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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-17 · 33 (17.8.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
33 (17.8.1894)
Date
1894-08-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 640 Oesterreichifche Wochenschrift Nr. 33 Symptomenschätzungen leiten lassen. Trotz der in der Rasse liegenden zähen Natur haben die Juden von jeher doch in allen Ländern, wo man sie ruhig gewähren ließ, eine große Fügsamkeit und Anschmiegungssähigkeit bewiesen und dann auch sehr bald angefangen, zu anderen Beschäftigungen und Berufen überzugehen, als die wenigen waren, denen sie sich in Folge der sie von den meisten Betriebszweigen schroff ausschlicßenden alren Gesetzgebung widmen dursten. Dieses Assimilations-Vermögen und -Bestreben zeigt sich überall, wo sie ungestört sind, selbst in Einzelnheiten, wie z. B. L o m b r o s o erwähnt, dap die Juden in Italien sich nicht blos als Italiener, sondern in Turin als Tnriner, in Mailand als Mailänder, in Venedig als Venetianer fühlen. Nur unter einem Druck zeigen sie sich oppositionell und kehren zu dem alten Abschließungsverfahren zurück, wie sie z. B. in Rußland sich erst wieder mit Inbrunst der Synagoge zugeivendet haben, seit man begonnen hat, ihnen das Leben und den gewohnten Erwerb sauer zu machen. Renan bezeichnet diese Eigenth'ümlichkeit sehr treffend mir der Bemerkung: „Das Ghetto ist der Vater des Talmuds gewesen." Unter dem Druck, um so mehr, wenn er unberechtigt ist, erwacht wieder bei diesem merkwürdigen Volksstamme der alte, mächtige, bewundernswerihe Geist, d»r ihn seit der Zerstörnng des Tempels, seiner Hauptstadt, seit der Vertreibung aus der lange bewohnten Heimat, ohne Kirche, ohne Priesterschaft, nur durch das starre Festhalten am Gesetze stark gemacht hat. Auch dem Staat, ihren jeweiligen Obrigkeiten gegenüber haben die Juden sich eigentlich stets und überall als gute Unterthanen bewährt, wo beide ihnen eine milde Hand zeigten. Wenn si^, vielfach als unruhige Köpfe gegolten haben, so zeigten sie als solche meist nur die allen städtischen Bevölkerungen innewohnende Rührigkeit, verbunden mit der Ilnstetigkeit der Handelsleute, zu denen sie nothgedrui gen Jahrhunderte hindurch fast Alle gehörten. Der Grund des Hasses und der Antipathie liegt demnach vielleicht nicht so sehr in den besonderen Fehlern der davon Verfolgten wie in der Mißgunst der Verfolger, die es ihnen nicht verzeihen können, wenn sie ihre geschäftlich leicht überwiegenden Fähigkeiten und Eigenschaften erfolgreich zur Geltung bringen. Da, wo der Christ eben so ruhig, eben so fähig, klug, sparsam und nüchtern und beharrlich ist wie der Jude, in Amerika, in Australien, spielen die Juden durchaus keine hervorragende Rolle, sondern gehen mit den anderen Einwohnern und Geschäftsleuten ihren ruhigen Weg. . . . Wo das eingeborene Volk selbst klug, ökonomisch nüchtern, an Charakter und Willen stark ist, hat sich der schädliche Einfluß jüdischer Geschäftsleute meines Wissens niemals in gefährlichem Maßstabe fühlbar gemacht. Am heftigsten, in ausgeprägtester unfeinster Form zeigt sich der Antisemitismus heute in Deutschland.Die Anhänger und Ausnutzer der antiftmitischen Bewegung möchte ich aber darauf aufmerksam machen, daß eine fanatische Verfolgungssucht von Majoritäten gegenüber den Minoritäten stets nur in niedergehenden Staaten geschichtlich vorgekommen ift, während die Deutschen des Deutschen Reiches doch wohl sich in aufsteigender Linie zu bewegen wähnen. Erst als die christliche Kirche den ursprünglichen milden Charakter brüderlichen. Gemeinlebens zu einem erheblichen Thcil ausgab, um sich in die maßlosen und gehässigen Streitigkeiten zu verlieren, die auch die letzten Jahrhunderte des selbstständigen Jndenthums getrübt hatten, das trotzdem große religiöse Gemüther wie Philo und Jesus Hervorbringen konnte, — erst da hörten die Juden auf, sich zu bekehren, um nur noch enger im Bande des Gesetzes ihrem alten Glauben nachzuleben, dessen ungestörte Erhaltung ihnen auch beute noch unbeschadet der Culturentwicklung gegönnt werden könnte. Denn nicht die Juden sind es. die die Ideale aus dem modernen Leben immer mehr verschwinden machen. Zu dieser beklagenswerthen Tbatsache liegen die Ursachen bei ganz anderen Factoren des öffentlichen Lebens, in der zunehmenden Äbschwächuna mancher Elemente des menschlichen Daseins, für deren Erhaltung die christliche Gesellschaft mitunter sogar bei den Juden Manches lernen könnte. Ich will nur den stark bewährten Familiensinn, die Pietät im Verhältniß der Kinder zu den Eltern, die Bereitwilligkeit, sich unter einander zu unterstützen, nennen. Soll ich nun zum Schluß mich noch darüber äußern, wie ich mir die mögliche Lösung dieser traurigen, in ihren Ursachen und Wirkungen jeden Menschenfreund so ungemein betrübenden Frage des Antisemitismus denke, so habe ich darauf keine in einem Rath gipfelnde Antwort, sondern nur wieder Ansichten und Wünsche. Es bleibt nur zu wünschen, daß erst ms die Juden aus dem bereits hie und da betretenen Pfade größerer Bescheidenheit bei Verfolgung ihrer wirthschaftlichen Thätigkeit und größerer Zurückhaltung bei Geltendmachung ihrer bürgerlichen und gesellschaftlichen Stellung verharren mögen, um die ihnen aus verschiedenen Gründen feindlich gesinnten, sie angreifenden Elemente nicht ferner zu reizen; und daß zweitens auf Seiten der Verfolger der antisemitische Geist sich allgemach ausleben möge, wie alle religiösen und politischen Leidenschaften und Fanatismen. Nur so kann vermieden werden, daß das ohnehin an mancherlei Jünglingsfehlern kränkelnde schone Deutsche Reich nicht für alle Zeiten in seiner Entwicklung von dieser socialen Krankheit bedrängt und in der Werthschätzunz des Auslandes durch seine eigenen Angehörigen herabgesetzt werde." (Ein Schützling des Prinzen Alois Lrechtenstem.) Wie die Tagesblätter melden, mußte der Obmann derKrankencasse der Gastwirthe-Geriossenschaft, Gehüfe Leopold Mittermayer, in Folge einer Verfügung des Magistrats die Verwaltung der Casse an den Genossenschaftsvorsteher Herrn Valentin Weiland übergeben. Unmittelbar darauf sprach M i t t e r m a y e r m der Statthalterei vor, um daselbst den Recurs gegen obige Verfügung des Magistrates zu überreichen. Diese Audienz vollzog sich unter dem Schutze des Reichsrathsabgeordneten Prinz Alois L i e ch t e n st e i n, welcher Mittermayer begleitete und seine Vorstellung vermittelte. Interessant ist, daß Mittermayer ein enragirier Schönerianer ist. Wien. (Dschinais Kban in WienZ Der russische General der Cavallerie Sultan Dschinqis Kban ist gestern hier angekommen und im ..Hotel Imperial" abaesiieaen. General Dschingis Kban begibt sich als Gast des Barons James Hirsch, mit welchem er innig befreundet ist. ans dessen Herrschaft Aschau bei Linz. Die Freundschaft des Generals mit dem Hanse des Baron Hirsch ist eine lanaiähriae: sie wurde im Hause des russischen Eisenbabukönias Poliakoff geknüpft, dessen Tochter Baronin Hirsch ist und in bellen Hause General Dschingis Kban als Freund verkehrte. Der Name des russischen Generals erinnert an den kühnsten Eroberer des dreizehnten Jabrbunderts, den „sehr mächtigen Khan" und Mongolenfürsten Dschingis Khan, der zuerst nur die Nomadenvölker beherrschte, denen er eine eigene Religion und Schrift gab, dann aber nach Uebersteignna der chinesischen Mauer den Kaiser von China, die tatarischen Stämme, Persien. Samarkand und das halbe Europa unterwarf und tbatsacblich mit seinen vier Söhnen fast die ganze damals bekannte Welt beherrschte. Dschingis Khan wird von den Geschichtsschreibern als Tyrann geschildert. Zerstörung und Barbarei bezeichneten seinen Siegeszug und ftinf Millionen Menschen fanden durch ihn ihren Untergang. Ob nun der Freund des Baron James Hirsch ein Nachkomme des aefürchteten Eroberers ist. wissen wir nicht, doch deutet sein Name darauf hin, daß er diesem mächtigen Geschlechte entstammen dürfte. Lemberg. Das hier erscheinende ..Organ des Vereins Schomer Israel" führt bittere Klage darüber, daß christliche Lehrer und Lehrerinnen an galizischen Schulen, besonders in Lemberg, sich Dinge erlauben, die geeignet sind, die indische Jugend der väterlichen Religion zu entfremden und keiner der Vertreter des Judenthums sebe sich veranlaßt, bei den kompetenten Behörden Schritte zu unternehmen, um diesem Treiben ein Ende zu machen. An vielen Volksschulen Lembergs erlaubt man sich, obwohl Staatsgrundgesetze, Ministerial- und Landesschnlrathserlässe es strenge verbieten, iüdische Kinder am Sabbathe zum Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten, wie auch Kirchengesänge mitzusingen zu zwingen. In manchen Schulen, wo der jüdische Religionsunterricht, wegen der geringen Kinderanzahl - mosaischen Glaubens, nicht in der vorgeschriebenen Stundenzahl. somit auch nicht gleichzeitig, während der katholische ertheilt wird, stattfinden kann, werden die jüdischen Kinder gezwungen. den Vortrag des christlichen Katecheten anzuhören. An einer der hiesigen Volksschulen beauftragte einst der Classenlehrer, ein Christ, die jüdischen Kinder ihm Bestätigungen von ihren Eltern zu bringen, daß sie ihnen das Schreiben am Sabbathe gestatten und drohte ihnen, im Falle sie diese nicht brächten, mit schlechten Clallen. Der größte Theil der Kinder brachte, um sich die Gunst des Lehrers zu erwerben, ihm die gewünschten Bestätigungen. Ein Knabe aber, der keine solche von seinem Vater brachte und gleich am ersten Sabbathe nicht schreiben wollte, wurde vom Lehrer geschlagen. Dies veranlaßte den Knaben, die ganze Angelegenheit dem Religionslehrer zu erzählen und ihn um Abhilfe zu bitten. Der Religionslehrer, dem die streng religiöse Lebensweise mancher Eltern, deren Kinder die erwähnten Bestätigungen brachten, bekannt war, begab sich zu ihnen nach Hause, utr^ sich zu überzeugen, ob sie wirklich solche gegeben hatten. Und siehe, da erfuhr er, daß die Eltern nichts davon wußten. Die Kinder gestanden ein, daß sie aus Furcht vor einer schlechten' Classe sich selbst solche mit einer fälschlich ngchgeahmten Unterschrift

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