Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 36 (7.9.1894)
- Date
- 1894-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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«MNMWW .'• äStiftftfe' ü -v7^<- :\■ Nr. 36 Oesterreirtzischr Wochenschrift Seite 689 „G e fl e n n b erstellun g." Auszug aus „Eine Dt e i f e durch Schwede n." (T o u - riste nein drücke v. Carl A. T av ast j e r n a). — „Man ist ja immer etwas neugierig, wenn man im Begriffe steht, den Vorhang von einer berühmten Naturscenerie fortznziehen und daher eilen wir klopfenden Herzens an Trollhättans großem Hotel vorbei, auf einer Brücke über den Canal, vorüber an einer Schneidemühle hinaus nachSpekö, wo der Wasserfall beginnt. Es ist eine alte gute Touristenregel, daß man von keiner berühmten Stelle zu viel erwarten darf, aber ich kann nicht in Abrede stellen, daß Trollhättans erstes Gefälle, der Gallöfall uns ein wenig enttäuschte. Aber weiters niederwärts bei den Toppö- und Tjuf-Fällen nahm Trollhättan glänzende Revanche. Wir saßen lange auf einer Bank dicht am Falle und mußten zugeben, daß er großartig sei. Vom jenseitigen hohen Ufer nahmen wir dann einen Totalüberblick über sämmtliche Fälle und machten die Reflexion, daß die Cultur der ursprünglich großartigen Scenerie des Trollhättan immer mehr ihren Effect fortnimmt. Wasser- und Sägemühlen und andere industrielle Anlagen drängen sich in wenig pittoresken Baucomplexen an die Ufer, trotzdem macht das zerstückle,zwischen gewaltige, schroffe Felsmassen tief eingegrabene Flußthal den Eindruck, daß hier im Laufe der Zeit ein furchtbarer Kampf zwischen den jetzt bezähmten. ungefährlichen Elenrenten stattgefunden haben muß. Die spätere Geschichte Trollhättans fällt fast mit der Geschichte der neueren JndustriecnlturSchwedens zusammen. Alles was mechanisches Genie in Schweden heißt, hat hier Gelegenheit gehabt, seine Fähigkeiten an den Tag zu legen, vom alten Polhan an, der in schwindelnder Tiefe für Riesenschlensen Berge gesprengt, bis zu Nils Ericson, dem Bruder des Großen des Schwedisch - Amerikaners gleichen Namens, der die neuesten Schleusen bei Ackersvaß vollendet hat." — Auszug aus einem Feuilleton des „D e u t s ch^ e n V o l k s b l a t t e s" „Durch Skandinavien" v o n E r n st B e r g a n i (vom 27. I n l i 1894). — „Man ist ja immer etwas neugierig, wenn man im Begriffe steht, den Vorhang von einer berühmten Naturscenerie fortzuziehen und daher eilten wir, lebhaft erregt, zur Stelle, wo wir den ersten Wasserfall, den Helvesfallet und bald darauf den zweiten, den Stampesteömsfallet erblickten. Es ist eine alte Touristcnregel, daß man von keiner berühmten Stelle zu viel erwarten darf, auch hier kann ich nicht in Abrede stellen, daß mich diese Wasserfälle ein wenig enttäuschten. Aber weiter aufwärts gab uns Trollhättan bei demToppöfalle glänzende Revanche. Wir saßen lange auf einem in den Göta-Els hineinragenden Vorsprung versunken in den Anblick dieser großartigen Naturerscheinung. --- Beim Aufstiege in das am Berge hoch oben liegende „Hotel Udsigten" (Aussicht) genossen wir noch einen Totalüberblick über sämmtliche Fälle und machten die Bemerkung, daß die Cultur die ursprünglich großartige Scenerie des Trollhättan immer mehr ihres Eindruckes beraubt. Mahl- und Sägemühlen und andere industrielle Anlagen drängen sich in recht störenden Baucomplexen an die Ufer; trotzdem macht das zerstückle, zwischen gewaltige, schroffe Felsmassen tief eingegrabene Flußthal den Eindruck, daß hier im Laufe der Zeit ein furchtbarer Kampf zwischen den jetzt bezähmten Elementen stattgefunden haben muß. Die jüngste Geschichte Trollhättans fällt fast mit der Geschichte edler neuer Jndustriecnltur Schwedens zusammen. Alles was technisches Genie in Schweden besitzt, hat hier Gelegenheit gehabt, seine Fähigkeiten an den Tag zu legen, vom alten Polhan an, der in schwindelnder Tiefe für Niesenschleusen Berge gesprengt, bis zu Nils Ericson, dem Bruder des Großen des Schwedisch - Amerikaners gleichen Namens, der die neuesten Schleusen bei Ackersvaß vollendet hat." Es wird aus diesem Anlasse neuerlich die Frage gestellt: „Gedenkt die christlich-sociale Partei nichts, gar nichts gegen eine solche Charakterlosigkeit eines Blattes zu thun, das sich als ihrOrgan gibt und als solches wohl auch allgemein angesehen wird?" Von der Königin-Regentin der Niederlande. Man schreibt uns aus Amsterdam, ddo. 2. September 1894: „Das hier erscheinende „Central Blat voor Israeliten" in Niederlande veröffentlicht nachstehenden Bericht: Ein russischer Jude, der in Folge der Verfolgung seine Heimat verlassen und dessen Hab und Gut bei der Verfolgung ein Raub der Flammen geworden ist, kam mit Frau und drei Kindern nach den Niederlanden, wo er nach langem Suchen eine Existenz fand als Religionslehrer in einem kleinen Orte. Nach einiger Zeit erhielt er den Antrag von einem Wurstfakrikanten in Kroningen, bei ihm gegen gute Entlohnung den Posten eines Aufsehers zu übernehmen. Er acceptirte den Antrag, der ihm eine bessere Existenz in Aussicht stellte und verließ die sehr kümmerlich dotirte Lehrerstelle. Zu seinem Unglücke hat die Fabrik nach kurzer Zeit den Betrieb eingestellt und so blieb der Arme neuerdings mit seinen Kindern brotlos. Ohne Kenntniß irgend einer Profession, der niederländischen Sprache kaum mächtig, wanderte er nach A tust erdam, wo er auf Änrathen, unterstützt von einigen Glaubensgenossen, das Confectionssach zu erlernen versuchte. Mit dem größten Eifer arbeitete der Mann Tag und Nacht, um seine Familie kümmerlich zu ernähren, so daß er augenleidend geworden und die Aerzte ihm die Fortsetzung dieser Profession untersagten. Inzwischen hatte sich seine Familie um 2 Kinder vermehrt, er bewohnte in einer schmutzigen Straße ein dunkles Zimmer in größter Noth. Eines Mittwochs am Nachmittage traten in dieses finstere Zimmer zwei Damen in Begleitung eines Officiers und erkundigten sich, ob hier Herr M. wohne. Nachdem die Damen sich von dem namenlosen Elend der Familie überzeugt hatten, griff eine der Damen nach dem Kinde von 5 Monaten und küßte es und auf Zuwinken derselben Dame wurde durch den Osficier der armen Mutter 25 Gulden überreicht und ihr zugleich bedeutet, sich Freitag Mittag im Bureau in der Straße .... Nr. . . . einzustellen. Erst da machte die Frau die Entdeckung, daß die edle Helferin, ihre Majestät, die K önig in-Regent.in war,"welche nicht scheute, die unansehnliche Straße und armselige Wohnung dieser armen Familie aufzusuchen, um sich persönlich von dem Elend einer jüdischen Familie zu überzeugen und Linderung in der bedrängten Noch zu bringen. Im genannten Bureau wurde der Frau gesagt, daß im Aufträge Ihrer Majestät der Königin-Regentin ihr 3 Monate lang 3 Gulden wöchentlich ausgefolgt werden sollen. Nach Ablauf der 3 Monate kam der armen Frau eine Karte, mit dem königlichen Wappen versehen, zu, worin ihr mitgetheilt wurde, daß in dem erwähnten Bureau noch 10 Gulden zu ihrer Verfügung bereit liegen. V. A. Urechia, Präsident der rumänischen Culturliga. Zur Charakterisirm.g dieses Professors, Senators und ehemaligen Ministers Urechia, welcher als Präsident der rumänischen Culturliga zu den gefeiertsten Größen der internationalen, antisemitischen Presse zählt, wird uns eine Episode mitgetheilt, welche vor einigen Jahren in der rumänischen Journalistik viel besprochen wurde. Die Frau eines Doctor Risu in Jassy ließ sich von ihrem Manne scheiden, um einen Capitän Nasturel zu heiraten, mit dem sie schon früher zarte Beziehungen unterhielt. Nun waren sowohl die Frau Doctor Risu als auch Capitän Nasturel natürliche Kinder des Herrn Urechia, erzeugt mit einer Schwester seiner eigenen Frau. Da nun Beide vor der Welt als Cousins galten, so benützte Urechia diesen Umstand, um seine Einwilligung zu dieser Ehe seiner beiden Kinder, die natürlich nichts von dieser Verwandtschaft ahnten, zu verweigern. Zu seinem Unglück aber erlangte Capitän Nasturel vom König die Dispens zu seiner Ehe mit der Witwe Risu. In dieser fürchterlichen Situation nun mußte Urechia mit dem Geständnisse herausrückeu, daß sie beide Geschwister seien. Daraus vergiftete sich seine Tochter und Capitän Nasturel erschoß sich auf dem Grabe seiner Schwester. (!) Und dieses Monstrum der Sittlichkeit istUniversitätsprosessor, Senator und Präsident der Liga. Dieser Hetzapostel und rabiate Antisemit triefte in Haag von Worten der Humanität und des Friedens und verstand den Congreß dazu auszunützen, um für die Sache der ungarländischen Rumänen Reclame zu machen. Da war es denn dringend am Platze, daß man die Mitglieder des Congresses rechtzeitig von diesem Manöver benachrichtige und sie in die Lage setze, den rumänischen Helden am Cougresse — denn außer Herrn Urechia sind noch andere rumänische Friedensboten (!) nach Haag gezogen, — gründlich heimzuleuchten und ihnen nahezulegen, daß es denen, die im eigenen Lande Gerechtigkeit und Humanität mit Füßen treten, schlecht anstehe, außerhalb ihres Landes Humanität zu predigen. Antisemitische Familiennachrichten. In M a i l a nd ist am 3. September der Pfarrer einer der ersten Kirchen M a ilands nach einer Malversation von 40.000 Lire zum Schaden einer Bruderschaft flüchtig geworden. Gegen den Pfarrer ist ein Steckbrief erlassen worden. Das ist doch wohl auch für die „Reichspost" ein hinreichendes Aequivalent für Brüder S i e g l! Nein? Nun wir können mit Weiterem auswarten!