Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-31 · 35 (31.8.1894) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021043--03799-3027954
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

a.<.*ss3ikÖfccs i'iAiy *» Nr. 85. Wien, 81. August 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für die gesammtrn Interessen des Iudenthums. -- Herausgeber: Keichsralhs-Alrgeordneter vr. KLsch. -- ■">■« 'H1 —- Erscheint jeden Freitag. Man abonnirt bei allen Postanstalken des In- und Auslandes. Inhalt: Leitartikel : „Hie Rom, hie Weinhaus!" — Baron Mundy. — Die Blutlüge in bildlicher Darstellung. — Die Arbeiter gegen den socialen Cursus. — Vom Jahrmärkte des Lebens. — Eingesendet. — Kleine Beiträge zur arischen Sittlichkeit. — Die Rothschildpartei am Hose des Deutschen Kaisers und der Fall Kobe. — Die jüdische Landwirthschastsschule. — „Wiener Ansichten". — C o r r e s p o u d enz en: Wien, Lemberg, Budapest, Prag, Hannover, Berlin, Württemberg, Posen, Paris, London. Tetuan. — Vermischtes: Wien, Tarnopol, Olmütz, Csaktornya-' Brüx, Marienbad, Vnkovar, Straßnin, Lomnitz, Prag, — Fenil teton: Im stillen Städtchen. — Briefkasten. — Inserate. m ..- - —m Srzug»Prris für Oesterreich:! Halbjährig 4 fl. — 3 Kr. Einzelexemplare 25 kr. Ntr's Ausland: halbjährig S fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „! Anzeigen: Die 4mal gespaltete^ Netitzeile!2 kr.! x-; K. ft. Postfparcastcn-Amk Clraringverkehr Nr. 810.976. Vrdartion und Administration: Wien Franz Iostfs-Nuai Nr. 3. Telsphon’Nr. 6535. „Hie Nom, hie Weinhaus!" (M i t N n tz a n w e n d u n g e n. > „wenn ich auf den j)redigtstuhl steige, denk' ich, ich Hab' eitel Klötze vor mir und rede meines Gottes Wort dahin." Luther, Tischreden. Die „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 17 vom 26. April 1894 brachte unter der Ueberschrift: „DieJudenmordpredigten in der Kirche zu Weinhaus" folgeudeu Ap pell an die maßgebenden Autoritäten der katholischen Kirche: „Groß und schwer i st die Verantwortlichkeit der kirch l i ch en O b er b e h ö r d e. Wir sprechen nicht von der Blasphemie, die in der Entstellung des „Vaterunser" zu agitatorischen Zwecken gelegen ist. Aber der Pfarrer Deckert hat das Alte Testament, welches die Grundlage der christlichen Lehre bildet, einer Wirthshaus-Kritik unterzogen, welche einer Besudelung dieses dem Christenthum wie dem Jndenthnm gleich heiligen Schriftschatzes gleichkommt. Er hat die patriarchalischen Gestalten des Alten Testamentes, welche auch die katholische Kirche als Heilige verehrt, als wahre Scheusale in Menschengestalt geschildert, Das Alte Testament hat dadurch an seiner Größe und Erhabenheit nichts einorbüßt, aber die kirchliche Behörde muß sich doch wohl fragen, ob durch solche frevelhafte Antastung dessen, was auch von d e r k atholischen Kirche als göttliche Offenbarung anerkannt wird, nicht das Christenthum selbst in seinen tiefsten Wurzeln Schaden leidet? Der Pfarrer Deckert hat den Begriff der Nächstenliebe seinen Gläubigen in einem Sinne erläutert, welcher dem evangelischen Geiste direct widerstreitet und den: apostolischen Berufe der Kirche geradezu Hohn spricht. Ist all' das noch nicht ausreichend, um das erzbischöfliche Konsistorium zum Einschreiten zu veranlassen? Man sollte doch meinen, daß die ganze bisherige Thätigkeit des Pfarrers Deckert und das Urtheil, welches in- und außerhalb des Gerichtssaales über ihn gesprochen wurde, in der kirchlichen Behörde wohl einige Bedenken darüber hätte wecken sollen, ob dieser Mann der Ehre des Priesterstandes und dem Ansehen der katholischen Kirche förderlich sei! — Und es ist doch ein Unterschied, ob Herr Deckert seine Lügen und Verleumdungen in einer Broschüre, oder ob erste von der Kanzel herab in die Welt streut. Das Wort, das von der Kanzel verkündet wird, soll unanfechtbar sein, wie die Lebre der heiligen Schrift selber. Wer sich auf der Kanzel dem Widerspruche aussetzt, setzt damit den Glauben, dessen Diener er ist, dem Widerspruche aus. Es ist kaum zu begreifen, daß den Vorgesetzten des Pfarrers Deckert diese Wahrheit nicht schon längst zum Bewußtsein gekommen ist. Dieser Mann befleckt das Kleid, das er trägt, und entweiht den heiligen Ort, an welchen er im Dienste der reinen Gottesidee wirken soll. Und zu alledem schweigt die kirch liche Behörde? Die kirchlichen Ob e rbehörden müssen sich dochvergegenwärtigen, daß die so schmählich und ungerecht Angegriffenen sich doch auch zu einem Worte derAbw ehr gedrängt sühlenmüssen und daß man ihnen diese Abwehr nicht wird verweigern dürfen. Ten richterlichkN Functionären, welche das objective Verfahren handhaben, dürfte für die Dauer die Rolle unbequem werden, einseitig immer blos den Angegriffenen, den Angesallenen, den Verletzten und Gekränkten mit der Macht des Staates niederznhalten und den Aufschrei des Schmerzes zu unterdrücken." Die „Oesterr. Wochenschrift" hat als Erwiderung gegen Pfarrer Deckert aus der Geschichte und dem Schriftschatze der katholischen Kirche mancherlei vorgebracht, was der Confiscation verfiel, allein am Schluffe des Artikels hieß es wörtlich: „Kein jüdischer Prediger hat je gewagt, derlei Dinge auf die Kanzel zu bringen, oder für dieselben gar das gesammte Christenthum oder die katholische Kirche verantwortlich zu machen. Es ist überaus traurig und für die Sache der Religion im höchsten Maße schädlich, daß solche öffentliche Discussionen von der Kanzel ans mit Gewalt herbeigeführt werden." Vier Monate blieb unser Appell ohne Antwort und nun ist sie erfolgt in der denkbar feierlichsten Form und mit einer Deutlichkeit, welche die kühnsten Erwartungen übertrifft. Ein Rundschreiben gegen die schlechten Prediger liegt vor, welches die heilige Congregation der Bischöfe und Regularen über Auftrag Leo XIII. an die Ordinarien und an die Generaloberen der religiösen Orden und Congregationen erlassen hat. In sicheren, meisterhaften Umrissen wird ein Gemälde des schlechten Predigers der jüngsten Tage entworfen. Leidenschaftslos und kalt reiht sich Zug an Zug zum wahrheitsgetreuen Bildniß, nicht gemildert und nicht übertrieben — mit unerbittlicher Wahrhaftigkeit wird jeder an seine Stelle absolut treffsicher hingesetzt. Und schon während des Entstehens des Bildnisses bewundern wir die sich immer steigernde Aehnlichkeit — wer fragt mehr oder zweifelt, wen es darstellt? — und noch immer wird es ähnlicher, immer lebensvoller, immer wahrer, noch sieht das Künstlerauge eine Fülle charakteristischer Details, die dem ungeschulten Blick entschlüpft waren — nun legt er den Pinsel zur Seite und Alle rufen; „Das ist erl" Ein vernichtenderes, zermalmenderes Urtheil ist noch selten über die Wirksamkeit eines Mannes gefällt worden. Deckert mag sich winden und krümmen, wie er will, aus dieser Schlinge wird er sich nun und nimmer befreien, ihr entrinnt er nicht mehr. Seine Kirche hat ihn und seine Bestrebungen verurtheilt und verworfen. Er wird nicht wagen, auch das Oberhaupt der katholischen Christenheit der — Verjudung zu zeihen. Allerdings haben die antisemitischen Blätter, auch die sogenannten christlich-socialen, dieses vom „Vaterland" Freitag am 25. August publicirte „Rundschreiben der heiligen Con-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.