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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 32 Vestrrrrichtfchr Wochenschrift Seite 621 Schwindelei greift, die sich darin bekundet, daß sie geschickt ein Körnchen Wahrheit mit der colvssalsten Lüge mischt. Im Jahre 1866 ist bekanntlich durch Cabinetsordre der preußischen Lehrerschaft der Dank des Königs ausgesprochen worden. Münstereifel (Rheinland), den 8. August. Zu denjenigen Orten, die die Ehre hatten, von Ahlwardt dem Großen mit einem Vortrage bedacht zu werden, gehört auch unser herrlich gelegenes Städtchen. Die Herren, die den Nationalhelden damals von der Bahn abholten und ihn durch die Stadt triumphirend führten, um dem Feldmarschall das Schlachtfeld zu zeigen, waren Metzger Müller und Tuchhändler Schmidt. Der Erstere ist ein alter College von Ahlwardt, denn er hat schon einige Gefängnißstrafen hinter sich. Wie aber der Letztere, der noch nicht einmal das Innere eines Gefängnisses gesehen hat, zu der Ehre kommt, Ahlwardt's Trabant zu sein, darüber zerbrachen wir uns vergebens den Kopf. Nun, der gute Herr Schmidt hat uns nicht lange warten lassen und gab uns bald die Lösung des Räthsels. Er hat nämlich nachträglich seine Qualification zum Antisemiten dadurch bewiesen, daß er einen großen Posten Tuchwaare auf Credit entnahm, ihn nachher in C ö l n für die Hälfte des Fabrikspreises versilberte und dann mit dem Gelde durchging. Die Fama behauptet, er sei nach Jerusalem gewallsahrt, wahrscheinlich um da an der Quelle die Schlechtigkeit der Juden zu studiren. Es soll uns gar nicht wundern, wenn dieser ehrenwerthe Herr bei seiner frei- oder unfreiwilligen Rückkunft Vorträge über die geschäftlichen Betrügereien und verwerflichen Manipulationen der — Juden hält. Ja, es ist eine auserlesene Schaar, diese Antisemiten. Waukesha, Wisconsin (Amerika). (Ein Brief an die „Oesterreichische Wochenschrift.) Hochgeehrter Herr Editor! Ich lese da in Ihrer letzten Nummer einen Annoncen- Ab.druck eines Sensenfabrikanten M i ch n i k in B o ch n i a. Das wäre was für die jüdischen Kaufleute in den Vereinigten Staaten. So viel Geld hätte er gewiß nicht, als er auf Schadenersatz verklagt würde. Und die Reclame! Warum zahlt der Kaufmann die Erlverbs-, Einkommensteuer? Nur um geschützt in seinen Rechten zu sein? Ihr habt ja Gott sei Dank Juristen, die das besser verstehen als ich. Wir können hier nicht begreifen, wie Sie als Editor in Ihrem Blatte einen Liechtenstein anklagen, daß er und seinesgleichen Propaganda machen gegen jüdischen Erwerb und Handel. Der hochgeborne Herr hat ja was, warum klagen nicht die dadurch verkürzten Herren auf Schadenersatz. Das sollte nicht einzeln, sondern in Masse geschehen. So lange Ihr Euch duckt, werdet Ihr gestoßen werden. Asses in Allein sind wir Euch auch im Antisemitismus weit vor. Auch hier stellt der Jude in den Sommervillen eine Mehrzahl der Gäste. Auch hier stand und steht noch vielleicht no Hebrews oder no Israelites denn der Amerikaner ist selbst im Schmähen höflich. Nun was thun wir? Wir gehen nicht hin, wo man uns nicht will. Merkwürdig, in der nächsten Saison verschwinden solche Täfelchen und in den Zeitungen annoncirt man: „ohne Unterschied der Eonfession." Ganz ergötzliche Thatsachen könnte ich Ihnen melden: Nur eine will ich Ihnen mittheilen. A. T. Stuart, kam als Exschullehrer uach New Jork und wurde der Chef der Firma A. T. Stuart u. Co., ein Weltgeschäft mit einem Umsätze von mehreren 100 Millionen jährlich. Er starb kinderlos und hinterließ sein Vermögen seiner alten Frau. Als Vollstrecker seines letzten Willens bestellte er den Ex-Richler Dr. Hilton und hinterließ demselben für seine Mühe eine Million Dollars. Aber der Herr Hilton war kein Stuart. In der Verlassenschaft war auch ein Riesenhotel im fashionablen Badeorte S a r a t o g a im Staate N e w-I o r k. Dahin kam der jüngst verstorbene Bankier I esse S e li gm a n n mit Familie. Und als selbe sich zum Frühstück im Speisesaale niederließen, kam der Oberkellner und erklärte: Es thue im leid, aber — er habe vom Eigenthümer die stricte Ordre. Herrn Seligmann nicht zu bedienen. Ohne etwas zu äußern, entfernte sich die beleidigte Familie. Aber die bösen Zeitungen, die können nicht ihr Maul halten. Am anderen Morgen wußte davon das ganze Land, vielleicht auch ganz Europa. — Herr B l u m aus Louis ville Kentucky, er starb leider viel zu früh der brave Manu, schickte seine Anweisung an das Großhandlungshaus A. T. Stuart n. Co. vvn 85.000 Dollars, die zwar noch nicht fällig waren, nahm seine gegebenen Ordres zurück und schlcß seine Verbindung mit dem Hause ab. — Auch das meldete die Presse. Nun war Herr Jehle S e l i g man n bis zu seinem Tode Präsident des jüdischen Waisenhauses in New-Pork. Dieses hat seine Jahresversammlung gewöhnlich am Lbol moed schel Pessach. Also im darauffolgenden April schickt die Witwe Stuart's eine Anweisung von sage zehntausend Dollars dem Waisenhaus mit einem artigen Brief zum Besten des Instituts. Der Vorsitzende Herr Selig mann legt beides, Geld und Brief, der Versammlung vor. Da erhebt sich Herr F. Reiß, Präsident der „United Lebre^ Oborities", die in Wohlthätigkeit leistet, was kaum je geleistet wurde, und sagt: „Wir haben nie von Stuart was bekommen, wir haben nie was verlangt. Wir nehmen auch nichts an." Und aus dessen Vorschlag wurde die Summe von 10.000 Dollars höflichst der Witwe zurückgeschickt. Nach einem Jahre war das Großhandlungshaus am Chamber Street Broadway mit dem Detailhandlungshaus 10 Str. Broadway vereinigt und in 2 Jahren später war gar kein Handlungshaus mehr da. Ich muß noch bemerken, daß der Herr Hilton nicht nur dieses Geschäft ruinirte, sondern auch die Legate nicht ausführte und nach dem Tode der Witwe das ganze Vermögen, das man an 80 Millionen schützte, an sich riß. Wir machen eben eine große Krisis durch. Erst die Währungsfrage, dann die Tarisdebatte und die Krone: der Eisenbahnstrike. Fabriken stehen stille, Verkehr und Handel auf's Minimum beschränkt, tausend fleißige Hände ruhen, viele Hungerige schreien nach Brot. Die sociale Ordnung beginnt zu wanken und der darbende Arbeiter saugt begierig das anarchistische Evangelium ein, daß das Capital sein Feind und die Ursache alles Elends sei. Gottlob und Dank, P ul lm an n ist kein Jehude. Kabel und Zeitung muß Ihnen Nachricht über unsere tristen Verhältnisse gebracht haben. Ueber dem Chaos der Parteiansichten schwebt hell und klar das Moseswort: „Gleiches Recht für den Einheimischen und Fremden" aus dem Munde der ersten Beamten des Landes. Die Einwanderung aus Ländern von minderer Cultur hat die Löhne heruntergedrückt. Hunderttausende von Italienern, Russen, Slaven, Armeniern und Türken wanderten hier ein, keine anderen Bedürfnisse, als die des Magens kennend, arbeiten sie für Hungerlöhne und bieten Concurrenz dem Arbeiter, der gewohnt war, wie ein Mensch zu leben. Daher kommen die Erschwerungen der Emigration. Der Fehler liegt aber noch tiefer, die großen Evaporationen und Geschäfte beuten Alles zu ihrem Vortheil aus. Sie nehmen die billige Arbeitskraft, woher sie selbe eben bekommen, und sind sie deren nicht bedürftig, so wird sie eben nicht benützt. Als rühmliches Beispiel edler Menschlichkeit erwähne ich Herrn Nathan Strauß, den Bruder des Congreßabgeordneten Isidor und des Privatgelehrten und ehemaligen Gesandten Oscar "am Hofe zu Stambul. Herr Nathan Strauß versorgt Arme, ob Jud oder Christ, mit Brennstoff im Winter zu halbem Marktpreis. Er hat ein Logirhaus für Obdachlose eingerichtet, wo für 5 Cents Bad, Nachtlager und ein Frühstück zu haben ist, wo ein wissenschaftlich gebildeter Arzt Kranken rathend zur Seite steht. Jetzt hat er in den von der Hitze arg bedrängten Districten Stationen mit eingerichtet, wo sterilisirte Milch für 1 Cents die Flasche verkauft wird. Kinder unter zwei Jahren pflegen wie die Fliegen zu fallen, wenn der Thermometer auf 90 Grad steigt. Unsere Tempelsürsten kommen wieder zusammen am kühlen Strande des Oceans. Wir beugen uns vor solcher Conferenz. Der greise Dr. E. M. Wise von Cincinnati schwingt da sein Scepter. Die Rabbinerschnle, eine Schöpfung dieses Mannes, erzieht Rabbiner in seinen Gesinnungen. Der Wahrheit muß die Ehre gegeben werden, die jungen Leute aus dem Cincinnatier Seminar, die ich gehört habe, verdienen Beachtung. Sie sind eifrig, rührig und finden Anklang und Anhang. Der unlängst verschiedene Dr. Ko Hut starb im Zenith seines Ruhmes, und wäre ihm ein höheres Alter beschieden gewesen, würde er traurige Erfahrungen gemacht haben. Zwei jüdische Gotteshäuser wurden in New-?)ork vom Feuer heimgesucht. Einer, der Tempel Schare Tikwah, hatte etwa zwei Wochen vor Schewnoth eine Gasexplosion und letzten Samstag schlug der Blitz in eine Betschule in Brooklyn ein. Es dürfte Sie und auch den Philantropen Baron Hirsch interessiren, daß sein erster A-B-C-Lehrer noch unter

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