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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-24 · 34 (24.8.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SrU- 652_Vefterretchiptze Wochenschrtfi Rr. 34 rung am 13. d. M. aufmerksam gemacht wurde, daß es sich nicht ziemt, beim Referate, wo über interconfessionelle Bedürfnisse verhandelt wird, die Cocarde mit dem Bilde Schneidens zu tragen, verweigerte er, dieselbe abzulegen. 2. Herr Getritz, Buchbinder, der in seiner Werkstätte auch jüdische Gesellen beschäftigt, äußerte sich beim Bankette: „Die Juden glaubten, daß wir sie fressen werden, aber die stinken nach Zwiebel und Knoblauch, die mögen wir nicht genießen." 3. Auch Herr Ciuchcinski erklärte einst vor seiner Wahl als Corporationsvorsteher, daß er mit einem jüdischen Vorsteher-Stellvertreter nicht gewählt sein will. Wie können solche 3 Persönlichkeiten ehrliche Gedanken für uns Juden haben, die dieselben Bitten und Bedürfnisse, wie die Andersgläubigen dem Throne unseres geliebten Kaisers unterbreiten. Die Erzlügner der „Reichspost". WitM haben uns vor einiger Zeit die Freiheit herausgenommen, den Herrn Pfarrer Josef Deck er t von Weinhaus zu ersuchen, in Bezug auf seine Schlüsse über erbliche, verbrecherische Belastung — welche wir durchaus nicht zu theilen vermögen, — doch etwas vorsichtiger zu sein, und zwar schon mit Rücksicht auf seine Brüder, welche nicht ganz unbeanstandet sein sollen. Im Gegentheile. Das hat nun die gute „Reichspost" und ihren würdigen „Knobloch" gewaltig in Harnisch gebracht. In perfider Verdächtigungsmanier ließ der Herr Soldschreiber einige Male was durchschimmern von einem der Redaction der „O esterreichisch en Wochenschrift" nahestehende n M a n n e, w e lch e m di e Luft der Gefängnisse angeblich nicht ganz fremd gewesen sein soll. Da mußte Klarheit geschaffen werden. Wir wußten, daß bei unserem Blatte nur Schriftsteller von makellosem Charakter und tadellosem Rufe Mitarbeiten, wir wußten uns absolut rein und — provocirten den Gegner in einer Weise, daß er Farbe bekennen und mit dem Nomen herausrücken mußte. Cr that dies — in einem Privatbr iefe an den Herausgeber dieses Blattes. Das war sehr vorsichtig. Der Mann kennt sich im Strafgesetze gut aus. Der Brief war nicht unterzeichnet. Das war noch vorsichtiger! Aber wir kennen den Herrn dennoch, wir kennen auch seine Adresse, ja noch mehr, wir kennen sogar seine Biographie gründlicher als ihm lieb ist und werden mit diesem interessanten eurrieuluiu vitae schon gelegentlich aufwarten. Also was schrieb der — Herr auf seinem packpapierenen, quadratischen Wisch? Cr schrieb im Style eines Hausknechtes, daß ein naher Verwandter — eines unserer Administrativ n sb c am t en welch' letzterer nachweisbar nie eine Zeile in das Blatt geschrieben, der das Blatt nur nach Außen formell vertrat — vor Jahren mit dem Strafgesetz in bedauerliche Collision gerathen sei. Das also war die der Redaction der „Oesterr. Wochenschrift" nahestehende Person!! Wir hatten keine Ahnung hievon — woher denn auch? Der feige, anonyme Denunciant hatte infam gelogen, denn keine unserer Redaction nahestehende Person konnte er namhaft machen, welche die Lust der Gefängnisse kennen gelernt. Nicht einmal die An g ehörigen unsererredactionellen Mitarbeiter stehen der Redaction selbst nahe und nehmen irgend welchen Einfluß auf dieselbe, geschweige die Verwandt en unserer Beamten! Ergo hat dieser Herr verleumderisch denuncirt, und der Erzschelm bleibt insolange au ihm hasten, bis er sein Versprechen einlöst. Das dürfte ihm schwer fallen. Wir halten es von jeher mit dem großen Kaiser Josef: Wir verachten und verabscheuen den Denuncianten. ... Wir haben die Consequenzen aus alldem dennoch gezogen und den stets pflichtgereuen, diensteifrigen Administrationsbeamten, der nie das Geringste sich zu Schulden kommen ließ, der sich bei den Parteien seines concilianten Wesens halber der größten Beliebtheit erfreute — seines Postens enthoben. Wir sind scrupulös und rigoros, wir wollen nicht, daß die „Oesterr. Wochenschrift", und sei es auch nur formell, von Jemandem reprätirt werde, auf dessen — Angehörigen auch nur der leiseste Makel laste. Sind Sie nun zufrieden, Herr Denunciant? Nun aber zu Ihnen und Ihrer sauberen Zeitung. Den hyperstrengen Maßstab, mit dem Sie uns zu messen belieben, den legen Sie nun gefälligst auch an Herrn Pfarrer Deckert an. Ein Priester des Herrn ist doch noch ein ganz anderer Mann, als der Verwaltungs-Beamte einer Zeitung. Er repräsentirt mehr und Größeres in se-inem Sprengel. Sein Wort ist von Einfluß und Gewicht, weil es in geweihtem Ort von der Kanzel tönt. Von Ihnen und der „Reichspost" fordern wir nunmehr, wenn Sie auch nur einen Funken Ehrgefühl im Leibe haben, daß gleiches Recht für Alle gelte, daß mit gleichem Maße gemessen werde — mit einem Worte, daß Sie alle Ihre Macht und allen Ihren Einfluß — so geringfügig dieselben auch im Grunde sein mögen — daran setzen, ans daß Herr Pfarrer Deckert ehebaldigst seiner Stellung und seines Amtes enthoben werde, daß er verseht — daß er unschädlich gemacht werde. „Du sollst nicht mit zweierlei Gewicht wägen", spricht der HERR und es steht geschrieben: nitapi nbria psi p« nw. ab Sie werden ohne Zweifel zu wissen wünschen, was das zu deutsch heißt? Belieben nur Herrn Pfarrer Deckert zu fragen, der übersetzt es Ihnen sofort. Wünschen der Herr sonst noch etwas von uns? Hat er noch was ausspionirt? Wir wissen uns rein und sehen seinen infamen Nachrichten, seinen hinterlistigen, unendlich feigen Denunciationen beruhigt entgegen. Oder sollen wir ihm vielleicht gar mit Neuigkeiten aufwarten? Unsere Mappe enthält deren so manche. Ach, wenn er da nur einen Blick hinein thundürfte! Er würde auf einem Blatte sogar etwas höchst Interessantes finden, doch das weiß er ja ohnehin.... „Will Herr (Hm)Mohr ein Tänzlein wagen, Mag er's nur sagen — Wir spielen auf!" Nochmals herzhaft „Pfui Teufel!" und — auf Wiedersehen! Die N e d a c t i o n der „O e st. Wochenschrift". Sieben grotzr Infamien der „Reichspost". (Dritte Aufführung in dieser Saison). Wie tief dieses Schandblatt gesunken ist, haben wir bereits in Nr. 28 der „Oesterr. Wochenschrift" gezeigt. Wir schrieben damals: „Der antisemitische Journalismus ist auf einer Stufe glücklich angelangt, von wo er — wie oberflächliche Beobachter urtheilen, — nicht mehr tiefer sinken kann. Es geht aber noch immer abwärts in den unergründlichen Morast. Die „Reichspost" bringt am 22. Juni: Sieben kleine Geschichten ans Niederösterreich. ■ 1. Der jüdische Beamte W. hetzte gegen den Ortsseelsorger. Auf die Frage eines Christen um den Grund, sagte er: „Er hat mir nichts gethan — aber ich kann ihn nicht leiden." 2. In Th. wurde das heilige Sacrament zu eitlem Kranken getragen. Ein Judenbube verhöhnte und verspottete den Priester und

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