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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-14 · 37 (14.9.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
37 (14.9.1894)
Date
1894-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 37. Wien, 14. Srplemberi 1894. Jahrgang XI. Crntralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. -^- rrsusgebrr: Reichsraths-Avgeordneter vr. KLoch. Erscheint jeden Freitag. --H' ^- Man abonnirt bei allen Postanfiaiten des In- und Auslandes. SrrugLprri» für Srperrrtrh: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare SS kr. Für'» Ausland: halbjährig ü fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ — 2V „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 13 kr. I«. K. Postsparcafstn-Amk Clearingverkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Administration: Wien Franr Jofefs-Luai Nr. 8. Tfllephon*Hr. 6535. ck---. '. —U Inhalt : Leitartikel : Die Lemberger Kaisertage. — Vom Jahrmärkte des Lebens. — Lemberg und Graz. — Märchen gegen Märchen. — Wie Ritualmorde gemacht wurden. — Die Lösung der socialen Frage von einen Philosophen. — Alles schon dagewesen. — Correspondenzen: Wien, Leitomischl, Budapest, Hultschin, Kolomea, Monasteizpka. Haßfurt, Württemberg, Jerusalem. — Vermischtes: Wien, Krakau, Budapest, Brünn, Heiligenblut, Lemberg, Constantinopel. — Feuilleton: Im Hinterhaus. — Briefkasten. — Aufruf. — Inserate. Die Lemberger Raiserksge. Die Kaiserreise nach Lemberg war das Ereigniß der Woche. Die ausführlichen telegraphischen Berichte der Tagesblätter geben nur annähernd einen Begriff von dem Enthusiasmus, mit welchem der Monarch in der galizischen Landeshauptstadt empfangen und auf Schritt und Tritt begleitet wurde. Aber trotz der Ausführlichkeit dieser privaten und officiellen Depeschen findet sich darin doch nicht Alles, was interessant nnd berichtenswerth ist. Die galizische Landesausstellung gibt Zeugniß von den überraschenden Fortschritten, von dem mächtigen Aufschwung, welcher in Galizien während der letzten Jahre auf allen Gebieten culturellen und industriellen Schaffens zu verzeichnen ist. An dieser Arbeit aber haben die Juden hervorragenden Antheil genommen, ja man darf sagen, daß eine Entwicklung von Handel, von Industrie und Verkehr in Galizien ohne die werkthätige Mithilfe unserer Glaubensgenossen gar nicht zu denken wäre. Wer die Lemberger Ausstellung auch nur flüchtig durchwandert, dem fällt diese außerordentliche Bedeutung des jüdischen Elementes für das gesammte wirthschaftliche Leben des Landes und damit indirect auch der Gesammtmonarchie sofort in die Augen. Mit freudiger Genugthuung verzeichnen wir denn auch die Thatsache, daß unser geliebter und gütiger Kaiser bei seiner Anwesenheit in Lemberg die Vertreter unserer Glaubensgemeinschaft, deren geistliche und weltliche Repräsentanten, in hervorragendem Maße ausgezeichnet und die großen Verdienste jüdischer Kausleute und Industrieller durch Worte schmeichelhaften Lobes anerkannt hat. Man erblicke in der Feststellung dieser Thatsache keine ungebührliche Ruhmredigkeit. In einer Zeit, in der der antisemitische Heerbann aller Schattirungen, von der nationalen bis zur christlich-socialen, den Anschein zu erwecken sucht, als ob die höchsten Factoren des Staates aus seiner Seite ständen und seine Bestrebungen wohlwollend unterstützten, wo die Kühnheit der Agitatoren selbst die Majestät der Krone unausgesetzt in den Schmutz dieser Bewegung hinabzuzerren sucht, ist es wohl nothwendig, auf das leuchtende Beispiel hinzuweisen, welches Kaiser- Franz Josef in Lemberg gegeben und durch welches neuerdings unwiderleglich dargethan ist, daß der Kaiser, wo es sich um die Anerkennung ehrlichen Strebens und Schaffens handelt, keinen Unterschied in der Rasse, des Glaubens und der Nationalität kennt. In den antisemitischen Schandschriften und Brandreden heißt es immer wieder, daß die galizischen Juden die schlimmsten von allen seien. Und gerade den galizischen Juden sind in diesen Tagen Ehren und Auszeichnungen von höchster Stelle widerfahren, die ihren Patriotismus, ihre Hingebung für Land und Volk, in dessen Mitte sie leben, ihre Treue für Kaiser und Reich, ihre Schaffenskraft und ihre culturelle Strebsamkeit außer allem Zweifel stellen. Haben ja doch auch die Führer der Wiener christlichsocialen Bewegung, wie wir in einem früheren Berichte ausführten, vor der galizischen Judenschast die Segel streichen müssen. Der Präses Samuel Horowitz und der Rabbiner Dr. Caro der Lemberger israelitischen Cultusgemeinde sind zur Hoftafel zugezogen worden und waren die Gäste des Landmarschalls. Die Deputation der Lemberger israelitischen Cultusgemeinde erfreute sich eines überaus huldvollen Empfanges von Seite Sr. Majestät und in eingehender Weise erkundigte sich der Kaiser über die privaten Verhältnisse jedes einzelnen Deputations-Mitgliedes, sowie über alle Verhältnisse der Gemeinde, über deren rituelle Einrichtungen, deren Bildungs- und Wohlthätigkeitsanstalten. Zahlreiche jüdische Industrielle und Gewerbetreibende wurden von dem Monarchen bei seinen Rundgängen durch die Ausstellung angesprochen und deren Verdienste um die wirthschastliche Entwicklung des Landes belobt. Und einen Beweis allerhöchster Huld gab der Kaiser unseren Lemberger Glaubensgenossen, indem er das neue israelitische Waisenhaus persönlich eröffnete. Das sind Gnadenbeweise, die nicht nur die galizische Judenschaft, sondern unsere Glaubensgenossen im ganzen Reiche mit tiefinnigem Danke und mit glühender Begeisterung für den vorurtheilolosen und gerechten Monarchen erfüllen müssen, dessen väterlichem Herzen alle Bürger dieses Staates gleich nahestehen. Das Beispiel des Kaisers ist unauslöschlich und von machtvoller Wirkung, und gegenüber allen fürstlichen, geistlichen und bürgerlichen Hetzern wird man sich auf dieses Beispiel berufen können. Dem Kaiser ist zu allererst und zu allerhöchst die Sorge um das Wohl des Staates anvertraut, und wenn er in den Juden nicht Feinde dieses Staates, sondern treue und hingebende Mitarbeiter an dem Gemeinwohls erkennt, dann zerstieben alle Verleumdungen unserer Gegner vor dem Sonnenblicke der kaiserlichen Huld wie eitles Gewölke. Die Deputation der israelit. Cultusgemeinde -ei Sr. Majestät dem Kaiser. Daß an dem brausenden Jubel, mit welchem I Se. Majestät der Kaiser in Galizien und besonders in

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