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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 36 Destrrreichische WochenfchrM Seite 701 Mit Bezug auf den Artikel des Herrn Dr. Loewenso hu- Riga in Nr. 31—33 d. Bl. bemerke ich, daß über den Zusammenhang der Neumen mit den Neginoth bereits F e 1i s und Ernst D a v i d (P a r i s) ausführlich geschrieben haben. Petersburg, 7. August. Ein amerikanischer Philantrop, der bereits während der Hungersnoth in Rußland viel Gutes gethan hat, beabsichtigt, von amerikanischen Gesinnungsgenossen unterstützt, in Rußland eine landwirthschaftliche Colonie für arme Juden zu errichten. (Damit hängt wohl die Reise des amerikanischen Rabbiners Dr. Kr aus köpf nach Rußland zusammen, woselbst derselbe sowohl vom Finanzminister als auch vom GeneralprocuratorPodbidenoszew wohlwollend ausgenommen wurde.) Skotschan, 3. September. Am 29. August Nachmittags kam Seine Eminenz der Herr Cardinal Dr. Georg Kopp, Fürstbischof zu Breslau zu dreitägigem Aufenthalte hieher. Unter den Deputationen, die zur Begrüßung des hohen Kirchenfürsten erschienen, befand sich auch die Vertretung der hiesigen israel. Cultusgemeinde, bestehend aus Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. L. Do b schütz und den-Vorstehern Herren David Spitzer und Heinrich Tr am er. Auf die Ansprache des Herrn Rabbiners erwiderte der Herr Cardinal: Er freue sich, daß der Redner auf Recht und Frieden als die gemeinsamen Ideale aller Bekenntnisse hingewiesen habe, u n d er seinerseits werde, wie bisher, auch ferner deren Verwirklichung an st r e be n u n d dazu beitragen, daß die traurigen E r s ch e i n n n g e n des Rassen- und C lasse n h a s s e s ab n e h m e n und schwinden. Mit innigen Dankesworten entließ hierauf Seine Eminenz die Deputation in freundlichster Weife. Jerusalem. (Der 18. August in Jerusalem.) Dem Patrioten im Auslande thut es wohl, die patriotischen Feste in würdiger Weise feiern zu sehen und mitfeiern zu können. Fern von der Heimat fühlt er umso mehr das Bedürfniß, seine Angehörigkeit zum Vaterlande, seine Anhang, lichkeit an Kaiser und Reich zu documentiren. Die Kaiserfeier am 18. August hier in Jerusalem war deshalb für mich eine wahre Befriedigung, eine hohe Genugthuung. Der Empfang beim Herrn Consul, der durch eine schwungvolle Ansprache alle Anwesenden begeisterte, und die Schulandachtsfeier in der Simon Edler v. Laemel-Schule wirkten wohlthuend und erhebend auf sämmtliche Festtheitnehmer. Die ziemlich starke österr.-ung. Colonie hier besteht fast ausschließlich aus Glaubensgenossen, die auch im fernen Osten nichts von ihrem Patriotismus, von ihrer Anhänglichkeit und Treue zum Landesvater einbüßen. Sie fühlen sich 'auch hier als Oesterreicher, erfreuen sich ja auch hier des mächtigen Schutzes Oesterreichs und sind zudem vom Stach-l antisemitischer Hetzereien seitens unpatriotischer Conpatrioten noch verschont. — Schade nur, daß die israel. österr.-ungar. Gemeinden hier der modernen Schulbildung noch immer abhold sind und noch heute auf dem veralteten Standpunkt verharren, daß zeitgemäße Bildung in Widerspruch mit wahrer Religiosität stehe. Es ist dies umsomehr zu bedauern, als gerade den Mitgliedern dieser Gemeinden die beste Gelegenheit geboten ist, ihren Kindern eine gediegene Herzens- und Geistesbildung, eine gründliche Bildung sowohl in den hebräischen, wie in den seculären Disciplinen zu geben. Die Edler von L a e m e l - Schule, seit sechs Jahren mit der Waisenhausschule des Vereines zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina (Sitz Frankfurt a. M.) vereinigt, hat, dank der vortrefflichen, energischen Leitung hier und in F r a n kfurt, einen nie geahnten Aufschwung genommen. Ueber 100 Zöglinge erhalten in dieser Anstalt eine gründliche Bürgerschul- Bildung neben gediegenen Kenntnissen in der hebräischen Sprache und den Religionsfächern. Wiewohl diese Anstalt nunmehr nur noch zum kleinen Theil von Oesterreich unterhalten wird, — die Ausgaben belaufen sich auf ca. 16.000 Fr., während die jährlichen Zinsen der La em el-Stiftung nur ca. 4500 Fr. betragen — so hat sie doch ihren Charakter als österreichische Schule bewahrt, und finden Kinder österreichischer Bürger die erste Berücksichtigung, so oft diese nur nachgesucht wird. Daß sie diesen Charakter bewahrt hat, zeigte sich unlängst bei der öffentlichen Jahresprüfuug. bei welcher Gelegenheit unser Consul, Herr Theodor I p p e n, der dieser Anstalt sein besonderes Interesse zuwendet, den Vorsitz führte und in einer längeren Ansprache seine Theilnahme für das segensreiche Wirken dieser österreichischen Institution kundgab. Der verdienstvolle Leiter der Schule, Herr Director Ephr. Cohn, hielt bei dieser Gelegenheit eine Denkrede auf den verewigten Ludwig August Frankl, den geistigen Urheber dieser Anstalt. Dieses zeigte sich noch mehr am 18. August. Die Kaiserfeier in dieser Anstalt war eine wahrhaft patriotische, imposante. Die Festrede des Directors, die Recitationen patriotischer Gedichte und das Singen österreichischer Hymnen seitens der Zöglinge, das Kaisergebet nebst Ansprache und last not least die Ansprache unseres, redegewandten Herrn Consuls, alles dies machte die Feier eindrucksvoll und erhebend. Begeistert stimmte der Jugendchor in ein Hoch auf den frommen, edlen Kaiser ein, den Friedenssürsten, den Beschützer unseres Stammes, den Förderer des geistigen Fortschrittes, den Protector der L a e m e l-Schule. Herr Dr. G r ü n h u t, Director des deutsch-jüdischen Waisenhauses und Lehrer des Talmuds an der Laemel- Schule, trug das Kaisergebet vor und wies in einer Ansprache ebenfalls auf die Fürstentugenden des edlen Monarchen hin. der alle seine Landeskinder ohne Unterschied des Glaubens und des Standes und selbst im fremden Lande beschützt und beschirmt. Der Herr Consul feierte das Andenken des seligen Edlen von Laemel, dem seine hochherzige Tochter durch Gründung dieser Anstalt ein ewiges Denkmal gesetzt. Zu einer Zeit, da die Juden in anderen Ländern gegen Borurtheil und um ihre Existenz zu kämpfen hatten, haben die Ahnen des gnädigen Kaisers, die wie dieser alle ihre Unterthanen gleich liebten, einen treuen Sohn Judas den Adeligen des Landes angereiht. Was Edler von Laemel geworden, hatte er seinen Fleiß, seiner Redlichkeit, seiner Bildung zu verdanken, und sollten die Zöglinge der L a e m e l-Schule sich diesen Edlen in Israel zum Vorbild nehmen. Religiosität und Bildung müssen Hand in Hand gehen, und nur beide zusammen machen den glücklichen, seinen Pflichten treuen Bürger. Die Worte des Consuls machten einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer. Herr Theodor I p p e n, unser gegenwärtiger Consul, ist sichtlich bemüht, die mißlichen Verhältnisse, in welchen sich die seinem Schutze anbefohlenen Gemeinden hier befinden, zu bessern. Er waltet seines Amtes mit großem Tact, mit Würde, Energie und Wohlwollen, und wir können uns viel Gutes von seiner Amtsthätigkeit hier versprechen. 8. G. Jerusalem. Dem Jahresberichte der Esra-Gesellschaft (Berlin) zur Unterstützung jüdischer Ackerbautreibender in Palästina und Syrien ist zu entnehmen, daß die Gesellschaft 24 Colonien unterstützt, welche durchwegs so prvsperiren, daß sie von jetzt ab fremde Hilfe werden entbehren können. Die Colonien umfassen 50.000 Acre Land und beschäftigen gegen 5000 Personen. Durch das günstige Ergebniß der bisherigen Versuche ist die Esra-Gesellschaft einerseits einer großen Verantwortung enthoben und anderseits in die Lage versetzt, ihre Aufmerksamkeit der Errichtung neuer Colonien zuzuweuden. In Verbindung mit anderen denselben Zweck verfolgenden Ge- - sellschaften wird die Esra-Gesellschaft demnächst eine Colonie einrichten, welche aus russischen Juden bestehen wird, die bisher in Palästina als Taglöhner gearbeitet haben. Der Bericht hebt hervor, mit welcher Leichtigkeit die Colonisten sich in die ihnen bis dahin fremde Arbeit hineingesunden haben. Sie haben bewiesen, daß die Juden wieder für den Ackerbau gewonnen werden können und daß P aläst ina das hiezu geeignetste Land ist. Jerusalem. (Die „Salomonische Wasserleitung" in I erusalem.) Von Herrn Ministerialrath und Generalconsul a. D. Ritter W a l ch e r v. M o l t h e i m enthält die „Neue Freie Presse" folgende Zuschrift: „Die im Morgenblatte der „Neuen Freien Presse" vom 21. d. M. gebrachte Meldung aus Constantinopel über die Salomonische Wasserleitung in Jerusalem und die beabsichtigte Wiederherstellung derselben erheischt eine theilweise Erläuterung auf Grund der Reminiscenzen aus der Zeit meiner consularischen Verwendung im Heiligen Lande. Die bekannten drei Salomonischen Teiche, südlich von Beile hem gelegen, -dienten zur Bewässerung des drei Kilometer langen Thales Wadi-Artas, welches daher, reich an Früchten, auch in der heißen Jahreszeit dem blühendsten Garten vergleichbar war. Die Füllung dieser colossalen Reservoirs erfolgte aus der Quelle Ain-Borak, welche, an 30 Meter südwestlich oberhalb des dritten Reservoirs und in geringer Entfernung von dem sarazenischen Castell El-Borak gelegen, zur Zeit der römischen Herrschaft mittelst einer in Felsen angebrachten Thonröhrenleitung das beste Trinkwasser nach Jerusalem abgab. Zur Zeit des Khalifats muß diese über dem Niveau der Salomonischen Teiche gelegen gewesene Wasserleitung schon unbrauchbar, vielleicht während vorangegangener Belagerungen zerstört worden sein, denn wie eine sarazenische Jnschrifitafel, die sich noch an der Brücke unterhalb Sion vor.

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