Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 35 (31.8.1894)
- Date
- 1894-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 670 Wochenschrift Krflrrreichische Nr. 35 wahrhafter, werkthatiger Nächstenliebe und selbstaufopfernder Menschenfreundlichkeit ausgesäet wurde. Die freiwillige Nettungsgesellschaft, wie sie Mundy geschaffen hat, ist mehr als ein Haus der Barmherzigkeit, mehr als ihr Name besagt. Hier, wo Aristokraten in bestem Sinne des Wortes mit wackeren Männern aus dem Bürgerstande Zusammenwirken, wo unser ärztlicher Nachwuchs jüdischer und christlicher Confession sich praktisch zum Samariterdienste heranbildet, ist gegen die Schlammwellen der Raffer¬ und Classenhetze ein Wall aufgerichtet worden, der nicht leicht zu durchbrechen ist. Das wissen die Apostel jener merkwürdigen Nächstenliebe, die nach dem Ausspruche eines priesterlichen Hetzers vor Allem bei sich selber anfängt, sehr wohl und deshalb ihr angelegentlichstes Bemühen, die freiwillige Nettungsgesellschaft, dieses Bollwerk der Humanität, oder besser gesagt, diese herrliche Verwirklichung der humanistischen Ideen gleichfalls zu vergiften und zu durchseuchen, und deshalb ihre Wuth, als dieser Anschlag mißlungen war. Der letzte Blick des Scheidenden hat seinem Werke, hat der Reltungsgesellschast gegolten. Noch einmal fiel ein Strahl jener unendlichen, allumfassenden Menschenliebe, die Mundy's Herz erfüllte und aus seinem Auge strahlte, auf dieses Haus. Möge es hiedurch geweiht sein sür alle Zeiten, möge der häßliche Streit, der diese Gesellschaft zerklüftet, nie wieder seine Schwelle überschreiten. Am offenen Grabe Mundy's haben seine Freunde und Schüler gelobt, sein Werk im Geiste des edlen Todten fortführen zu wollen. Wir hegen die feste Zuversicht, daß dieses Wort keine leere Phrase bleiben wird. Tragen doch unsere Glaubensgenossen in reichem, fast möchten wir sagen überreichem Maße zu dem Bestände dieser Gesellschaft bei, damit bekundend, daß die Nächstenliebe beiAnderenanfängt, eine Auffassung, die der jüdischen Lehre entsprungen und in die christliche übergegangen ist. Jaromir Freiherr v. Mundy hat in dem Menschen nichts als den Menschen gesehen. Die Glocken haben bei seinem Leichenbegängnisse nicht geklungen, aber in den Herzen Tausender und Abertausender tönte es nach wie der Klang einer zerrissenen Saite, als sie Mundy zu Grabe trugen. Die freiwillige Nettungsgesellschaft soll nicht hineingezogen werden in den häßlichen Zank des Tages — aber das werkthätige Beispiel ihres Schöpfers, das Beispiel, das seine Freunde und Schüler täglich üben, ist doch eine fortwährende Verurtheilung jener Richtung, welche der Bestialität der Menschennatur über den Geist der Liebe und Barmherzigkeit wieder zum Siege verhelfen möchte. Die Vlutlüge m bildlicher Darstellung. Manschreibtder„N.Fr. Pr."aus Kalwarya beiKrakau: „In den Tagen vom 10. bis 15. August wallfahrten alljährlich viele Tausende von Leuten, namentlich Bauern aus Galizien, Ungarn, Böhmen, Mähren und Schlesien, sowie aus Russisch-Polen, hierher, um bei dem weit und breit berühmten Bilde der Mutter Gottes Ablaß zu erlangen. Arme und Reiche, Bauern und Bürger eilen zu Wagen oder zu Fuß herbei, und des kleine Städtchen ist um diese Zeit so überfüllt, daß Viele im Freien campiren müssen. Aber nicht nur das Marienbild, das sich in der Kirche des Belnhardiner-Ordens befindet, übt große Anziehungskraft aus, auch ein anderes merkwürdiges Bild ist in der Klosterkirche zu sehen. Unmittelbar beim Kircheneingange hängt ein großes Gemälde, das die Abschlachtuug eines Kindes durch Juden darstellt. Das Bild ist ungefähr drei Meter hoch »nd zwei Meter breit. Auf demselben ist dargestellt, wie mehrere Juden in jüdisch-polnischer Tracht, in Gebetmäntel gehüllt, ein Kind umstehen, dem sie Blut abzapfen; ihr Gesichtsausdruck und ihre Mienen entsprechen der Situation. Um gar keinen Zweifel Raum z» geben, befindet sich am Fuße des Bildes folgende Aufschrift in polnischer Sprache: „Das Martyrium des Kindes Simon, des Sohnes der Ehegatten Adam und Eva Studzinski, das im Alter von 81/, Jahren am Charfreitag von einem Juden geraubt und am Sonnabend nach Samstag zur Nachtzeit auf grausame Weise im Marcus-Wirthshause bei Zytdmir von Juden ermordet wurde. So geschehen am 26. Mai 1475. Benovatnm A. D. 1870." Man kann sich leicht vorstellen, welchen Eindruck dieses Bild auf die für solche Darstellungen leicht empfänglichen Landleute ausübt. Der slovische Bauer ist gläubig, der Geistliche ist ihm eine besondere Autorität, und er hält die gemalte Lüge für wahr, da sie ihm im Raume einer Kirche entgegcntritt. So wirkt das Bild ungemein aufreizend, und es ist erklärlich, daß der Aberglaube, die Juden brauchten Blut von Christenkindern, nicht auszurotten ist. Mehrere Päpste haben in besonderen Bullen ihren Abscheu gegen diese teuflische Beschuldigung ausgesprochen, sollte das den Herren vom Bernhardiner-Orden in Kalw ary anicht bekannt sein?" Die „Oesterr. Wochenschrift" hat bereits in Nr. 33 vom 12. August 1 8 9 2 in einem Leitaufsatz „Aus der Bildergalerie des Teufels" die leitenden Kreise auf dieses Bild aufmerksam gemacht und um Abhilfe dringend gebeten. Anno Domini 1334 (es ist dies kein Druckfehler) — also vor fünfhundeitimdsechzig Jahren! — verordn ete der polnische König Casimir HL, mit Recht der Große genannt, der von 1333 bis 1370 regierte, bei Erneuerung alter Privilegien, welche den Schutz seiner jüdischen Unterthanen zum Zwecke hatten, unter § 31 wie folgt: „Den Bestimmungen des Papstes gemäß verbieten wir strenge im Namen des Heiligen'Vaters die in unserem Lande wohnhaften Juden des Gebrauches von Menschenblut zu beschuldigen. Wird ein Jude von einem Christen wegen Tödtung eines Christenkindes angeklagt, so muß er von drei christlichen und drei jüdischen Zeugen überwiesen werden, und dann wird er bestraft. Wird er aber nicht überwiesen, so ist diejenige Strafe über den Ankläger zu verhängen, die der Jude hätte erdulden müssen". Jener gerechte und aufgeklärte Papst, auf den sich diese königliche Verordnung beruft, war Jnnocenz IV., und sein humaner, lichtvoller Erlaß datirte vom Jahre 1247. Von besonderer Bedeutung ist nachstehendes U N I W E R 8 A l Roku Bozego 1576. My Stephan z iLaski Bozey Kröl Polski, Wielkie Xi^e Litewskie, Kuskie, Pruskie, Mazowieckie, Zixmdzkie, Kijowskie, Woiyuskie, Podlaskie, Inflantchie, Siedmigrodzkie, ete. oznajmujemy wszem wobec, y kmu to wiedziec nalezy y potrzeba: Skoro do Nas i do uszu Naszych rzeczy dziwne a zaprawd$ dot^d przez Nas nieslyszane doszly, o zabijaniu przez zydöw dzieci cbrzesciaii skuch, a zas mianowicie o porwaniu i zabiciu w ziemi Gostynskiej dzieci^cia niejakiego Urodzo nego Studzienskiego, o ktöry to czyn zydzi nie tylko podejrzeni, ale owszem oskarzeni zostali rzecz ona godng, sie Nam byd zdala aby jak naj pilniej prawdziwosc jej wysledzic i zbadac, a totem bardziej, ze nie dopiero i nie poraz pierwszy jak sitz z licznych £wiadectw dowiadujemy, skarg one na zydöw sitz szerz^, jakoby dzieci kradl i zabijali i takze Przenajswietszy Sakrament ku powali, lecz raczej zdawna juz ten glos chodz i za tym powodem niejedne sitz juz dzialy trage dye. Wi^c skoro owi Panowie Szlachta (Studzieii scy) publicznie przed Nas tym tytulem na zydov skargtz wyniesli i dziecitz martwe ukazowali, jal najscislej rzeczy tej sledzic rozkazalismy. Toz nrztzdnicy Nasi najwitzkszej dolozyli pilnosci, a po przyzwaniu zydöw rzecz z obu stron swiadkami i dowodami wyswiecan^ byl'a; zaczem okazalo sitz, ze nietylko nijakiej winy, ale i podejrzenia o czyn na zydach byc nie moze. Sami tez rzeczeni Panowie Szlachta ujrzawszy, jako sitz bltzdnern powodowali mniemaniem i winy nijakiej na zidach nie znalazlszy, nie czekaj^c wyroku naszego odst^pili. Go gdy sitz stalo, 2ydzi, ktörzy nad w^tpliwosc niewinnosci swojej w sprawie tej dowiedli, srodze uzalali sitz przed Nami, ze z przyczyny onego pospolitego mniemania, jakoby krwi chrzesciaiiskiej potrzebuj^c, chrzescianskie dzieci zwabiaü i zabijali a takze jakoby Przenajsw. Sakrament uzywali i kupowali od chrzescian a zeii krew ludzkEj, wyciskali, ze wltzc za takowym powodem nie tylko