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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-24 · 34 (24.8.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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L>eite 656 Vrsterrrtttziptzr »ortzenfchrtst Nr. 34 „Wer bereits dazu gelaugt ist, den „Bundschuh" zu seinem Abzeichen wieder zu erküren, der spielt in Gedanken auch bereits mit dem Morgenstern, der die großen Herrn erschlägt und mit der Fackel die Städte und Kirchen in Brand setzt. Doch vorläufig zerstört ja der neuerstandene „Bundschuh" nur ältere antisemitische Organe; er hält das wohl für einen Beweis seiner Stärke, während es in Wahrheit ein Ausfluß radikaler Ueberspannung ist, bei der selbst die einfachste politische Dankbarkeit gegen die älteren Blätter der Bewegung, wie die „Staatsbürgerzcitung", zu kurz kommt." Wieder Einer. Dresden, 5. August. Wegen zahlreicher Betrügereien hatte sich dieser Tage der antisemitische „Führer" B a ch m a n n vor dem hiesigen Landgericht zu verantworten. Der Angeklagte, der ein eifriger Agitator der antisemitischen „Reform"-Partei war und häufig als Anführer von antisemitischen Radau-Colonnen glänzte, betrieb ein „Jncasso- und Hypothekengeschäft" und besorgte gleichzeitig Nechtsangelegenheiten. Sein Hauptgeschäft war die Besorgung von Darlehen, wobei er sich stets ein „Draufgeld" geben ließ, ohne daß es ihm je ernstlich in den Sinn kam, sich uni die Besorgung der Gelder zu kümmern. Auf diese Weise hat der wackere „Reformer" nicht weniger als 74 Personen, darunter viele kleine Geschäftsleute, um reichlich 1800 Mark geprellt. Der gemeingefährliche Bursche wurde vom Gerichtshöfe zu 3% Jahren Gefänglich und drei Jahren Ehrverlust verurtheilt. Antisemitischer Ramsch. In Nr. 186 des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel ist folgendes günstige Offert zu lesen: „Antisemitische Restauflagen, Ocd.-Werth 6 Mille Mark, im ganzen für 1 Mille Mark oder qetheilt sehr billig zu verkaufen. Näheres aus Anfragen unter „H. H. 85'' durch Herrn K. F. Köhler in Le'pzig. Wie wir hören, sind die gesummten Restauflagen, allerdings zu einem noch wesentlich reducirterem Preis bereits von einem christlich-germanischen Käsehändler erstanden worden. Für den gesinnungstüchtigen Mann wird antisemitischerseits ein Fackelzug geplant. Die Antisemiten an der Arbeit. Aus Sängerhausen schreibt man uns: Vor einigen Wochen hielt Herr L i e b e r m a n n v. Sonnenberg in unserer Stadt einen seiner bekannten Vorträge. Seinen Ausführungen trat Herr Bureauvorsteher Brünninghaus entgegen, der den Parteigenossen Ahlwardt's in kurzer, sachlicher und erfolgreicher Weise widerlegte. Darob entbrannte bei den Antisemiten, die sehr zahlreich aus Nordhausen gekommen waren, eine Wuth, welche keine Grenzen kannte, die aber die Gefährlichkeit des Antisemitismus in seiner ganzen Gestalt zeigte. Herr B. sollte und mußte auf jeden Fall „bestraft" werden. — Was geschah? Der Chef des Herrn B. erhielt unausgesetzt Zuschriften, in denen Herr B. in der unerhörtesten Weise denuncirt wurde. Natürlich waren diese Machwerke von Zuschriften anonym abgeschickt, da ein „freier teutscher Mann" antisemitischer Art den Muth Huben muß, mit seinem Namen — hinter dem Berge zu halten, wenn es gilt, dem Nächsten zu schaden. Diese Kampfesweise der Antisemiten hatte den Erfolg, daß Herr B. nur noch fester in dem Ansehen seines Chefs stieg. Wir veröffentlichen diese kleine Geschichte, weil sie einen neuen Beitrag zu dem Capitel von der Veredlung „teutscher Sitte" durch den Antisemitismus liefert. Wahrscheinlich wiederholt sich die Geschichte anderwärts täglich. Leopold Zuuz über den Weltuntergang und die Erlösung. „Wenn einfache Verhältnisse, wenn schlichte Sitten im Verlauf von Jahrhunderten zu schwer drückenden Fesseln werden, darf es nicht auffallen, daß Glaubenssätze, die Völker entzweiend Städte verwüsten, in den Schicksalen wenig beachteter Gegenden ihren Ursprung haben. Die Schilderungen der Kirchenväter vom 1000 jährigen Reich wurzeln in biblischen und hagadischen Schriften; was die katholische Kirche von Sünde und Buße, von Weltgericht und Auferstehung lehrt, stammt aus Israels Lehrhäusern. Unterdrückte Nationen erwarten dann einen Erlöser, wenn sie auf die eigene befreiende That verzichten. Es entstehen messianische Fabeln und Schriften; Schwärmer, die sich selber für den Befreier halten, beleben und bethören. So hat man denn von Zeit zu Zeit, gleich den christlichen Chiliasten, auf Bibelstellen sich stützend, das Erlösungsjahr vorauszubestimmen versucht. Was die Jahresrechnungen anbelangt, so haben selbige schon früh das Mißfallen der Verständigen erregt. Jndeß, wenn aller Naturkunde zum Trotz Weltuntergangs-Schwärmereien bis heulesortdauern, darf es nicht verwundern, wenn Druck und Elend nach Strohhalmen greifen läßt: so entschuldigt bereits Maimonides den Saadia, daß er mit seiner Verkündigung von der Ankunft des Messia die Trostbedürftigen habe stärken wollen. Die Jahre 1840, 1850, 1868 — ersteres im Sohar, zweites von Simeon Duran, letzteres von Samuel Valerio prophezeit, haben weder Messia noch überhaupt Erlösung den Nationen gebracht, dem Buch zufolge tritt die Erlösung im Jahre 1900 ein. Da nun alle Rechnungen seit dem römischen Zeitalter bis heute getäuscht haben, so halte man an deni alten Ausspruche fest, daß die Erlösung unerwartet, entweder in der Gestalt von Umwälzungen ein schuldiges, ober unter dem Schilde thatkrästiger Reformen ein reines Ges hlecht überraschen wird. So möge, wer Revolutionen scheut, an sich selber verbessernd arbeiten, damit das von Jesaia verkündete Zeitalter eintrete, in welchem Säuglinge der Freiheit in den Löchern thronender Schlangen spielen und die Welt von Gotteserkenntniß übeifließt." Diese Ausführungen sind einem längeren Aufsatz von Zunz in Geiger's „Jüd. Zeitschrift", 9. Jahrgang, 1871, entnommen. August Rohling und Paulus Meyer. Linz. In der „Linzer theologisch-praktischen Quartalschrift" (47. Jahrgang, S. 686. f.) bespricht Rohling E i s e n m e n g er's „Entdecktes Jndenthum", von.dem ein Dresdner Verleger eine verkürzte Ausgabe veranstaltet hat. Rohling wünscht, daß dieses Buch in allen Amtsstuben weltlicher und geistlicher Behörden aufliegen und in allen christlichen Familien angeschafft werden solle. Den Umstand, daß Eisenmenger die Blutbeschuldigung eine „papistische Erfindung" nennt, verschweigt Herr Rohling natürlich, wohl aber gibt er an, daß der „Hebraist" Paulus Meyer demnächst eine weitere Publication von hebräischen Originaltexten zur Blutbeschuldigung herausgeben wird. Paulus Meyer ist jener bekannte Spitzbube, der von den deutschen protestantischen Missionen hinausgeworfen, auf Rohling's Empfehlung vom Pfarrer Deckert zur Anfertigung von Blutmordgeschichten gemiethet wurde, welches Geschäft ihm. eine viermonatliche Kerkerstrafe eintrug. In der Gerichtsverhandlung hat er sich als ein erbärmlicher Wicht gezeigt, der seinen Patron beschuldigte,- ihn mißbraucht zu haben. -Von diesem Spitzbuben will sich jetzt Herr Rohling wieder bedienen lassen. Sie sind einander werth. Antisemitische Kindereien. Im Nordseebad Borkum, das sich mit seinem Antisemitismus förmlich brüstet, hängt in sämmtlichen Hotels folgendes Placat: Fahrplan zwischen Borkum und Jerusalem. (Neujüdland anlaufend.) Das vereheliche christliche Publicum wird darauf hingewiesen, daß die jüdischen Passagiere au der Grenze einer Revision unterzogen werden, auch daß^ie nach Jerusalem abdampfenden Juden nur 6 Mk. bei sich führen dürfen. Retourkarten werden nicht ausgegeben. Billets sind in sämmtlichen Hotels hierselbst zu erhalten. Diese Billets sind in der That zu haben. Bemerkung überflüssig. Man kann Ideen und Parteien bekämpfen, aber gegen — Kindereien kämpfen Götter selbst vergebens. Ein Rechtspraktikantenstrike. Die Wiener Blätter meldeten unterm 14. d. ans der Landeshauptstadt der Bukowina: Die demonstrative Demission aller bei unserem Landesgerichte in Verwendung stehenden Rechtspraktikanten, sieben an der Zahl, hat natürlich das größte Aufsehen erregt. Wie ich Sie bereits auf telegraphischem Wege verständigt habe,! überreichten gestern die Rechtspraktikanten, welche die Präterirung; zweier ihrer Collegen, und zwar der Herren Dr. Weißelb erg er und Dr. Ho ff mann, anläßlich der Besetzung eines freien Auscultantenpostens nicht gleichmüthig hinnehmen wollten, in gehöriger Form ihre Demission. Die beiden obengenannten Rechtspraktikanten waren der Dienstzeit nach an der Tour und es lag keinerlei Grund vor, daß ihnen ein anderer, kürzere Zeit im Dienste stehender Herr, der erst an dritter Stelle im Vorschläge zum Avancement genannt wurde, vorgezogtzn wurde. Deshalb beschlossen die anderen Collegen, und zwar die Herren Dr. Handel. Dr. Hordynski, Dr. Serwischer, Dr. Ebner und Dr. D atzak, die in der unerwarteten Ernennung des Dienstjüngeren eine Willkürlichkeit sahen, gemeinsam mit den Präterirten auf die Ausübung ihrer Thätigkeit beim Landesgerichte zu verzichten. Die liberalen Kreise unserer Stadt nehmen lebhaften Antheil an der Sache, umsomehr, als die strikenden Rechtspraktikanten sämmtlich Czernowitzer sind. In Bezug auf diese Meldung lesen wir in der „Bukowinaer Rundschau": Die Krise, welche durch den Austritt sämmtlicher Rechtspraktikanten im hiesigen Landesgerichte ohne Zweifel entstanden wäre, ist nun erfreulicherweise vorüber, indem sämmtliche Herren, welche ihren Austritt angcmeldct hatten, durch eine Aufklärung seitens des Herrn

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