Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 35 (31.8.1894)
- Date
- 1894-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 668 Orsterrrichifchr Wochrnschrifl Nr. 35 I j! i! - :: s - :> I! gregation der Bischöfe und Regularen über die Ausübung des Predigtamtes, dessen Weisungen, als im speciellen Auftrag des Papstes, mit vollem Rechte p ä p st l i ch e Weisungen genannt werden", von welchem die sämmtlichen liberalen Organe, Sonntag am 26. Auszüge brachten, ihren Lesern — e i nsach unterschlagen! Die Unterschlagung einer päpstlichen Willensmeinung erscheint uns eine so crasse Ungeheuerlichkeit, daß wir nicht mit genug Nachdruck darauf Hinweisen können!! Wir lassen das Rundschreiben auszugsweise folgen und unterziehen uns der Mühe, cs zum Handgebrauche des Herrn Deck ert speciell zu bearbeiten, wofür er uns ohne Zweifel Dank wissen wird. Es lautet: „Se. Heiligkeit Unser Herr Papst Leo XIII., dem das apostolische Amt der Predigt so sehr am Herzen liegt, da dieses ja, hauptsächlich in der jetzigen Zeit, zur gehörigen Unterweisung des christlichen Volkes so nothwendig ist, hat nicht ohne großen Seelenschmerz erfahren, daß seit einiger Zeit sich in der Art. und Weise, das Wort Gottes zu verkündigen, einige schwere Mißbräuche ei »geschlichen haben, die die heutige Predigt oft verächtlich oder wenigstens unfruchtbar u n d erfolglos machen. Den erhabenen Befehlen des Heiligen Vaters gehorchend, legt nun diese heilige Congregation den hochw. Ordinarien und Häuptern der Orden und der frommen, kirchlichen Institute folgende Normen vor Augen, damit sie deren Befolgung mit allem Fleiße besorgen. 1. Was zunächst die Beschaffenheit des Predigers betrifft, so mögen sie darauf bedacht sein, ein so heiliges Amt nie einem anzuvertrauen, d e r n i ch t mit w a h r e r ch r i st l i ch e r Frömmigkeit ausgerüstet und von großer Liebe zu Jesus Christus beseelt ist, ohne welche er nie etwas Anderes wäre, als „ein tönendes Erz und eine klingende Schelle" (1. Cor. 13, 1) und nie jenen wahren Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen haben könnte, der der e i n z i g e B e w e g g r u n d und das Endziel der evangelischen Predigt sein muß. Und diese den Predigern so nothwendige christliche Frömmigkeit soll auch in ihrem äußeren Betragen e r s i ch t l i ch s e i n, d a s n i e m a l s mit ihren Lehren sich im G e g en sa tz e b efi n d en, noch e t w a s W e l tl i ch es an sich haben darf, sondern immer ein derartiges sein soll, daß es sie wahrhaft als „Diener Christi und Ausspendcr der Geheimnisse Gottes" (I. Cor. 4, 1) darweise, sonst, wie der engelgleiche, heilige Thomas bemerkt, „wenn die Lehre gut und der Prediger schlecht ist, wird er zum Anlässe der Schwächung der Lehre Gottes" (Gomrnent. in Matt. 5). Sudan n m u ß mit der F r ö m m i g k e i t und Tugend auch dieWissenschaft verbunden sein, d a e s k l a r und von der be st ändigen Erfahrung bestätigt ist, daß eine wahrhaft solide, geordnete und fruchtbringende Predigt vergebens von Jenen zu erwarten ist, die nicht durch tüchtige, namentlich theologische Studien ans gebildet sind und, auf eine gewisse, n a t ü r l i ch e R e d e f e r t i g k e i t vertrauend, v e r w e g e n e r w e i s e mit geringer oder keiner Vorbereitung die Kanzel besteigen. 2. Erst dann also, wenn sich der Priester die erwähnten Eigenschaften verschafft hat, und nicht früher, werden ihm die hochw. Bischöfe und Ordenshäupter das große Amt des göttlichen Wortes anvertrauen können, jedoch indem sie darüber wachen, daß er sich an j en e M a t er i e n halte, die wirklich z u r P r e d i g t gehören. 3. Allein diese hochwichtigen Gegenstände werden heutzutage unwürdigerweise von vielen Predigern vernachlässigt, die „ihre, n i ch t I e s u C h r i st i Sache s u ch e n d" (1. C o r. 13, 5) und wohl wissend, daß dies nicht die p a s s e n d st e n Mate rien sin d, um i hnen d i e V o lks g un st zu erwerben, nach der sie Haschen, dieselben vollständig beiseite lassen, besonders in den Fastenpredigten und bei anderen feierlichen Gelegenheiten, und in de ne sie mit der Sache zugleich den Namen vertauschen, setzen sie an die Stelle der früheren Predigten eine übel verstandene Art von Conferenzen, d i e darauf gerichtet sind, Geist und Phantasie zu ködern, nie aber den Willen zu bewegen und die Sillen zu verbessern. Und solche Leute bedenken nicht, daß die Moralpredigten Allen nützen, die Conferenzen gewöhnlich nur Wenigen, und daß selbst diese Wenigen, wenn ihnen bezüglich der Sitten eine bessere Sorgfalt zu Theil würde, das heißt, wenn ihnen geholfen würde, keuscher, demüthiger, gehorsamer gegen die Autorität der Kirche zu sein, ihr Geist schon dadurch allein von tausend Vorurtheilen gegen den Glauben entledigt und geneigter würde, das Licht der Wahrheit aufzunehmen, weil die religiösen Jrrthümer, besonders bei den katholischen Völkern, ihre Wurzel im Allgemeine^ mehr in den Verirrungen des Verstandes haben. 4. Damit soll die Abhaltung von Conferenzen nicht absolut verworfen werden, die vielmehr, gut durchgeführt, ebenfalls in gewissen Fällen sehr nützlich und nothwendig sein können, mitten unter so vielen Jrrthümern, die gegen die Religion verbreitet werden. Wohl aber sollen von der Kanzel durchwegs verbannt seiir jene ponrphaften Redereien, die mehr specnlative als praktische, mehr weltliche als religiöse, mehr Aufsehen erregende als fruchtreiche Gegenstände behandeln, die d a r u nt vielleicht für den journalistischen Kampfplatz und für akademische Lehrsäle passen mögen, nimmermehr aber zu dem heiligen Orte stimmen. Was ferner jene Conferenzen betrifft, die auf die Vertheidigung der Religion gegen die Angriffe ihrer Feinde ausgehen, so sind sie allerdings von Zeit zu Zeit nothwendig, aber das ist nicht eine Last für die Schultern eines Jeden, sondern nur für die Stärksten. Und auch die tüchtigen Redner sollen hierin große Vorsicht anwenden; denn derlei apologetische Vorträge sind nur an jenen Orten, zu jenen Zeiten und für jene Zuhörer angemessen, die ein wirkliches Bedürfniß danach haben und von Denen ein wirklicher Nutzen gehofft werden kann. 5. Wenn aber in der Wahl der Themata viele Fehler zu bemerken sind, so sind nicht minder schwere zu beklagen in der Form der Behandlung. In Betreff dieser lehrt vortrefflich der Aguinate, daß, um wahrhaft zu sein, „das Licht der Welt, der Prediger des göttlichen Wortes, drei Dinge haben muß: das erste ist die Stetigkeit, daß er nicht von der Wahrheit abw ei che; daß zweite ist die Klarheit, daß er nicht nt i t D u n k e l h e i t lehre; das dritte i st die Nützlichkeit, daß er Gottes Ehre, tticht die eigene suche" (1. e>). , Schlimmer noch ist es, daß oft jenes Siegel der Heiligkeit jener Hauch ch r i st l i ch e r F r ö m migkeit und jene Salbung des Heiligen Geistes mangelt, vermöge welcher der Verkündiger des Evangeliums von sich stets sollte sagen können: „Mein Wort und meine Predigt besteht nicht in einschmeichelnden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft." (1. Cor., 7, 4.) 6. Das ist also die vorzüglichste Quelle der heiligen Beredsamkeit, die Bibel. Aber statt ihre Beredsamkeit an der „Quelle des lebendigen Wassers" zu schöpfen, wenden sich diese modernisirten Prediger vermöge unerträglichen Mißbrauches an die „durchlöcherten Ci st erneu der menschlichen Weishei t", statt die göttlich inspirirten Texte oder jene der heiligen Väter und der Concilien vorzubringen, citiren sie bis zum Ueberdrusse profane Autoren, moderne Autoren und auch noch lebende Autoren, und zwar Autoren und Werke, die gar oft zweideutiger und sehr gefährlicher Auslegungen fähig sind. „Es ist auch ein großer Mißbrauch der heiligen Beredsamkeit, religiöse Themata einzig und allein im Interesse des gegenwärtigen Lebens zu behandeln unb über das künftige nicht zu sprech eu, d ie von der christlichen Religion der Gesellschaft gebrachten Bortheile aufz nz ä h l en und die Pflichten zu verschweigenden göttlichen Erlöser als g a n z L i e b e zu schildern un d v o n s e i n e r G e r ech t i gk e i t nichts zu sagen. Doch was liegt jenen Leuten an der Frucht der Predigt? Nicht diese ist es, die sie vorzüglich suchen; sie suchen den Zuhörern zu schmeicheln durch „Ohrenkitzel" (2. Tim. 4, 3), und wenn sie nur o i e K i r ch e n voll s e h e n, k ü m m e r n sie sich nicht darum, ob die Seelen leer bleiben. Darum sprechen sie nie von der Sünde, nie von den letzten Dingen, nie von anderen sehr wichtigen Arbeiten, die ein heilsam Betrübniß hervorbringcn könnten, sondern sprechen „Worte, die gefallen" (Is. 30, 10), und auch das thun sie mit einer mehr volksrednerischen, als apostolischen, mehr profanen, als heiligen Beredsamkeit, die ihnetl Händeklatschen uird Beif a l l z u z i e h t, was schon vom heiligen Hieronymus verurtheilt worden, da er schrieb: „W enn Du in d er Kirche l eh rst, so soll ke i n Z u ru f, so n d er n das Seufzen des Volkes erregt w e r d e n; die T h r ä n e n der Zuhörer f eien dein Lob (ad Napotian). Daher kommt es, daß ihre ganze Predigt sowohl in als außer der Kirche von e i n e m gewissen t h e at r a l i s ch e n A n st r i ch e umgeben e r s ch e i n t, d e r ihr jedes Merkmal der Heiligkeit ilnd jede übermenschliche Wirksamkeit nimm t, daher kommt auch beim Volke und, sagen wir es immerhin, auch bei einem Theile des Clerus das Verderbniß des Geschmackes am göttlichen Worte, das Aergerniß aller Guten und der geringe oder gar kein Nutzen für die Verirrten und Ungläubigen, die, wenn sie auch manchmal in Menge h e r b e i k o m m e n, um dergleichen „Worte, die gefallen", zu hören, angezogen besonders von den tönenden Worten, „Fortschritt, Vaterland, m o d e r n e W issens ch as t", nachdem sie dem Redner, „der die richtige Art zu predigen kennt", warmen Beifall gespendet, aus der Kirche so gehen, wie sie hingckommen: „sie bewundenen, bekehrten sich aber nicht" (ex Aug. in Matt. 19, 25). 7. Indem nun diese heilige Congregation in Erfüllung der verehrten Befehle Sr. Heiligkeit so großen und so verabscheuungsam