Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 36 (7.9.1894)
- Date
- 1894-09-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 700 Vesterreichtfche Wochrnfchrifl Nr. 36 den verstorbenen Oberrabbiner der Czernowitzer israelitischen Cultusgemeinde Dr. Lazar E. Igel am israel. Friedhofe statt. Es hatten sich zur Feierlichkeit eingefunden der Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Rott, Vicebürgermeister Dr. Reiß, Statthaltereirath v. W a z l, Stadtrath Beck, mehrere Gemeinderäthe, der gesammte Cultusrath mit dem derzeitigen Präsidenten der Cultusgemeinde Herrn Hauptmann Bernhard Ba l t i n e ster, der Ausschuß des Commis- und Buchhaltervereines, die Familie des Verstorbenen und noch andere Theilnehmer verschiedener Confessionen. Nach Jntonirung eines Trauerchorals durch den Obercantor Rosen Heck ergriff der Präses-Stellvertreter Herr Bernhard B altine ster das Wort zu einer ergreifenden Ansprache, welche bei den Hörern einen mächtigen Eindruck erzielte. In beredten Worten schilderte er die 40jährige Wirksamkeit des Verblichenen als Seelsorger, zeichnete in großen Zügen den Zauber seiner Persönlichkeit, seine große Popularität, die sich namentlich bei der Beerdigungsfeierlichkeit manifestirte. „Wir sahen", sagte der Redner „unter den vielen Tausenden Trauergästen aller Confessioneu und Nationalitäten von Stadt und Land auch die hochwürdlge Geistlichkeit aller christlichen Riten, die Spitzen der Behörden sammt deren Beamten, das Militär, den Laiidesauss'chuß mit dem Landeshauptmann, den Bürgermeister mit dem Gemeinderathe dieser Stadt, die Mittelschulen, Vojksichulen, Cvrporationen, sehr viele Vereine und auch sonstige Repräsentanten, welche dem Verblichenen die letzte Ehre erwiesen und dadurch auch unsere Cultusgemeinde ehrend auszeichneten." Der Redner zeichnete die Geschichte des Denkmals und schloß mit dem Gelöbniß, im Namen der Gemeinde das geistige Bermächtniß des Heimgegangenen treu zu bewahren. Treue dem geliebten Kaiser und dem Vaterlande ergeben Zu bleiben Oesterreichs Bürger im Tod und im Leben! Hierauf erhielt Herr Oberrabbiner Dr. R o s e n s e l d das Wort zu einer großangelegten Denkrede. Er schilderte das Leben und den Entwicklungsgang, den Charakter und die Gelehrsamkeit des Verblichenen und schloß mit folgenden Worten: „Nicht immer wurde ihm die gebührende Achtung und Anerkennung zu Theil. Heute hat nun unsere Gemeinde bewiesen, daß sie nicht denen gehört, die die Schmach Egyptens noch nicht abgewälzt, daß sie vielmehr Demjenigen, der ihr Führer war. 39 Jahre hindurch, Dank weiß. Dank deshalb den Vorstehern und Vertretern der Gemeinde, Dank Denjenigen, die sich um die Fertigstellung dieses Grabdenkmals bemüht. Unsere Gemeinde hat sich selbst ein Denkmal, ein schönes Denkmal errichtet. Wir sehen, daß der Spruch der Alten: die Frommen leben erst recht nach ihrem Tode, zur Wahrheit geworden. So möge denn das Andenken dieses Frommen uns zum Segen sein und bleiben." Vor Schluß der Feier ergriff Herr B alt ine st er das Wort und sagte: „Ich erachte es mm noch als eine angenehme Pflicht, zu den Danksagungen des ehrwürdigen Herrn Obeirabbiners noch im Namen unserer Gemeinde dem Baumeister, Herrn Josef F i nk e l, der die Pläne für dieses herrliche Denkmal verfaßte, dem Baumeister Herrn Julius Bocbner für seine guten Rathschläge, sowie für die exacte Ausführung dieses Baues, dem Baumeister, Banamtsadjnncten Herrn Moritz Birkenthal ebenfalls für seine guten Rathschläge und endlich dem Cultusrathe unserer Gemeinde Herrn Carl Rosen zw erg für seine hingebungsvollen und nachahmenswerthen Bemühungen bei dieser Bauführung den innigsten und verbindlichsten Dank hiemit auszudrücken." Czernowrtz. (Auch die Taufe hilft nicht.) Wir lesen in der „Bukowiuaer Rundschau": Kummervolle Nächte macht es ihm, daß er in der Wahl seiner Eltern nicht genug vorsichtig gewesen. Zwar kann er sich über das Schicksal sonstens nicht beklagen, denn sein Vater gehört zu den reichsten Männern unserer Stadt, bewohnt ein großes Hans in der elegantesten Straße, ist Mitglied mehrerer Bertretungskörper, schreibt Novellen und gibt Broschüren im Selbstverläge heraus — aber, armer Junge! sein Vater ist nur ein Jude. Zwar hat unser Jüngelchen seine — si licet —Fehlgeburt gut zu machen versucht, hat sich ein Entrsebillet für die christliche Gesellschaft zu verschaffen gewußt, aber der Makel der semitischen Abstammung blieb ihm dennoch anhaften. Doch hoffte er. in der großen Stadt an der Donau, wo er sich den Studien der Medicin hingeben sollte, unerkannt als waschechter Arier sich in eineantisemitische, deutschnationale Burschenschaft hineinschmuggeln zu können, aber o weh! Die deutschen Recken blickten ihm verächtlich über die Schulter, glaubten sie doch in seinem ganzen „Gestell" den „polnischen Juden" zu erkennen. Sie schickten ihn hausiren und nun wan" erste er von „Bude zu Bude", pries mit den beredtesten Worten seine echt antisemitische Gesinnung, schwur auf S ch önerer und Deckert, Schneider und Paulus Mayer, schimpfte Juden und Judenthum, doch vergebens. Das schwarzroth'goldene Band der Rheinwachtsänger ließ sich nicht erschimpfen und erbetteln. Die Olympen und die Gothen, Allemannen und Sueven — und wie sie alle heißen die bierseligen deutschen Patrioten, denen er seine echt arische Abstammung vorlügen wollte, schickten ihn in die freiwillige Rettungsgesellschaft, um den Chefarzt Vragaffy unseligen Angedenkens über seine nationale Qualification entscheiden zu lassen. Aber unser Jüngelchen fürchtete begreiflicherweise die berüchtigte Leibesvisitation und — kniff aus. Nun irrt er trostlos in den Straßen herum, wettert über jene Undankbaren, die sein großes deutsches Herz verkannt und seine treue Anhänglichkeit au die weisen Lehren jener genannten antisemitischen Koryphäen mit einem Hundstritt belohnt haben. Nun will er noch sein Glück bei den Deutschnationalen in Gra; versuchen und schmeichelt sich mit der Hoffnung, in die saubere antisemitische Familie sich „einkausen" zu können. Vielleicht wird es ihm gelingen, den B. C. einer Burschenschaft des österreichischen Pensionopolis anzuschmieren und eine Zeit lang als Kneipschwanz die klägliche Rolle eines Parasiten zu spielen, aber Ernüchterung und Katzenjammer werden nicht ausbleiben und über kurz oder lang werden die akademischen Teutonen von Graz ihn genau kennen lernen und erfahren, daß seine unmittelbaren und lebenden Vorfahren in Wahlzeiten „das Judenthum in Gefahr" erklären, daß seine Großeltern gläubig fromm die „Mesusah" an den Thürpfosten geküßt und statt der Bärenfelle und goldblonden Haarbüsche seidene Kaftane und zierlich geringelte Schmachtlöckchen getragen haben. Dann fliegt der arme Kerl aus der honorigen Corona mit Schmach und Schande hinaus und lange werden ihm die Worte seiner einstigen Commilitonen nachklingen: „Egyptischer Emigrant, gehe nach Mizraim zurück!" Berlin. Dr. med. Arthur Würzburg, Bibliothekar des kaiserlichen Gesundheitsamtes, hat beträchtlich früher, als es Brauch ist, den Sanitätsrathstitel erhalten. Gemeinhin wird dieser erst 22 Jahre nach Ablegung der ärztlichen Staatsprüfung ertheilt. Würzburg hingegen ist erst 17 Jahre lang Arzt. Die vorzeitige Ernennung W ü rz b ur g's hängt wobl damit zusammen, daß er seit Jahren im Dienste des Reichsgesundheitsamts steht und umfangreiche literarische Leistungen aufzuweisen hat. 1853 zu Stettin geboren, erhielt er seine Schulbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt und auf dem Berliner Grauen Kloster. Seine medicinischen Studien machte cr von 1872 bis 1876 in Berlin. 1876 promovirte er hier mit einer in dem inzwischen eingegangenen histologischen Laboratorium von Dr. Ludwig Loewe gefertigten Arbeit zur Entwicklungsgeschichte des Säugethiecauges zum Doctor. Arbeiten zur öffentlichen Gesundheitspflege trugen Würz bürg die Berufung zum Bibliothekar des 1876 begründeten kaiserlichen Gesundheitsamts ein. Seit feinem Eintritt in das Gesundheitsamt beschäftigt sich Würz bürg vorzüglich mit medicinalstatistischeu Studien. Nach dem Rücktritt von Professor F i uk e l n b u r g (jetzt in Bon n) war W ü r z b u r g lange Zeit hindurch der einzige Pfleger dieses Zweiges im Gesundheitsamt. Würzburg ist Mitglied der Bibliothekscommission der Berliner medicinischen Gesellschaft. Dr. med. Leopold Brühl, der zugleich mit Würzburg zum Sanitätsrath ernannt worden ist, ist der älteste technische Hilfsarbeiter des kaiserlichen Gesundheitsamts. Er ist seit 1859 Arzt. Gemeinsam mit I ah r gab er eine umfangreiche und gründliche Untersuchung über die Verbreitung der Diphtherie bekannt. Dr. med. Fritz Straßmann, bisher Privatdocent für gerichtliche Medicin an der Berliner Universität, ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Damit ist die seit 1891 erledigt gewesene Professur für gerichtliche Medicin wieder besetzt. Aus London wird berichtet: Das Britische Museum hat unlängst eine in seiner Weise einzigdastehende Reliquie erhalten, die zur Zeit im Assyrischen Departement ausgestellt ist. Es ist ein altaffyrisches Gewicht. Dasselbe ist. aus grünem Divrit hergestelli, ist vier Zoll hoch, an der Spitze abgerundet, unten flach. Das Gewicht wurdezurZeit Nab ucadnezar's II., 605 v. Chr., verfertigt.. Die 10 Linien lauge babylonische Inschrift besagt, daß dies eine genaue Nachbildung des staatlich anerkannten Gewichtes sei. Es scheint zweierlei Arten Gewichte in Babylon gegeben zu haben. Die eine war die „Mana des Königs", die andere Art Gewicht wurde besonders zum Wägen von Silber verwendet. In dieser Beziehung ist die Stelle d-'s Alten Testamentes interessant, wo es heißt, daß Abraham dem Hetiter Ephron den Preis der Höhle von Machst?!^, 400 Seckel Silber, abwog. (Genesis XÄll. 16.)