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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 690 Vrstrrreichischr Wochenschrifl Nr. 36 Ei» entsetzlicher Raubmord wurde, wie man nnZ aus Brüssel telegraphirt, in der Ortschaft B l an d a in verübt, Eine Mutter ermordete ihren eigenen Sohn, um ihn nachher zu berauben. Die Mörderin wurde verhaftet. Dieses Verbrechen ist specifisch arisch und hat keine Analogie bei den entartetsten Schichten der Judenschaft. Allein wir sind nicht zu Ende! In Eggenstein wurde neulich wider den Führer der reinen Rassenantisemiten, Huber, die Anklage wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit erhoben. Der vormalige Redacteur der inzwischen eingegangenen antisemitischen „Neuen deutschen Zeitung", A. Schroot, wurde jüngst wegen schwerer Beleidigung des israelitischen ArzteS Dr. Salomon in TeringSwalde zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt, welche Strafe nunmehr vom Könige von Sachsen zu einer dreiwöchentlichen Haft im Gnadenwege herabgesetzt wurde. Damit hat die „Reichspost" doch einen Trost! Die Strafkammer zuMölnverurtheille am Sonnabend jenes Individuum, das jüngst die Georgskirche verunreinigte, was die antisemitische Partei ungerechtfertigter Weise zu einer Scandalgeschichte gegen die Juden ausnützte, zu sechs Monaten Gefängniß und einer Woche Haft. Die Kölner Antisemiten hatten in dreistester Weise die unwahre Behauptung aufrechterhalten, der Thäter sei ein Jude, trotzdem die ultramontane „Köln. Volksztg," ausdrücklich erklärte,. daß er ein „Christ" sei. Gegen den Vorstand deS Antisemitenvereins ist deshalb Anklage erhoben worden. Die Wiener Antisemiten gegen einen Cardinal. Die „Politischen Fragmente" Nr. 36 von 3. September 1894 schreiben: „Uns freilich kommt die Haltung des Fürstprimas Baszary nicht unerwartet, sie ist nichts mehr noch weniger als der Ausfluß des bischöflichen Ernennungsrechtes durch die weltliche Staatsgewalt. Jnsolange die Kirche nicht frei ist und die Bischöfe nicht vom Papste, sondern von den weltlichen Machthabern ernannt werden, bleiben solche Verletzungen kirchlicher Dogmen an der Tagesordnung. Auch die Bischöfe Deutschlands, Frankreichs, Italiens u. s. w. hätten sich mit der obligatorischen Civilehe nicht befreundet, wenn sie nicht mehr Diener des Staates als der Kirche wären. Hier deckt sich eben Eines mit dem Anderen, und ein Uebel erzeugt das andere. Fürstprimas Baszary hat augenblicklich größere Schmerzen als die Civilehe; er findet mit seinem fürstlichen Einkommen kein Auskommen. Infolge dessen will er die Primatialgüter verpachten, um sich der materiellen Sorgen zu entledigen. Es hat sich auch schon ein jüdisches Consortium gebildet, welches die Güter gegen einen jährlichen Pachtschillivg von 1,200.000 fl., den es wahrscheinlich auch auf mehrere Jahre im Voraus bezahlt, übernehmen will. Dazu braucht Cardinal Baszary aber die Zustimmung der ungarischen Regierung. Das ist das punctum saliens, Grund und Ursache, warunl der Fürstprinias den Kampf gegen die Civilehe aufgibt und ein Gleiches auch dem katholischen Clerus empfiehlt. — „Am Golde hängt, drm Golde drängt sich Alles entgegen." Auch Cardinäle und Bischöfe sind in Geldsachen Menschen, manchmal sogar recht profane Menschen." Antisemitische Selbsterkenntnis. Au§ Ostfriesland läßt sich die judenfeindliche „Hann. Post" am 22. August schreiben: Mit scharfen Worten ist das Judenthum angegriffen, wenn der schädliche Einfluß dieser fremden Nasse besonders deutlich hervortrat; aber die deutsche Presse würde ihre Pflicht nicht erfüllen, wenn sie nicht in derselben Weise gegen die Schäden im eigenen Vvlkskörper vorgii.ge. Wer kann aber leugnen, daß auch in diesem Manches faul ist? Mag dies in erster Linie anl daS schlechte Beispiel zurückzuführen sein, die eigentliche Schuld trifft das Volk selbst. Wäre es seinen einfachen Sitten, seinen volksthümlichen Gebräuchen treu geblieben, hätte ei sich nicht von dein geraden Wege deutscher Wahrhaftigkeit ableiten lassen und wäre es den verderblichen äußeren Einflüssen sofort Nlit Nachdruck cntgcgengetretcn, Vieles würde besser sein. Mit Recht kann das Judenthum in Ostfriesland der antisemitischen Bewegung Ereignisse unserer engeren Heimat und d-S benachbarten Oldenburg Vorhalten, bei denen es nicht Inden, sondern Deutsche gewesen sind, die das Vertrauen ihrer Mitbürger in der schamlosesten Weise mißbraucht haben. Die deutsche Treue mar bei ihnen nur ein leerer Wahn. Vor der "‘-'eit wurde der Schein aufrecht erhalten. Man prunkte und prahlte, aber der innere Kern war faul. Wird das Vertrauen derartig mißbraucht, so zieht sich Jeder zuletzt von seinem Nächsten zurück und wer in Noth geräth, kann sicher sein, keinen Helfer zu finden. Großartigkeit, Prunksucht ist durchw'gs der erste Anlaß zum Niedergange gewesen. Trat Geldmangel ein, so suchte man nicht durch Einschränkung zu sparen, sondern man spekulirte. So Mancher ist durch dies Hilfsmittel zu hohen Würden und hohem Ansehen emporgestiegen, weshalb sollte es nicht auch ihnen helfen? Der vielen Deutschen, die von dem verderblichen Gifthanch ihren Todeskeim, leiblich und seelisch, empfangen haben, wird nicht gedacht. Wirklich es ist an der Zeit, daß gerade die besser gestellten Stände zur Einfachheit zurückkehrev, dem gesammten Volke mit gutem Beispiel vorangehen. Was allen guten Mahnungen nicht gelingt, wird dem guten Beispiel leicht gelingen. Der Angesehene trügt eine große Verantwortung. Möge er sich dieser stets voll bewußt sein. Den Kämpfern für deutsche Sitten und Wahrhaftigkeiten erwächst die Pflicht, in diesem friedlichen Kampfe die Führerstelle einzunehmen. Praktisches Christenthnm im Königreich Sachsen, dem Eldorado der Antisemiten. In den „Dresdner Nachrichten" finden wir folgendes Inserat: Danksagung. Hierdurch kann ich nicht umhin, meinen lieben Stiefgeschwistern der Frau Erbgerichtsbesitzerin Minna Leun er in Ostrau, dem Herrn Albin Bergmann und der Frau Rentiere Jda Ka lisch in Kö n i g st e i n, sowie der Frau Auguste Reumann und Herrn Kaufmann Edmund Rückert in Scbnitz meinen innigsten Dank auszusprechen für das nach dem Tode unserer Mutter mir so reichlich zugewiesene Erbtheil, bestehend in einem Baarbelrage von 11 Mark und etwas altem Bodenrummel. Das war der Dank dafür, daß ich unsere Mutter, trotzdem dieselbe ein bedeutendes Vermögen besaß, 18 Jahre lang von den Zinsen meines väterlichen Erbtheils unterhielt, so daß ich selbst die größte Noth litt und die Armuth in ihrer ganzen Größe kennen lernte, während meine reichen Geschwister nichts für dieselbe gethan haben. So war es auch nicht anders zu erwarten, als daß mir meine reichen Geschwister durch dies große Erbtheil einen sorgenfreien, heiteren Lebensabend verschafft haben. Ich fühle mich durch diesen Act christlicher, hochherziger Humanität zu Dank verpflichtet uni) spreche den Wunsch aus, der liebe Gott möge allen meinen Geschwistern diese große, edle That dereinst reichlich vergelten. Frau Wilhelmine verwitwete Kü hn geb. Ber g m a n n, O st r a u bei Sch an d au. Herder über die Juden. Ein Erinn erun g sb lat 1 zu seinem h u n d e r t f ü n f z i gst e n Geburtstage.*) „Es wird eine Zeit kommen, da man in Europa nicht mehr fragen wird, wer Jude oder Christ sei, denn auch der Jude wird nach europäischen Gesehen leben und zum Besten des Staates beitragen. Nur eine barbarische Verfassung hat ibn daran hindern oder seine Fähigkeit schädlich machen können." *) * -i- Alle Gesetze, die den Juden ärger als Vieh achten, ihm nicht über den Weg trauen und ihn damit täglich, ja stündlich ehrlos schelten: sie zeugen von der fortwährenden Barbarei des Staates, der aus barbarischen Zeiten solche Gesetze duldet. Montesquieu hat Recht, daß die ehemalige Barbarei in Europa, das Verderbniß des jüdischen Stammes und Charakters durch ein gewaltthätiges und häßliches Benehmen gegen das jüdische Volk mit beigetragen, welches wir ihm, der Geschichte zufolge, nicht ableugnen können; daher ist es der Europäer Pflicht, die Schulden ihrer Vorfahren zu vergüten,, und die durchs sie ehrlos wurden, der Ehre wiederum fähig und werth zu machen?) * * Israel war und ist das ausgezeichnetste Volk der Erde; in seinem Ursprung und Fortleben bis ausden heutigen Tag, in seinem Glück und Unglück, in Fehlern und Vorzügen, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz dieses Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm haben und wissen. So etwas läßt sich nicht erdichten, solche Geschichte, mit Allem, was daran hängt und was davon abhängt, kurz, ein solches Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich noch bis zur Entwicklung - des letzten, noch unberührten Knotens aller Erdnationen hindurch?) Hellenen und Semiten. Geh. Rath Prof. Ernst Curtius, der nun bald das achtzigste Lebensjahr vollendet, hat neuerdings den zweiten Band seiner „Gesammelten Abhandlungen" herausgegeben. Der liebevolle Erforscher von Hellas und seiner Tultur hat diesem Buche ein fesselndes Vorwort vorangeschickt. *) Da die Antisemiten die Namen großer Todten für ihre Zwecke mißbrauchen, bringen wir hier einige Anssprüche H erd er's zum Abdruck, den antisemitische Zeitungen jetzt wieder geleiert haben. ') „Ideen z. Gesch. d. Philos. der Menschheit". Bd. 2. Bch. 16 V., 3. -) Adraftea. lieber d. Bekehrung der Inden. 3) Briefe, das Studium der Theologie betreffend. 1. Theil. 12. Brief und „Ideen z. Philos. . 3. Theil, 12. Buch.

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