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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-17 · 33 (17.8.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
33 (17.8.1894)
Date
1894-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ZiJß^'ßsÄ'iYv» ^*.'A-SLL> Nr. 33 In letzter Stunde empfangen wir folgende Privat-Telegramme: Lemverg, den 14. August 1890. Liechtenstein gratulirte zum V. Gewerbetage, worauf Vorsitzender Niemczynowski bemerkte:' „L 1a P y t o c k i". Ferner depeschirten Schönerer, Lueger und Liechtenstein. Lemberg, am 14. August 1894. In der heutigen Endsitzung des Gewerbetages schimpfte Mechanikus Schneider auf die Regierung, besonders auf den niederösterreichischen Statthalter Kielmannsegg, weil sie die Gewerbetreibenden unterdrücken, und beantragte eine Deputation gelegentlich der Anwesenheit Sr. Majestät in Lemberg, um Schutz für die Gewerbetreibenden zu erbitten. Auch beim Statthalter Baden: sollten sie sich anmelden lassen. Er gedachte der der Sympathie der Wiener Kleingewerbetreibenden für Polen, des Sieges Sobieski's bei Wien und endigte mit„Xieeü zyje polska!“ Die Anträge Schneid er's und die Resolution über Steuerreform, Gewerbekammern, obligate Witwen- und Waisenversicherung, Lieferungen für die Armee, Staatsbeamten-Petition an den Reichstag wurden angenommen. Walichiewicz.Ciuchcinski, Getritz wurden in die Deputation an Se. Majestät gewählt und mit einem Hoch auf Se. Majestät wurde der Gewerbetag geschlossen. Die Mitglieder begaben sich zum Bankette auf die Schießstätte. SchneidermitrotherMütze, welche mit dem Bilde Lu eg er's geschmückt war. Hier haben die antisemitischen Agitationen Fiasco gemacht. Schneider reist nach Pacary, um in Rumänien und der Bukowina antisemitisch zu agitiren. Trutobold's Herven-Cultus. Schreibebrief des deutsch-nationalen Studenten. XXI Wien, Mitte August 1894. Lieber Cumpan Pumpo! O diese Inden, diese Juden! Solch echt jüdische Schmutzerei, wie diese letzte, ist mir schon lange nicht untergekommen. Bewilligten diese scheußlich verjudeten Semiten blos schäbige Eintausend Gulden zum Empfang des Abgeordneten Schneider. Empörende Knauserei — lächerliche Sparsamkeit! Wozu hat man denn das Geld? Für die Armenpflege? Ein Armer im Geiste ist auch ein Armer. Es kann gar nicht besser angewendet werden, als zum Empfang eines bedeutenden Mannes und der Abgeordnete Schneider ist unbestrittenermaßen der Erste seines Faches. Sein Handwerk hat doppelten Boden. Eintausend „Rhanisch" für solche Capacität! Da sind aber einzig und allein die jüdischen und die christlichen Juden von Lemberg daran Schuld, daß so was Vorkommen konnte. Trotzdem war der Empfang Sr. Stampiglienz ein ganz würdiger. Die verwünschten Judenblätter berichten darüber ganz verdreht und verkehrt und schwätzen was zusammen von der Rede des Stadtoberhauptes über die Gleichberechtigung. Wie gewöhnlich sind ihre Mittheilungen bodenlos frech erlogen. Von Duldung, Humanität und sonstigen Nothnageleien keine Spur. Die Wahrheit ist überhaupt nur aus antisemitischen Berichten zu entnehmen. Ich speciell bin über den Empfang in Lemberg von einem ganz e i g e n e n Berichterstatter informirt. Wie i ch Dir sage, Pumpo, so war es. Alles andere ist Humbug! Was mit den paar Groschen geleistet werden konnte, ist geschehen. Der Bahnhof war mit Stampiglien in den Landesfärben äußerst defectvoll bedruckt. Die zwar etwas überspielten Ehrenjungfrauen waren frisch gewaschen und appretirt worden und, nahmen sich auf fünfhundert Schritt Distanz ziemlich lieblich aus. Die sinnreichen Inschriften mit denen die Bahnhofhalle geschmückt war, erregten allgemeinen Beifall. Man las: „Um Rassenreinlichkeit wird gebete n." — „R echts lügen, links auskneife n." — „Fürchte Schönerer und scheue den Gericht s s a a 1." — „Diese Anlagen sind dem Schmutze des Publicums empfohlen!" — Eine Tafel wurde schleunig entfernt, weil auf ihr zu lesen stand: „Jede Veruneinigung Verbote n." Endlich rollte der Zug in die Halle, — der Gefeierte entstieg ihm — nicht. Er hatte einen falschen benützt und kam erst mit dem nächsten. „Ich komme immer mit dem Seite 631 nächsten Zug" sagte er entschuldigend, als er endlich da war zu dem Sprecher der Deportation, welcher ihm eine Ehrenstampiglie auf rothsammtenem Kissen überreichte. „Euer Nichtswürden!" begann dieser feierlich und pathetisch: „Die verjudete Stadt begrüßt Sie und stellt sich als Jagdrevier ganz zu Ihrer Verfügung mit sammtlichen Wölfen, Hirschen, Loewen und Beeren. Schießen Sie sie getrost mit Repetirstampiglien ab. Wozu hätten wir sie denn. Alle stshen Ihnen in gleichem Maße zu Diensten. So fassen wir die Gleichberechtigung der jüdischen Mitbürger auf. Auch mit frisch geschächteten Christen-Kindern können wir Euer Falsificenz dienen. Bitte nur zu vermissen. Thun Sie ganz, als ob Sie zu Hause wären". Schneider war von diesen schönen Worten sichtlich ergriffen, und erbat sich ein Falsificat der soeben gehörten Rede, — er meinte wohl „Duplicat" — um dasselbe dem „Deutschen Volksblatt" zur Veröffentlichung einsenden zu können. Hierauf nahm der Oberst-Fälschmarschall den Rapport über die heute in Lemberg stattgefundenen Verfälschungen entgegen, ließ sich ein paar zu unwahren Aussagen verleitete Zeugen vorstellen und äußerte sich höchst befriedigt über ihre stramme, antisemitische Haltung. Sodann stimmte der ihm zu Ehren erschienene „Erste Männergestanksverein" einen eigens für den Empfang gedichteten und componirten Festbegrüßungs- Chor an, dessen Text und Musik natürlich gestohlen waren. Der erste lautete einigermaßen nach dem Juden Heine: „Du bist wie eine Stampiglie So schön, so rein, so hold — Mir ist, als ob ich die Hänoe Jn's Gesicht Dir legen sollt!" Als zufälligerweise ein paar falsche Töne mit unterliefen, da lächelte der Gefeierte zustimmend'.und nickte: „brav, recht brav". — Wenn die Leinberger wenigstens zehn Tausender hätten springen lassen, so hätte der Empfang noch viel glänzender und großartiger aussallen können. Aber die Juden haben eben kein Herz für einen wahrhaft hervorragenden Menschen und einen großen Zweck. Sogar von der Illumination des Zuchthauses wurde Abstand genommen. Nicht einmal das war zum Willkommgruß der Wiener Freunde festlich beleuchtet. Aber dafür drehten sich sämmtliche Windfahnen höchst vergnüglich in ihren mehr oder weniger geölten Angeln. Schneider trug während seines ganzen Lemberger Aufenthaltes ein rothes Fez — er war ja immer ein Freund von sonderbaren Behauptungen. Besonders von rothen. Was ich von Lueger und seiner neuesten Schwenkung zum Anarrchismus halte.'fragst Du, Pumpo meiner Seele? Jetzt sehen doch die miserablen Juden hoffentlich ein, daß Lueger ein unparteiischer und gerechter Mann ist. — Wie ich das meine? Na, daß K o s ch e r i o Jude ist, hat V er g a n i gerichtsordnungsmäßig festgestellt, darüber ist hoffentlich kein Wort mehr zu verlieren. Trotzdem entzieht ihm Lueg er nicht seine Sympathie. Er verwahrte ihn sogar gegen den Ausdruck „Mordbube". Das sei ein zu hartes, zu strenges, schroffes Wort. „T öd t ungsknabe" klingt viel milder und feiner. Der große Beuschologe feiert in Bälde seinen fünfzigsten Geburtstag, zu welchem Feste ganz colossale Vorbereitungen getroffen werden. Es haben sich schon eine Anzahl Cvmitcs gebildet. Ich selbst gehöre dem Freß-Comite als ausübendes Mitglied an. Es istauch nicht unmöglich, daß ich eine Festrede halten muß; werde mich jedenfalls kurz fassen, weil ich ein abgesagter Feind jeglicher Anstrengung bin und nur wenige, aber zu Beuschel dringende Worte sprechen. Ich sollte es zwar nicht verrathen, aber Dir, meinem allervertrautesten Freunde, darf ich es ja doch wohl sagen, worin die Hauptüberraschungen bestehen, die wir dem edlen Volks freund zugedacht. Erstens Ueberreichung eines Tableaus, welches ihn in seinen sammtlichen Rollen darstelltt als jugendlich liberalen Liebhaber, als demokratischen Maulhelden, als antisemitischen Vater, alsjungczechischen Jntriguanten, als clericalen Charakterspieler und als anarrchistischen komischen Alten. Hierauf Verlesung der Huldigungstelegramme aus Ungarn, sodann feierliche Ueberreichung der Glückwunschadressen des Lloyd, der Donaudampfschiffsahrts-Gesellschaft und aller anderen, dem öffentlichen Wohle dienenden Institute, welche der wackere Volksvertreter im Verlaufe seiner langjährigen, parlamentarischen Wirksamkeit gefördert hat. Von allen Seiten und aus allen Kreisen werden dem beliebten Bolksmanne Huldigungen zugedacht. Die Fiaker-Genoffenschaft Vesterrrichifche Wochrnfchrist ftfcffi "»mmi»» ii n" »>>

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