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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 694 VesterrelchtPtzr WochenschrM Nr. 36 Befähigung besitzen. Ich erkläre mich bereit, 3000 fl. österr. Wahrung zu deponiren, die sollen Ihnen gehören, Herr Roh ling, rvenn Sie nur eine einzige Seite des Talmudtextes — eine Seite, die nicht ich, sondern der Zufall in einem Tractat desselben, wie er zufällig in die Hand gelegt, Ihnen wählen soll, — richtig und fehlerlos lesen und übersetzen." „Rohling suchte sich selbstverständlich gegen solche unerhörte Bloßstellungen in dem antisemitischen Blatt „Tribüne" zu vertheidigen, aber wie wenig ihm das gelang, das beweist die geradezu monumentale Abfertigung, welche derselbe Dr. Bloch unterm 6. Januar 1883 in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" ihm zu Theil werden ließ, worin es unter Anderem von Rohling hieß: „ . . wenn man seine Aeußerungen kritisch prüft, so überläuft einem ein Grauen und starres Erstaunen vor der Fülle von mit krasser Unwissenheit gepaarten Fälschungen, die dort aus so engem Raum zusammengedrängt sind. Rohling war ja als raffinirter Falscher bereits vor Jahren von autoritätsvoller Seite in protestantischen Kirchenblättern entlarvt worden, allein diesmal hat er sich sebst übertroffen! Er fälscht den Talmud, er fälscht den Schulchan-Aruch, er fälscht die Bibel, er f ä l sch t die Bibel-Commentare, fälscht die Schriften seiner Gegner, wie diesmal Delitzsch, ja, er fälscht sich selber, seine eigenen Schriften, und selbst die Fälschungen Anderer erfahren von ihm noch eine weitere Verfälschung!" Diese Fälschungen wurden Punkt für Punkt von Dr. Bloch nachgewiesen, und er kommt dabei, namentlich bei der Widerlegung des Vorwurfs, daß in einer Stelle des Talmud die Nichtjuden als „Hunde" bezeichnet werden, noch einmal auf sein früher gegebenes Anerbieten von 3000 ff. zurück, indem er sagt: „Herr Rohling! Ich nenne Ihnen drei Fachmänner ersten Ranges, Herrn Professor Strack in Berlin, den Uebcrsetzer des Talmud-Tractats Aboth, Herrn Dr. August Wünsche in Dresden, den Uebersetzer des jerusalemischen Talmud, Herrn Professor S ie gfried in Je na, — und ich biete Ihnen 3000 Gulden, wenn auch nur zwei dieser Herren Ihrer Erklärung der Stelle beistimmen." „Dr. Bloch hatte die Genugthuung, daß ihm von den verschiedensten Seiten, insbesondere auch von christlichen Gelehrten, warme Zustimmung und Dank für seine energische Vertretung des verleumdeten Judenthums ausgesprochen wurde. Die Züchtigung Rohlings, die er sich vorgenommen, marin den Augen Aller, welche in dieser Sache ein Urtheil haben, eine vollständige; — solche Anklagen, solche Beschuldigungen, solche absichtlich beleidigende Vorwürfe sind wohl noch keinem Manne, der sich etwas darauf zu gut thut, Professor der Theologie zu sein und vertraut mit der hebräischen Literatur, jemals gemacht worden! Rohling nahm sie alle hin; erließ sich den „Lügner", den „Fälscher", den „gewissenlosen Verleumder", er ließ sich sogar gefallen, daß Dr. Delitzsch, der protestantische Theologe, eine der ersten Autoritäten in der hebräischen Literatur in seiner Schrift „Was Dr. August Rohling beschworen hat", den Ausspruch that: „Es ist doch entsetzlich, auf einem falschen Zeugniß nicht allein zu beharren, sondern es sogar zu beschwören!" Der obscurste Tagelöhner hätte sich solche Ehrentitel nicht gefallen lassen, Herr R o hling fühlte sich hoch erhaben darüber — er wagte nicht den einzigen Schritt, der ihm als Mann von Ehre vorgezeichnet war, die Klage aus Beleidigung, auf Verleumdung. „Und doch, — 'Auftreten Lr?Blv4'S nur etwas genauer.-Mrsolgt hat, dem mußte längst klar sein, daß er gerade oaraufhin seine Angriffe berechnet hatte, seinen zu diesem Schritt zu nöthigen. Dr. Bloch schloß oarum seine in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" im Jänner 1883 veröffentlichten Auseinandersetzungen damit, daß er erklärte, „einem Gelehrten von unbeflecktem Ruf sei cs nunmehr unmögltch, weiter mit ihm zu verhandeln." Dabei ahnte er freilich nicht, daß unmittelbar nach dieser seiner Erklärung ein Ereigniß eintreten sollte, das ihn wider Willen doch wieder aus den Kampfplatz rief, es war der Mord eines Christenmädchens in Tisza-Eszlar und die weithin Aufsehen erregende Beschuldigung, daß es sich allem Leugnen zum Trotz um ein von Juden begangenes, rituelles Verbrechen handle. Rohling ließ es sich nicht nehmen, unaufgefordert in diese Verhandlungen sich einzumischen, und sich bereit zu erklären, „eidlich vor dem Richter zu erhärten", daß solche Ritualmorde den Juden erlaubt und geboten seien. „Es ist das die Beschuldigung, deren vollständige Unwahrheit, wie wir schon bemerkt haben, längst nachgewiesen ist." „Wenn nichtsdestoweniger Dr. Bloch sich veranlaßt jah, mit ausdrücklicher Beziehung auf diese Beschuldigung seinem Gegner-Rohling noch einmal den Fehdehandschuh hinzuwerfen, so geschah es in der Erwägung, daß solche Fälle der Ermordung eines Christenkindes doch öfter Vorkommen und in dem Fortwuchern dieses entsetzlichen Voruriheils eine stete Gefahr für die Juden vorliege, vor welcher es ihm heilige Pflicht schien, seine Stainmesgenossen zu schützen. Er entschloß sich aber zu diesem nochmaligen Kampf mit seinem fanatisch verbohrten Gegner ganz besonders auch aus dem Grunde, um ihn endlich einmal zu zwingen, aus seiner scheinbar vornehmen Zurückhaltung heraus- und als Kläger vor Gericht gegen ihn aufzutreten. Zu diesem Zweck lirß er im Juli 1883 eine Reihe geharnischter Artikel in der Wiener „Morgenpost" erscheinen, in welchen er Rohling wiederholt der Lüge, der Verleumdung anklagt, und ihm den Vorwurf in's Gesicht schleudert, daß er zwar „nicht in der Lage ist, eine einzige Zeile hebräisch correct zu lesen, daß er aber einen Eid besitzt, . so. stark, daß er Mauern brechen und vermittelst welchem er auch Alles vor Gericht beweisen kann, was ihm ein fällt und beliebt." Gegen dieses frivole Gebahren „fühle er sich durch sein Gewissen genöthigt, neuerdings gegen den genannten Herrn wegen seiner zeugeneidl'ch angebotenen Aussage öffentlich die Anklage des an gebotenen Meineides zu erheben und diese schwere Anklage vor jedem Forum zu begründen." „Anerbieten des Meineids!" Das hat denn doch schließlich geholfen! Ein Monat nach Erscheinen dieser Artikel überreichte Rohling dem k. k. Landesgericht in W ien durch seinen Advocaten die Klageschrift wegen „Ehrenbeleidigung"; das Gericht ernannte von sich aus die als Autoritäten berühmten Professoren N ö l d e k e in S t r a ß b u r g und Wünsche in Dresden zu Sachverständigen; Dr. Bloch sammelte nicht weniger als 400 Stellen aus dem Talmud und der gesammten hebräischen und rabbinischen Literatur zur Uebersetzung und Erklärung durch die Sachverständigen, und die Verhandlungen wurden, nachdem die Sachverständigen ihre Ai beit vollendet, aus dem Monat November 1885 festgesetzt. Alles sah diesen Schwurgerichtsverhandlungen mit höchster Spannung entgegen; zwei der ersten Kenner der hebräischen Literatur, zwei christliche Gelehrte waren bereit, Zeugniß abzulegen, ob die eidlich erhärteten Aussagen und Auslegungen des kncholischen Theologie-Professors auf Wahrheit beruhen oder nichr, ob es namentlich wahr sei, was er vom Christenmord den Juden vorgeworfen und was von tausend Leichtgläubigen und Urtheilslosen schadenfroh als baare Münze ausgenommen wurde. Ein Streit, der Jahre lang gedauert, ein Streit, von dessen Ausgang es abhing, ob die feindselige Stimmung gewisser Kreise gegen das Judenthum ab- oder zunehme — er sollte jetzt in aller Form, in der denkbar gründlichsten Weise entschieden werden! — -—..Da geschah das Unei wertete: anstatt seinem Verklagten, dem Dr. Äst o'u), Ptzt Stirn an Stirn gegenüber zu treten und Rede zu stehen,' anKl! ffme..mi( feierlichstem Eid wiederholt bekräftigten Aussagen und BeschÄhWugen gegen das Judenthunr als ehrlicher Mann übcrzeugungsgkVäß zu bestätigen, was that Herr Rohling? Er erklärte in eiilklll Schreiben an das Landcsgericht, daß er seine Anklage zurücknehme, und ließ somit alle, auch die ehrenrührigsten Vorwürfe, die Bloch gegen ihn erhoben, auf sich sitzen. Mit vollem Recht hat dieser darum in der „Oesterreichischen Wochenschrift (1885, Nr. 40) das Endurtheil über seinen schamlos feigen Gegner dahin zusammengefaßt, daß er sagte: „Gleich jenem

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