Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 32 (10.8.1894)
- Date
- 1894-08-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021040--03745-3027897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit 616 Veker reichliche Wochenschrift 'Jh. 32 man in der Bevölkerung schon seit längerer Zeit etwas munkelte. Die haarsträubendsten Dinge, die man sich vom Pater Vigilius und einigen Anderen seiner Genossen weitererzählt, entziehen sich aus sittlichen Gründen der Wiedergabe. Als charakteristisch sei nur erwähnt, daß Pater Vigilius mit Vorliebe über das Gebot der Keuschheit predigte und bei solchen Gelegenheiten immer in den schärfsten Tonarten über den „Verfall der Moral" wetterte. Als er im vorigen Jahre, also zu einer Zeit, wo sein sträflicher Verkehr mit Schulknaben constatirtermaßen schon flott bestand, die Wahrnehmung machte, daß 8- bis 9jährige Buben in der Gail ohne Schwimmhose badeten, da wollte er den Elassenlehrer für diese „Sittenlosigkeit" verantwortlich machen und kanzelte diese „Missethäter" tüchtig herunter. Dazu gehört gewiß eine eiserne Stirne, wie man sie nur selten finden wird! __ Auch bei der Classification der Schüler aus „Religion" haben seine schändlichen Neigungen eine beeinflussende Rolle gespielt. Ein Knirps, der Zeuge der verbrecherischen Handlungen war und niemals etwas gelernt hat, sagte dem Katecheten, als dieser ihm eine schlechte Zeugnißnote in Aussicht stellte, in Gegenwart seiner Mitschüler ganz trocken in's Gesicht: „Dann werden sie sehen, was Ihnen geschieht!" Und im Zeugniß erhielt dann der kleine Erpresser und jugendliche Mitsünder aus „Religion" eine sehr gute Fortgangsnote. Am letzten Schultage sagte der Frömmler zu seinen Schülern: „Ihr müßt mir nichts Uebles Nachreden; Ihr werdet doch nicht einen armen Priester geißeln wollen! —" Es braucht wohl nicht erst aasgesührt zu werden, welche Gefahren für die Moral der ganzen Schuljugend Villachs durch diesen gewissenlosen Heuchler heraufbeschworen wurden, dadurch, daß ein Schulknabe dem andern die Schandthaten dieses Katecheten weiter erzählt und daß diejenigen, welche unmittelbar unter der Praxis dieses Herrn standen, ihren Mitschülern recht interessante Mittheilungen machen. Dem sauberen Patron Pater Vigilius D r a s s l ist nun das Handwerk gelegt worden; es ward ihm zwar Gelegenheit geboten, rechtzeitig zu entwischen, er soll aber bereits in Linz verhaftet worden sein und wird somit der strafenden Hand der beleidigten Gerechtigkeit und des verletzten Rechts- und Sittlichkeitsgefühles nicht entgehen. Der Gemeinderath von Villach beschloß am 30. Juli 1894 unter Vorsitz des Bürgermeisters Herrn Friedr. Scholz: „Der Gemeindeausschuß der Stadt Villach drückt über die Mittheilung des Bürgermeisters, betreffend die Vorgänge im hiesigen Franciskanerkloster, feine tiefste Entrüstung und seinen Abscheu aus und beschließt über Antrag des Herrn Anton L. M o r i 1 s ch einstimmig: daß die Stavtgemeinde-Vorstehung durch Veranlassung geeigneter Schritte Alles aufbiete, um zu erwirken, daß 1. die Franziskaner von Villach ganz wegkommen und die Pfarre St. Nicolai wieder von einem Weltgeistlichen besetzt werde; 2. daß, wenn Obiges nicht zu erreichen ist, diese Ordensgeistlichen in der Schule nicht mehr den Religionsunterricht ertheilen dürfen; 3. daß dieselben kein Internat mehr halten dürfen; 4. daß den Schülern und Schülerinnen der Volksschulen von Seite des Ortsfchulrathes verboten werde, das Kloster der P. Franciskaner zu betreten und die städtische Polizei beauftragt werde, die Einhaltung dieses Verbotes besonders zu überwachen. Von diesem Beschlüsse ist der Pater Provincial des Franciskaner-Ordens zu verständigen." Das Schächkverbot. Von einem in Locarno, Canton Tessin (Schweiz), lebenden Freund erhält die „Volksstimme" folgende Zuschrift: Wenn die Vorstände der Thierschutzvereine das Publicum von der Reinheit ihrer Bestrebungen überzeugen wollen, so beliebe man, bevor man gegen die Juden vorgeht, nachstehende Fragen vorerst in ernste Erwägung zu ziehen. Warum gestattet man (was bekanntlich aus raffinirtester „Menschlichkeit" geschieht'» ohne vorheriger Betäubung das Castriren der Hengste, Bullen, Schafböcke, Eber, Hähne, Puter und Gänseriche? Die Zuerstgenannten sollen dadurch zahmer werden, während die übrigen sich dann leichter mästen lassen, um schließlich, wenn sie fett genug sind, mit Zustimmung des Thierschutzvereines — geschächtet, d. h. durch den Halsschnitt ohne vorherige Betäubung getödtet zu werden. Warum gestattet er das „Ringeln" der Ochsen und der Schweine? Thut ein Schnitt durch die Nasenwand etwa weniger wehe, als der eine plötzliche Bewußtlosigkeit herbeiführende, in die großen Halsadern? Auch hier werden die Thiere, ganz wie beim Schächten, gefesselt und zu Boden geworfen, ohne zu fragen, ob sie sich beim Sturze verletzen könnten oder nicht. Warum gestattet er das als Sport allgemein gebräuchliche „Taubenschießen", wobei die armen Thiere zum Vergnügen der christlichen Sportsleute — ohne vorherige Betäubung angeschossen werden und oft elend zu Grunde gehen? Hier fällt die Entschuldigung, daß man sich des Wildes schlechterdings auf andere Weise nicht bemächtigen könne, doch ganz fort. Warum gestatten auch die Thierschutzvereine die ganz und gar zwecklose Verunstaltung der Hunde, denen man aus reinem Uebermuth den Schwanz und die Ohren abschneidet? — ohne vorherige Betäubung. Alle diese Thiere müssen sich aus sehr zweifelhaften Gründen das Fesseln, Niederwersen, Verschneiden u. s. w. gefallen lassen, sie müssen eine lange, schmerzhafte Heilperiode durchmachen und erliegen sehr oft dem Wundstarrkrampf oder der Blutvergiftung; und die Thierschutzvereine schweigen dazu. Warum? — Weil sich allen diesen brutalen, zwecklosen Thierquälereien keine antisemitische Seite abgewinnen läßt. Man muß wirklich glauben, daß man einem Thiere, wenn man es tobten will, keinen Schnitt beibringen soll, dagegen aber nach Herzenslust daran herumschneiden darf, wenn man es nur nicht tödtet! Von den vielen Verstümmelungen und Thierquälereien anderer Art, wie sie überall noch immer gebräuchlich sind, wollen wir garnicht reden; allein man könnte doch wohl mit Recht verlangen, daß der sonst als unbestreitbar hingestellte Grundsatz: „Man dürfe die Thiere um der Gesundheit des Menschen willen leiden lassen, wenn es nicht ganz zu vermeiden ist" — auch hinsichtlich des Schächtens befolgt werde; da dieses jedenfalls das Thier gut ausbluten lassen will, um das Fleisch weniger gefährlich zu machen. Könnte bewiesen werden, daß das Schächten eine ganz nutzlose Grausamkeit ist, so ließe sich das Verbot dieser Todesart rechtfertigen. Bis jetzt hat ein solcher Beweis aber durchaus nicht erbracht werden können und folglich darf man nur verlangen, daß zuvor alle anderen nutz- und sinnlosen Thierquälereien abgeschafft werden, wie vor Allem die viel zu oft angewandte, oft ganz überflüssige Vivisection. So lange man im Winter den Pferden und Eseln das eiskalte Gebiß ohne Schonung in den warmen Mund legt, so daß die Zunge nicht selten schmerzlich verletzt wird und so lange arme Hunde in Hitze und Kälte schwere Lasten ziehen müssen, wozu sie gar nicht» geschaffen sind, und noch tausend Aehnliches geduldet wird, ohne sich dagegen zu empören — so lange kann auch das Schächten nicht mit einem Schein von Recht beanständet werden. Das leidet keinen Zweifel! J. Engell-Günther. Antisemitische Unarten. Blitzende Sonnenfäden flitterten durch das grüne Blätterdach und übergossen die hartgestampften Kieswege mit einem goldigen Schimmer. Dichte Mückenschwärme wirbelten durch die klare Lust, die lebendigen Säulen lösten sich auf, sie sammelten sich wieder, sie schloffen sich eng aneinander und zerflatterten dann im Blauen. In den dunklen Tannen quinquirlirten Rothkelchen und Meisen. D:e Buchen warfen lange Schatten über die Allee und die Linden nickten wie im Traume. Dann wurde es still ringsum, ganz still. Nur von Zeit zu Zeit zitterte ein fremder, schriller Schrei vom Schönbrunner Thiergarten herüber und verklang im Abendwinde. Hoch oben aber