Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 34 (24.8.1894)
- Date
- 1894-08-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 Vesterreichtfchr Wochenschrift Seite 659 GorreHMnäenLM. Wien, 16. August. (Ein Strafantrag des L a n d e s v e r t h e i d i g u n g s-M i n i st e r i >. m s.) Am 19. Mai fand - in der „Ressource" eine Versammlung des „Deutsch-nationalen Arbeiterdundes" statt, in welcher der Herausgeber der deutsch-national-antisemitischen „Ostdeutschen Rundschau'', Karl Hermann Wolf, eine Rede gegen die „Preßcorruption" hielt und hiebei unter Bezugnahme auf ein Bild eines illuftrirteu Wochenblattes, welches Gendarmen darstellte, welche auf die strikendeu Bergarbeiter in O st r a u schießen, eine Aeußerung machte^ worin das Landesvcrtheidigungs-Ministerium eine Beleidigung der Gendarmerie erblickte. Das Ministerium stellte daher gegen Wolf den Strafantrag nach Artikel 5 des Gesetzes vom 17. December 1862. Bei der Verhandlung vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Alsergrund, Dr. Kurzweil, verantwortete sich der Angeklagte dahin, er habe nur das Bild und das Blatt bekrittelt, aber keineswegs die Gendarmerie. Polizeicommissär F r o n z, welcher jener Versammlung als Regierungsvertreter angewohnt hatte, trat als Zeuge für die Richtigkeit seiner Meldung ein; aus ihn gibt der Zeuge an, habe es den Eindruck gemacht, als ob der Angriff W o l s's der Gendarmerie gegolten habe. Die Aeußeruug sei von der Versammlung mit minutenlangem Applaus begrüßt worden. Der Angeklagte bemerkt hiezu, er glaube nicht, daß er das iucciminirte Wort „Mord" direct ausgesprochen habe, es sei aus der Menge gerufen worden. Da zwei Zeugen nicht erschienen waren, mußte die Verhandlung vertagt werden. Wien. (Das Ende einer antisemitischen Buchhandlung.) Die durch den Vertrieb antisemitischer Schundliteratur bekannt gewordene Buchhandlungsfirma L e s k u. Sch tv i d e r 11 o c6 ist, wie berichtet, kürzlich in Concurs gerathen. Nunmehr haben die Bnchsachvei ständigen das Cnda- Inventar der falliten Firma ausgenommen; nach demselben bcziffern sich die richtiggestellten Activen mit 35.635 st. 77 kr. und die Passiven mit 60.042 fl. 14 kr., so daß ein unbedecktes Deficit von 24.406 fl. 37 kr. verbleibt, eine Summe, die für eine so kleine Buchhandlung, wie die der Firma L e s k u. Sch wider noch war, nicht unbedeutend ist. Wien, 3. August. Auf Grund der Anträge des Preisrichtercollegiums der Moriz Rappaport-Stiftung in Wi-en hat der Vorstand der dortigen Gemeinde den Arbeiten von den Doctoranden Paul Ri eg er und Hermann V o gestein als „Anerkennung" einen Betrag von 1000 Gulden „im Hinblick auf die großen Vorzüge des Werkes" zugesp'vchen. Die gleiche Anerkennung ist auch der Arbeit des Herrn Tr. A. Berliner zu Theil geworden. Das Thema des Preisausschreibens lautete: „Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Niederlassung in der Hauptstadt des römischen Reiches bis zum Verschwinden des römischen Ghettos unter der Regierung des Königs Humbertl." Wien. (Wo sind die Armengelder von Währing?) Die „Bezirks-Post" vom 15. d. M. schreibt u. A.: „Vergangene Woche haben mehrere Mitglieder des Armenrathes einen Rundgang in dem Rayon des Herrn Holzbauer vorgenommen — die Armeuräthe Ho lzer, Schmid und Kronberger — und wessen sie da gewahr wurden, das hätten sie nicht erwartet. Die Armeubüchsengelder des Herrn Holzbauer stimmten blutwenig. Beweis dkffsn folgende amtlich flstgestellten Ziffern: Herr Holzbauer führte im Laufe der Zeit ab: Am 23. August 1893 . ... fl. 2048 „ 13. December 1893 . . . „ 37-22 „ 21. Februar 1894 . ... „ 23.27 „ 18. April 1894 .„ 27.10 Summa . . . fl. 107 77 Und was hat der Herr Holzbauer laut den bei den Hausbesorgern erliegenden Aufzeichnungen den Büchsen entleert? 300 Gulden; folglich ist bis beute Mittags, da wir diesen Gericht schließen, 93 fl. Deficit! Freitag noch wurde die Anzeige an das Magistrats- Departement erstattet und Herr H o l z b a n e r für .heute vom Herrn Magistratsrath Trab au er vorgeladen. Das Resultat ist wohl noch ausständig. Th a t sa ch e aber ist. daß h eu te ein Deficit per 93 fl. B üch f enge ld er im Rayon des Herrn Armenrathes Holzbauer effectiv besteht. Immerhin aber die offene Frage: Wo sind die Büchsengelder des Herrn Holzbauer?" Wien. (Die Lügen des Dr. Geßmann.) Beim Dreher hielten die officiellen Socialisten eine Versammlung ab. in welcher das Erscheiueu der „Arbeiter-Zeitung" als tägliches Journal vom October ab angekündigt und diese Ankündigung mit Beifall ausgenommen wurde. Dann beschäftigten sich die Arbeiterführer Reumann und Dr. Adler wieder mit Dr. Geßmann und seinen Reden. Reumann warf dem Dr. Geßmann, der zur Versammlung eingeladen, aber nicht erschienen war, vor. daß er lüge und daß er es nicht wage, seine unwahren Behauptungen wo anders als vor geschlossenen Thiiren vorzubringen. Dr. Adler meinte, daß das Lügen das Grnndelemeut der antisemitischer, Partei sei und daß Dr. Geßmann eben nur das antisemitische Programm zum Ausdruck bringe, wenn er die Unwahrheit sage, denn die Partei sei nur ans Lug und Trug zusammengesetzt und habe alle ihre Erfolge nur der Lüge zu danken. Adler warf auch dem Dr. Lueger vor, daß eres sich gefallen lassen habe, als er ihm Unwahrheit und Gesinnungslosigkeit vorwars. Mit der Annahme einer Resolution, in welcher das Treiben der Antisemiten auf das Schärfste vernrtheilt wird, schloß die Versammlung. Prag. 14. August. Einen neuen Beweis für die Wahrheit, daß wir Juden bei treuer Erfüllung unserer bürgerlichen Pflichten auch unsere Rechte wahren sollen, liefert die Ausnahme eines Thicrarztes in der Prager Vorstadt Zizkov. von der ich in meinem letzten Berichte Erwähnung machte. Dieser Tage wurde dem Gemeindeausschuffe der Ternavorschlag gemacht. Unser Glaubensgenosse Herr Stadtverordneter Witz machte darauf aufmerksam, daß die Zizkov er jüdische Cultusgemeinde gegen die Offertansschreibnng ans die Stelle eines Thierarztes Protest einlegte, weil als Bedingung für die Aufnahme die Zugebörlakeit zum Christentbnme gestellt wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt. Herrn Witz zu ersuchen, er möge dahin wirken. daß der Protest der Cnltnsgemeinde zurückgezogen wird, wobei zngesichert wurde, daß so etwas weiter nicht Vorkommen wird. Prag, im 2. Jahre der Coalitionsära. Seit etwa 18 Jahren befand sich unter den 523 Bezirks-Schulirspecloren Oesterreichs auch ein — saae: ein — Jude. Diesen der Stenerleistung, numerischen Stärke, Intelligenz und pädagoschen Begabung des Jndentbums „vollkommen entsprechenden" Besitzstand ließ selbst das reactionäre. clericale, verczechte -sfl-s-Ministerium Ta affe unangetastet. Erst der Aera P len er- Wurmbrand blieb es Vorbehalten, diesen Einzigen zu entfernen. — Lieb' „Vaterland" kannst ruhig sein! Obwohl dieser Jude nur jüdischen Schulen Vorstand, wurde er doch geschlachtet. Neutra. (Jnstall ationsfeier) Die Installation des neugewählten Rabbiners der hiesigen Jndengemeinde hat Dienstag am 14.d. vomprachtvollüenWeiterbegünstigt, programmgemäß stattgefunden. Mit dem Frühzuge begab sich unter Führung des Herrn Dr. Moritz Löwinger die von der Repräsentant entsandte Deputation nach Totmegyer; derselben hatte sich eine bedeutende Anzahl von Gemeindemitgliedern angeschloffen, um Herren Rabbiner Katz daselbst zu erwarten und hieher zu geleiten. Als Rabbiner Katz mit dem Budapester Eilznge anlangte, wurde er von den Anwesenden achtungsvoll begrüßt, woraus Herr Dr. Löwinger au ihn eine längere Begrüßungsansprache richtete, welche der Rabbiner erwiderte. Nach dreistündigem Aufenthalte wurde der bereitgehaltene Sonderzug abgelaffen; hier angelangt, wurde der Rabbiner von einer großen Anzahl seiner Glaubensgenossen erwartet. Hier begrüßten die Herren Salomon Freund und Moritz Rosenzweig den Rabbiner im Namen der Erschienenen. Nun setzte sich der Zug in Bewegung; allen voran drei Herren vom Ordnercomite. woraus eine Colonne von 31 Wagen folgte. Am Eingänge in den Tempelhos erwartete der Cultusches Herr David Ko hn den einziehenden Rabbiner und begrüßte ihn neuerdings; an dem äußeren Eingänge der Synagoge erwartete der derzeitige Präses HerrJosef En gel chen Rabbiner, den er nun im Namen der gesammten Gemeinde neuerdings begrüßte, ihn in das Innere der Synagoge führte, wo endlich Herr Rabbinatsassessor Lazar Ros n er den Oberrabbiner im Namen des Rabbinatscollegiums begrüßte. Nachdem die Begrüßungsansprachen vorüber waren, bestieg der Rabbiner die Kanzel, um seine Antrittsrede zu halten Dieselbe machte allgemein tiefe Wirkung und gelang es dem neuen Rabbiner sich als vorzüglichen Kanzelredner einzujühren.