Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 35 (31.8.1894)
- Date
- 1894-08-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Oesterreichilrtze WochenMrriK Vlx. 35 Seite 67 6 ” Für Ohrfeigen schweres Geld geben, das ist eine Sünde - - und kein Hidur. In Rußland, Deutschland Frankfurt, Mainz •J kauft man jetzt Esrogim vom heil. Lande, Genua Corsica,? . denen der Verdacht von Murkow nicht anhaftet. Wie lange soll Oesterreich-Ungarn noch Vogel Strauß spielen?! Kleine Beiträge zur arischen 3 Sittlichkeit. '} Die „Reichspost" vom 23. August versteigt sich in der Besprechung der Scandal-Affaire des wackeren arischen Ehe- 4> Paares T u s ch l zu nachfolgenden erstaunlichen Sätzen: „Das Schicksal eines 13jährigen Schulmädchens gab eben den Anlaß zu polizeilichen Erhebungen, welche zur Verhaftung des Ehepaares und vieler in deren Wohnung verkehrenden eleganten Herren und Frauen führte. Die Judenpresse unterer läßt es, den ihr wohlbekannten Namen des Wüstlings zu nennen, dem fpeciell die Kinder zum Opfer fielen. Sie sucht sich rt vielmehr mit der begreiflichen Neugier ihrer Leser dadurch ab- & zufinden, daß sie ihn einen „jungen Medicindoctor aus der Innern Stadt" nennt. Wetten wir, daß der junge Medicindoctor s i ch als einer der Schützlili ge . Nothnagel's entpuppen wird!" Wir proponiren der „Reichspost" lieber eine andere Wette, . und behaupten daß der Villacher Franziskaner-Pater Vigilius 1 Draßl kein Jude ist und halten jeden Betrag. In unserer Nummer 32, haben wir das Treiben dieses sauberen Herrn einer ausführlichen, auf Thatsachen gegründeten Besprechung unterzogen, die wir der freundlichen Beachtung der „Reichspost" angelegentlichst empfehlen. Sie vermuthet nur, daß jener Medicindoctor Semit sei, sie kann ihre Bermuthung durch nichts, durch absolut nichts " begründen. Ist dem Schandblatte bekannt, daß sämmtliche pornographischen Buchhandlungen von rassenreinen Ariern betrieben werden? l In dem antisemitischen Moniteur aus Graz annoncirte sich eine „fesche Drahrerin" jungen Lebemännern für die Zeit * als ihr Gatte auf Reisen und im christlich-socialen St. Pölten hat eine arische Mutter ihr 12jähriges Töchterchen den Bürgern der Stadt für gutes Honorar ausgeliefert. An den f scheußlichen Proceß wird die „Reichspost" sich noch erinnern. / Im Nachstehenden nur eine winzig kleine Auslese aus Vorgängen der letzten Tage, die auf Vollständigkeit aber schon gar keinerlei Anspruch erhebt: Ein schamloser Greis. Der inD 0 n a u f e l d, Neugasse 10, wohnhafte 78jährige Josef H a u n 0 l a wurde am 22. 5. M. verhaftet und dem Kreisgerichte in Korneuburg eingeliefert, weil er im Lause dieses Sommers mit den achtjährigen Schulknaben Leopold D. und Anton D. oftmals in der Au nächst Donaufeld unzüchtige Hand- ’ ■ langen verübt hatte. Exemplarische Bestrafung eines Unholdes. Der kürzlich -' vom Polizeicommissariate Floridsdorf wegen unsittlicher Attentate auf zwei kleine Schulm"^ verhaftete Pferdemärt?'- Ferdinand tz Sch.uch^em aus Don e uns aus Ka uff r a bericht neulich' ' »otin ° •"'feiten Seif, einstimmig inmenheit dheit n»y, rsitz des re und keitsv -SWNKru- ,nC; Unter B» schtv. Don baSil2.$a$ri 6 /ich üprra4 entfloh ev cs;„s7 ete-1 des »f ier iiat'S'TOeife Früh ilfeder >r, i Ät.« fÄg lI)v c/« In der Nr. 194 vom 24 d. M. moquirt sich ein Leser des genannten Antisemitenblattes über ein Suttner'sches Feuilleton und schließt seine diesbezügliche Correspondenz mit der Schlußphrase: „Dem christlichen Lesepublicum aber sei hier gezeigt, welche unverdauliche Kcst ihm in seinen Familienblättern von solch unwissenden Autoren geboten wird." Von dem in einem höheren Blödsinne geschriebenen ,,Sendboten des heil. Josef", vom Pfarrer D e ck e r t herausgegeben, oder dem in ebendenselben Styl geschriebenen „Sendboten des göttlichen-Herzens Jesu", von einem Innsbrucker Jesuiten edirt, u. a. dgl. Preßerzeugnissen wollen wir absehen und reproduciren blos einen in einem hiesigen Arbeiterorgane („Volks- Tribüne") jüngst gestandenen Artikel betitelt: „Der höhere Blödsinn oder: Der Lotterieteufel in der Kutte oder: Wie alle Menschen reich und glücklich werden können." mit nachstehenden Inhalt: „Der Papst hat's schon viele Male gesagt: „Die Priester müssen unter das Volk gehen." Und das thun die Herren auch. Wer aber da vor Dicke oder Dürrheit nicht mehr gehen kann, setzt sich auf seinen Stuhl und beginnt durch seine „Weisheit" das Volk zu beglücken. Ein solches Weisheitsproduct liegt eben vor uns. Und weil die Schwarzen gerade uns Socialdemokraten immer der Habsucht und der „Ausbeutung der Massen" beschuldigen, lauter Sacherln, welche den Herren vor der eigenen Thüre in schwerer Menge liegen, halten wir uns für verpflichtet, dieses Product allen unseren lieben Lesern und Leserinnen vor Augen zu führen. Wir wollen uns beileibe nicht den Vorwurf machen lassen, daß wir ein Mittel verschwiegen hätten, mit welchem der nothleidenden Menschheit hätte geholfen werden können. Dieses Mittel ist weder in einer Schachtel noch in einem Tiegel, auch nicht in einem Flascherl, sondern der Verfasser verabreicht es in der Form eines-Gebetes.- Das genannte Arbeiterblatt fährt fort: Und jetzt lieber Leser, Genosse oder Leserin, schneuze Dich und spuck vorerst tüchtig aus. Wenn es Dir Deine eigenen Mitteln erlauben, stärke Dich auch ein wenig, denn dieses Heilmittel ist nicht so „ganz ohne" aufzunehmen. Hier ist es nun: Seite 1 Wohlapprobirtes ebeth, inan im Traume durch eine natürliche Erscheinung eines guten Geistes, aus denen 90 Nummern, 5 ganz gewiß, und sicher ohne Betrug erfahren kann, welche gezogen werden: Herausgegeben von einem gntdeukendeu Priester damit sich der nothleidende Mensch damit helfen kann. ^druckt in diesem Jahr. Seite 2 Dieses Gebeth muß 9 Tag vor der bestehenden Ziehung verrichtet werden. Den ersten Tag beichtet und kommunizieret man, wie auch den letzten Tag. Alsdann bethe alle Abend um 9 Uhr anfangeud; zuerst das Johannes Evangelium, hernach 9 Vateruuser, 9 Avemaria, und 9 Glauben, nach diesein allzeit das nachfolgende Gebeth dazu bey einem geweihten Wachslicht. Wann dieses alles verrichtet ist, so lege dich nieder, dann wird dir ohne geringster Furcht, oder Schröcken ein Knäblein erscheinen, und dir die 5 Nro. auf einem Zettel bringen, deswegen, soll man immer mit einer Kreide versehen seyn, und die Nummern geschwind anfschreiben. Nun folgt das Gebeth: )ch N. N. beschwöre dich guter Geist Emanuel, und rufe dich an durch die Gewalt und Allmacht, mit welcher der dreyeinige Gott Himmel und Erde erschaffen hat. Ich beschwöre und berufe dich guter Geist Emanuel! durch die