Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 708 Nr. 37 Lemberg empfangen wurde, auch seine treuen israelitischen Unterthanen aus vollem Herzen theilnahmen, ist selbstverständlich. Es wurde ihnen aber auch die kaiserliche Anerkennung hicfür in gnädigster Weise zutheil. Nicht, wie irrthümlich in voriger Nummer berichtet wurde, anr Bahnhof, sondern mit den höchsten Würdenträgern, dem Clerus und den hohen Beamten an der Einfahrt zur kaiserlichen Residenz vor der Statt- Halte; ei erwarteten Rabbinat, Cultusvorstand und Cultusrath die Ankunft Sr. Majestät. Zur feierlichen Vorstellung vor Sr. Majestät erschienen unter Führung des Herrn Präses Sam. H or owitz die beiden Raöbinen, der neue Vicepräscs Dr. Byk, die Vorsteher Dr. Schaff und Salomon B u b e r. Der Cultuspräsident begrüßte unterthänigst Se. Majestät und brachte „in Vertretung der treugehorsamsten Cultusgemeinde Lembergs deren unterthänigste Huldigung in aufrichtiger Treue und Ergebenheit" dem Monarchen dar. Der Kaiser dankte für die Begrüßung in leutseligster Weise und sagte: „Ich kenne ja Lie Treue und Anhänglichkeit der Israeliten und rechne auch ferner auf dieselben". Ueber -besondere Erlaubniß des Kaisers sprach Rabbiner Schmelk es, bedeckten Hauptes de.; üblichen Segensspruch in hebräischer Sprache, welchen Rabbiner Dr. Caro dann in polnischer und deutscher Sprache wiederholte, wofür der Kaiser herablassend dankte. Er zeichnete alle Mitglieder der Deputation durch Ansprachen aus und erkundigte sich beim Cultuspräses Hör owitz über die Anzahl der jüdischen Bevölkerung Lembergs, über die Zahl der Synagogen und erinnette sich dabei, daß er während seines vorigen Aufenthaltes in Galizien eine sehr schöne Synagoge besucht hat. Herrn Vorsteher Salomon B u b e r befragte der Monarch nach der Lage und den Verhältnissen auf seinem Gute, bei Herrn Dr. Schaff erkundigte sich der Kaiser leutseligst über den Gang seiner Advocaturskanzlei. Se. Majestät bemerkte besonders zu dem Reichsrathsabgeordneten Dr. Byk: Ihre schöne patriotische Aufgabe ist freilich mit viel Zeitverlust verbunden, Sie werden recht bald wieder nach Wien zur Arbeit kommen müssen. Mit dem allergnädigsten Danke für den schönen Empfang wurde die Deputation entlassen. Zu dem Feste, welches das Land dem Kaiser Samstag Abend in dem fsenhast geschmückten Landtagsgebäude gab, halten auch viele Israeliten aus Stadt und Land Einladungen erhalten. Den Herrn Rabbiner Dr. E a r o begrüßte Se. Excellenz der Landmarschall Fürst S a n g u s z k o im Vestibül mit gleicher Wärme wie die Herren Erzbischöfe. Eine eigenartige Erscheinung boten einige langröckig gekleidete, mit Orden geschmückte Juden. Mitglieder von Bezirksvertretungen, dar. Erwähnenswerth ist es noch, daß nach der Audienz der Präses der Cultusgemeinde Samuel Horowitz und der Rabbiner Dr. Caro Einladungen zur Hostafel erhielten. Eröffnung des neuen Waisenhauses der Lemberger israel. Cultusgemeinde durch Sr. Majestät den Kaiser. Die höchste Auszeichnung wurde der Lemberger israel. Cultusgemeinde am Dienstag Vormittag 10 Uhr zu theil. Se. Majestät hatte huldreich zugesagt, die Eröffnung des neuerbauten israelitischen Waisenhauses in höchst eigener Person vorzuuehmen. Das schöne Gebäude, welches theils aus Gemeindemitteln, theils aus einer Widurung der Familie Rosenstein erbaut wurde, für welches Frau W o h l f eld 10.000 fl. spendete, ist für 60 Knaben und 60 Mädchen eingerichtet und auf das Zweckmäßigste ausgestattet. Schon lange vor 9 Uhr hatten in der Kasimir- und Janower-Straße ein vieltausendköpfiges Publicum, sämmiliche jüdische Vereine der Stadt, die israelitischen Schulen mit ihrern Lehrern Aufstellung genommen. Die städtische Bürgerwehr, die Rigorosanten und Pvmpiere hatten die Aufrechthaltung der Ordnung übernommen. Erngefunden hatten sich olle Notabilitäten des Landes unter der Führung des Fürsten S aug uszko, Minister-Präsident Fürst zu W indi s ch g rätz, die Minister Graf Falke n h a y n und Ritter v. I a w o r s k i, der Vicepräsident des Landesschulrathes v. B o b r z y n s k i, Landesschulinspector Baranowski, sowie V-ce-Bürger meister Marchwicki und die Hofwürdenträger. Vor dem Eintreffen Sr. Majestät erschien Erzherzog Leopold Salvator. . Im Vorgarten des Waisenhauses waren die Waisenkinder mit ihrer eigenen Capelle aufgestellt. 12 junge Mädchen waren vom Eingang bis zur Straße mit Blumenkörben potirt. Schlag 10 Uhr kündeten brausende Jubelruse von der Casimirstraße her das Herannahen Sr. Majestät an. An dem Gitter des Vorgartens wurde der Kaiser von dem Präses der Cultusgemeinde ehrerbietig empfangen und durch das Spalier der blumenstreuenden weißgekleideten Mädchen in das Innere des Hauses geleitet. Im Gefolge Sr. Majestät befand sich der Statthalter Graf Bad eni. In dem großen Saale der Anstalt hatten sich der Bürgermeister Mochnacki, der Gemeinderath und der Cultusrath der israelitischen Gemeiirde ln corpore eingefunden. Fräulein Caro und Fräulein Schaff durften Sr. Majestät ein prächtiges Bouquet überreichen und die jüdische Waisenknaben-Capelle intonirte die Volkshymne. Der Cultusvorstand unter Führung d.s Präsidenten Samuel Horowitz und des Vicepräsidenten Abgeordneten Dr. Emil Byk begrüßte Se. Majestät am Portale und geleiteten Hochdenselben in die festlich decorirten Räumlichkeiten. Beim Betreten des Saales " intonirte der Chor des Tempels unter Leitung des Herrn Obercantors Halpern das jiQP! TTQ- Als Se. Majestät der .Kaiser aus der Estrade unter 'dem Thronhimmel angekommen war, sprach Rabbiner Schmelkes hebräisch den Segen über den Kaiser und das über das Haus. Dann ergriff der Rabbiner Dr. Caro das Wort. Nach einer kürzen polnischen Einleitung sprach er Folgendes: „Die Stätte, die ein guter Mensch betreten, ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt sem Wort und seine That dem Enkel wieder. So ist denn diese Stätte der Liebe und Barmherzigkeit geweiht und gesegnet durch die beglückende Huld des edelsten und großmüthigsten Monarchen, und das Heil, das uns am heutigen Tage widerfahren ist, wird in unserer Gemeinde erhebend und begeisternd wieder klingen von Geschlecht zu Geschlecht bis zu den spätesten Tagen. Gottesfurcht, Menschenliebe und heißer Patriotismus werden von dieser Stelle aus sprießen und gedeihen und des Himmels Segen wird das Gebäude krönen. Für Ihn aber, der im Abglanz himmlischer Majestät sich der Armen und Schwachen, der Witwen und Waisen erbarmt, für Ihn, der alle Völker und Stämme seines weiten Reiches in glühender Liebe zu seiner geheiligten Person vereinigt, werden, wie allezeit aus unserem Herzen, so auch in diesem Hause heiße Gebete zum Himmel emporsteigen! O segne Allvater mit der Fülle Deines Segens unseren heißgeliebten Kaiser und König, segne die erhabene Landesmutter die Kaiserin und das ganze hohe und erhabene kaiserliche Haus. Verlängere die Tage unseres allergnädigsten Monarchen bis zur äußersten Grenze menschlichen Lebens in Kraft und Gesundheit, auf daß er glorreich herrsche, von seinen treuen Unterthanen hochverehrt von der ganzen Menschheit aber gepriesen und verherrlicht. Amen." Nachdem das Amen des Chores verklungen war, trat der Präses auf Se. Majestät dem Kaiser zu und bat um dessen allerhöchste Unterschrift in dem vorgelegten prächtigen Gedenkbuche. Herablassend gewährte der Kaiser diese Bitte. Unterdessen hatte der Chor ein brausendes Alleluja angestimmt, währenddessen sich der Kaiser und dessen hohes Gefolge zu einem Nundgang durch die Räume des neuen Hauses anschickten. Präsident S. Horowitz sprach dem Kaiser den unterthänigsten Dank aus für so viele den Juden bewiesene Huld, worauf der Kaiser erwiderte, daß er gerne gekommen sei, eine so schöne Anstalt ihrer Bestimmung zuzuführen. Se. Majestät zeichnete auch bei dieser Gelegenheit die beiden Rabbinen und die Mitglieder des Vorstandes durch Ansprachen aus. Se. Majestät unternahm einen Rundgang durch sämmiliche Wohn-, Schlaf-, Lehr- und Turnräume der Anstalt und äußerte Wiederholt seine höchste Zufriedenheitüberdas