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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 702 Vrflrrreichifchr Wochenschrift Nr. 36 findet, bezeugt, wurde damals die Wasserleitung, aber in viel tieferer Lage mit zu Tage liegenden Tyonröhren hergestellt. Auch diese war von kurzer Dauer. Die Araber zerschlugen an jeder beliebigen Stelle die ohnehin schwachen Thonröhren, um ihren und ihrer Thiere Durst zu löschen. Biele Jahrhunderte lag diese Leitung zerstört, als ich, im Jahre 1866 durch die zerstörten Röhren aufmerksam gemacht und den Wasserursprung suchend, oberhalb der Salomonischen Teiche eine Bodenöffnung von dem Umfange eines Wiener Schuh im Quadrat entdeckte, aus welcher die Karawanenführer das Wasser zum Tränken ihrer Thiere aus großer Tiefe schöpften. Der nicht gefahrlose Abstieg in die mit Jahrhunderte altem Schutt und Geröll angefüllte Tiefe brachte mich in einen großartigen römischen Bau mit Tonnengewölben und einem quadratischen Reservoir im Centrum, zum Auffangen und zur Reinigung der mächtigen, a-s sieben Quellen hervortretenden Wassermenge bestimmt, die zuerst durch einen im Felsen gehauenen unterirdischen Canal, dann aber, wie erwähnt, durch die in einen Felsengang über dem Niveau der Teiche eingesetzten Thonröhren in die Höhe des dermaligen Jaffathores von Jerusalem geleitet wurde. Ich bewog den Generalgouverneur I z z e t Pascha zur Besichtigung dieses großartigen alten Quellenhauses und zum Studium der Wasserbenützungsfrage; meine Bemühungen, ihn zur Wiederherstellung der alten römischen Wasserleitung zu bestimmen, hatten nur den Erfolg, daß er die Brunnenkammer reinigen, mit einem Oberbau, einer Stiege und amtlichem Verschluß versehen ließ und, nachdem ich im Jänner 1867 Jerusalem verlassen hatte, unbegreiflicherweise die drei Salomonischen Teiche neu cementiren ließ, in der Absicht, das in denselben der Lust ausgesetzte Wasser nach Jerusalem zu bringen, was ihm zwar für kurze Zeit gelang, aber in Folge großer Unregelmäßigkeiten in der Geldgebahrung auch bald seine Exilirung einbrachte. Bon einer Salomonischen Wasierleitunq kann wohl nicht die Rede sein, da Salomon nur die Füllung der Teiche für seine Gärten in W a d i - A r t a s im Auge hatte und eine Wasserleitung gewiß nach dem Tempelplatze geführt hätte, dieser aber weit höher gelegen ist als die mehrgenannte Quelle Ain- Borak, welche nur mit der in der Conftantinopeler Correspondenz als Ain-Arroub bezeichneten Quelle identisch sein kann." Venmjsclrte». Wien. Der Privatdocent Dr. H e i t l e r ist zum außerordentlichen Professor an der medicinischen Facultät ernannt worden. Die Ernennung des Dr. Ludwig Mauthner zum Ordinarius für Augenheilkunde steht unmittelbar bevor. Wien. (Auszeichnunge n.) Herrn W. B e ck, Armenrath der Stadt Wien, wurde das goldene Verdienstkreuz verliehen. Wien. Sonntag am 9. September l. I. um 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel IX., Müllnergasse die Trauung des Herrn Eugen Willoner mit Fräulein Rosa Labin, Tochter des Herrn A. L. Labin, statt. Wien. Am 2. September fand in der Synagoge W ä hring die Trauung des Herrn Adolf Schwarz mit dem Frl. Sidonie B ö h in, Tochter des hiesigen Fabrikanten Leopold Böhm, statt. Die Trauung vollzog der Cousin des Bräutigams Ehrwürden Herr Dr. L. Goldschmied, Rabbiner in Mießlitz. In beredten Worten schilderte er das glückliche Familienleben der beiden Eltern, das er den Kindern als leuchtendes Beispiel hinstellte. Wien. (Trauung.) Im Leopoldstädter Tempel fand am letzten Sonntag die Trauung des Herrn Anton L oew, Vorstandsmitglied des Vereines „Uivias 6bew°, mit Frl. Bertha S ch o st a l statt. Nach den vom Obercantor G o l d st e i n zum Vortrage gelangten Psalmen hielt Rabbiner Tr. Schmied! die wohldurchdachte Trauungsrede, in wecher er der zahlreichen guten Eigenschaften des Bräutigams erwähnte. „Der Familienname Loew ist in ganz Mähren bestens bekannt. Religiosität und Menschlichkeit, die schönsten Tugenden unserer Tradition, haben sich seit jeher in dieser Familie documentirt und auch unser Herr Bräutigam hält treu und fest daran." Mit Segenswünschen an das junge Ehepaar, welches sich vieler Sympathien erfreut, schloß Rabbiner Dr. Schmie dl seine gediegenen Ausführungen. E. J. Wien.. Frl. Johanna Kollek, Tochter des hier allgemein geachteten und anerkannten Religionslehrers an Mittelschulen Herrn Aron Kollek, hat sich mit Herrn Arnold Wein berge r, Dampfsägeverwalter inErdöszad, verlobt. E. L. Wien. (Jubiläum.) Der Beamte der Großindustriellen-Firma M. u. I. Mandl in Wien und Proßnitz, Herr David Löb feiert am 8- September sein 25jähriges Dienstjubiläum und sind demselben anläßlich dessen seitens seiner Chefs und Collegen Ovationen zugedacht. Wien. (Humanitäre Ver m ä ch t n i s s e.) Die im Juli laufenden Jahres verstorbene Private Frau Jakobine B r a n d e i s vermachte dem Wärmestubenvereine 1000 fl., dem Vereine gegen Verarmung und Bettelei 1000 fl., dem Vereine für Feriencolonien, dem Thierschutzvereine und dem Vereine zur Beköstigung armer Schulkinder je 700 fl. Weilers verfügte die Erblasserin, daß ihr werthvoller Brillantschmuck veräußert und das Erträgniß an besonders Bedürftige vertheilt werden möge. Wien. (Der junge Clavier-Virtuose Poldi Spielmann) hatte die Ehre, vor der Frau Erzherzogin Marie Va lerie, der Frau Prinzessin Gisela, den jungen Prinzen Georg und Conrad und noch anderen hohen Persönlichkeiten in der kaiserlichen Villa in Jschl^zu spielen. Unter dem lebhaftesten Beifalle spielte der junge Componist seinen dem Kaiser gewidmeten „Kaiser Franz Joses-Festmarsch" nebst Stücken von Beethoven, Chopin, Grieg, Schubert u. s. w. E. L. Wien. (Todesfall.) In Blankenberg he (Belgien), wo sie zur Cur weilte, verschied am 22. v. M. Frau Josefine B r e t t a u e r, geborene Landauer, 64 Jahre alt. Die Verewigte, Schwiegermutter des Großindustriellen M. Zweig hier, war eine gottesfürchtige, wohlthätige Dame, eine liebevolle, aufopfernde, um das Wohl ihrer Kinder besorgten Mutter. Die Erde sei ihr leicht. Wien. (Ferienheim.) Montag den 10. September treff.n die beiden letzten Serien der israelitischen Feriencolonie in Wien ein, und zwar kommen 55 Knaben mit dem Colonieleiter Herrn Religionslehrer L. Wiesner aus Schattin a n n s d o r f um 5 Uhr 55 Minuten mittelst Staatsbahn und 50 Mädchen mit der Colonieleiterin, Fräulein W. U n g er aus Petra u um 7 Uhr 42 Minuten mittelst Nordbahn hier an. Das Ergebniß der von den Vorstandsmitgliedern Frau Antonie Graf, Herrn Docenten Dr. Josts Grünfeld und Herrn Moriz Graf, sowie Fräulein Caroline Schneider in Vertretung ihrer Schwester, der Präsidentin Frau Sofie Grünfeld, kürzlich vorgenommenen Jnspicirungen beider Colouien war ein außerordentlich zufriedenstellendes. Wien. (Julie T h e n e u.) Am 4. September feiert die Schrifistellerin Julie T h e n e n ihren 60. Geburtstag. DerOeffentlichkeit gehört sie nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als viel verdientes Mitglied verschiedener Vereine an. DerDeutsche Schulverein schätzt in ihr eine stiner eifrigsten und unermüdlichsten Damen. Der Bezirksverein W i e n des Deutschen Schriftstellerverbandes darf sich rühmen, in Frau Julie T b e n e n eine Schatzmeisterin zu besitzen, die an Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue ihresgleichen sucht. Ihre Wohlthätigkeit ist zu ihrem Schaden in den Kreisen der Bedürftigen allgemein bekannt, und eine Empfehlung an sie wird mit großer Vorliebe angestrebt. Sie hat manche Thräne getrocknet. Für ihre Erzählungen „Der Wunder-Rabbi" und „Die Wunderthäter" hat sie auf der Ausstellung in Chicago eine ehrenvolle Auszeichnung erhalten. Frau T h e n e n weilt gegenwärtig in A u s s e e und wird auch dort ihren 60. Geburtstag begehen. Wien. Am 27. August d. I. ist hier ein achtbarer Glaubensgenosse, dem auch ein hohes Alter beschieden war, sanft in das bessere Jenseits übergegangen. Herr Naftali Gänze l, Schwiegervater des Exporteurs Herrn M. Seif, ist im 75. Lebensjahre verschieden. Durch ein halbes Jahrhundert in Wien ansäßig und bis vor wenigen Jahren als Kaufmann thätig, genoß derselbe die größte Werthschätzung all Derjenigen, die mit ihm je verkehrt hatten, nur Freunde besaß er im Leben und dies mit Recht, zumal er den Traditionen, welche dem wahren Juden sozusagen die Signatur geben, bis zum letzten Athemzuge treu geblieben ist. Als Mensch von großer Herzensgute war der Verblichene im vollsten Sinne des Wortes von wahrer Frömmigkeit erfüllt. Tief betrauert von seiner einzigen Tochter, Frau Fanny Seif, dem Schwiegersöhne und einer Schaar Enkel, schied er dahin. Er ruhe in Frieden!

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