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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-31 · 35 (31.8.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 680 Deyerreirhische Wochenschrist Nr. 35 links in die extreme Richtung verschiebt. Die Parlamentarische Wirksamkeit der an Stelle der früheren liberalen Abgeordneten gewählten Antisemiten Prinz Liechtenstein, Geßmann, Luegerrc. hat dargethan, daß die conservative und katholische Sache durch die Verdrängung der früheren liberalen Abgeordneten absolut nichts profitirt habe. Ueberdies ist es eine allgemein bekannte Thatsache, daß die demagogische Agitationsmethode dieser Herren in den Wiener Bororten eine solche Situation geschaffen hat, daß bei künftigen Neuwahlen, zumal wenn dieselben auf Grundlage eines erweiterten Wahlrechtes stattfinden sollten, alle diese Wahlbezirke Socialdemokraten wählen werden. Statt dem Liberalismus wird also etwas viel Schlimmerem, nämlich dem Socialismus, der Weg gebahnt. Die Herren Lueger und Consorten kennen vorzüglich diese Verhältnisse, und sie wissen, daß es mit dem Mandatsfang in Wien vorbei ist; deswegen treiben sie sich so geschäftig in den Provinzbezirken umher, allein in den deutschen Provinzbezirken ist die christlich-sociale Strömung nur in sehr geringem Maße vorhanden, und in Folge dessen" verlegt sich die L u e g e r'sche Compagnie auf die Unterstützung der deutsch-nationalen Fraction gegen die deutsch.liberale Partei. Die jüngste, mit unsinnigen Phrasen gespickte Hetzrede L u e g e r's in Mariazell hatte ebenfalls diesen Zweck; die katholisch-conservative Partei in Steiermark weiß aber, daß die deutsch-nationale Fraction für die conservativen und Reichsinteressen gefährlicher ist als die liberale Partei, deshalb bekämpft sie auch nicht imLeobener Wahlbezirke die Candidatur L o r b e r's. Dagegen unterstützt die christlich.fociale Fraction mit Feuereifer die Candidatur des deutsch-nationalen Walz. In Wien pflegen sich die Herren Lueger und Genossen zuweilen mit ihrem österreichischen Patriotismus und Schwarzgelbthum zu drapiren, in der Provinz dagegen unterstützen sie die Candidaten einer Fraction, für welche der österreichische Patriotismus ein „überwundener Standpunkt" ist." Lemberg. 24. August. Am 30. d. M. wird hier im Locale des hiesigen Vereines „Zion", Ringplatz 12, diezweite ordentliche Delegirten - Versammlung des „Zion", Verbandes der österreichischen Vereine fürColonisation Palästinas und Syriens, stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Rechenschaftsbericht des Executivcomites; 2. Neuwahl des Executivcomites; 3. Beschluß über die Verwendung der im Artikel XVH der Verbandsstatuten bezeichnten Gelder; 4. Statutenänderung; 5. Bestimmung des Ortes der nächsten Delegirten-Versammlung; 6. Anträge. An der Versammlung werden sämmtliche circa 20 Ortsgruppen durch eigene Delegirte vertreten sein. Kurz darauf, nämlich am 2. September d. I. beginnen die Berathungen der zweiten Conferenz der jüdisch-nationalen Partei Galiziens. Dieselbe wird ebenfalls im Saale des hiesigen Vereines „Zion" stattfinden und wahrscheinlich 3 Tage in Anspruch nehmen. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Rechenschaftsbericht des Partei- Executivcomitös für die Zeit vom April 1893 bis September 1894; 2. Rechenschaftsbericht der Delegirten der einzelnen Vereine (über den Stand der Bewegung in der Provinz); 3. über die Agitation (Referent Dr. jur. G. Zipper); 4. über Aenderung der Organisation der jüdisch-nationalen Partei in Galizien (Referent M. Sprecher); 5. unsere Stellung zu den Reichsraths- und Landtagswahlen (Referent M. Sprecher); 6. die Cultusgemeinden in Galizien und unser Verhältniß zu denselben (Referent Dr. A. Salz); 7. über das jüdische Schulwesen in Galizien — die Baron Hirsch.Schulen (Referent M. Ehrenpreis); 8. Reform des Religionsunterrichtes (Referent O. Thon); 9. über den heutigen Stand der zionistischen Bewegung (Vortrag des Dr. N. Birnbaum); 10. jüdische Volksbildung in Galizien (Referent M. Ehrenpreis); 11. die Organisation der jüdischen Creditvereine in Galizien (Referent Dr. A. Salz); 12. Unser Verhältniß zu den jüdisch-akademischen Vereinen (Referent D. Malz); 13. Organisirung der jüdischen Wohlthätigkeit in Galizien (Vortrag des Dr. I. Lehrfreund); 14. Anträge: a) Gründung eines politischen Vereines (Dr. G. Zipper), b) Resolution über unser Verhältniß zur socialdemokratischen Partei (A. Ko rkis), c) Herausgabe eines hebräischen Kalenders (M. Ehrenpreis), 4) Herausgabe eines polnischen Kalenders i'A. Stand), e) Herausgabe eines Kalenders im Jargon (G. Bader), f) Herausgabe eines hebräischen Parteiorgans (L. Taubes), g) Gründung einer jüdischen Ackerbaucolonie aus Galizien in Palästina (L. M. Landau), b) Handel mit palästinensischen Producten (Dr. I. Traum). Zur Theilnahme an dieser Conferenz, für welche sich in ganz Galizien ein außerordentliches Interesse kundgibt, sind bereits circa 80 Delegirte angemeldet, welche sowohl der fortschrittlichen, als auch der orthodoxen Richtung angehören. Während der Conferenz veranstaltet der hiesige Verein „Zion" ein imposantes Jubiläumsfest seines 10jährigen Bestandes und auch ein großes Bankett für die Delegirten und Gäste. Die galizischen jüdischen Zeitungen widmen der Conferenz in ihren letzten Nummern an leitender Stelle äußerst sympathische Begrüßungsartikel. lieber den Verlauf der Verhandlungen und die daselbst zu fassenden Beschlüsse werden wir demnächst berichten." Budapest, 22. August. Man schreibt der „Frankfurter Zeitung": Eine ganz unscheinbare Zeitungsnotiz, die an und für sich kaum unter den „kleinen Mittheilungen" besonders Interesse erregen würde, darf mit Rücksicht auf allerlei Nebenumstände Raum selbst in dieser hochpolitischen Rubrik beanspruchen. Dem seitherigen Privatdocenten an der Budapester Universität, Dr. Ignaz G ol d z ie h e r, ist der Titel und Charakter eines ordentlichen Professors verliehen worden. Das ist die Notiz. Die Nebenumstände aber sind folgende: Goldzieher ist Jude und trotz allem Liberalismus hat seither kein Jude an der Budapester Universität den Rang eines ordentlichen Professors erlangen können. Der angebliche Charakter dieser Universität als einer katholischen Stiftung hat bisher als Vorwand herhalten müssen, jüdische Bewerber um Ordinariate a limine zurückzuweisen. Wie es um den katholischen Charakter der Universität bestellt war, geht nicht so sehr aus der alljährlichen Verwahrung der Regierung gegen die katholische Prätention und aus der Ungeheuerlichkeit, daß die einzige große Universität des Landes eine confessionelle sein solle, als vielmehr aus der Thatsache hervor, daß ohne Schwierigkeiten seit Langem schon Protestanten — die nöthige Protection vorausgesetzt — zu ordentlichen Professoren ernannt wurden und daß es der Kirche nie einfiel, gegen diese Ernennungen Einspruch zu erheben. Aber den Juden gegenüber blieb die Universität „katholische Stiftung". Diese Ungerechtigkeit einigermaßen zu bemänteln, wurden an der zweiten Landesuniversität, Klausen bürg, einige wenige „Ehrenjuden" als ordentliche Professoren untergebracht, aber auch dort nur, wenn absolut kein anderer Bewerber aufzutreiben war. Der ehemalige Minister Pauker legte jedem jüdischen Candidaten in cynischer Weise nahe, erst durch die Taufe seinen Eintritt in die ungarische Gesellschaft zu erwirken, ehe er den Anspruch erhebt, von der ungarischen Gesellschaft versorgt zu werden. Der liberale Cultusminister Cs aky ließ es in Betreff der Juden gleichfalls beiden Pa ule r'schen Maximen, nur daß er nicht einmal das Einlaßpförtchen der Taufe für die Juden offen hielt. Nun endlich ist der ehemalige Professor der Physik Baron Lorand Eötv ö s, der Sohn des großen Staatsmannes Baron Josef Eötvö s, Cultusminister geworden und dieser hervorragende Gelehrte hat denn auch vor wissenschaftlichen Leistungen soviel Respect, daß er nicht länger sesthielt an der Fiction der katholischen Universität und an der Idee des „Ungarn für die magyarische Gesellschaft." Er setzt sich kühn über die gehässige Tradition hinweg und läßt einen Gelehrten von Weltruf endlich die verdiente Würdigung.zu Theil werden. Goldzieher zählt zu den hervorragendsten Orientalisten der Welt und hat als solcher schon die ehrendsten Auszeichnungen des In- und Auslandes erhalten. Die Wahl Eötvös' darf also eine durchaus glückliche genannt werden; die principielle Wandlung ist dadurch mit solchem Geschick inaugurirt, daß nicht einmal,, Magyar Allam" es gewagt hat, neuerlich Klage über die Verjudung Ungarns zu führen. Das bleibt wohl den weiteren Fällen, die als bevorstehend bezeichnet werden können, Vorbehalten. Bedenkt man jedoch, welche außerordentlich bedeutende Rolle die jüdischen Gelehrten im wissenschaftlichen Leben Ungarns spielen, so wird man die That des neuen Cultusministers nur als Ausfluß des Rechtssinnes und als Act einer weisen Assimilirungspolitik billigen können. In den Himmel wachsen werden dann die jüdischen Bäume auch in der neuen Aera nicht. Dafür sorgt schon der „nationale" Geist, dem ja innerhalb gewisser Grenzen die Berechtigung gerade hierzulande nicht abgesprochen werden soll. Die Ungarn arbeiten eben unter den schwierigsten Verhältnissen an der Magyarisirung ihres Staates und der magyarische Stammesgenosse scheint ihnen immer ver-

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