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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-31 · 35 (31.8.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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HL->e Nr. 35 Wien. Wir lesen in der „Bezirks-Post" Nr. 5 vom , 25. August l. I.:! (Ein antisemitischer Ing en d b iId n er.) Seit mehreren Wochen circuliren im 16. Bezirke allerlei Gerüchte, die auf die Qualität mancher Antisemitenhäuptlinge ein grelles Licht zu werfen im Stande sind. Dort existirt nämlich ein Priester, der als Religionslehrer sich arge Unzukömmlichkeiten in der Schule zu Schulden kommen ließ und deshalb auch von dem Bezirksschulrath in Untersuchung gezogen wurde, deren Resultat heute noch ausständig ist. Der betreffende Herr zählt zu den strammsten Säulen der antiseniitischen Partei im 16. Bezirke, wo er als politischer Agitator der Herren Liechtenstein und Compagnie eine bedeutende Rolle spielt; auch als Redner fungirt der Mann in allen antisemitischen Wahlversammlungen, um mit seltener Ansdauer die hetzerischen Agitationen seiner Partei zu propagiren. Aber auch sonst ließ sich von diesem hochwürdigen Herrn Vieles noch sagen — doch das überlassen wir den diversen Kellnern und Marqueuren in Ottakring. Heute wollen wir uns, da die Angelegenheit sich noch im Stadium der Untersuchung befindet, eine Reserve nuferlegen und ohne Namensnennung nur die Gerüchte registriren. Wien, 25. August. (Eine c l e r i c a l e Stim m e über den Fall Scherzer.) Die christlich-socialen Antisemiten hatten sich beeilt, den Pfarrer Scherzer von ihren Rockschössen abzuschütteln, als er dem Strafgerichte eingeliefert war, ja noch mehr, die Organe dieser Partei, deren Interessen er so warm vertreten hatte, warfen dem Unglücklichen Steine nach und erklärten, sie hätten ihn fallen gelassen, um sich nicht zu Mitschuldigen zu stempeln. Dieses Werk christlich-socialer Nächstenliebe veranlaßt die „Conservative Correspondenz" zu folgender Kritik: „Das Borgehen zeigt, wie die christlich-sociale Partei einen Ihresgleichen, der unbequem wurde, abstreift, damit uicht, „wenn sich Jemand herbeigelasfen hätte, dem Pfarrer Scherzer mit G.ld beizuspringen und seine Malversationen zu vertuschen," derselbe „einfach zum Mitschuldigen gestempelt" werde. Die Mitschuld einer VernutiKuung trifft jedoch nach § 185 des Strafgesetzes nur Denjenigen, „der eine veruntreute Sache verhehlt, an sich bringt oder verhandelt," und davon kann zwischen Pfarrer Scherz er und seiner Partei nicht gut die Rede sein. Wenn man aber den Pfarrer Scherzer frühzeitig in die Lage versetzt hätte, „den ganzen aus seiner That entspringenden Schaden wieder gut zu machen", so hätte nach § 817 des Strafgesetzes seine Veruntreuung aufgehört, strafbar zu sein; die Priesterwürde wäre vor der öffentlichen Schmach des Kerkers bewahrt geblieben." Wien. (Jüdische Schachspieler.) Der Kampf um die für die ganze Welt giltige Meisterschaft im Schachspiel, welcher jetzt in Amerika vor sich gegangen ist und mit dem Siege Emanuel Lasker's geendet hat, ruft die Thatsache in Erinnerung, daß ein großer Theil der hervorragendsten Schachspieler der jüngsten Vergangenheit jüdischer Abstammung war. W i n a w e r und der jetzige Champion ot worlcl, Lasker, stehen auch ihrer Ueberzeugung nach auf dem Boden des Judenthnms, desgleichen der in dem jüngsten deutschen Schachturnier hervorgetretene Mieses. Fast in jeder größeren jüdischen Gemeinde gibt es eine locale Schachberühmtheit, die sich meist auch gesellschaftlichen Ansehens in allen Kreisen, die sonst durch confessionelle oder andere Spaltungen geschieden sind, erfreut. Das Schachspiel, welches man in der ganzen Welt spielt^ ist seiner geistigen Bedeutung nach in Wahrheit das königliche Spiel, und die Juden betheiligen sich eifrig an diesen friedlichen Kämpfen, welche unbehindert durch Sprache und Nationalität auf einem allen- Völkern gemeinsamen Terrain ausgesochten werden. Auch bei den noch als „uncultivirt" verschrieenen slavischen Juden steht das Schachspiel in hoher Blüthe. Jüdische Militärlieferanten. Das „Deutsche Volksblatt" berichtet: Ein Beispiel, wie meist nur die Juden die Lieferungen für staatliche Anstalten übertragen erhalten, liefert die Armee-Conservenfabrik in Mainz. Es liefern zur Zeit an diese: Die Ochsen (jährlich etwa 5000 Stück) die Bieh-Großhandlung Heister-Simon, der letztere ist Jude: die Zinnfolie der Jude M o r g e n st e r n in Fürth, das Zinn S. B. Gold schm idt Söhne in Frankfurt a. M., Juden. Die Lieferungen nur in diesen drei Bedarfsartikeln betragen jährlich 1 Million Mark; auch die sonstigen kleineren Bedürfnisse liefern wielfach Juden. Die Ochsen werden den einigen hundert jüdischen Soldaten zuliebe geschächtet!" Entsetzlich! Berg an i weint den Ochsen eine Thräne nach! Vermuthlich sind es lauter Antisemiten. Seite 679 Wien. Das Reisebnreau des Ernst Schneider. Die Agitationsreisen Ernst Schneidens und die von ihm veranstalteten Vergnügungszüge bilden den Inhalt einer Eingabe, welche der Statthalterei unlängst übergeben wurde und in der Ernst Schneider, der Retter des Gewerbestandes, der unconcessionirten Ausübung der Befugnisse eines Reisebureaus beschuldigt wird. In der Eingabe wird gebeten, daß der schwunghafte Betrieb des Reisebureaus, für den der Mechaniker Schneider weder einen Befähigungsnachweis noch eine Concession besitzt, von der Statthalterei im kurzen Weg eingestellt werden möge. In dieser Eingabe heißt es unter Anderem: „SeitJahren veranstaltet der Mechaniker Schneider zur Sommerszeit Separatvergnügungszüge zum Zwecke politischer Agitation. Würde dersebe dabei einen correcten Vorgang einhalren, das heißt die politische Führung derartiger Ausflüge sich Vorbehalten, dagegen den geschäftlichen Theil den für solche Reise-Arrangements berufenen concessionirten Geschäftsinhabern überlassen, dann ließe sich gegen das Vorgehen Schneider'» auf Grund des Gesetzes nichts einwenrcn. Allein Herr Schneider bethätigt bei diesen Arrangements die vollständige Ausübung der Befugnisse von Reisebureaux. Er läßt provisorische Fahrkarten drucken, verkauft diese zunächst, nimmt für diese Reise an Geld weit mehr ein, als er der Bahn bezahlt, verdeckl diese Mehreinnahme für Versammlungsfpesen, Druckforten rc., deckt sich im Vorhinein gegen allfällige Reclamationen damit, daß er behauptet, allfällige Ueberschüsse sollen Parteizwccken zugeführt werden und verschafft sich in solcher Art in völlig illegaler Weise Geldmittel mit Umgehung des Gewerbegefetzes und im vollem Gegensätze zu jener Ministerialverordnung, tvelche die Ertheilung der Concession für Geschäftsagenturen ganz besonders einfchränkt und nur für ganz besonders berücksichtigenswerthe Fälle an ganz besonders vertrauenswürdige Personen normirt, Geldmittel die er ganz zweifellos für sich und feine agitatorischen. Zwecke verwendet. Es ist dabei noch hervorzuhcben, daß beispielsweise der jüngste Separatzug nach Graz mit einem Apparate von circa 30 Unterverküufssiellen.die hiezu gleichfalls keineBerechkigung besitzen, in Scene gesetzt worden ist." Marr darf gespannt sein, was die Statthalterei zu diesem „Reisebureau S ch ne i der" sagen wird. Wien- (Die Antisemiten und Baron Mundy.) Das „Deutsche Volksblatt" reclamirt Mundy für die Antisemiten. Vormittags wetterte es noch gegen ihn — das Abendblatt brachte Verklärung und Himmelfahrt. Tags darauf erschien die Auflösung des Räthsels -- eine riesengroße Parte. Nun war er der edle Mann, der große Menschenfreund — leider in Judenhände gerathen. die ihn in den Tod jagten. Die „Reichspost" besudelt das Andenken des dahingeschiedenen edlen Menschenfreundes in der unfläthigsten Weise: „Wie kommt es, daß gerade di!> liberalen Größen in letzter Zeit io „tragisch" enden mußten, wie: Jacques, Meißl, Büffler, Bl u n b y? Wir antworten: Weil ihnen die Haupt-, die einzige wirklich wirksame Panacee fehlt, die Panacee? Wir wollen den edlen Herren verrathen, warn m sie so schäumen, wenn es ihnen auch nicht gerade angenehm sein sollte. Sie haben den Partezettel nicht bekommen. Zuerst das Geschäft. Deshalb kommt es auch noch schöner: „Gemeinderaih Seiler hat beim Gemeinderarhspräsidinm den Antrag gestellt auf Widmung einer Grabstätte in der für historisch merkwürdige Persönlichkeilen bestimmten Abtbeilnng des Centralsriedboses zur Beerdigung der reich? des durch Selbstmord geendeten Baron Al u it b l). Die Herre n d n r f t e n s i ch aber in d e r W a h l des Plätzchens g e i r r l habe n." Die Gemeinheit uud bodenlose Niedertracht, die da zwischen den Zeilen hervorschimmert, dürfte schwerlich zu überbieten sein. Lemberg, 23.August. (D e r „P r z e g l o n d" gegen die A n t i s e m r t e n.)Derclericale„Przeglond" ertheilt heute den Antisemiten eine derbe Abfertigung. ..Es ist noch immer", sagt das polnische Blatt, „die irrige Ansicht verbreitet, daß die Wiener christlich-sociale, gemeinhin als antisemitisch bezeichnete Fraction gleichsam die Borhut des katholischen Lagers bilde und für die Interessen derselben wirke. Diese irrige Meinung stützt sich auf die Thatsache, daß die erwähnte Fraction der deutsch-liberalen Partei eine Anzahl Wiener Reichsrathsmandate abgenommen habe. Nun wäre aber vom katholisch-conservativen Standpunkte die Verdrängung der liberalen Abgeordneten nur in dem Falle ein Gewinn, wenn an anderer Stelle die Wahl conservativer Abgeordneter erfolgen würde; wenn aber ein Reichsrathsmandat aus liberalen in radicalere Hände gelangt, so bedeudet dies für die katholische Partei keinen Gewinn, sondern einen Verlust, denn es handelt sich da um eine Bewegung, welche den parlamentarischen Schwerpunkt noch weiter nach VetterrrichUche Wochenschrift

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