Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 36 (7.9.1894)
- Date
- 1894-09-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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fers Vir. 36 Oestsrretchtschr WortzerrschrM Seite 697 habsburgischem Sccpter stehenden Theile von Ungarn. Er vermälte sich noch jung, erst 21 Jahre alt, 1575 mit der damals fünfzehnjährigen Elisabeth Baihory, einem der vornehmsten und schönsten Magnatensränleins des Landes. Ihre Verwandten befanden sich in fast souveräner Stellung. Der Großfürst von Siebenbürgen, Stephan, der spätere König von Polen, war Elisabeths Oheim. Die Güter der Bath ory's gehörten zu den ausgedehntesten Latifundien im heutigen Gebiete d r Stephanskrone. Die Ehe war in den ersten Jahren kinderlos, dann schenkte Frau Elisabeth ihrem Gatten zwei Töchter und einen Knaben. 1604 erlag Franz Nadasdy, noch nicht fünfzig Jahre alt, den Strapazen des Lagerlebens und nun erhielt seine Witwe Csejrhe im Waagthale als Witweusitz angewiesen. Sie hauste am Fuße der Burg in einem kleinen „Castell", einem wohnlichen Edelhofe, und begann dort nun in der Langeweile ihres Witwenlebens jene Ouäloreien des Gesindes in verstärktem Maße fortzusetzen, die sie laut den Proceßacten schon früher begonnen hatte. Schon zu Lebzeiten ihres Mannes hatte sie einmal ein Mädchen eines geringfügigen Vergehens wegen der Kleider entledigen und am ganzen Kö>per mit Honig bestreichen lassen, um so die Fliegen und Jnsecten anzulocken. Von dem gefräßigen, beißenden und stechenden Ungeziefer gepeinigt, mußte das Mädchen vierundzwanzig Stunden in dieser Situation draußen im Freien ausharren. Franz Nadasdy sah dieser Epecution zu, ohne weiter die Miene zu verziehen. Das Lagerleben hatte ihn an ganz andere Scenen gewöhnt. Der kleine Krieg gegen die Türken hatte auf beiden Seiten eine unmenschliche Barbarei im Gefolge, von der' die Soldatengräuel im Schwedenkriege nur ein verblaßtes Widerspiel sind. Ein Mädchen litt an epileptischen Krämpfen. Elisabeth Bathory verdächtigte sie der Simulation. Der Gatte pflichtete ihr bei und rieth als 'unfehlbares Mittel an, der eigensinnigen Dirne geöltes Papier zwischen die Zähne zu stecken und anzuzünden, „dann werde sie schon vom Boden aufspringen, selbst wenn sie halb tobt wäre." In solcher Schule war alles Gefühl der ohnehin hartherzigen, strengen Frau völlig versteinert, und als Witwe übte sie nun, was sie gehört und gesehen, praktisch. Sie zwang das Kindsmädchen Helene Jo, die Waschfrau Katharina Benetzku und das Mädchen für Alles Dorothea Szcntes zur Hilfeleistung. Die Geheimpolizei in dem düsteren Haushalte übte eine bejahrte Person, Anna Darkulia, die durch ihre Zwischentragereien das Unheil vergrößerte, weil sie so das Hausregiment an sich reißen und ihren Vortheil wahren konnte. Anfangs melden die Gerichtsacten, denen wir hier an der Hand des Verfassers folgen, von relativ geringfügigen Folterguälereien. Einem Mädchen, das ein herumliegendes Geldstück eingesteckt, wurde die Lust znm Stehlen dadurch verleidet, daß die Münze glühend gemacht, und ihm in die Hand gedrückt wurde. Den Mädchen, welche beim Bügeln die Krausen der „Maria - Stuart - Kragen", die man damals trug, nicht nach Wunsch der ordnungsliebenden Hausfrau gefaltet hatten, fuhr diese mit dem heißen Bügeleisen über das Gesicht, so daß Lippen, Nase, Wangen und Stirn eine einzige Brandwunde bildeten. Kammerzofen, mit deren Näharbeit sie nicht zufrieden, war, stach die Gräfin Nadeln und Stecknadeln in die Lippen und wenn sie die Nadeln selbst herausziehen wollten, dann wurde ihnen der Mund vernäht. Allmälig ging die gestrenge Herrin welker in ihren Quälereien. Fünf Dirnen, die im Hofe befindliches Reisig in Bündel schnüren sollten, aber nach Ansicht der Gräun dieses Geschält faul betrieben, wurden entkleidet, damit sie sich der Kälte wegen bei der Arbeit besser tummeln. Um sie zu beschämen, wurden die männlichen Lakaien herzugerufen. Anderemale aber wurden die Opfer unmenschlich geschlagen, bis ihnen das Blut vom Leibe troff. Die Herrin, wohnte der Execution bei und betheiligte sich, wenn sie dazu disponirt war, selbst daran. Müde geworden, überließ sie den Stock den Trabanten. Fünfhundert Stockschläge waren keine Seltenheit. Mit Vorliebe schlug man auf die Fußsohle und auf die innere Handfläche und zwar so lange, bis die Unglückliche kein Lebenszeichen von sich gab. Anfangs mag die Absicht zu tobten nicht bestanden haben, später erschrack Elisabeth davor nicht, wenn die Mädchen vor ihren Augen unter der Last der Oualen ihr Leben ließen. Auf einer Reise, welche die Gräfin zu einer Hochzeit der Tochter ihres nahen Verwandten, des Palatins Th urczo, im Winter bei strenger Kälte unternahm, entlief eine Kammerzofe. Sie wurde eingefangen, zur Strafe bis an den Hals in einem Bach gesteckt, der Kopf mit kaltem Wasser übergossen, und dann mußte das arme Mädchen un offenen Wagen mitfahren. Das Gewand erstarrte zu Eis und ne erfror. Von einem andern ähnlichen Falle erzählt ein Belastungszeuge: „'Nachher (nach einer empfindlichen Züchtigung) hat die Gräfin das gequälte Mädchen in den Frost hinauslragen lassen, unb zwar nackt, und so hat sie jenes mit kaltem Wasser begießen lassen durch die alten Weiber. Sie hat dabei mitgeholfen, bis das Wasser zu Eis erstarrte. Das Mädchen ist dann erfroren und auch gestorben." Die Todesfälle auf dem Cast ll unter dem Gutsgesinde der Gräfin mehrten sich. Sie konnte;: nicht mehr vertuscht werden. Es war nicht mehr möglich, die Leichen so leicht wegzuschaffen, und noch schwerer, neue Dienstboten zu erhalten. Die Gräfin schickte ihre Werber deshalb weit im Land herum und es fanden, sich dann neue bethörte Opfer. Einmal, als die Gräfin krank zu Bette lag, mußte ein Mädchen von der riesenstarken Dienerrn Dorothea am Bette festgehalten werden. Die Kranke richtete sieh auf und riß ihr mit den Zähnen ein Stück Fleisch aus der Wange, dem Nacken und der Brust. Einmal, als ihre mit dem Grafen Zrin yi vermalte Tochter sie besuchte, waren eben sechs Mädchen in Strafe. Sie waren zu achttägigem Fasten auf dem Schloßhofe verurtheilt. Man reichte ihnen nieder Speise noch Trank und von Zeit zu Zeit wurden sie mit kaltem Wasser übergossen. Fünf der Mädchen starben sofort. Das sechste starb in Folge der Oualen bald nachher. Nun war es schwer, die Leichen wegzuschaffen. Man überschüttete sie zwar mit Kalk, dessen ungeachtet oeioefiete der Verwesungsgeruch das ganze Gebäude. Einmal stöberten die Jagdhunde des auf Besuch anwesenden Schwieger>'o'mes Grafen Zrinyi eine verwesende Leiche im Schloßgraben auf. Die Dienerschaft des Grafen sah dies und trug die Kunde von dieser Bestätigung der unheimlichen Gerüchte über das Treiben der Schwiegermutter ihres Herrn ins Land hinaus. Die Behörde!: konnten endttch nicht mehr ruhig Zusehen und aus Rücksicht auf die hohe Stellung der Dame beide Augen » t I? zu drücken. Der Palatin Georg Thurczo entschloß sich, gegen seine Base einznschreiten, und lud um Weihnachten 1610 die beiden Schwiegersöhne der Gräfin ein, ihn und die ans Wenigen zusamrueugesetzte Gerichtscommission nach Esejche zu begleiten, Sie trafen dort am 29. December ein und fanden vor dein Thore eine bis zur Unkenntlichkeit zerschlagene Leiche eines Mädchens und im Schlosse selbst zwei andere Leichen von am Vorabende ebenfalls rodtgemarterten Mägden. Solchen Beweisen gegenüber half reu: Leugnen. Die Gräfin wurde aus dem oberen Schlosse internirr und eine zur Durchführung des Processes eingesetzte Ger ich tscommission, welche in Bisce am 2. und 7. Fänner ein summarisches Verfahren gegen die Helfershelferinnen einleitete, verurtheilie di« Dorothea Szentes und Helene Jo zunr Tode auf dem Scheiterhaufen, nachdem ihnen früher der Scharfrichter die Finger abgeschlagen, „mit denen sie Christenbtttt vergossen hatten." Das männliche Faetorum Ficzko wurde enthauptet. Und die Gräfin? — Ueber sie fand ein Ichriftenaustausch mit dem kaiserlichen Hofe in Prag statt. Die ungarischen Vetter:: der Berörecherin machten die Verdienste ihres Mannes, die einflußreiche Stellung ihrer Schwiegersöhne, die Familienveröindungen geltend und folgerten daraus, daß deshalb eine Verurtheilnng zum Tode ungeachtet der bösartigen Verbrechen des Scheusals nicht stattha-t wäre. Auch wäre sie nicht gewinnbringend, da man aus Rücksicht auf die Schwiegersöhne nicht wohl eine Vermögens-Constscation könnte eimreten lasten. Man resolvirte dann aus politischen Rücksichten, die Gräfin solle in