Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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u3»£f:'5fcC y±„ LKieÄ«' -w 4‘ ■ Nr. 37 schöne Haus und dessen Einrichtung. Zu dem Vicepräsidenten Dr. Byk sagte der Kaiser, es freue ihn sehr, daß die Zöglinge, wie er gehört habe, für den Handwerkerstand herangebildet werden. In der Waisenhaus-Synagoge bemerkte Präses Horow i tz, daß man besonders auf die religiöse Erziehung der Kinder Bedacht nehme, was den Kaiser mit besonderer Befriedigung erfüllte. Auch Erzherzog Ludwig Salvator, der Minister-Präsident Fürst W ind ischgrätz und die anderen anwesenden Notabilitäten konnten sich nicht genug lobend über den Bau und die innere Einrichtung des Gebäudes aussprechen. Se. Majestät dankte dem Cultuspräses H orow itz wiederholt und verließ sodann, von der Menschenmenge abermals mit stürmischen Jnbelrufen begrüßt, die Anstalt. Die hohe Auszeichnung, die der jüdischen Gemeinde zutheil wurde, machte aus alle Mitglieder derselben den tiefsten Eindruck. Die Lemberger Kaisertage waren Ehrentags für das G e s a m m t j u d e n t h u m O e st e r r e i ch s. Lemberger Momentbilder. Als Se. kaiseil. Hoheit der Erzherzog Carl Ludwig Lemberg besuchte, da spielte sich aus dem offenen Platze vor dem Statthalterei-Gebäude, wo die Deputationen der Neligionsgenossenschaften Aufstellung genommen hatten, folgende merkwürdige Scene ab. Die Geistlichen und die Vorstandsmitglieder der protestantischen Gemeinde kamen neben den Juden zu stehen. Der protestantische Vorstand war darüber recht ungehalten, gab seinem Unmuth unverhohlenen Ausdruck, die Herren verließen die Stätte, wo ihnen ein solcher Affront angethan wurde, und ließen die beiden Pastoren allein zurück. Die Geschichte hat wie eine hübsche Medaille nicht nur eine sehenswerthe Av»rssondern auch eine höchst curiose Revetsseite. — Der Kaiser in Lemberg! Er empfängt huldreich die Deputationen. Auch die Juden nahen seinem Antlitze. Zwei Rabbinen und fünf Cultusvorsteher harren im Vorsaale des Momentes, wo sie vor den geliebten Monarchen treten sollen. Inzwischen spielt sich in der Antecamera eine höchst drollige, uns in diesen heiligen Hallen, wo man die Rache nicht kennt — oder doch? — noch nie vorgekommene Scene ab. Die Protestanten sind 10 Mann hoch ausmarschirt, mit 2 Geistlichen und 8 Vorständen. Man verwehrt den Letzteren den Eintritt mit dem Bedeuten, daß nur die beiden Geistlichen angemeldet erscheinen. Die Vorstände müssen kleinlaut abziehen. Sollte zwischen der ersten und der zweiten Geschichte vielleicht gar ein innerer Zusammenhang bestehen. Möglich wäre es immerhin!... * Beim Besuche des Kaisers in der Jndustriehalle sprach derselbe auch Herrn Heinrich Fraenkel, in Firma Adolf FraenkelL Söhne, k. k. landesprivilegirte Liqueurfabrik und Sprit-Raffinerie in Biala, an, informirte sich über den inländischen Geschäftsverkehr und ließ sich eingehende Aufschlüsse über die ausgedehnten ausländischen Absatzgebiete der Firma geben, wobei er eine graphisch-statistische Darstellung des Welt- Export-Verkehres der Firma besichtigte und seine vollste Befriedigung hierüber ausdrückte. * * * In ganz besonderer Weise wurde die Exposition der altrenommirten Spiritus-Raffinerie Mahner & Iosefsthal, Wieliczka, ausgezeichnet und Se. Majestät beehrte Herrn Adolf Josefsthal durch eine längere Ansprache. Se. Majestät erkundigte sich um die Geschäftslage der Spiritusindustrie im Allgemeinen, ferner, welche der ausgestellten Spiritussorten hauptsächlich in den Verkehr gelangen und mit sichtlicher Befriedigung nahm Se. Majestät zur Kenntniß, daß die Firma ausschließlich Lieferantin der Erzherzoglich Rainer'schen Liqueurfabrik in Jzdebnik ist. Se. Majestät ließ sich speciell diejenige Spritmarke zeigen, welche für die Fabrik Sr. kaiserl. Hoheit beigestellt wird. In der Jury der Landesausstellung sitzt unser Glaubensgenosse, Mühlenbesitzer Herr Leo T h o m, Ritter des Franz Josef-Ordens und obliegt seinen Pflichten mit unermüdlichem Eifer. Sein kaufmännisches Wissen, sein Arbeitseifer werden blos durch seine Opferwilligkeit übertroffen und ist er dabei ein wackerer Jude, ein treuer Glaubensgenosse. * * Seite 709 j Auch der Fabrikant Salo G o l d fru ch t wurde von Sr. i Majestät mit Ansprachen ausgezeichnet. Aus die Frage des Kaisers erwiderte Herr G o l d s ru ch t, daß die Fabrik im Jahre 1886 gegründet wurde und seitdem vielfache Neuerungen , im chemischen Betriebe erfahren hat. Se. Majestät sprach sich anerkennend über das geschmackvolle Arrangement der Exposition aus. Besonderes Jnterresse erregte bei dem hohen Besucher der Pavillon Popper. Hier wurde der Kaiser von den Herren Abgeordneten v. Bujanovics, Präsidenten der ung. Hotzindustrie-Actiengesellschaft, Verwaltungsrath Baron Pereira und Baron Berthold v. Popper empfangen, welche durch den Statthalter Grafen Badeni dem Monarchen vorgeftellt wurden. Der Pavillon ist ein prachtvoller Bau von Holz aus den eigenen Waldungen der Barone Berthold und Armin Popper. Der Kaiser besichtigte mit großem Interesse das prächtig arrangirte Ensemble des Jnnenraumes. Dasselbe besteht aus Klötzen im verschnittenen Zustande sammt den darin befindlichen, am Markte in Frankreich, Italien, Spanien, Oesterreich-Ungarn, Orient und Deutschland meist gangbarsten Schnittmaterialien, und zwar Bretter von 7 Millimeter aufwärts, Pfosten bis zu 80 Millimeter, Staffeln, Kantinelle, Leisten rc., jeder Klotz für sich und jedes Land bestimmt, enthält die betreffende Waare sammt der äußeren Schwarte mit je zwei eisernen Ringen derart verbunden, daß man dieselben öffnen und sperren kann. An Schnittmaterialien silld alle erdenklichen Brettersorten, Staffeln, Kantinellen, Leisten, von drei Millimeter aufwärts vertreten, und zwar in nachstehenden Gattungen: Fichte, Tanne, Zirbelkiefer, Buche, Ahorn, Ulme und Eiche, Hobelwaare mit Ruth und Feder, Perlstabbretter mit doppelten und einfachen Fasern in allen Breiten und Längen, Spaltlinge der Fichte, Tanne, Holzausschnitte von allen Gattungen. Während seines Ganges durch den Pavillon befragte der Kaiser den ihn geleitenden Baron P oppe r in leutseligster Weise um einzelne Details dieses großartigen Etablissements, wobei sich folgendes Zwiegespräch entwickelte: „Cultiviren Sie auch Ihre Waldungen in entsprechender Weise?" „Gewiß, Majestät. Es wird sehr sorgfältig cultivirt." „Haben Sie auch im Inlands bedeutenden Absatz Ihrer Maaren?" „Einen großen Theil; doch haben wir einen starken Export nach den Mittelmeer ändern, nach Asien." „Wird die Arbeit i den Forsten von heimischen Kräften geleistet?" „Soweit dieselben zulänglich sind. Wir müssen Arbeiter aus Kärnten, Krain, Steiermark und dem Küstenlande requiriren." Bei der Zirbelkiefer interessirte sich der Kaiser dafür, ob dieser Baum in den galizischen Karpathen häufig angetrosfen werde, da man in den Wäldern '1>es Westens Bäume von solchen Dimensionen selten finde. Auch bei der Holzkohle fragte der Kaiser, aus welchem Materiale dieselbe erzeugt werde. Baron Popper erklärte, daß diese Kohle aus Schwartenbrettern und Kreissägespänen hergestellt wird. Besonderen Gefallen äußerte der Monarch auch bei dem kleinen Hausmodell, dessen wetterfeste Bedachung aus Schuppenschindeln besteht. Desgleichen äußerte er sich sehr anerkennend über die Präparate aus Sägespänen und die polychromen Holzsteine, als ein neueres Erzeugniß der galizischen Herrschaft Mlzirdzirz. Sichtlich auf das Angenehmste befriedigt von dem Gesehenen, entfernte sich der Kaiser nach längerem Verweilen im Pavillon und äußerte gegenüber dem Herrn Präsidenten Bujanovics in ungarischer Sprache seine vollste Zufriedenheit. Herrn Baron Berthold Popper dankte der Kaiser in deutscher Sprache für die Führung durch den Pavillon mit den huldvollen Worten: „Es hat Mich sehr gefreut, diese interessante Ausstellung besichtigt zu haben." Ein Tadelswort Sr. Majestät. Die nunmehr antisemitische „Deutsche Zeitung" von Montag, den 10. September 1894 läßt sich aus Lemberg telegraphiren: „Fast alle Wiener Blätter haben ihre Berichterstatter nach Lemberg entsendet, die sich wie Kletten an die Fersen des Kaisers heften, um jedes Wort ihren Blättern zu telegraphiren. Einen kritischen Ausspruch dürsten sie aber wohlweislich verschweigen. Bei Be^ sichtigung des Kunstpavillons durch den Kaiser nahten sie sich derart Wochenschrift Vesterrrtchischr