Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 35 (31.8.1894)
- Date
- 1894-08-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021043--03801-3027956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-iivT.iäasÄa«»«:.-».* •?• Nr. 35 Orstrrrrichifchr WsÄxenfchrifl Sette 669 werthen Mißbräuchen einen Damm setzen will, wendet sie sich an alle hochw. Bischöfe und Generaloberen der religiösen Orden und frommen kirchlichen Institute, damit sie gegen dieselben mit apostolischer Festigkeit einschreiten und deren Ausmerzung mit aller Kraft besorgen. Eingedenk also, daß sie nach der Vorschrift des hochheiligen Concils von Trient „verpflichtet sind, taugliche Männer zu diesem Predigtamte anzustellen" (8638. Y. e, 2 de Eeform.), mögen sie in dieser Angelegenheit die größte Sorgfalt und Berficht a n w e n d e n. Die Obern der Religiösen, was immer für eines Ordens, einer Gesellschaft oder Congregalion, mögen keinem ihrer Untergebenen gestatten zu predigen und noch viel weniger ihn mit ihrem Zeugnisse den Ordinarien vorstellen, wenn sie nicht sehr gut sowohl seiner sittlichen Auffiihrilng, als seiner richtigen Art, das göttliche Wort zu verkünden, versichert sind. Sollten die Ordinarien nach Annahme eines Predigers ob der guten Empfehlungsbriefe, die er vorwies, sehen, daß er in der praktischen Ausübung des Predigtamtes von den in diesem Schreiben gegebenen Normen und Mahnungen abweiche, so mögen sie ihn mittelst angemessener Zurechtweisung schleunig zur Pflicht zurückrufen; genügt aber das nicht, so mögen sie ihn ohneweiters von diesem Amte entfernen, auch mit Anwendung der kanonischen Strafen, wenn die Beschaffenheit' des Falles es verlangt. So wie übrigens diese heilige Congregation auf die Sorgfalt und den Eifer der hochwürdigsten Ordinarien und Häupter der religiösen Orden sicher zu rechnen weiß, so vertraut sie auch, daß hauptsächlich durch ihr Wirken diese moderne Art, das Wort Gottes zu verkünden, oder vielmehr zu entstellen, baldigst verbessert und nach endlicher Beseitigung der weltlichen Anlockungsmil t e l der Predigt ihre ehrwürdige, natürliche Majestät und ihre übermenschliche Wirksamkeit wiedergegeben werden wird zur Ehre Gottes, zum Heile der Seelen, zum allgemeinen Vortheile der Kirche und der Welt. Rom, aus dem Secretariate der heiligen Congregation der Bischöfe und Regularen, am 31. Juli 1894. Isidor Cardinal Berga, Präfect. Luigi T r o m b e t t a, Pro-Secretär. Nun, Herr Pfarrer Josef D e ck e r t von W e i n h a u s, wie denken Sie hierüber? Was halten Sie von den eingeschlichenen, schweren Mißbräuchen, „welche die Predigt verächtlich machen und das Herz des Heiligen Vaters mit Betrübniß erfüllen?" Sind S i e immer „Mit wahrer, christlicher Frömmigkeit ausgerüstet" auf die Kanzel gestiegen und war — wie es die Congregation fordert und wie es sich auch im Grunde von selbst verstehen sollte — „die Ehre Gottes und das Heil der Seelen der Endzweck Ihrer Beredsamkeit?" Hat nicht Haß, verblendeter Fanatismus Sie entflammt, einen Vernichtungskrieg gegen Nebenmenschen zu führen und alle schlimmen Geister m der Menschenbruft, den Neid, die Blutgier,indenZuhörern aufzuwecken und loszubinden? War die „nothwendige, christliche Frömmigkeit auch allzeit in Ihrem äußeren Betragen ersichtlich?" Sie sind zwar, wie Sie vor Gericht angaben, noch unbeanständet; und es wird schon so sein, wenn Sie es behaupten, aber wir neigen der Ansicht zu, daß Ihr äußeres Betragen Ihrem inneren stets vollkommen entsprochen hat. Frömmigkeit, Tugend und — Wissenschaft! Von der Letzteren wollen wir bei Ihnen nicht sprechen, weil es wirklich nicht der Rede werth ist, aber Villen aus Luft, Patent-Kuppelungen Ritualmordbriefe in Compagnie mit Paulus Meyer, und Ihre tausenderlei anderen kleinen Geschäfte und Geschäftchen sind doch so ziemlich weltlicher Natur! Und das sollten Sie nicht. Daher lasten Sie selbe gefälligst von heute ab sein. Auch belieben Sie sich strenge an die Materien zu halten, die wirklich zur Predigt gehören. Die Congregation befiehlt es und Sie schulden ihr Gehorsam. Ferner will uns scheinen, daß Absatz 3 ganz speciell auf Sie gemünzt ist. Sie haben Ihre, nicht Jesu Christi Sache gesucht, welcher die — Händler aus dem Tempel gejagt hat, und haben mit Vorliebe Materien zu Predigten ausgewählt, welche Ihnen die Volksgunst erwerben sollten. Nach dieser haben Sie gehascht, Ihrem Publicum haben Sie gefallen wollen — und das wäre besser unterblieben. Das Volk besitzt gerade genug Vorurtheile. Es braucht Ihre neuen nicht zu seinen alten noch dazu. Sie haben „seine Leidenschaften entfacht, seinen V e r st a n d verwirrt" — wie das Rundschreiben sich ausdrückt. Sie haben pomphafte, weltliche Redereien geliebt, mehr Aufsehen erregende als sruchtreiche Gegenstände behandelt, die besser in eine Zeitung — (von der niederen, verächtlichen Sorte „Deutsches Volksblatt" oder „Reichspost") — gehört hätten, von der Kanzel aus verkündigt, welch' grober Unfug entschieden rügenswerth ist, weil er zu dem heiligen Orte im strioten Widerspreche steht. Ob Sie, wie Punkt 5 erheischt, von der Wa^. heit nie abgewichen sind, darüber erforschen Sie Ihr Gewissen. Ob.Sie Gottes Ehre, nicht die eigene gesucht?? Sie haben die eigenegesucht. Mit solcher Art Predigten ist wahrlich wenig Ehre zu gewinnen. Jedoch an der erforderlichen Klarheit haben Sie es nie fehlen lassen. Das ist das Einzige, was Ihnen nachgerühmt werden kann. Klar waren Sie immer. Ihr Elasten- und Rassenhaß ließ an Deutlichkeit nie das Geringstezuwünschen übrig.Jedes Mißverständniß war ausgeschlossen, Sie,HerrPsarrerDeckert, haben ausschließlich die Interessen des gegenwärtigen Lebens behandelt — Sie waren unermüdlich in der Auszählung der Vortheile, welche die christliche Religion ihren Bekennern gebracht hat (6) — von den hiedurch erwachsenen Pflichten haben Sie fein stille geschwiegen und die Menschenliebe, die Gerechtigkeit nie im Munde geführt. Das hätten Sie aber als wesentlich zu erwähnen nicht unterlassen sollen. In Zukunft wissen Sie also, was Sie nach der Weisung der Congregation zu thun haben. Richten Sie sich darnach, Herr Pfarrer Deckert, die Congregation versteht das besser wie Sie. Liebe und Gerechtigkeit seien die Leitmotive Ihrer Kanzelreden, nicht Haß und Ungerechtigkeit. Wir sind begierig, Sie nach Moll hinübermoduliren zu hören. Ob die Kirche voll ist oder nicht, sei Ihnen minder wichtig, als daß die Seelen nicht leer bleiben. „Worte die gefallen", sind Nebensache, denn es handelt sich in der Kirche „nicht um Beifall und Händeklatschen, nicht um Volks rednerische, sondern um apostolische Beredsamkeit." Ueberhaupt werden Sie gut thun, alles Theatralische zu verbannen. Das macht auf Ihre Weinhaufer zwar einen guten, aber aus die Congregation einen sehr üblen Eindruck und benimmt Ihrer Rede das Merkmal der — Heiligkeit!! All diesen großen, verdammens- und höchst verabscheuungswürdigen Mißbräuchen in der Weinhauser Kirche und auch anderswo — es gibt genug Deckert s in der Welt — muß endlich ein Damm gesetzt werden. Das Treiben dieser Leute, welche ihren heiligen Beruf so gründlich mißverstehen, erfüllt das Herz des Heiligen VaterS mit unendlicher Betrübniß. „Die Ausmerzung soll mit all er Kraft besorgt werd e n!" Auch wir — obgleich einer fremden Confession angehörend — halten es für unsere Pflicht, der erhabenen Weisung Leo's XIII. Folge zu leisten und mitzuarbeiten an der Ausmerzung der von ihm gerügten traurigen Mißbräuche — mit aller unserer Kraft! Wir stellen uns mit unseren christlichen Brüdern in eine Reihe und wollen an der Beseitigung so crasser Uebelstände redlich mithelfen und Mitarbeiten, wie wir es bisher gethan. Baron Mundy. Wir fühlen uns im Innersten gedrängt, dem unglücklichen Manne ein Wort des Dankes in's Grab nachzurufen. Der tragische Abschluß, welchen dieses Leben der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit gefunden hat, hat seinem Inhalte doppelten Werth gegeben. Man hat seine Verdienste als Organisator der Verwundetenpflege, als Schöpfer der Rettungsgesellschast gepriesen, und es wäre überflüssig, all' dem Schönen und Guten, was da gesagt wurde, noch etwas beifügen zu wollen. Was uns jedoch zum Danke drängt und seinen Verlust tief beklagen läßt, das ist die Macht des Beispiels, das Mundy gegeben und durch welches mitten in einer Zeit des Hasses und des Eigennutzes, mitten in einer Gesellschaft, welche zu den niedrigsten Trieben zurückzukehren scheint, der Same