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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-31 · 35 (31.8.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 35 Sesterreichtfttze Wochenschrift Seite 663 da Tetuan der Sitz des maurischen Oberrabbiners 'st, bei dem die Inden von ganz Marokko und auch von Gibraltar sich in rituellen Fragen Raths erholen. Die Mädchenschule hat 280 Schülerinnen, von denen nur 95 Schulgeld zahlen. Drei Katholikinnen sind darunter, aber es nimmt kein mohammedanisches Mädchen am Unterricht Theil. Mit der Schule ist eine Classe für Schneiderei verbunden, in der vor den Augen des Berichterstatters ein chikes Costüm in Grundfarben nach Pariser Mode für eine jüdische Braut angefertigt wurde; er mußte aufseufzen bei dem Anblick der künstlerischen Gewandungen, welche einst unsere Vertriebenen von Castilien hierher gebracht, und er bewunderte den Eifer, mit dem unsere dunkelfarbigen jungen Glaubensgenossinnen sich jetzt die moderne Technik von 1894 aneigneEnglisch ist für diese Mädchen weniger nöthig als für die Knaben, doch haben mehrere unserer Glaubensgenossen in Gibraltar bereits jenseits der Meerenge Ehebündnisse geschlossen. Die Schulen in Tetuan bestehen seit 1862 und kosten etwa 15.000 Francs jährlich. Die Leiterin der Mädchenschule ist Fräulein ben Simul, welche mit einer ihrer Lehrerinnen auf der Bisch offsheim'schen Schule in Paris ihre Ausbildung erhalten hat. Noch sind unsere Glaubensgenossen auch in Tetuan im Ghetto und Tag und Nacht eingeschlossen in die vielgewölbigen Gassen des Mellah, — aber auch hier wird es einmal Tag werden nnd voraussichtlich recht bald. Wien, 24. August 1894. (Oberbaurath Kareis.) In der vorgestrigen Sitzung des Bezirksausschusses Leopoldstadt wurde das Schreiben des Gemeinderathes Kareis zur Verlesung gebracht, in welchem derselbe von seiner erfolgten Resignation als Mitglied des Wiener Gemeinderathes, zu welcher er durch seine Ernennung zum Oberbaurath der Prager Post- und Telegraphendirection veranlaßt wurde, Mittheilung macht und den Wählern des ll. Bezirkes für das ihm gegeschenkte Vertrauen seinen wärmsten Dank ausspricht. Bezirksvorsteher Mn mb gab unter allgemeiner Zustimmung dem lebhaften Bedauern über das Scheiden des Oberbaurathes Kareis Ausdruck, welcher als hervorragender, kenntnißreicher Fachmann dem Wiener Gemeinderathe zur Zierde gereicht und den Bezirk stets in der eifrigsten und ehrenvollsten Weise in der Gemeinderepräsentanz vertreten habe. Bezirksvorsteher Mn mb erklärte schließlich, daß die Wähler der Leopoldstadt Herrn Kareis in bester und dankbarster Erinnerung behalten werden Wien. Herr Dr. Benno Karpeles, der sich zum Zwecke socialpolitischer Studien in England befindet, veröffentlicht im „Handels-Museum" einen Bericht über den ersten internationalen Textilarbeiter-Congreß in Manchester, den die „Arbeiter-Zeitung" in der Nummer vom 21. August wörtlich zum Abdrucke brachte. Der Verfasser des genannten Artikels ist der Sohn des Herrn Moriz Karpeles, Vertreters der Wiener israel. Cultusgemeinde. Wien. (Thronbesteigungsfest des Sultan.) Anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung Sr. M aj e st ä t des Sultan Abdul Hamid findet Freitag den 31. August, Abends 7., 7 U h r, im türkisch-sephardischen Tempel 2. Bez., Circusgasse, ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Massenmord.) Aus Wilna wird uns gemeldet: In der Ortschaft Boschewin wurde der reiche jüdische Pächter Schmul Bibro witsch mit seiner Familie, im Ganzen acht Personen, des Nachts ermordet, das ganze Haus ausgeraubt und sodann in Brand gesteckt. Von den Raubmördern fehlt bis jetzt jede Spur. Wien. (Der Schwiegersohn Bleichröder's — Socialdemokrat.) Aus Berlin wird berichtet: Wie die Berliner „Neuesten Nachrichten" mittheilen, machte Minister Bosse der Berliner philosophischen Facultät Vorstellungen wegen der socialdemokratischen Parteistellung des Privat- Docenten und Assistenten am physikalischen Laboratorium der Universität, Dr. A r o n's der ein Schwiegersohn Bleichröder's ist. Die Facultät soll aber beschlossen haben, von einem Eingriffe in dessen Lehrthätigkeit abzusehen, da für die Facultät nur die wissenschaftliche Befähigung das Criterium sei und die socialdemokratische Gesinnung eines Docenten umsoweniger Gegenstand der Erwägungen der Facultät sein dürfe, als die Regierung die Socialdemokratie als gleichberechtigte politische Partei ansehe und mit ihr pactire. Jedenfalls ist es interessant, daß der Schwiegersohn Bleichröder's, des Gründers des Welthauses, Socialdemokrat geworden ist. Wien. (Silberne Hochzeit.) Vorige Woche feierten Herr Leopold Kann und seine Gemahlin ihre silberne Hochzeit. Der verewigte Vater des Herrn Kann war in Wien eine durch seine altjüdische Frömmigkeit bekannte Persönlichkeit. Herr Leopold Kann ist Vorsteher des Tempels des neunten Stadtbezirkes in Wien. Die Jubitare spendeten anläßlich des fünfuntzzwanzigsten Hochzeitstages dem Gotteshause in der Müllnergasse eine prachtvolle Krone, einen goldgestickten Thoramantel, einen kunstvoll gearbeiteten Weinbecher, eine silberne Hand und ein ciselirtes silbernes Tablett. Der Vorstand richteteein sehr herzliches Gratulationsschreiben an das Jubelpaar. Auch erhielt dasselbe zahlreiche Glückwünsche und Liebeszeichen von Nah' und Fern. Wien. In dem hiesigen Schiff-Tempel hat ein feierlicher Gottesdienst anläßlich derKaiser-Geburtstags-Feier stattgefunden. Zur Abhaltung der Festrede wurde Herr Sigmund Fürst, Rabbiner in Tyrnau, Schwiegersohn des Herrn Rabbiner K u t n a in Eiseustadt, vom Tempelvorstande feierlichst eingeladen. Abends war zu Ehren des Herrn Rabbiner beim Herrn Jacob Stroh ein Bankett, an welchem der Vorstand nnd angesehene Gemeindemitglieder theilnahmen. Wie es allgemein heißt, will der Vorstand den gelehrten Rabbiner auf den ehrenvollen Posten eines Rabbiners des hiesigen Schiff-Tempel-Vereines berufen. Wien. Fräulein Frieda S o r, Tochter des Herrn Rabbiner Wilhelm S o r, hat sich mit Herrn Moriz K al i s ch, Kaufmann aus Fünfkirchen, verlobt. Wien. (Leichenbegängniß.) Samstag den 25. d. M. starb in Marienbad plötzlich der Realitätenbesitzer Herr Julius W e r m e r. Derselbe war Vorsteher des Tempelverbandes im neunten Bezirk, Mitbegründer des Reconvalescenten-Bereines und Ausschußmitglied vieler Wohlthätigkeitsvereine in Wien. Die Leiche wurde nach Wien gebracht, um hier bestattet zu werden. Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus hielt in der Trauerhalle eine ergreifende Rede. Er schilderte die Größe des Unglückes, von dem die biedere Familie durch das tragische Hinfcheiden ihres Oberhauptes betroffen. Er feierte die Wohlthätigkeit und Frömmigkeit des Heimgegangenen und schloß mit einem Appell an die durch altjüdische, echt patriarchalische Religiosität ausgezeichnete Gattin, wie an die Söhne des Verblichenen, die religiöse Gesinnung des Vaters im Andenken zu erhalten. Am Grabe ergriff der Obmann des Tempels im IX. Bezirk, Herr Gottlieb Bettel heim das Wort. Er beschrieb in knappen, aus dem Herzen strömenden Worten die Thätigkeit des Verblichenen als Mitbegründer des Reconvalescenten- Vereines und seine Mühewaltung als Tempelvorsteher, seinen sanften, friedlichen Charakter, der still und bescheiden seine Bahn ging, die Nacht der Noch und des Elends zu erhellen. „Die Erinnerung an Dich, wackerer College", schloß der Redner, „wird nie aus unserem Gedächtnisse, nie aus unserem Herzen schwinden. Julius W e r m e r fahre wohl. Hierauf trat Herr Dr. Geza Winter, Hof- und Gerichtsadvocat, an die offene Gruft heran und richtete namens der Freimaurer-Loge „Freundschaft" den letzten Gruß an den edlen „Bruder", er rühmte seine Treuherzigkeit, Güte und Freundschaft, warf zwei Akazien in das aufgeschaufelte Grab als ein Symbol der Hoffnung und des Wiedersehens im Jenseits. Dann fiel Scholle aus Scholle, worauf der Tempelchor mit einem Grabgesang die Beerdigungsfeier schloß. Wien. (T r a u e r f a l l.) Von einem betrübenden Ereigniß habe ich Ihnen heute leider Mittheilung zu machen. Frau Dr. Fried, die Gattin des Rabbiners in U l m, Tochter des berühmten Orientalisten S. I. H a l b e r st a m m in B i e l i tz, ist in Wien in der abgelaufenen Woche im Alter von 37 Jahren verschieden und wurde Mittwoch den 22. d. L£. zur ewigen Ruhe gebettet. Die Heimgegangene vereinigte in sich hohe Bildung, tief innerliche Frömmigkeit mit den edelsten Frauentugenden und bewahrte treu die großen Traditionen ihrer berühmten Familie, aus welcher so viele Größen des Judenthums hervorgegangen. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt der Verblichenen einen ergreifenden Nachruf und es war ein

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