Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 710 ^österreichische Wochrnschrifl Str. 37 an die Person des Monarchen, horchten derart zudringlich auf jedes seiner Worte, daß der Kaiser indignirt zur Seite trat und zum Statthalter Grafen B a d e n i gewendet sagte : „Die Herren sind sehr zudringlich." Dieser Zwischenfall bildete auch Abends am Rout des Fürsten Sapieha eine Zeitlang den Gegenstand des Gespräches. Ihr Berichterstatter, dem selbstverständlich der Zutritt in den Pavillon auch nicht versagt war, der aber ganz und gar nicht sensationslüstern ist, hat es vorgezogen, vor der Pforte des Pavillons zu warten. Die ungnädigen Worte des Monarchen treffen ihn somit nicht." Von authentischer Seite, d. h. von Ohren- und Augenzeugen dieser peinlichen Scene werden wir zu constatiren ersucht, daß die betreffenden Journalisten, welche sich bei jener Gelegenheit so unangenehm bemerkbar gemacht haben, keineswegs unter den Vertretern der liberalen Wiener Presse zu suchen sind. Es handelt sich vielmehr um einen antisemitischen Lemberger Journalisten Namens F., der seit Jahren über die Juden schimpft, ihnen Tact und Moral abspricht. Wer aber diesen Herrn und seine Wirksamkeit kennt, dem wird die von ihm provocirte peinliche Scene nicht überrascht haben. Vom Jahrmarkt des Lebens. Landesgerichtsrath Dr. Jacob Kohn in Wien. Die amtliche „Wiener Zeitung" vom 12. September publicirt die Ernennung des Herrn Rathssecretärs Dr. Jacob Ko y n zum Landesgerichtsrath in Wien. Die Mittheilung wird in zahlreichen Kreisen mit hoher Genugthuung begrüßt werden. Herr Doctor Kohn zählt zu den fleißigsten und tüchtigsten Richtern der" Residenz und ist dabei ein treuer Jude. Er war einer der wenigen Männer, welche die Gründung des Vereines „Oesterr.- Jsrael. Union" in Angriff genommen, und gehört seit dem Entstehen des Vereines dem Vorstande desselben an. Von der Floridsdorfer Loeomotivfabrik. Geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie es einem eifrigen Leser Ihres geschätzten Blattes zu dem in Ihrer heutigen Nummer unter dem Titel „Antisemitische Arbeiterfreilndlichkeit" erschienenen Artikel einige ergänzende Bemerkungen hinzuzufügen. Was den Antisemitismus in der Floridsdorfer Locvmotio-Fabrik anbelangt, so fängt er in seiner Richtung von oben nach unten, nicht erst beim Prokuristen au, sondern der Director selbst, Herr Bernhard D e m m e r, ist, wenn er seine wahre Gesinnung auch unter falscher Bonhommie zu verbergen sucht, der eigentliche Ausgangspunkt der antisemitischen Tendenzen dieses Institutes. Mit Stolz wirst mau sich daselbst in die Brust, nicht einen einzigen jüdischen Angestellten zu haben, was umsomehr Wunder nehmen muß, da sich der größte Theil der Aktien nicht im Besitze des Herrn Miller von A i ch h o l z, sondern in dem des Hauses Rothschild und der österreichischen Bodencredit-Anstalt befindet, entschieden zwei Firmen, deren nichtantisemitischeTendenzennichterstbeschworen zurverden brauchen. Was nun oben erwähnten Herrn D e m m e r weiter betrifft, so wäre noch zu bemerken, daß er auch die Ehrenstelle eines Bicepräsidenten des Vereines „Niederwald" bekleidet, welch' letzterer ebenfalls wegen seiner nicht gerade philosemitischen Tendenzen zur Genüge bekannt ist. Also: „grattez le Kusse vous trouverez le Tartare“, oder nach Schiller „wie das Haupt, so sind die Glieder"; Lassen Sie Gu ssenb a u e r und Sie finden den D e m m e r! Achtungsvoll K. G., ein Unterrichteter. Wieder Einer. Die „Reichspost" bringt unter vorstehendem Schlagworte die Mittheilung von der Zahlungseinstellung einer Firma, die angeblich jüdisch sein soll, thatsächlich aber zu den Glaubensgenossen des Herrn Spitzer-Weimar zählt. Als Gegendienst ersuchen wir die „Reichspost", folgende Nachricht der Brünner „Lidov6 Noviny“ abzudrucken: Coneursverhimgung über das Vermögen eines Domherrn. Vor einiger Zeit verschwand aus Olwütz der Domherr des dortigen Domcapitels Adam Graf Potulicki und Niemand kann angeben, wo er hingekommen. Als Ursache seines Verschwindens werden seine großen Schulden bezeichnet. Und wirklich veröffentlicht die samstägige „Amtszeitung" das Gesuch zweier Budapester Advoraten um Concursverhängung über das Vermögen des Domherrn Grafen Potulicki wegen Forderungen im Betrage von 9141 Gulden 98 Kreuzer. Man weiß noch nich*, wo sich der hochgeborene und hochwürdige Cridatarflüchtling zur Zeit aufhält. Als Curator wurde der Olmützer Advocat Dr. S v o z i l bestimmt. Leider haben es die „Lidove Noviuy“ unterlassen, das Signalement des hochwürdigen Cridatars zu bringen. Vielleicht könnte es die „Reichspost", die mit den geistlichen Herren in enger Fühlung steht, beifügen. Antisemitische Ehrenmänner. Dresden, 31. August. Ein netter antisemitischer „Reformer" hatte sichin der Person des Schnittwaaren- und Cigarrenhändlers Wilhelm Emil Rothe aus Wachwitz wegen Beseitigung von Pfandstücken und wegen Urkundenfälschung vor dem Landgericht zu verantworten. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete auf ein Jahr Gefängniß lind zwei Jahre Ehrverlust. Der Verurtheilte wurde wegen Fluchtverdachts sofort in Haft genommen. Altona, 31. August. Die Strafkammer verurtheiltheute den wegen Wechselfälschung mit 6 Jahren Zuchthaus vor bestraften antisemitischen Agitator Kaufmann Benisch, wegen zehnfacher Wechselsälschung zu 4 Jahren Zuchthaus. „Kauft nur bei Christen". Herr Ernst Landl hatte am 11. Juni 1994 im Geschäfte des Fleischselchcrs Josef Hruschk a, Meidling, Ruckergasse Nr. 26, ein Stück „Braunschweiger" Wurst von solcher Beschaffenheit gekauft, daß er sich veranlaßt sah, dem städtischen Thierarzt Johann Spink a die Wurst vorzulegen. Herr Spinka nahm hierauf bei Hruschka eine Revision vor, bei welcher er noch 4 Kilo 60 Deka Wurst von derselben Qualität vorfand. Josef Hruschka stand vor dem Strafrichter des 12. Bezirkes, Adjuncten Dr. S ch a u m a n n, der Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit angeklagt und wurde zu 24 Stunden strengen Arrests verurtheilt. Ende Juli dieses Jahres erstattete der Arbeiter Johann W a w r a bei dem Commissuriate in Simmering die Anzeige, er habe sich bei dem Pferdefleischhauer eu gros Deghi stellt ein Paar Roßfleischwürstel zu 2 kr. gekaust, bei deren Ausbrechen die Maden heransgekrochen seien. Bei der Untersuchung aller drei dem Deghistelli gehörenden Geschäfte durch die Thierärzte Bayer und Rusl ergab sich: Zn den Wurstfabriken waren die Wurst- und Quetschmaschinen ganz mit Rost, Schmutz und in Verwesung übergegangenen Fleischbestandtheilen bedeckt. Trotzdem wurden diese Maschinen zur Wursterzeugung benützt.. Im Geschäfte Hauptstraße Nr. 58 wurden Pferdeextrawlirst und Wursteln im faulen Zustande angetroffen und confiscirt. Desgleichen im Geschäfte Feldgasse Nr. 4. Dort wurde außerdem am Hackstocke zum Verkaufe bereit gehaltenes, ganz faules Siedesleisch angktroffeu. Den Eiskästen entströmte ein penetranter Geruch. Sämmtliche Fleischsachen waren überdies arg verunreinigt. Die consiscirten Gegenstände rvurden dem Wasenmeister zur Vertilgung übergeben und vom Bezirksgerichte Simmering die Anklage nach § 431 erhoben. Der Richter verurtheilte den Pferdefleischhauer zu 60 fl. Geldstrafe, eventuell zehn Tagen Arrests. Mit einem analogen Fall beschäftigte sich auch das Bezirksgericht Währing. Am 3. August 1894,, wurde im Locale des Gastwirthes Adolf M o r a w e k, 18. Bez., Gürtelstraße Nr. 78, eine Revision vorgenommen. Der Leiter der Commission, Marktcommissär Carl Till, traf Herr M o r a w e k in der Waschküche des Haukes an, woselbst er mit der Erzeugung von Würsten beschäftigt war. In einem großen, nicht verzinnten Kuvserkessel, der gewöhnlich von den Parteien des Hauses zum Auskochen der Wäsche benützt wird, kochte eben das zur Wurstfüllung bestimmte Fleisch, während ein kleinerer Waschkessel zur Aufnahme der Würste bereit stand. In der Anzeige des Marktcommissariates an das Bezirksgericht Währing wird insbesonders hervorgehoben, daß die Waschküche von 26 Parteien benützt und in den Kesseln auch die Wäsche kranker Personen ausgekocht wird. Gestern stand nun der Wirth vor dem Strafrichter in Währing, Adjuncten Dr. P ö l l unter der Anklage der Gefährdung der körperlichen Sicherheit (§ 431) und der Uebertretung nach §408 (Gebrauch von Kupfergeschirren bei dem Geschäfte der Gastwirthe). Der staatsanwaltschaft'liche Functionär beantragte die strengste Bestrafung des Angeklagten, da durch dessen gewissenlose Handlungsweise die Sicherheit von Personen in großem Maße gefährdet war. Der Richter fand M o r a w e k nach beiden Richtungen schuldig und verurtheilte ihn unter Annahme von zahlreichen Milderungsgründen zu einer Geldstrafe von 30 Gulden, eventuell 6 Tagen Arrests. Wieder ein antisemitischer Armenrath. Der in der Rampersdorferstraße 14 im V. Bezirke lange Jahre etablirte Gastwirth und Armenrath Eduard Hol iw an wurde Dienstag Nachmittags wegen des Verbrechens eines Sittlichkeitsattentates an einem noch nicht einmal schulpflichtigen Kinde vom Polizeicommiffariate Margarethen in Haft genommen und noch am selben Tage dem Landesgerichte eingeliefert. Das mit ihm aufgenommene Verhör wie die gleichzeitige Vernehmung mehrerer Zeugen haben ergeben, daß der Verhaftete fein fchandvolles Gewerbe schon lange betrieben hat und nur der Indolenz der betreffenden Mutter es zuzuschreiben ist, daß der Verbrecher nicht schon lange unschädlich gemacht wurde. Das Gasthaus