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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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. ' .'-j*. Ir'&LS-: 7ae*rm- Nr. 36 SeHerretchlfrtzr Wochenschrist Seite 699 Das Hervorgehobene dürfte wohl genügen, um dem Leser eine annähernde Vorstellung von der Reichhaltigkeit, dem Hohen, von den weitgesteckten Zielen des Herausgebers dieser Monatsschrift, des Herrn B r a i n i n und von der Bereitwilligkeit der edlen und vornehmen Mitarbeiter zu geben. Ich möchte mir zum Schlüsse nur noch eine kleine Anekdote gestatten: Ein Fremder hatte einst Gelegenheit, in einer größeren Stadt mit einer kleinen Jsraelitengemeinde die vortreffliche Predigt des dortigen Rabbiners anzuhören. Die zahlreichen Citate aus Bibel, Talmud und Midrasch, die geistvollen Auslegungen, packenden Anwendungen, gediegenen theologischen Lehrsätze, die edle Moral, Wärme des Tones und die lebensvolle Darstellung erregten das Entzücken und die Bewunderung des Fremden. Nach Jahren kam zufällig derselbe Mann in der Residenz bei der Hofkirche vorbei, in welche er eine auffällige Menge Andächtiger entströmen sah. Als er vernahm, daß es der Hofprediger war, der so viele Hörbegierige anzog, trat er gleichfalls ein und war nicht wenig überrascht, in dem bereits predigenden Hofpredigec seinen Rabbiner von einst zu erkennen. Ja fürwahr, dieselbe Stimme, Haltung, derselbe Strahlenreflrx des glanzvollen Auges, derselbe Schwung der bewegten Lippen! Ja, er ist es, er muß es sein! Die Predigt war eben so gediegen, fesselnd, inhaltsvoll wie einst die jüdische, nur einfacher, formvollendeter und mehr abgerundet. Es ließ unfern Mann später nicht ruhen, er mußte sich dem Hofprediger als Bekannter von dessen einstiger Rabbinerperiode vorstellen und um Aufklärung des Räthsels bitten. Freundlich ausgenommen und mit Lächeln vom Hofprediger ongehört, erhielt er nun folgende, freilich etwas frivole Erklärung: Als Rabbiner hotte ich mit meinen Predigten große Pein und Plage. Ich mußte eine Menge Bücher nachschlagen, das Gedächtniß in allen Winkeln aufstöbern, um nur erst den unvermeidlichen Schatz an Citatcn aufzubringcn. Damit war's nicht abgethan; viele Hörer kannten diese so gut wie ich, und sie hätten es als bloßes Wiederkäuen bezeichnet, wenn nicht jedes Citai in überraschender Auslegung und origineller Deutung vorgeführt worden wäre. Andere Hörer erheischten Pikanterien, wenn sie nicht vor Langeweile einschlafen sollten, und wieder Andere waren nur dann befriedigt, wenn ihrem rührseligen Auge das edle Naß entlockt wurde. Dazu kamen noch öffentliche halachisch-wissenschaftliche Vorträge. Da gab es ein eifriges vierwöchentliches Talmndstndium, ein erschöpfendes Eindringen in alle Tiefen des Themas und dann öffentliche Disputation mit den Ortsgelehrten, die gleich mir und noch eifriger studi t hatten. Wehe mir Armen dann, wenn mir irgend eine Zeile im großen Gebiete des Talmud entgangen war, wenn ich mich nicht hinreichend vertieft hatte, um auf jede plötzlich hingeschleuderte Frage sofort und stricte antworten zu können, das galt eine Bloßstellung im vollen Gotteshanse. Und für w viel Arbeit, schwer erreichbares Wissen der Lohn, die Bezahlung? — lächerlich gering. Als Hofprediger genügt mir aber ein ansprechender Text, ein gefälliges Thema, gehörige Disposition, gntgesetzte Worte, zutreffende Gleichnisse, um unfehlbar bei den genläßigten Anforderungen ein wirkliches kleines Meisterstück zusammenzustellen, dem es an Beifall nie fehlt. Dabei reicher Lohn, gute Bezahlung. Hiermit haben Sie meinen Uebertritt und Standeswechsel erklärt. Nun in unseren Tagen haben sich wohl auch schon die Anforderungen an die jüdische Predigt geklärt und gemäßigt. In vielen Gemeinden gilt sogar keine Predigt als die anniuthsvollste, die der moralischen Trägheit und dem Dünkel, keiner seelischen Erhebung bedürftig zu sein, am besten entspricht. Mit Talmud, Halacha und Midrasch läßt man es seine guten Wege sein. Ja, in Böhmen sollen sogar Rabbiner, die in Verlegenheit wären, wenn sie sagen müßten, wie eine Gemara inwendig aussieht, dennoch ganz gut ihre Gemeinden befriedigen. Bezahlung ui>d Lohn sind entschieden besser geioorden. Aber diese hebräischen Zeitschriften „Haassif“ und „Mimisrach nmimaarab“ erinnern lebhaft an jene Anekdote. Es ist eine ungernein schwierige Aufgabe, die sich da Herausgeber und Mitarbeiter gestellt haben, sie bleiben auch hinter der Ausgabe nicht zurück, leisten Großartiges, so viel wie keine andere Zeitschrift in irgend einer andern Sprache; wie betrübend wäre es nun, wenn auch noch das Andere zntreffen sollte, der Dank, die Bezahlung, der Lohn, Absatz und Verbreitung?-- lächerlich geringe. Stern, Rabbiner in Trief ch. (Jümspitftem. Wien. (AusderKrankencassederGastwirthe.) Die Krankenkasse der Gastwirthe, welche bisher über einen selbstständigen Aerztekörper verfügte, theilt nunmehr ihren Mitgliedern mit, daß sie alle bisherigen Aerzte entlasten und neue angestellt habe. Diese neuen Aerzte sind, wie eine Localcorrespondenz mittheilt, dieselben, welche in einem vom Mechaniker Schneider gegründeten und geleiteten Krankeneassenverband fungiren. Wien. (Auss l ug n ach Graz.) Ein Comite, an dessen Spitze der Reichsrathsabgeordnete Mechaniker Schneider steht, veranstaltet, vorausgesetzt, daß bis zum 1. September d. I. 200 Karten HL Elaste bezahlt werden, einen Ausflug mittelst Separatzuges nach Graz, der am 7. September gegen Mittag von Wien abfährt. Unter Anderem ist geplant; „Gallingrnhe", ein Ausflugsort, der von einer antisemitischen Tischgesellschaft in Graz scherzweise so genannt wird. „Gallingruhe" heißt so viel wie „Galgen-ruhe". Das von einer antisemitischen Tischgesellschaft scherzweise so bezeichnet Plätzchen wird nur von Antisemiten besucht, da Juden die Teilnahme an diesem Ausflüge ausdrücklich verboten ist. Pretzbanm. Bei der stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der bisherige liberale Bürgermeister Herr Engelbert Frösch er neuerlich einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Ferner wurden als Gemeinderäthe gewählt die Herren: Carl M a zu r, Johann I ackl i n, Wilhelm P l e ß, Franz Ginn er, Josef Pen ka und Anton Burg hart, durchaus erprobte, fortschrittlich gesinnte Männer. Auch der Vertreter des Forst-Aerars stimmte für dieselben. Graz, 4. September. Der Zwiichensall in Mureck hat die Statthalterei veranlaßt, sofort von der Bezirkshauptmannschaft Radkersburg einen Bericht abzuverlangen. Landes- Jngenieur Heide hat gegen den Bürgermeister M r a v l a g von St. Leonhard einen Ehrenbeleidigungsproceß angestrengt. Zwettl, 2. September. (Resignation.) Bei uns brachten die kürzlich vollzogenen Gemeindewahlen der fortschrittlichen Partei einen glänzenden Sieg. Bon den fünf Mandaten, die bisher die deutschnationalen Antisemilen innehatten, gelang es, ihnen vier zu entreißen, und ihr Führer erlangte nur mit Mühe die Majorität. Welche Wirkung dieser Wahlerfolg hatte, zeigt nachstehendes, an den derzeitigen Bürgermeister der Stadt gerichtetes Schreiben: „Der Gefertigte ersucht, zur Kenntniß zu nehmen und die löbliche Gemeindevertretung hievon zu verständigen, daß derselbe auf die am 22. October 1870 einstimmig verliehene Ehrenbürgerschast Verzicht leistet und daher ersucht, seinen Namen aus dem ersten Wahlkörper der Wählerliste zu streichen. Schloß Rosenau, 31. August 1894. Georg Schönerer. Lemberg. Der hiesige isr. Cultuspräses Herr Samuel Horowitz hat in einer besonderen Audienz beim Statthalter das Ansuchen gestellt, daß anläßlich des Kaiserbesuches eine israelitische Hnldigungsdeputation, bestehend aus dem Rabbinats- Collegium Rabbiner Isaak Schmelkes, Dr. Caro mit den Assessoren gleich der Geistlichkeit am Bahnhofe erscheinen dürfe, was der Statthalter Gras Badeni. der immer gegen alle Conlestionen tolerant ist. zugesagt hat. — Während der Anwesenheit des Ministers Weckerle in den Räumen der Ausstellung nahmen dessen Interesse eine von einem Israeliten Namens Weisels aus Doli na ausgestellte Kunstschnitzerei und besonders eine in hebräischer Thoraschrift kalligraphisch geschriebene „Megila" derart in Anspruch, daß er an den Landtagsdeputirten Romanowicz die Bitte stellte, an diesen Mann beider Prämiirung nicht zu vergessen. E. B. Protznitz. (Domherr Nowak. — Personales.) Dem zum Domherrn des Olmützer Metropolitan-Capitels beförderten früheren Pfarrer von Proßnitz, P. Josef Nowak war es nicht lange vergönnt, sich dieser Dignität zu erfreuen. Nach mehrwöchentlicher Residenz in Olmütz starb derselbe in Folge Herzschlages und wurde vorige Woche, seinem Wunsche entsprechend, hier zur Erde bestattet. Dem Leichenconducte folgte, einer Einladung der Gemeinderepräsentanz znfolge, der ' Vorstand der israelitischen Gemeinde und Rabbiner Dr. Hoff. Der verewigte Domherr war kein Hetzcaplan und trotzdem, besser gesagt, weil er ein Czeche gewesen, den Juden gutgesinnt. Daß P. Nowak mit unserem Rabbiner im freundschaftlichen Verkehr stand, wurde schon berichtet. Jetzt wird bekannt — daß derselbe würdige katholische Priester vor seiner Verabschiedung aus Proßnitz für die Armen der israelitischen Gemeinde zehn Gulden widmete, jedoch die Bitte hiebei stellte, dies möge nicht veröffentlicht werden, um die Hetzcaplanokratie nicht rebellisch zu machen. Der Professor der hiesigen deutschen Landes-Oberrealschule. Herr Gerson Steinschneider, wurde vom Unterrichtsminister zum Professor an der Staats-Realschule in Teschen ernannt — der erste derartige Fall im Hause Oesterreich. Czernowitz, 28. August. Heute fand unter großer Theilnähme der Bevölkerung die Einweihung des Grabdenkmals für

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