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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-24 · 34 (24.8.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 34 Seürrretrtztlche WortzrrrsrhrN Seite 661 Des Kaisers Geburtstag. Wien. Die Feier anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers wurde am 18. August im Tempel der isral. Cultusgemeinde, 16. Bezirk (Ottakring), im Beisein des Vorstandsmitgliedes Herrn S. Nosner, des Ausschusses der Cbewra-Kadischa, sowie eines zahlreich versammelteil distinguirten Publicum» in würdiger Weise begangen. Nach erfolgtem einleitenden Choralgesang unter der Leitung des ersten Cantors Herrn M. Sch! esinger hielt Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Deutsch eine schwungvolle, geschichtlich poiutirte Festrede, die ihren begeisternden Eindruck nicht verfehlte. Mit der Abfindung der Volkshymne vor offener Bundeslade schloß diese schöne Feier. Perchtoldsdorf bei Wien. Die Herren S. B r v d und Bernhard Hofbauer aus Wien improvisirten am Vorabende des Geburtstages Seiner Majestät in einem festlich beleuchteten und mit Blumen geschmückten >saale einen solennen Gottesdienst für die israelitischen Sommergäste. Nach den üblichen Sabbath-Choralgesängen wurde das Gebet für den Landesvater gesprochen, worauf die in größerer Anzahl anwesenden Mittelschüler die Bolkshymne anstimmten. Der Eindruck, den dieser in P e r ch t o l d s d o r f wohl zum erstenmale abgehaltene Israel. Gottesdienst machte, war ein wirklich erhebender. Strahnitz, 19. August 1894 Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes unseres allergnädigsten Kaisers wurde am gestrigen Sabbath in dein hiesigen israel. Tempel ein solenner Gottesdienst abgehalten, dessen Glanzpunkt die tiefdurchdachte Festrede unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners Friedmann bildete. Mit dem Zurufe: »Vitam et. sanguiuem pro rege nostro!« schloß der Herr Rabbiner seine begeisterte und begeisternde Festrede, die auf die zahlreich versammelte Zuhörerschaft einen tiefen Eindruck machte. Hierauf verrichtete der ehrwürdige Herr Rabbiner an offener Bundeslade ein der Feier des Tages anpasseudes Gebet für den allgeliebten Kaiser und sein erlauchtes Haus. Mit der Absingung des Kaiserliedes voll der gesammten Schuljugend, in das auch die Erwachsenen einstimmten, fand die patriotische Fesifeier im Tempel ihren würdigen Abschluß, worauf der Cantor das übliche Mussafgebet vortrug. Zlabings. Samstag Nachmittags 4 Uhr wurde hier, zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, woran sich die ganze Gemeinde sammt den Schulkindern betheiligte. Die Festpredigt wurde vom Herrn Lehrer N u ß b a u m gehalten. Mit dem Kaiserliede schloß die schöne Feier. Kolomea. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät unseres geliebten Kaisers Franz Josef I. fand gestern in unserem Vereinslocale „Beth Israel" eine Feier statt, wobei sämmtliche Mitglieder festlich gekleidet erschienen. Nachdem einige patriotische Festreden von Seiten einiger Mitglieder abglhalten worden waren, sangen sämmtliche Mitglieder, vom Patriotischen Gefühle durchdrungen, die „Volkshymne" in hebräischer Sprache ab. Nirovitiea lSlavonien). Am 18. August, dem Geburtstage unseres erhabenen Königs, den die Völker Oesterreich- Ungarns mit der glühenden Begeisterung treuer und ehrfurchtsvoller Patrioten feiern — die Häuser mit deu nationalgefärbten Flaggen geschmückt dastanden, die Pforten der hiesigen Gottesbäuser sich weit aufthaten, auf daß sie eintreten die frommen Patrioten, um für das Wohlergehen unseres gnadenreichen Königs und für das seines gesammten Herrscherhauses zu beten, da war der Zugang den Gläubigen rn einem Gotteshause dahier versperrt. Es war dies die griechisch-katholische Kirche. Der festliche Zug der Bürger, den der hiesige Vice-Gespan Edler v. L a b a s, Oberstuhlrichter v. K u § e v i L und der hiesige Bürgermeister unter feierlicher Musikbegleitung anführten, vor den Pforten der Kirche angelangt, mußte zurückkehren, denn die Pforten waren verrammelt und kein Festzeichen zeigte an. daß auch die griech.-kath. Unterthanen dahier diesen für den österr.- ungar. Patrioten so hohen Feiertag festlich begehen. Als aber der festliche Zug sich in den israelitischen Tempel begeben hatte, standen an den Pforten des Tempels der Präses der hiesigen Gemeinde, Herr Julius Lakenbacher und Vicepräses Herr Rudolf Reich, den Festzug feierlich zu empfangen und willi kommen zu heißen. Jedem wurde sein Ehrenplatz im Tempel angewiesen und Herr Obercantor Emanuel Roth stimmte mit klangvoller Stimme den 21. Psalm: „Ewiger! Deiner Siegesnacht frohlockt der König" an, worauf Se. Ehrw. Herr Dr. Kaufmann eine von Patriotismus durchglühte Festrede hielt. Dr. H a n s e m a n n, Director des fürstlich 2 chaumburg-Lippeschen Schlosses dahier, wie auch Edler von Labas rühmten den loyalen Patriotismus der jüdischen Bürger, ^lereator. Gliniany. In unserer Stadt Gliniany wurde der 18. August als Geburtstag Sr. Majestät unseres glorreichen und vielgeliebten Kaisers Franz Josef 1 feierlichst begangen und zwar: Am 17. d. M. vor Abends wehte aus den Fenstern der hiesigen Synagoge die österreichische Fahne. Samstag den 18. d. M. um 10 Uhr Früh versammelte sich die israelitische Gemeinde in der Synagoge, und während des Gottesdienstes hat der Herr Baruch Basuhes, Rabbinats-Candidat, ein gediegener Talmudist vereint mit anderen Wisseuschasten, eine Festrede in deutscher Sprache gehalten, in welcher er die Tugenden und Wohlthaten unseres erhabenen Monarchen in begeisterter Weise hervorhob, dann verrichtete Herr Leo Wolf das übliche Gebet welches endete mit dreimaligem Hoch für den Kaiser und das Haus Habsburg. Wien. Anläßlich der Ausstellung in Chicago erhielten vom Kaiser Ordeusdecoratiouen: den Eisernen Kroneuorden zweiter Classe Max Mautner; das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens der Großindustrielle Moriz Hirsch; das goldene Verdienstkreuz mit der Krone der Hof-Wäschefabrikant Eduard B n d i e. der Exporteur Henry L a tz o. der Papierfabrikant Alois Pollak, der Kerzen- und Seifenfabrikant Alfred Tau ssig. Der Ausdruck Allerhöchster Anerkennung wurde zu Theil dem Architekten Emil Breßler und dem Secretär des Exportvereines Adolf Schwarz. Wien. Sonntag am 26. August, 1 Uhr Nachmittags, findet im israAitischen Tempel in Baden bei Wien die Trauung des Fräuleins Rosa Kassel, Tochter des Herrn Sigmund Kassel, mit Herrn Alfred Engel statt. Wien. Die Trauung des Herrn Leo Wolfram mit Fräulein Emma L ö w i s s o h n findet Sonntag ren 26. August, halb 3 Uhr Nachmittags, im Tempel Müllnergasse Nr. 21 statt. Wien. (Das „Nußdörfl".) Wieder schwindet ein Stück Alt Wien, das in den Annalen unserer Stadt eine Rolle gespielt hat. Das bekannte kleine Häuschen „zum Nußdörf'l" in der Kleinen Pfarrgasse in der Lcopoldstadt, das nahezu 300 Jahre alt ist, wird demolirt, um einem stattlichen Neubau Platz zu machen. Das „Nußdörf'l" hatte seine guten aber auch seine böse Zeiten. Als das Viertel noch die alte Judenstadt bildete, hatten die Insassen des Hauses unter den damaligen Verfolgungen Vieles zu erdulden, als aber die Judenstadt aufgehoben wurde, ward im „Nußdörf'l" ein Vergnügungslocal etablirt. Vvlkssäuger und „Harfenisten" erschienen auf dem Brettl und die Sage erzählt, daß Kaiser I o s e f II. wiederholt im schlichten Bürgerkleide unter den Gästen erschien; auch hervorragende Schriftsteller und Localhunioristen haben sich dort ihre „Typen aus dem Volke" geholt. Die Front des einstöckigen Häuschens schmückt ein Gemälde, das „Nußdörf'l" darstellend, was für Liebhaber von Interesse sein dürfte. Marienbad, 17. August 1894. Gestern starb eines raschen Todes im Alter von etwa 50 Jahren die hier zur Cur weilende Frau Amalie Singer, geb. Grün Hut aus B. St. Georgen in Ungarn. Sie war eine Frau von ungewöhnlicher Intelligenz. In jüngeren Jahren hatte sie ihre ganze Kraft auf die Förderung ihres Bruders, des dermaligeu Hofrathes und Professors Grün Hut concentrirt und war in ihrer weiten Umgebung ihre bis zur vollständigen Selbstverleugnung gehende Hingabe an diesen geliebten, einzigen Bruder sprichwörtlich geworden. Wer sie auch nur im Jahre 1866 im Curort Rozn a u am Krankeubette ihres schwer darniederliegenden Bruders Tag und Nacht wachen und Samaritanerdienste verrichten sah, der wußte, welche Perle dieser Bruder an dieser Schwester besaß. In den letzten Jahren litt die geistesstarke Frau schwer unter mannigfachen ans Herz greifenden Leiden und Enttäuschungen, ohne zu klagen. Da kam unerwartet der erlösende Tod. Olmütz. Die von der hiesigen Cultusgemeinde vorgelegten Statuten sind von der Behörde bereits genehmigt, so daß noch im Laute des heurigen Jahres die definitive Constituirung dieser Gemeinde erfolgen wird.

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