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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-24 · 34 (24.8.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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tu:• -äfciiaaSfeGte*!^_ vtr. 34 Veflrrreichtfche WochrnschrM Seite 655 Gebet niederschrieb, welches er mit einer Mischung von Dichtung und Wahrheit auf der Akropolis zu A t h e n e gebetet zu haben behauptet. Dieser israelitische Genius aber mit seiner eigenartigen Männlichkeit und dem Feuer seiner religiösen Begeisterung rief ein gewaltiges, fruchtbares Staunen in ihm hervor. Alle Fangarme seines Wesens reckte er ans, um ihn zu greifen, zu begreifen. Das Griechenvolk hat unsere Cultur, unsere Kunst und Wissenschaft geschaffen, hat Europa Politische Ideen gegeben, allein es fesselte ihn weniger als das.israelitische. Es war nicht so gegenwärtig in unserem Leben. Noch heutigentags sind Europas Feste jüdische, nicht griechische, Europas Gott Misch, nicht griechisch. Das Buch, das die civilisirte Welt als heilig betrachtet, ist eine Sammlung jüdischer Literatur; die Begriffe der Massen von Pflicht und Glauben, vom Leben dies- und jenseits stammen aus Syrien. Europas Ideale wurden in Nazareth geboren. Alles, was weiblich in Renan, fühlte sich von dem Geiste Israels angezogen, von Ehrfurcht davor erfüllt. Worüber er stutzte, war dies: ein kleiner Volksstamm, anfangs aus Nomaden, sodann aus Ackerbauern bestehend, äußerst kriegerisch durch den Zwang der Verhältnisse — ohne Schifffahrt, da er vom Meere abgesperrt war, ohne Handel, der in den Händen anderer Stämme lag, ohne Bau- oder Bildncrkiinst, gänzlich ohne Wissenschaft — hatte nur Eine geistige That vollbracht, nur Eine Schöpfung hinterlassen: Religion oder richtiger zwei Religionen, die ihrem Wesen nach eine einzige; wiederholte das ursprüngliche Christenthum doch nur auf gemeinfaßlichere Weise, was jüdische Propheten 750 Jahre früher gesagt hatten. Die Griechen hatten uns Staatsformen, wissenschaftliche Grundanschauungen, Denkmale und Kunstwerke hinterlassen, die nie der Vergessenheit anheimfallen konnten. Die Israeliten hatten nur Eines hervorgebracht. Sie hatten einen so energischen, so leidenschaftlichen Schrei nach Gerechtigkeit ausgestoßen, daß er noch nach Verlauf von beinahe 3000 Jahren, uns in den Ohren tönte. Scherzer verhaftet. Der ehemalige Cooperator von St. Elisabeth auf der Wieden und St. Florian in Margarethen, Leopold Scherz er wurde Samstag Nachts in Wien verhaftet und ist bereits dem hiesigen Landesgcrichte eingeliefert worden. Diese Verhaftung ist die Consequenz der scandalösen Affairen, welche sich Pfarrer Scherz er zu Schulden kommen ließ und über die wir bereits zu wiederholten Malen zu berichten Gelegenheit hatten. Die Bauern sahen ihren Herrn Pfarrer oft wochenlang nicht, denn derselbe hatte sehr häufig „dringend in Wien zu thun", wo er im Fiaker herumzufahren und in zweideutigen Loealen Stammgast zu sein pflegte. Wenn er dann nach Schrick kam, so betrank er sich, um tie Freuden Wiens, die er entbehren mußte, zu vergessen. Die Kosten dieser interessanten Lebensweise bestritt Pfarrer Scherz er aus Waisen- und Stiftungsgeldern, die sich in seiner Verwahrung befanden; als er einen Schaden von etwa 5000 Gulden angerichtet hatte, verschwand er spurlos und nur gerüchtweise verlautete, daß er sich nach Wien gewandt habe. Dies war auch Thatsache. Pfarrer Scherz er lief in Wien bei seinen antisemitischen Cumpanen umher und bat um Hilfe, allein dieselben warfen den ehemaligen „strammen Gesinnungsgenossen" regelmäßig zur Thüre hinaus und gaben ihm keinen Kreuzer, um ihm die Gutmachung des angerichteten Schadens zu ermöglichen. Durch mehr als 4 Wochen dürfte sich Pfarrer Scherzer in Wien aufgehalten haben, ohne daß er polizeilich gemeldet war. In den letzten Tagen nun hat das Kreisgericht in Korne u b u r g über Pfarrer Leopold S ch e r z e r die Untersuchung wegen dringenden Verdachtes des Verbrechens der Veruntreuung eingeleitet und die hiesige Polizeidirection um die Vornahme seiner Verhaftung ersucht. Pfarrer Scherzer wurde, wie erwähnt, dem hiesigen Landesgerichte eingeliefert, welches ihn dem'Strafgerichte Korne u b u r g überantwortet hat. Er machte den Eindruck eines gebrochenen Mannes. In einen Ueberrock gehüllt und mit aufgeschlagenem Kragen, welcher das priesterliche Kollar verbarg, betrat er gesenkten Hauptes das Gerichtsgebäude. Ein toleranter Priester. Im vorigen Monat feierte Herr Dr. Carl H e r tz k a aus Budapest in B ö s la u die Hochzeit seiner Tochter. Unter circa 300 eingelaufenen Telegrammen befand sich auch eines vom Domvropsl Dr. R om e i s e r aus B u d ap e st, welches in schmeichelhaftester und auszeichnender Weise für die Familie abgefaßt war. Ein erfreiiliches Zeichen von Toleranz und gutem Einvernehmen. Dechant Wiesinger und Anzengruber. Ludwig Anzengruber, der große Volksdramatiker, war doch wahrlich kein besonderer Judenfreund, aber er war ein menschlich empfindender vernünftiger Mann, mit logischer Denkfähigkeit begabt und seiner fünf Sinne mächtig. Wie er über die Herren Clericalen dachte, ist sattsam bekannt. Dechant Albert Wiesinger schreibt über ihn im „Deutschen Bolksblatt": „Nur möchte ich im Vorbeigehen daran erinnern, daß Anzengruber in seinem „Meineidbauer" (I.Aet, 8. Scene) den braven Juden Lewy auf die Bühne bringt, welcher das Gegenbild zu dem elenden Christen darstellen soll, und die resolute Vroni erklärt darauf (2. Act, 6. Scene), daß sie. nachdem sie diesen braven Juden kennen gelernt hat, in Zukunft „vor kein' Juden niehrausspucken wir o". — Ein echter „Raffen-Antisemit" kann hier mit Anzengruber seine Freude haben." (Dieser letztere Ausfall auf den Raffen- Antisemitismus ist ganz unbegründet und auch nicht am Platze. Die Schriftl. d. „D. V.") Herr W i e s i n g e r nimmt es also Anzengruber gewaltig übel, daß die Vroni vor kein' Juden mehr ausspuckt. Er wünscht, daß ausgespuckt werde! Das Vergani-Blatt findet den Ausfall des geistlichen Herrn unpassend und nimmt A nz e n g r u b e r, den Raffen-Antisemitismus und die Vroni in Schutz wegen der einmaligen unbedachten Aeußerung. Sie werden schon gelegentlich gespuckt haben. Ist das Ganze nicht Blödsinn und Büberei? Sehen Sie, lieber Dechant W i e s i n g e r, wir Juden spucken nie aus — wir wissen, was wir uns selber schuldig sind — und wir hätten schon eher Ursache wie Sie. Probatum est. Ich besuche seit ungefähr einem Jahre das Cafe Continental, Ecke der Asperngasse und Praterstraße. Herr Knie, der Besitzer dieses Kaffeehauses ist nicht nur ein sehr anständiger und liberal denkender Mensch, sondern bewies auch, daß er Rücksichten auf seine zum großen Theil ans Juden bestehenden Gäste zu nehmen weiß. Auf das höfliche Ansuchen mehrerer Gäste, die antisemitischen Blätter nicht mehr zu abonniren — antwortete Herr Knie, den „Kikeriki" überhaupt nicht mehr zu halten, weil er von Niemandem verlangt wird, und was die zwei anderen Blätter, das „Deutsche Volksblatt", die „Deutsche Zeitung" anbelangt, so ist er ganz bereit, vom 1. August a. c. obige Blätter nicht mehr in seinem Locale auflegen zu lassen. Sie sehen also, sehr geehrter Herr Redacteur, das „Eingesendet" in Ihrem geschätzten Blatte hat eine gute Wirkung hervorgebracht. Ich hoffe, daß auch diese Zeilen in Ihrem werthen Journale Aufnahme finden werden und zeichne mit aller Hochachtung L. I. Nothnagel und kein Ende. Der alte, schon nach Billroth's Tode als Verleumdung von uns bezeichnete Kunstgriff der Antisemiten, hervorragende Männer, welche die antisemitischen Angriffe .bekämpfen, stets als in Händen von jüdischen Geldgebern befindlich hinzustellen, ist endlich (wir haben es schon längst erwartet) auch bei Nothnagel, den die Antisemiten ganz besonders fürchten, zur Anwendung gebracht worden, natürlich wieder, ohne auch nur die Spur eines Beweises zu bringen. „Herr Nothnagel, der bei kleinen und großen Juden in Folge unglücklicher Börsenspeculationen tief in der Kreide steckt, dürfte seine Rolle als Judenschützer nunmehr bald ausgespielt haben." So schreiben die „Deutsch-socialen Blätter" vom 26. Juli. Wie wir den hochverehrten, edlen Mann kennen, werden sich die Antisemiten hierin sehr zu ihrem Leidwesen täuschen. Nothnagel ist nicht der Mann, sich durch den Versuch, ihn mit Schmutz zu bewerfen, für den er viel zu hoch steht, von der Durchführung seiner idealen und humanen Gedanken auch nur im Geringsten abhalten zu lassen. Der antisemitische ,,Reichsbote" schreibt über den „Bundschuh", das Wochenblatt Ahlwardt's:

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