Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 34 (24.8.1894)
- Date
- 1894-08-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 662 Vrstrrretchffchr Wochenschrty Nr. 34 Neu-Raußnitz, 17. August 1894. Am 15. August fand in unserer Gemeinde der Einzug des neu aufgenommenen Rabbiners Herrn Dr. Weiß statt. Derselbe, ein gebürtiger Ungar, bat seine Studien in Berlin mit bestem Erfolge zurückgelegt. Der Tag gestaltete sich in Folge der regen Betbeiligung aller Bevölkerungsclassen des Städtchens zu einem sehr feierlichen. Aus den nachbarlichen Gemeinden Wisch au, Austerlitz und ButschoWitz halten sich die Vertreter der Cultusgemeinde zahlreich eingefunden. Um 12 Uhr Mittag erwartete den am Bahnhofe von den Sp'tzen der Gemeinde empfangenen Rabbiner am Eingänge des Städtchens ein dichtes Spalier, gebildet von der Freiwilligen F.»erwehr, dem Männerkrankenvereine, der Schuljugend, den auf Ferien hier weilenden Hoch- und Mittelschülern, den jungen Damen des Ortes u. s. w. Besonders erwähnenswerth und für die herrschende Harmonie bezeichnend ist es, daß die christliche Gemeindevertretung, die man eingeladen hatte, mit dem Bürgermeister an der Spitze sich zahlreich am Empfange betheiligte und dann am schönen Festgottesdienste in der geschmückten und festlich erleuchteten Synagoge auch theiluahm. Dieser letztere, der durch die Gesänge des Herrn Obercantors Stößler zu einem sehr feierlichen gestaltet wurde, enthielt als Glanzpunkt die Rede des neuen Rabbiners, in der dieser mit Nachdruck darauf hinwies, daß in dem Studium der Bibel die Stärke der jüdischen Nation beruße und daß daher die Schule vor Allem berufen sei, die Thora zu Pflegen und jüdische Geschichte zu lehren. Seine Rede gipfelte im Satze: „Zurück zur Thora, zum Urquell der jüdischen Welt!" Möge der neue Seelsorger, der über ein tüchtiges oratorisches Talent verfügt und ein großer Bibelkenner ist. den besten Ecfolg in seinem amtlichen Wirkungskreis erzielen! Möge andererseits die Gemeinde endlich von den ewigen Rabbinerkrisen befreit sein! W. B. Podgorze. In dem unweit Podgorze gelegenen Städtchen Skawiiur hielt der Rabbiner von Podgorze Herr Simon Fränkel am 18. d. M. gelegentlich der Einweihung der neugebauten Synagoge, eine Festrede, unter Teilnahme des Vorstandes, der Gerichts-und Mogiflralsbeamlenund eines zahlreichen Publicums beiderlei Geschlechtes. Die Rede des Rabbiners fand großen Beifall. Bisenz. Herr Dr. Moses Rosenmann aus Zurawno in Galizien, Zögling des H i ld e s h e im er'schen Rabbiner-Seminars in Berlin, wurde am 19. August d. I. über Vorschlag des Cultusausschusses mit Stimmcneinhelligkeit zum Rabbiner für die israel. Cultusgemeinde B isenz gewählt. Prag. Am 18. d. M. ist hier Frau Amalie Mauthner nach längerem Leiden im Alter von 78 Zähren gestorben. Die Dahingeschiedene war durch Herzensgute und Wohlthätigkeit in weiten Kreisen bekannt, sie war aus H o r i tz gebürtig, wo ihr Vater, Herr Zonas Mauthner, der ein Alter von 104 Jahren erreichte, seinerzeit der Baummollweberei des dortigen Bezirkes Eingang verschaffte. Die Veistorbere hinterläßt eine Tochter, die Gattin des hier sehr bekannten Prager Med. Dr. Herrn R. K ub, und fünf Söhne. Ein Cohn ist Director der österr. Creditanstalt in Wien, Gustav Ritter v. Mauthner, ein zweiter der bekannte Schriftsteller Fritz M a u t h n e r, von . den anderen Söhnen ist Herr Karl Mauthner Börserath in Wien und Herr Ernst Mauthner Besitzer der mechanischen Weberei in Bubentfch. Das Leichenbegängniß fand nnrer zahlreicher Beiheiligung am 19 August statt. Die rituellen Gebete nahm im Sterbehanse Herr Rabbiner Dr. Kaminka vor. Eine große Zahl prachtvoller Kränze wurden an der Bahre niedergelegt, auf dem neuen israel. Friedhofe wurde die Beerdigung vorgenommen. Prag. In der vorigen Woche hat zu K ö n i g g r ä tz eine Versammlung czechischer Fleischhauer stattgefunben, bei welcber ein Theilnehmer den Wunsch aussprach, das Organ der,Fleischhauer, die „Reznicke listy", möge so lange nicht unterstützt und abonnirt werden, als sie bei einerjüdischen Firma gedruckt werde. Der Antragsteller befürchtet wahrscheinlich, daß die nationalen Ochsen und Schöpse der Verjudung anheimfallen. Olmütz. Herr jnr. Dr. Hrdliczka in Olmütz wurde zum Conceptspraktikanten bei der k. k. Postdirection in Brünn ernannt. Kolin. Am Dienstag den 14. d. M. verschied hier plötzlich Herr Lazar Wiener im Alter von 72 Jahren. Es war dies ein strenger, ehrenhafter Mann, der die Satzungen unserer Religion.genau einhielt und der darauf bedacht war, seinen Kindern die beste Erziehung angedeihen zu lassen. Seine vier Söhne nehmen auch geachtete Positionen ein; der älteste dient als Oberlieuterant bei der Artillerie, der zweite ist Kaufmann in Leipzig, .der nächste führt in New- Jork ein bedeutendes Geschäft und der jüngste Sohn ist der in Wien, 10. Bezirk, etablirte Arzt Dr. Albert Wiener. An dem Lüchenbegängniß, welches am 16. d, M. stattfand, betheiligte sich die gesammte Gemeinde — Arm und Reich — mit den Vorstehern an der Spitze, ein Zeichen, welch' verdienter Achtung sich der Verstorbene zu erfreuen hatte. Budapest. (Professor Ignaz Goldzieher.) Das Amtsblatt veröffentlichte am Sonntag ein aus Ischl datirtes Allerhöchstes Handschreiben, durch welches dem Privatdocenten an der hiesigen Universität Dr. Ignaz Goldzieh er der Titel und Charakter eines öffentlichen ordentlichen Professors verliehen wurde.' Diese Auszeichnung eines verdienstvollen Gelehrten, welche dadurch noch eine besondere Bedeutung erhält, daß Dr. Goldzieher der erste ungarische Staatsbürger israelitischer Confession ist, welchem dieselbe zutheil wurde, wird nicht verfehlen, in weitesten Kreisen Befriedigung zu erregen, und das würde umso mehr der Fall sein, wenn demselben zu dem Titel und Charakter auch die Bezüge eines wirklichen Universitäts- Professors verliehen würden, was Dasjenige, was jetzt Auszeichnung ist, erst zur Ernennung stempeln würde. Dr. Ignaz Goldzieher, welcher die Stelle eines e-sten Secretärs der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bekleidet, ist bekanntlich ein Gelehrter von europäischem Rufe, der als Kenner der orientalischen Sprachen und Literatur zu den hervorragendsten Capacitäten der Welt gezählt wird. Seine Werke werden in der Regel, so wie sie hier erscheinen, in die deutsche, französische und englische Sprache übersetzt und erfreuen sich bei den auswärtigen Gelehrten der größten Werthschätznng. Dr. JgnazGo ld ziehen ist in S tu hl w e i ß e n b ur g im Jahre 1850 geboren, studirte in B u d a p e st, Berlin und Leipzig die orientalischen Sprachen, in L e y d e n und Wien die orientalischen Handschriften und ist seit 1872 Privatdocent an der Budapester Universität. Die beiden Jahre 1873 und 1874 verlebte er in Wien, P a l ä st i n a und EgYpte n. Im Jahre 1876 wählte ihn die ungarische Akademie der Wissenschaften zum correspondirenden und 1892 zum ordentlichen Mitglieds. Dr. Ignaz G o l d z i e h e r ist als Gelehrter sowohl, wie auch als Charakter ein Mann, der dem Vaterlande und der ungarischen Wissenschaft zur hohen Ehre gereicht. Varanno. Am 8. d. M. wurde hierdie Gattin unseres verehrten Gemeindepräses. Herrn Moriz Landesmann, zur ewigen Ruhe bestattet. Die Armen unserer Gemeinde haben an dieser edlen Frau eine Mutter verloren. Paris, 11. August. Die Herren M. I. Au sch er, Grand-Rabbin in Besancon, Dr. A. Weil, Director des Rothschild-Spitals in Paris, E. Paraf, Director der Minen- Gesellichaft in Pontgibaud, I. A. Treves, Fabrikant in St. Quentin, sind zu Rittern der Ehrenlegion ernannt worden. Genf. Das illustrirte Pariser Journal „Ü'Uue^oloxestie cont empor aine" enthält in seiner Nr. 256 vom 31. Juli einen vortrefflich geschriebenen, interessanten Aufsatz über das Institut Ballitzer in Genf, über dessen ausgezeichnete sanitäre Errichtungen und den Geist, in dem Herr Ballitzer seine Anstalt leitet. Herr G. D e r v i l l y erweist sich in diesem Essay als verständiger Pädagoge und sein Urtheil über das genannte Institut ist eine werthvolle, von eminent fachmännischer Seite kommende Anerkennung. Herr B a l l i tz e r in G e n f ist gerne bereit. Allen sich dafür Jnteressirenden die betreffende Nummer des Blattes zugehen zu lassen und sonstige etwa erwünschte Aufklärungen, seine'Anstalt betreffend, zu ertheilen.