Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 33 (17.8.1894)
- Date
- 1894-08-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 33 Vestrrredtztptze WmtzenfchrM Seite 643 Wien. (Personalnachrichten.).HerrRabbinerDr. Israel Tag licht wird sich am 21. August mit Fräul. Rosa Rapap ort im israelitischen Tempel 6. Bezirk, Schmalzhofgasse, um 3 Uhr Nachmittags vermählen. — Dienstag, am 21. August» Vz2 Uhr Nachmittags, findet in Frankfurt a. M. Loge Carl, Mozartplatz, die Trauung des Fräulein Rosa Wallerstein, Tochter des Herrn Leopold Wallerslein, mit Herrn Rabbiner Dr. Jonas Bondi statt. — In der bürgerlichen Schießstätte zu T y r n a u findet am Sonntag den 19. August die Trauung des Fräuleins Hermine Steiner aus Meraschitz mit Herrn Friedrich Duschinsky aus Preßburg statt. — Fräul. Alvine Tauber, Tochter Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Jacob Tauber, Rabbiner in Prerau, hat sich mit Se. Ehrwürden Herrn Dr. Jacob Spira, Rabbiner in Mährisch-Ostrau, verlobt. — Die Trauung des Herrn Dr. Bernhard Templer, Rabbiner in Mähr.-Aussee, mit Fräul. Betti S tri so wer findet am 21. August zu Brody statt. Wien. Die „N. Fr. Pr." berichtet: Der bekannte Wiener Componist D. Kahane hat einer zu Gunsten der Opflr der Pislyaner Ueberschwemmungs-Katastrophe veranstalteten Akademie eine Composition mit national-ungarischen Motiven gewidmet, welche mit begeistertem Beifalle ausgenommen wurde. E. B. Wien. (Gemeinderäthliche Schulg e o m e t r i e.) Wie wir seinerzeit berichteten, wurde, um an einer Schule im zweiten Bezirke die frei gewordene Oberlehrer-Stelle nicht mit einem Juden besetzen zu müssen, die Schulgeometrie zu Hilfe genommen, resp. es wurde ein Oberlehrer mit seiner ganzen Schule dislocirt, dieser Oberlehrer ist nun aus Dienstcsrücksichten versetzt worden. Wir machen die competenten Factoren auf diesen Umstand aufmerksam damit nicht wieder durch ein Changement die Berufung eines jüdischen Oberlehrers hintertrieben wird. Schließlich sei noch die Thatsache erwähnt, daß die vacanten Oberlehrerstellen, welche gesetzlich mit Juden zu bestellen wären, noch immer nicht besetzt sind. Um Aufklärung mirb dringend gebeten im Interesse derjenigen verdienten jüdischen Lehrer, welche ein Anrecht auf diese Oberlehrerstellen besitzen. Wien. Unser Glaubensgenosse Herr Fabrikant I. A. Heymann, Broncewaarenerzeuger, Wien, VII., Seidengasse Nr. 26, hat den Auftrag erhalten, sämmtliche Beleuchtungskörper — Luster und Candelaber in Bronze — für die Tempel in Krems und P i st y a n zu liefern. Auch ist derselbe eingeladen worden, sich an der Concurrenz — die gleichen Arbeiten betreffend — für die Gotteshäuser in Karansebes und Koprei'nitz zu betheiligen. Baden. Se. k. u. k. Hoheit Herr Erzherzog Eugen geruhte zu Herrn Moritz Lettner und Anton Schneider, den Vertretern der Badener Cultusgemeinde, als diese höchstdenselben zum Requiem für weiland Erzherzog Wilhelm, einluden, zu äußern: „Ich danke Ihrer Cultusgemeinde für die warme Theilnahme, die sie meinem armen Onkel entgegenbringt." Korneuburg, 3. August. In Kühkopf's Buchhandlung in Korneuburg ist eine kleine Broschüre unter dem Titel: „Warum bin ich Antisemit", von Pater Franz C o l le s erschienen. Die Antwort darauf ist in demselben zu lesen: 1. Weil ich Deutscher bin, 2. weil ich Christ bin und 3. weil ich Arbeiter bin. Dieser Inhalt ist wahrlich empörend und sehr nachtheilig für die hier und in Umgebung wohnhaften Israeliten. Budweis. (Verlobung.) Frl. Carla Fantl, Tochter des Großkaufmannes Jacob Fantl hat sich am 6. d. M. mit Herrn Gustav Gerson Schur, Industrieller, Mit-Chef der Firma Jsac Schur & Söhne in Nachod, verlobt. Podhaj bei Brünn, am 11. August 1894. In Nr. 30 Ihres werthen Blattes vom 27. Juli steht auf Seite 585: D r a s o w. Im Forsthause Podhaj, in der Nähe des Schlosses Eichhorn, hat Herr Baron Hirsch einen ergebenen Beamten, namens Misak, als Förster angestellt. Die Ergebenheit desselben zeigte sich in einer Aeußerung, die er bei Gelegenheit der Schätzung vom Feldschaden vor allen versammelten Grundbesitzern machte. Er sagte nämlich ganz frei und offen: „Mir ist es eine Schande, einem Juden zu dienen!" Ich theile Ihnen hiedurch mit, daß ich weder diese, noch eine ähnliche Aeußerung gemacht habe, was eventuell Zeugen beweisen könnten. Ich ersuche Sie höflichst, dies gefälligst berichtigen und in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen zu wollen. Hochuchtend I. Misak, Förster, Stampfen, 7. August. (Lehrer-Jubiläum.) Am 5. August feierte der hiesige Lehrer an der Gemeindeschule Herr Moriz P o! l a c s e k sein 25jähriges Lehrer-Jubiläum. Die Feier war eine Reihe von ehrenden Kundgebungen für den Jubilar. Der Ortsschulrath sprach dem Jubilar Dank und Anerkennung aus. Der Schulinspector des Preßburger Comit>tes kön. Rath Herr Josef v. Roth, sandte eine den Jubilar ehrende und auszeichnende Zuschrift. Fast alle Bewohner des Ortes ohne Unterschied der Coufession, Nationalität und des Standes, unter ihnen der Orts-, Schul- und Cultusvorstand, der hochwürdige Ortspfarrer Herr Ignaz Gonk und Cooperator Hochwürden K o P c s ä n t) i, ferner zahlreiche Freunde und Bekannte namentlich aus Wien und Preßburg, hatten sich eingefunden, um den Jubilar zu beglückwünschen. Mit einem fast bis Tagesanbruch währenden Tauzkränzchen schloß diese schöne Feier. Aus Teplitz wird uns berichtet: Jüngst brachte beim Curconcerte in Schönau die treffliche Militärcapelle des 74. Jnf.- Rgts. unter Leitung ihres Capellmeisters Herrn Poch mann mehrere Compositionen des begabten Wiener Componisten D. Kahane, darunter eine reizende Nummer: »Souvenir de Trencsin«, ferner einen Galopp tt. A. zur Aufführung und erzielte mit diesen äußerst melodiösen Musikpiecen bei dem zahlreichen Publicum einen durchschlagenden Erfolg. Krakau. Die Trauerkunde von dem Ableben des hiesigen Kaufmannes Gustav Wortsmann wird sowohl in unsererStadt als auch in weitenKreisen Galiziens innige Theilnähme erregen. Der Verstorbene war der Führer der hiesigen großen conservativen Partei und durch seine edle Herzensgute hat er sich die Liebe Aller, die ihn kannten, in hohem G^ade erworben. Der Verstorbene verdiente als einer der hervorragendsten jüdischen Bürger genannt zu werden, denn mit aufopfernder Liebe hat derselbe für seine Glaubensgenossen gewirkt. Sein Tod läßt in Krakau eine fühlbareLücke zurück; möge dieselbe durch andere Kräfte ersetzt werden. Seine Freunde und die Partei weinen ihm Thränen der Erinnerung und des Schmerzes, nach. I. B. Kokomea. Die Zahl der Mitglieder des hier unlängst in's Leben getretenen Vereines „Beth Israel" nimmt täglich zu. Dieses hat man größtenteils den strebsamen Männern zu verdanken, welche durch gediegene Vorträge die Herzen der Zuhörer zu gewinnen wissen. Vergangenen Sabbath hielt Herr Arthur Seid mann, Enkel des Herrn Jakob Brettl er, in rein hebräischer Sprache einen Vortrag. In demselben hat Herr Arthur Seidmann vom historischen Standpunkte aus an der Hand der Bibel und Talmud klargelegt, daß das einzige Mittel, welches als Bindekitt im Judenthume galt und noch in Zukunft gelten wird, nur die Sprache ist, und zwar d i e Sprache, welche wir als Reliquie von unseren Urahnen überkommen haben und welche die heilige genannt wird. Was Bewunderung erregte, ist, wie Herr Arthur Seidmann es verstand, in das Gewand der altehrwürdigen Sprache moderne Ideen zu kleiden. Die Zuhörer sahen, daß man fälschlich diese Sprache eine t o d t e nennt, sie lebt, sie lebt im Munde eines Volkes, welches trotz äußerer Anstürme sich durch innere Consolidirung doch erhielt, eines Volkes, welches die Fahne des Monotheismus allen Völkern vorangetragen und aus dessen Schoße der christliche Erlöser hervorgegangen ist. Wie bedanken sich dafür die Quasichristen, die Herren Antisemiten? Genügend hat sie Graf Hohos charakterisirt, daß es ihnen nicht um die Rasse, sondern um die Casse zu thun ist . . . So weit Herr Arthur Seidmann. Karlsruhe, 5. August. Unter den Teilnehmern des hier jetzt stattfindenden Delegirtentages der Inhaber des eisernen Kreuzes bemerkt man besonders Frl. Leni Meier aus Offenbach, die während des Feldzuges von 1870/71 als Krankenpflegerin wirkte und das eiserne Kreuz aus den eigenen Händen des Kaisers Wilhelm I. empfing. Königsberg. Gelegentlich der Jubelfeier der hiesigen Universität wurde dem bisherigen Privatdocenten der medicinischen Chemie Herrn Dr. Lasser Cohn (Schwager unseres Rabbiners) das Prädicat Professor beigelegt. . Caffel. Jüngst wurde hier der Generalsuperintendent Martin begraben; ausdrücklich waren Spenden von Blumen und Kränzen verboten, denn so hatte es der Verstorbene letztwillig geordnet. Man sieht, daß die altjüdische Anschauung, die ein prunkloses Begräbniß fordert, auch anderwärts Anklang findet.