Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021040--03749-3027901
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Settr 620 Vefterretchifttze Wochenschrift Nr. 32 Saragossa, das Glied einer weitverzweigten Familie, wurde alsbald damit betraut, die dem Heiratsprojecte abgeneigten Persönlichkeiten D. Alphonso Carillo, den wankelmüthigen Erzbischof von Toledo, D. Pedro Gonzales de Mendoza, Erzbischof von Siguenza und nachmaligen Cardinal von Spanien, u. A. durch seine Ueberredungskunst und durch die bedeutenden Mittel, über die er verfügte, umzustimmen und zu gewinnen; er brachte es in der That zuwege, daß Jsabella, um deren Hand der König von Portugal, der Herzog von Berry, der König von England und Andere warben, Ferdinand von Aragonien vor allen Anderen den Vorzug gab. Pedro de la Caballeria wurde dann auch die besondere Ehre zn Theil, der königlichen Braut ein köstliches Halsband, das einen Werth von 40.000 Ducaten repräsentirte, als Brautgeschenk Ferdinand's zu überreichen und ganz oder großentheils zu bezahlen." Die Finanzen von Aragonien waren damals in Folge der immer wiederkehrenden Kriege arg zerrüttet und Ferdinand gelang es auch später nicht, Ordnung in dieselben zu bringen. Don Luis de Säntangel blieb sein vertrauter Rathgeber, obwohl viele von dessen nächsten Verwandten den Scheiterhaufen hatten besteigen und er selbst als „Reumüthiger" im flammenbemalten Hemd und mit der teufelgezierten Mütze in einer Proceflion zum Autodafe hatte mitmarschiren müssen. — Die Marranen Santangel waren die Rothschilds ihrer Zeit. Don Luis de Santangel wurde des Columbus ganz besonderer Protector. Wie Las Casas erzählt, „empfand Luis de Santangel, als er von dem Scheitern der Unterhandlungen des Columbus erfuhr, so großen Kummer und so große Betrübniß, als wäre ihm selbst ein großes Unglück zugestoßen." Don Luis war damals Kanzler der Intendantur des aragonischen Königshauses und vertrat in der Regierung ganz speciell die Interessen König Ferdinand's und Aragons gegenüber Castilien, das eine Art Vormacht beanspruchte. Er war deshalb bei vielen wichtigen Staatsverhandlungen und auch in Privatangelegenheiten als der „gute Aragonese" Ferdinand's Vertrauensmann. Als er die Abweisung des Columbus erfuhr, begab er sich, wenn nicht im Aufträge, so doch mit Vorwissen des Königs zur Königin und wußte diese zu überreden, von Neuem wieder auf die Vorschläge des Columbus einzugehen. Die letzten Bedenken der Königin überwand er mit dem Anerbieten, die Expeditionskosten für Columbus aus Eigenem vorzustrecken. Mit Santangel's Geld rüstete Columbus seine Karavelen aus und unternahm die erste Fahrt. Don Luis hat später nach der Rückkehr des Columbus, als man die Bedeutung seiner Entdeckung in allen Kreisen Spaniens zu würdigen wußte, die vorgestreckten Gelder ohne Zins zurückbezahlt erhalten. Der Verfasser unseres Büchleins erwähnt außer Luis de Santangel noch eine Reihe anderer einflußreicher und geldmächtiger Marranen, die sich für Columbus eingesetzt hatten. Es scheint biebei nicht allein das wissenschaftliche Interesse an dem geographischnautischen Problem, sondern auch der Gedanke mit bestimmt zu haben, angesichts der immer härter und drückender werdenden Verfolgungen in Spanien eine Zufluchtsstätte in den neu zu entdeckenden Ländern zu finden. Auf der ersten Flottille des Columbus befanden sich mehrere Männer jüdischen Stammes. So Luis de Torres, der vor der Einschiffung die Taufe empfing, und da er mehrerer Sprachen, unter Anderm auch des Arabischen mächtig war, Columbus als Interpret dienen sollte. Der Schiffsarzt Bernal und der Wundarzt Marco waren ebenfalls Marranen. Nach einer Erzählung des Gonzalo Fernandez de Orviedo soll ihm Vincente Pinzon und der Pilot Fernand Perez Matheos versichert haben, ein Matrose aus Lepe habe zuerst Land gesehen. Derselbe sei dann von Columbus um die hiefür ausgesetzte Prämie betrogen worden — der habgierige Genuese nahm bekanntlich die Prämie selbst in Anspruch — aus Aerger hierüber nach Afrika gegangen. Dieser Marrane war der erste Europäer, der Tabak rauchen sah und über dieses Gebühren der Eingebornen dem Admiral weitläufig berichtete. Nicht weniger interessant sind Kayserling's Mittheilungen über den Antheil der Marranen an den portugiesischen Entdeckungen. Durch ihre Handelsbeziehungen mit dem Orient und Nordafrika hatten jüdische Kaufhäuser und jüdische Kosmographen allerlei Kunde von den Gebieten jenseits der Straße von Bab-el-Mandeb, von Ostafrika und Indien erhalten und diese machte man sich in Portugal zunutze. Die commercielle Ausbeutung der portugiesischen Entdeckungen war zu einem erklecklichen Theil den Marranen zu danken, welche sich in ostafrikanischen und indischen Handelsplätzen niederließen und von dort aus den Verkehr mit Lissabon unterhielten. Als Portugal unter spanische Herrschaft gerieth, wurden die Marranen auch in den Colonien aus das Grausamste verfolgt, und nun nahmen sie für die Holländer Partei, dienten ihnen als Kundschafter und sendeten bedeutende Subsidien für die Geusenflotte an ihre Glaubensgenossen, welche sich aus Portugal und Spanien nach Holland und Seeland geflüchtet hatten. („Presse".) GorreMnäenLen. Wien. (Ein Vorsichtiger.) Einer unserer Leser interessirte sich für eine im 6. Bezirke, Getreidemarkt Nr. 3. leerstehende Wohnung und setzte sich mit dem dortigen Hausbesorger in Verbindung, der ihm im Laufe des Gespräches sagte: „Für den Fall Sie Jude sind, darf ich Ihnen die Wohnung nicht vermiethen, weil der Hausbesitzer Herr Carl Walter, Landesgerichtsrath in Pension, den Auftrag gab, an Juden nichts zu vermiethen." Auf die Frage weshalb, sagte der Hausbesorger, daß der Hausherr einmal von einem Juden angeschmiert wurde und deshalb nur an Christen vermiethen will. Wien. Dem bekannten Geiger Karl Flesch wurde beitn Pariser Concurse unter 35 Mitbewerbern der erste Preis einstimmig zuerkannt. Ein erfreulicher Sieg der Wiener Schule, welcher der Preisgekrönte entstammt, speciell ein Erfolg für Professor Maxin tsack und Professor Grün, die Beide durch ihre vorzügliche Methodik die Ausbildung ihres Schülers in solch ausgezeichneter Weise leiteten. Herr Flesch wurde vor vier Jahren im Wiener Conservatorium mit dem ersten Preise bedacht. Nach weiterem einjährigen Studium unter Professor Grün's Leitung wandte sich der damals 17jährige Virtuose dem Pariser Conservatorium zu, wo er seine weitere Ausbildung unter M a r s i ck's Leitung genoß. Der Erfolg kann als neuerlicher Beweis dafür gelten, daß der von vielen Seiten betonte Gegensatz beider Schulen denn doch kein so schroffer sein könne, um ein Hinderniß für das Studium an beiden Orten zu sein. Der Begriff des Schönen in der Kunst kann in Paris nicht anders gedeutet werden als in Wien, und was die beiden Richtungen einander scheinbar unversöhnlich gegenüberstellt, das sind im Grunde unwesentliche technische Details. Lemberg, 30. Juli 1894. Anläßlich des beim jüngsten Bankette der Lehrerversammlung der Baron Hirsch-Schulen in Stanislau auf die Gesundheit des Baron Hirsch von den Versammelten ausgebrachten Toastes, wovon Baron Hirsch telegraphisch in Kenntniß gesetzt wurde, richtete Baron Moriz v. Hirsch an denJnspector der vom Baron Hirsch gegründeten Schule, Namens Landes, ddto. 22. Julia. c. folgendes Danksagungsschreiben: „Besten Dank für die telegraphische Begrüßung, welche Sie mir anläßlich Ihrer festlichen Bereinigung der Lehrerversammlung drahteten,undsendeJhnen zugleich meine aufrichtigsten Wünsche für das Blühen und Gedeihen der Volksschulen in Galizien. Moriz v. Hirsch m. p. Diese edlen Worte haben bei allen galizischen intelligenten Israeliten warmen Widerhall gefunden. Berlin, 31. Juli. (Von dem Ahlw ardt'sch en Treiben) berichtet die „Preuß. Lehrerzeitung" ihren Lesern folgendes neue Stück. Vor einiger Zeit besuchten einige westfälische Antisemiten den Rector aller Deutschen gelegentlich dessen Reise durch den Westen unseres Vaterlandes. Der Ehrenmann hat dabei natürlich nicht versäumt, seine Person in das hellste Licht zu stellen. Unter Anderem äußerte er ungefähr Folgendes : Er habe mit Ehren des Königs Rock getragen. Nach dem Feldzug von 1866 habe er ein Schreiben von dem König Wilhelm I. erhalten, worin ihm für seine hervorragenden kriegerischen Thaten der königliche Dank ausgesprochen sei. Dieses Schriftstück sei sämmtlichen preußischen Volksschullehrern mitgetheüt worden. Dies Ah lwardt'sche Stücklein kennzeichnet den ganzen Mann, der ungescheut zur gefährlichsten Art

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.