Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 32 (10.8.1894)
- Date
- 1894-08-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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SSüSSSSP^" .... .^-iäJA Vti. 32 Westerrrktztsrtre VortzrnsrtzrM Seite 615 sah", (2. Buch d. Kön. 7, 2.) zu dem Entschlüsse kam, dem Herrn einen Tempel zu bauen, — für düsen Tempelbau in seinem ganzen Reiche Geld und das nöthige Material sammelte, — und den Plan, nach welchem das Haus Gottes erbaut werden sollte, aufertigen ließ, den er seinem Sohne Salomon zur Ausfertigung des Baues übergeben hatte; — ebenso beschloß Seine Durchlaucht, der edelmüthigste aller Fürsten der Jetztzeit, Herr Johann von und zu Liechtenstein, :c. :c." Wir trauten unseren Augen anfänglich nicht recht und mußten zweimal lesen. War das wirklich — die „Reichspost"? Ja wohl, sie war es. sonderbare Schwärmer das. Wenn sie für Kirchenbauten fechten gehen, dann thun sie es unter dem Zeichen Davids, der dann, ist der Bau einmal unter Dach, darin hämischerweise beschimpft wird. Doch es kam noch viel schöner. Wir brauchten blos ein Weniges zu blättern — da hatten wir schon unser ehrwürdiges, trautes, Altes Testament citirt — und hier die Sprüche S alomonis — und nochmals die Psalmen Davids. Man höre! „1. Gott selbst hat (Exod. 2(5, 26—27) ausdrücklich befohlen, daß Ihm, wo es an Gelegenheit und Schätzen nicht fehlt, B a uwerke m i t der h ö ch ft e n .ft u n st a u s g e f ü h r t werden.... 4. Durch solche Spferwiüigkeit und Freigebigkeit macht mau Gott zu seinem Schuldner; denn man leiht, wie Salomo (in den Sprichw. C. l7) sagt, Gott dem Herrn ein Capital auf Wucher, der es mit reichlichen Zinsen wieder zurückzahlen wird. Möge das Beispiel der ersten Christen Älle, besonders die Wohlhabenderen zu solcher Nachahmung ermuntern, daß auch sie mit David in Wahrheit sprechend : „Herr! ich lieb e die Pracht Deines Hauses und den Ort, welche Deine Herrlichkeit bewohnt" (Psalm 25, 8), mit ihren Gaben nicht ermüden, bis der geplante Kirchenbau in Gießhübl vollendet ist. . . Kirchenvorstehung der hochheil. Dreifaltigkeit zu Gießhübl, am 1. Juli l894." , Wir mußten uns fragen, warum denn nicht lieber Citate aus dem Neuen Testamente anstatt aus dem verachteten, vwlgeschmähten Alten genommen wurden? Sollten denn gar keine entsprechenden darin zu finden sein? Müssen denn immer gerade die Schriften der Juden ausgeschlagen werden, wenn es gilt, ein weises, wahres, ein goldenes Wort zu sagen. Sind die „Reichspostkutscher" am Ende alle verkappte Juden??? Es scheint denn doch nicht gar so arg mit dem jüdischen Schrntthum bestellt zu sein, wie Deckert in derselben „Reichspost" behauptet. „Ach, was haben die Herren doch für ein kurzes Gedärm!" Das Gedächtniß scheint wahrlich nicht die starke Seite der Antisemiten zu sein, sonst würden sie sich doch nicht täglich und stündlich in wahrhaft erbarmungswürdiger Weise blamiren und bloßstellen. Dafür bietet dieses famose Organ seinen wenigen Lesern am 7. d. M. ein sogenanntes Feuilleton unter dem wenig geschmackvollen Titel „Kno - bloch". Dieses „Feuilleton" (?) beschäftigt sich auch mit unserem alten Mitarbeiter Teutobold und erklärt sein Kaffeehaus für den Ort, „wo die Dummheit ihre ungezügeltsten Orgien feiern kann." Schon wieder eine bedauerliche Gedächtnisschwäche! Damit ertheilt uns ja die „Reichspost" das höchste Lob und die werthvollste Anerkennung und versetzt sich selbst eine laut schallende Ohrfeige. Mehr wollen wir ja nicht, als die Thatsache constatirt haben, daß an allen Orten, wo rassenreine Antisemiten zusammenkommen, „die Dummheit ihre ungezügeltsten Orgien feiert". Das ist unbedingt richtig und wahr. Daran ist nicht zu rütteln und dawider nicht das Geringste einzuwenden. Daß die „Reichspost" ihren Gesinnungsgenossen Teutobold gar hart ansährt und rücksichtslos verleugnet, ist recht bedauerlich. Doch was die Herren Antisemiten unter sich ausmachen, interessirt uns nicht zu sehr. Es ist nicht unsere Art, uns in Privatangelegenheiten einzumischen. Herr Teutobold möge selbst auf alle diese Angriffe erwidern, wenn er Lust hat. Wir stellen ihm gern unsere Spalten zur Verfügung. Den ehrenwerthen Abgeordneten Schneider und den braven Canonicns Rohling nimmt die „Reichspost" gegen uns gewaltig in Schutz. Diese wackeren und tugendreichen Männer sind nichtswürdigen und böswilligen Verleumdungen ausgesetzt. Schneider weiß ja eine echte von einer falschen Stamviglie ebensowenig zu unterscheiden, wie Rohling einen wahren Eid von einem Meineid! Diese beiden Ehrenmänner werden in der bösen „Wochenschrift" abscheulich verleumdet und ganz schuldlos verfolgt. Daß das Heine-Denkmal und der Baron Hirsch bei der Gelegenheit — es geht ja gleich in einem — ziemlich übe! wegkommen, versteht sich von selbst. — Das vierzeilige gutgemeinte, aber unwillkürlich komische Gedichtchen aus unserem Briefkasten über Nothnagel und die Hydra macht die Runde durch alle antisemitischen Blätter. Auch die „Reichspost" tischt es ihren wenigen Lesern auf. Es ist trotzdem unbedingt das Beste, was dieses edle Blatt seit seiner ersten Nummer gebracht hat! P—s. Arische SMenrrinhrit Auch der verbissenste und verblödetste Antisemit wird sich wohl schwer zu der Behauptung Hinreißen lassen, daß das schöne Kärnten „verjudet" sei. Wollte man freilich nach dem Umfange, in dem der crasseste Antisemitismus gerade in den herrlichen Alpenländern sich seit mehr als einem Lustrum verbreitet hat, aus die jüdische Bevölkerungszifser in diesen Landen schließen, so käme man nur zu einem Fehlschlüsse. Es kann zwar nicht geleugnet werden, daß die modern gewordenen Sommerfrischen am Wörthersee alljährlich während der Saison auch etwa hundert jüdische Familien beherbergen, die bei den biederen Kärntnern ein hübsches Stück Geld in Umsatz bringen; allein außer zwei Dutzend jüdischer Familien in Klagenfurt wohnen nur drei jüdische Familien ständig in Kärnten, und speciell Ober-Kärnten kann als ganz judenrein bezeichnet werden. Wie steht es aber mit der Sittenreinheit dieses antisemitischen Ländchens, dem Eldorado des Schönerer-Cultus, wo die Rassenhetze ihre wüstesten Orgien feiert? Die Statistik dürfen wir bei einer sülchen Betrachtung nicht zu Ruthe ziehen, denn eine solche Unzahl von Vergehen gegen die Sittlichkeit mag wohl kein anderes Land mit solch' geringer Bevölkerungszahl aufweisen, und da darf es freilich auch nicht Wunder nehmen, wenn ausnahmslos in jeder Schwurgerichtsperiode mehrere verkommene Individuen wegen Schändungsdelicten abgeurtheilt werden. In keinem civilisirten Staate oder Lande findet man einen solch' abnorm hohen Percentsatz unehelicher Geburten, als in dem gepriesenen Kärnten, wo der Antisemitismus leider so sehr in die Halme geschossen ist — taube Aehren, die nur leeres Stroh geben. Dem Lehrerstande Kärntens kann das Zeugniß nicht versagt werden, daß er größtentheils wirklich liberal ist und die Klagenfurter Lehrerschaft speciell könnte sogar den Jugendbildnern Wiens, insoserne letztere Hand in Hand gehen mit den verlottertsten Wirthshausantisemiten, als Muster hingestellt werden. Und doch haben sich im Lause dieses Jahres allein nicht weniger als fünf Fälle ereignet, wo die Behörden Anlaß hatten, Lehrer des Vergehens gegen die Sittlichkeit zu bezichtigen; in ganz Kärnten kaum 400 Lehrer — und 5 wegen solcher Verbrechen verfolgt. Der Fall Scherzer hat berechtigtes Aufsehen gemacht und dem jüngeren Hetz-Clerus, der zu Lueger's Fahne schwört, gerade keine Lorbeeren getragen; die Vorkommnisse aber im Villach er Franciskanerkloster hätten gar keine weiteren Kreise gezogen und die durch die allgemeine Unsittlichkeit, die in Kärnten herrscht, abgestumpfte Bevölkerung nicht so sehr in Aufregung versetzt, wenn nicht der Villacher Gemeinderath einen Beschluß in dieser schmutzigen Angelegen, heit gefaßt hätte. Bevor wir diesen mannhaften Beschluß wiedergeben, wollen wir die Ursachen beleuchten, die ihn veranlaßten. Erst vor Kurzem wurde das Treiben des Villacher Franciskaner - Paters Vigilius Drassl bekannt, obwohl