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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-17 · 33 (17.8.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
33 (17.8.1894)
Date
1894-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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EE's:-'' jtv. 33 Oeprrrrlrhtptze WortzensürrM Seite 637 scheinend trockensten Sätze gewinnen hinterher eine hohe Bedeutung, und das zweite Durchlesen, das ich dringend anrathe, wird um so höhere Genugthuung gewähren". (Vorwort.) Diese Genugthuung den Freundendes selbstbewußten Mannes gern überlassend, intereffiren wir uns in erster Linie für die Stellung des Abg. A h l w a r d t zum Christenthum. Der wahre Christ glaubt und weiß, daß sein Heiland, wenn er auch leiblich dem Judenstamme angehörte, doch auf übernatürliche Weise in das Erdenleben eingetreten ist. Der „zielbewußte" Rassen-Antisemit kann das nicht glauben. Er kann Christus auch nicht für den Sohn David's halten, erklärt vielmehr die bekannte Genealogie für eine spätere Erfindung. Christus als Galiläer war nur „Religions-Jude", nicht „Rassen-Jude", er war Arier, Germane, ziemlich gleichbedeutend mit Baldur. Und nun kommt die infamste Stelle: „Weshalb hätten die eigentlichen Juden Galiläa sonst auch als ein Land der Heiden bezeichnen sollen? Es wohnten hier die Nachkommen der sonst überall ausgerotteten arischen Urbevölkerung. Uebrigens lag zu jener Zeit auch eine Legion in Palästina, die zum großen Theil aus angeworben.en Germanen bestand. Seinem Charakter nach ist Christus der reine Germane, muß es sonach auch der Abstammung nach sein; denn er hat selbst gefragt: Kann man auch Trauben lesen von den Disteln?" Wir rufen es den Katholiken zu, die noch immer glauben, der Rassen-Antisemitismus, dessen Schreckenskind A h l w a r d t ist, gehe nicht gegen das Christentum. Wenn die „Arier" auf ihren Kunstreisen durch katholische Gegenden auch noch so schön thun, sie denken über das, was uns das Höchste ist, die Person unseres Erlösers, ganz ähnlich wie das Reichstagsmitglied für Arnswalde-Friedeberg; zum Juden ist ihnen Christus noch zu gut, seine Göttlichkeit gilt selbstverständlich als abgethan, und so muß er zum Germanen gemacht werden, wie in der oben gesperrten Stelle, für deren Abdruck wir uni Entschuldigung bitten. Da aber das Christenthum auch durch solche Insinuationen aus seinen Zusammenhänge mit dem Judenthum nicht gelöst werden kann, so muß der wahre Rassen-Antisemit es nothgedrungen auch hassen, um schließlich bei Baldur und Wodan wieder anzulangen, in deren Gesellschaft der „Rector aller Deutschen" allerdings wohl eine noch kläglichere Rolle spielen würde, als im Flinten- Processe und vor der Acten-Commission." Auch die „Tiroler Stimmen" lassen sich in ähnlichem Sinne nur noch eindringlicher vernehmen: „Wir ivollen nur aufmerksam machen, daß unsere Vorsicht gegenüber jedem Antisemitismus, die wir.von jeher beobachtet haben, sehr begründet ist. Wir finden, daß in dem Worte „Antisemitimns" schon der Rassenstandpuntt ausgesprochen ist. Wenn uns aber einige Blätter erklären, sie b-tämpsten die Juden weder wegen ihrer Religion, noch wegen ihrer Rasse, so fragen wir: was bleibt noch für ein Grund übrig? Man verweist ouf die sittlichen Ausschreitungen der Juden. Aber dieselben hasten doch nur Einzelnen an und nicht dem Volke, dem Semitismus als solchen; sonste müßte entweder die Rasse, oder die Religion daran schuld sein. Wenn man die einzelnen Juden wegen betrügerischer, gewinnsüchtiger Handlunaen, wegen Corrumpirung des Volkes durch Schrift und Wort k. bekämpft, so werden wir immer gerne mitthun und haben nur den sehnlichsten Wunsch, daß wir dabei nicht auch Arier und „Christen" bekämpfen ' müssen. Leider ist dieser Wunsch bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen und Antisemiten wie Ahlwardt verhöhnen das Heiligste für einen Christen, wie obiges Beispiel zeigt, frecher, als die meisten Juden." Vom Jahrmarkt des Lebens. Zeitgemäße Variationen über ein bekanntes Thema bringt der „Schalk" und das „Deutsche Volksblatt" druckt sie vergnügt zustimmend ab. Der Antisemitismus verroht und verpöbelt und verthiert seine Anhänger. Er ist so recht geeignet, die Bestie im Menschen auf zu rütteln und wild zu machen. Wer noch daran zweifelt, rieche ein wenig zu den Blüthen der antisemitischen Poesie, die wir gepflückt haben. Thema: 's ist ein Jnd in's Wasser gefallen, Hab' ihn hören plumpsen. War' ich nicht dazu gekommen, War' der Jnd' ertrunken. Variationen nach Art b e k a n n t e r D i ch t e r. F r e i l i g r a t h: Horch! Was schallt dort aus der Brandung Für ein Glucksen und „Gott sei mer Gnädig?" — Jüdische Gewandung Seh' ich, jüdisches Gewaihmer Muß ich hören aus dem Schilfe, Ans dem wilden Katarakte — Auf! Dem Sinkenden zur Hilfe! Los die Riemen! Riemt im Tacke! Und den hvchgebläthen Kaftan Pack' ich, die gewund'nen Pajes, Und ich wende Goliath's Kraft an ... „Pfui, wie schluckt' ich Wasser!" — „Spei' es!" Und in meine Gondel hob ich Den schon halb betäubten Aaron . . . So — erröthend hört' das Lob ich — So besiegt ein Scheikh den Charon! Oskar von R e d w i tz: Und ist ein Jüdchen traut und hold Jn's blanke Wässerlein gefallen, Dann hat es in des Himmels Hallen Das Schicksal wohl auch so gewollt. Doch wenn das Schicksal nun gar weis' Zur Urglücksstelle just mich sandte. So daß ich retten könnt', erkannte Ich seinen Willen, sein Geheiß. — Und zog das Jüdchen froh ans Land Und kam vor Scherz fast ans dem Häuschen, Da ich ein neugebor'nes Lauschen Auf seinem Haupt ertrunken fand. Liebermann von Sonnenberg. Hurra! ein Jude siel in's tiefe Wasser: — Ich kam hinzu, sah seine Zappelpein. — Nun, meint Ihr, ließ ich ihn ertrinken? — Nein, In solchem Fall bin ich kein Judenhasser. Ich rettet' ihn an seines Kaftans Falten. 'Geh', sprach ich, zum Courier der Börse hin Und schmäh' und schimpf' ans mich in dessen Spalten. Mich kränkt es nicht, und Dir bringt es Gewinn! Mo ses S ch lanm e von der Goldenen Dreißig. Gott dec Gerechte, was für ein Geschrei Erschallt denn dort von der Weser, Geflügelten Fußes eil' ich herbei (Erschrick nur nicht, lieber Leser): Ein Deutsche.' mosaischer Confession Ist dort in's Wasser gerathen. Dreimal mit Glück macht' Pleite er schon, Jetzt ward ihm versalzen der Braten. Ich spring' hinterher und rette den Mann Ganz ohne Gefahr, das weiß ich Hab' wasserdichten Anzug ja an Bon unserer goldene-,: Dreißig. Billig!! Billig!! 10.000 Anzüge, 200 Mäntel rc. :c. Die Tarnopoler Moral. Die letzte Nummer der Wochenschrift des „Wiener Creditoren-Bereines zum Schutze von Forderung en b ei I ns o lv e uzen" bringt das Berzeichniß der im Monate Mai vorgekommenen Fallimente. Bon 143 Fällen entfallen vier auf Galizien und ein Fall auf die Bukowina, demnach drei, resp. nicht ganz ein Percent auf diese von tendenziöser Seite verrufenen beiden Kronländer. Noch weit besser gestaltet sich das Berhältniß in Bezug auf die in Betracht kommenden Passiven. Zu berücksichtigen ist jedoch der Umstand, daß derzeit Handel und Verkehr in Folge der in vielen Bezirken Galiziens mehr oder minder auftretenden Cholera- Epidemie stagniren. Die Bertheidiger Caserio's. Dijon, 10. August. Der Schwurgerichtshof verurtheilte drei Anarchisten wegen Verherrlichung Caserio's und der anarchistischen Propaganda zu Strafen, welche zwischen fünf Jahren Zuchthaus und drei Jahren Gefängniß variiren.j Was sagen Sie dazu, Herr Dr. Lueger? Eine antisemitische Lüge. Professor Förster's „Freideutschland" brachte am 17. Juli folgende Nachricht: „Königsberg i. Pr. Hier lebte ein bei seinen Stammesgenossen in hohem Ansehen stehender Jude, den

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