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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-31 · 35 (31.8.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 35 Kestewelürilürr WortzrnsrtzrNl Seite 675 tische Haltung der hessischen Justizverwaltung das Hauptgewicht bei seinen Ängriffen legt. Immerhin wird man dem demokratischen Blatt darin nicht Unrecht geben, daß die gerügten Punkte in der That „hessische Eigenthümlichkeiten" sind, deren Abstellung dringend zu wünschen wäre. Eine andere Frage fft es. ob die heftigen Angriffe wegen „Verletzung der Verfassung" rc. im vollen Umfange zutreffen, und ob der Ruf nach Beseitigung des Ministers Finger und des Justizreferenten Hallwachs seine Berechtigung bat. Was würde Nachkommen? Da auf einen demokratischen Minister vorläufig und wohl noch lange nicht zu rechnen ist, ein „conservativer", d. h. entweder ein agrarischer, ein clericaler (und die Clericalen in Hessen zeigen stark antisemitische Allüren) oder — ein rein antisemitiscber Mann. Ob damit ein besonderer Bortheil im Sinne der „Franks. Zeitung" herauskäme, muß billiger Weise bezweifelt werden." (Ein Erzherzog auf der Tenne.) Aus D o mstadtl (Bezirk Sternberg in Mähren) wird gemeldet: Am 12. d. M. traf Erzherzog Eugen auf dem Marsche nach T r o p p a u hier ein und wohnte zwei Tage im Gasthof „Zur Gemmhlichkeit". Nach dem Diner sprach der Erzherzog der Wirthin Anna Leizerkewitz, einer Israelitin, welche dasselbe bereitet hatte, das vollste Lob aus. Bei dem Rundgange durch die Stadt machte er im Geschäfte des Kaufmannes Alois Wenzel mehrere Einkäufe und sprach längere Zeit mit dem Geschäftsinhaber in leutseligster Weise. Während eines Spazierganges am folgenden Tage ging der Erzherzog an der Scheuer des genannten Kaufmannes vorüber, in welcher gerade gedroschen wurde. Der Prinz trat auf die Tenne, fragte die Taglöhner, ob ihnen die Arbeit schwer falle, griff dann unter den Augen vieler Zuschauer selbst zum Dreschflegel, den ihm eine Taglöhnerin reichte, während die Arbeiter und Arbeiterinnen auf seinen Befehl im Dreschen fortfahren mußten, und nahm eine Weile lang an der Arbeit theil. Man kann sich denken, welches Aufsehen die Scene erregte. Nicht ohne Bewegung erzählt man sich dann in dem kleinen Städtchen, daß Erzherzog Eugen eine der schönsten und rührendsten Thaten des zweiten Josef nachgeahmt. Bekannt ist die Sympathie, welche der hohe Herr unseren synagogalen Gesängen entgegenbringt. Erzherzog Eugen besitzt nämlich eine vortreffliche Baritonstimme und pflegt er sehr oft die Mitglieder seiner erlauchten Familie durch einen Liedervortrag zu erfreuen. Als derselbe nun vor einigen Jahren im nahen 'Pardubitz in Garnison lag, da erzählte man ihm, daß der dortige jüdische Cantor Bader ein vortrefflicher Sänger sei. Der Erzherzog ließ nun den Cantor holen, mit dem er dann oft Gesangsübungen abhielt. Herr Bader machte auch den erlauchten Herrn auf unsere schönen synagonaler. Gesänge, besonders auf die erhebenden Gesänge unserer hohen Feiertage aufmerksam, die er nun demselben auch vortragen mußte. Elieser und David Münzer in Drohodycz als Antisemiten. Folgendes Curiosum publicirt das Berliner Abwehrorgan: In Köln besteht eine Fabrik unter der Firma: „Rheinisches Sensen-Versandthaus, A. Würtenberg & Co." Gegen diese Firma, deren Inhaber als rechtliche Leute gelten, werden gegenwärtig Circulare mit dem gemeinsten, antisemitischen Inhalt versandt. Unter Anderem Folgendes: „Besonders warnen wir vor jenem galizischen Schwindler, welcher schlauer 'Weise nach Deutschland ausgewandert ist, wo er seinen patriarchalischen Namen hinter der urdeutsch und patriotisch klingenden Firma: „Rheinisches Sensen-Versandthaus" verbirgt und gegen ausländische Sensenfabriken mit Warnungen austritt, um dadurch von sich selbst jeden Verdacht abzulenken. Zudem beschäftigt sich dieser galizische Lump das ganze Jahr mit dem Verkauf von Zahnstochern und Spielpuppen in seinem 10 Pfennig-Bazar u. s. w." Gegen eine andere Firma lauten die Circulare: „Den Ruhm unserer Karpathensensen bestreben sich in diesem Jahre zwei „Talmudjuden" in Tarnopol (Galizien), der eine gewesener Kellner, der andere ein Talmudlehrer in einer jüdischen Schule, Beide ohne Vermögen und Fachkenntnisse, auf eine betrügerische Art für sich auszunutzen. „Einer von ihnen macht jetzt Versuche, um in Verbindung mit anderen galizischen Juden unter fremder Finna in Kolomea neuerlich das Glück am Sensenhandel zu «proben." Diese Circulare sind aber nicht nur in über 150.000 Exemplaren unter das deutsche und polnische Landvolk verbreitet worden, sondern wurden auch von dem Verfasser an die antisemitische Buchhandlung in Köln gesandt, welche dasselbe an ihrem Schaufenster an ge klebt hat. Wir haben uns die Mühe gegeben, die Urheber dieser schändlichen Machw.rke zu ermitteln, um deren Bestrafung herbeizuführcn, und wäret, nicht wenig erstaunt, zu erfahren, daß dieselben die Herren Elieser und David Münzer aus Drohobycz in Galizien sind, deren Namenszugehörigkeit leider keinem Zweifel unterliegen dürfte, und die also mit dem Haß schüren, der gegen die eigene Existenz gerichtet ist! Die Firma, welche in dieser Weise Geschäfts-Antisemitismus treibt, ist die in Wien und Paris bestehende Sensenhandlung Münzer & Co. Köln, im August. 8. Nochmals die antisemitische Sense. Einer unserer Leser hat die Güte, uns aus dem Czechischen nachfolgende sonderbare Reclame zu übersetzen: „Sensen, die von der Fremde — dazu von Juden — bezogen werden, geben den wiederholten Beweis des Mißtrauens gegen sich selbst. Es blutet das Herz, wern man den Betrug, den Schwindel dabei erfährt und sieht, wie stetig sich unser unerfreulicher Stand der Kaufleute und Gewerbsleute verschlechtert. Warum kommt es nicht dazu, daß man sie endlich entlarvt und daß wir uns lieben und uns vertrauen. Die Inden machen mit uns ja schon, was sie wollen, gehen in Bäder und wir baden uns im Schweiße auf dem Felde mit ihrer Sense. Gute Sensen. Schleifsteine. Wagenfette, wie überhaupt alle landwirthschaftlichen und häuslichen Bedarfsartikeln liefere ich ohne einen Heller Anzahlung, insolange man nicht von deren Billigkeit und Qualität überzeugt ist. Ich bin deffen jedoch gewiß und kann Ihnen die volle Garantie bieten, daß Sie zufrieden sein^verden. Unpassendes wird umqetauscht oder retour genommen. M. D aufka. Rikovice." Eingesrndet. _ H Die Corfu er Esrogim. Wir werden um Abdruck nachstehender Zeilen ersucht: Seitdem es bekannt wurde, daß die Corfuenser Niemandem die Besichtigung ihrer Esrog-Plantagen erlauben und diese sorgfältig absperren, besteht der Verdacht, daß sie ihre Bäume pfropfen (murkow), daher die Früchte nicht zulässig sind; darüber ist seinerzeit von dem ehrw. Oberrabbiner in Erlau ein Circular in alle Welt hinausgeschickt worden. Dem Verbote der Thora ist das rabbinische Hidur (Pracht der Frucht) entgegengesetzt worden. In Folge des erwähnten Circulars und der Ausschreitungen der Antisemiten in Corfu hat der ehrw. Rabbiner. ü e F an o, seinerzeit noch in Corfu, Briefecherumaeschr/eben, worin, s. "M Himmelswillerr, Ausschreitungen fürchtend, gebeten, die Sache auf sich beruhen zu lassen und versicherte, daß die Esrogim in Corfu von Rabbinern verpackt und in Kistchen versiegelt werden, außerdem ein Certificat über jedes Kistchen vom Rabbinats-Collegium ausgefertigt wird und die C o r f u e r Gemeinde davon ihr Einkommen hat. li-nr. Mittlerweile hat der importirte AntisemitismpHJ. rdurch die unverschämte Lüge des Ritualmordes die Cor fnM Inden- Gemeinde aufgelöst. Die Wohlhabenden, auch RaHbiner d e Fano, der jetzt Rabbiner in Italien ist, sind ausgewandert, und nur die armen jüdischen Hafenarbeiter, die nicht fort können, sind in Corfu geblieben. . ' , Die Situation ist zur Zeit vollständig geändert./ Die Corfuenser schicken ihre Esrogim lose wie Rühen nach Triest, und hier werden sie in Papier gewickelt und'in Kistchen ä 25 Stück verpackt. Die Händler müffe^r hx?. Ksti chen ungesehen kaufen; meistens unbrauchbare WäM; ist ccher zufällig ein schönes Exemplar dabei, wird ein soWr, Hidiw zn unglaublich hohen Preisen verkauft.

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