrafung herbeizuführen, und waren nicht wenig erstaunt zu erfahren, daß dieselben die Herren Elieser und David Münzer aus Drohobycz in Galizien sind, deren Namenszugehörigkeit leider keinem Zweifel unterliegen dürfte, und die also mit den Haß schüren, der gegen die eigene Eristenz gerichtet ist! Die Firma, welche in dieser Weise Geschäfts-Antisemitismus treibt, ist die in W i e n bestehende Sensenhandlung Münzer LCo. Heber die „geehrten“ Brüder Münzer schreibt uns eia Freund aus Drohobycz: So widerlich es mir auch ist, mit diesen hier allgemein und sattsam bekannten Existenzen mich zu befassen, so kann ich dennoch nicht umhin, zu dieser Chrunique scaudaleuse eine kleine, aber wahrheitsgetreue Zeichnung, einen kurzgefaßten Auszug aus dem schwarzen Stammbuche Münzer hiemit zu liefern, nachdem man in in- und ausländischen Blättern dieses merkwürdige Brüderpaar der Gemeinde Drohobycz zur Last stellte, während dasselbe Gottlob schon vor zwei Jahren von hier auf und davon ist — ein brüderliches Pärchen, welches wahrlich nicht zu den Kleinen gehört — die man auch gerne laufen ließ. Mayer Mü nz e r, der Vater von David und Elieser, war in Folge seines Gebahrens dem Concurse verfallen und wegen Crida in sechsmonatlichcr Haft. Bald darauf erkrankte derselbe und ist im Jahre 1891 im Allgemeinen Krankenhaufe in Wien so arm gestorben, daß letzteres zur Eintreibung der schuldigen Kotten im Wege des hiesigen Magistrates Schritte unternehmen mußte. Mayer Münzer hinterließ 3 Söhne: David, Elieser und Jacob. David war Leithammel. Da er keinen Beruf hatte, trat er das Erbe seines armen Großvaters Jsac Münzer an, eines alten Trödlers, in dessen Kram von altem Eisengeräth sich ich einige Dutzend Sensen von einer Qualität vorzufinden pfleg.en, welche sich kaum nach den streng kritischen Anforderungen der Circulare seiner Enkel als brauchbar qualificirt haben würden. Die gedachten 3 Brüder hausirten mit Sensen von Dorf zu Dorf. Bald gelang es ihnen, sich die Vertretung einer Sensenfabrik zu verschaffen. Nun traten dieselben mit antisemitischen Circularen en masse an die Pfarrer und Lehrer mit dem Mahnrufe auf: „Hütet Euch vor jüdischem Betrug!" während sie selbst es waren, welche das leichtgläubige Bauernvolk schmählich betrogen. Die galizischen Pfarrer und Lehrer aber kennen zu gut die nicht mehr neue Schwindelei aus der alten Gaunergeschichte, welche von dem raffinirten Diebe erzählt. der nach verübten fingerfertigen Griff sich rasch unter die Menge verlief, laut schreiend: „Fanget den Dieb!" Hierzulande gelang der Münzer'sche Marktschrei, „Hütet Euch vor jüdischem Betrug!" nicht. Und so wurde der als Commis voyageur, will sagen als Bauernfänger im Sensengeschäfte verwendete jüngste Bruder Jacob, vom Arme der Gerechtigkeit gefaßt, und absolvirte im Lemberger Zuchthause eine mehrjährige Kerkerstrafe wegen Betruges. Nachdem auch David vom hiesigen k. k. Bezirksgerichte z. Z. 8340 ex 1893 rechtskräftig als contractbrüchig erklärt wurde und derselbe hier noch immer mit Executionen verfolgt wird, so entschlossen sich diese „Münzer", welche daheim am Prägorte sich keine Geltung mehr verschaffen konnten, unter der Firma „Münzer u. Co." in Wien sich niederzulassen, von wo aus sie ihr schimpfliches Treiben fortsetzen und ihre vielsprachigen antisemitischen Circuläre in Hunderttausenden von Exemplaren nach allen Windrichtungen in Umlauf setzen. Diese sauberen Brüder verschmähen es — wie mir aus bester Quelle bekannt ist — nicht, in angesehenen reichen j ü d is ch e n Häusern, wo sie sich als reiche Doctoren ausgeben, auf eine Hunderttausend Kroneu-Mitgift zu fahnden Diese speculativcn Hochstapler wollen nach Eselinnen ausgehen, um — Kronen heimzuführen! — Schon das in Nr. 29 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 20. Juli d. I. mit der Ueberschrift: „Noch etwas über S e n s e n!" in deutscher Uebersetzung veröffentlichte czechischantisemitische Circular, welches mit dem bekannten stereotypen Hetzruf begann: „Hütet Euch vor jüdischem Betrug", und „W inzer u. Co." unterzeichnet war, stammte zweifellos von „Münzer u. Co.". Es ist wahrlich schon die höchste Zeit, diese Falsch- „Münzer" endlich zu entlarven und die Oeffentlichkeit zu warnen vor den schändlichen Speculationen dieser gemeingefährlichen Senfen-Männer, oder richtiger Sensen-Jüngelchen. . Alexander S ch o r r, Gemeinde- und Cultusrath. Zur Handhabung des Staatsgrrmdgefetzes in der Aera der Coalition. Wir reprodnciren nachstehenden „Concms", welcher in mehreren Blättern erschienen ist, ohne jeglichen Commentar: Besetzung zweier W i r th sch a s i e r st e l l e u. Bei der k. u. k. Verwaltung Eßlingen gelangen zwei Wirthschaftcrs - Posten vorläufig bis zu erfolgter Regulirung provisorisch gegen ÜBrftaÜmftj zur Besetzung. Bewerber müssen katholischerReligion, jung, kräftig und von gesundem Körperbau sein, soliden Lebenswandels, praktisch geschult, mit allen laudwirthschaftlichen Handarbeiten bewandert, der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig, einer slavischcn im Worte. Bei gleichen Eigenschaften erhalten absolvnte Ackerbauschiiler den Vorzug. Vorläufige Bestallung jährlich fl. 240, Getreidedeputat, Relutum fl. 100, Brennmaterial jährlich 6 Jim. weiche und 6 Bm. harte Prügel, Nutzgenuß von einem halben Joch Feld und Naturalwohnung, eventuell Wohnungsrelutum. Diesbezügliche Gesuche mit Zeugnisabschriften wollen an die k. u. k. Gutsverwaltung Orth. Niederösterreich, bis 8. September l. I. eingebracht werden. Dienstantritt wenn möglich 16. September od. 1. Oktober 1894. K. n. k. Gutsverwaltung Orth, Niederösterreich, am 28. August 1894. Lemberg und Grap Wohl nur, um den Beschlüssen des vor Kurzem erst in der steirischen Landeshauptstadt abgehaltenen Fremdenverkehrs- Congresses erhöhten Nachdruck und unmittelbare Bedeutung zu geben, haben sich „die feschen und gutmüthigen Grazer" und „die reizend schönen Grazerinnen" — wir citiren da nach dem „Deutschen Volksblatt" — für die letzten zwei Feiertage die Wiener Christlich-Socialen, mit den Herren Schneider und Lueger an der Spitze, eingeladen. Nun kann es an einem großartigen Fremdenzuzug nach Graz nicht mehr fehlen, nachdem die „Gutmüthigkeit" der braven Steirer, die wir schon in der Murecker Affaire des Landes-Jngenieurs Alois Franz Heide kennen gelernt, so herrliche Blüthen wie die stürmisch bejubelte Rede des Ritters Stampiglius getrieben hat. Der Herr Stampiglius war in Graz ganz und gar der Alte. Wir heben dies ausdrücklich hervor, weil wir jüngst anläßlich der Lemberger Reise des Abgeordneten Schneider die Thatsache verzeichnen mußten, daß er auch ein Anderer sein kann. Herr Schneider hat in Lemberg eine wahrhaft verblüffende Judenfreundlichkeit zur Schau getragen. Er hat sich bei dem Bankett der Gewerbetreibenden fast ausschließlich in dem Saale aufgehalten, in welchem koscher servirt wurde, er hat selbst koscher gegessen, hat zahlreichen Juden brüderlich zugetrunken, ist mit einem jüdischen Kutscher gefahren und hat mehr als einmal versichert, daß er in den Lemberger jüdischen Gewerbetreibenden nichts als wackere Bundesgenossen seiner wirthschaftlichen Bestrebungen sehe. Auch war Herr Schneider in Lemberg fromm wie ein Lamm und harmlos wie ein Kind. Nachträglich haben wir allerdings die geheime Ursache dieser Harmlosigkeit erfahren. Es war unmittelbar nach der Ankunft der Wiener Gäste in Lemberg, als ein hünenhaft gebauter Mann, der jüdische Schneider Rosengarten aus S t a n i s l a u, auf den Abgeordneten Schneider zutrat. „Ich bin der Schneider aus S t a n i s l a u", sagte er zu dem erschrockenen Wiener Hctzopostkl, „Sie find der Schneider