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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Vrklrrrrvhllchr WortzenlchriN Seite 613 und Frechheit, weshalb wir denselben zur öffentlichen Kenntniß bringen. Köln, am 27. Juni 1894. Deutsch-socialer (antis.) Verein." Ich begab mich sofort, als ich das Placat sah, in die Wohnung des Attentäters. Die Wirthin zeigte mir das polizeiliche Anmeldebuch, und was finde ich darin? „Johann Maximilian Sp anier, geb.zu Prüm (Eifel), katholisch." Ich forschte weiter und erfuhr, daß er einer alten, katholischen Familie entstammt und unverfälschter Arier ist. Die Herren Judenfresser hielten es also nicht einmal für nöthig, eine Erkundigung einzuholen! Wozu auch diese Unbequemlichkeiten? Ich veranlaßt noch zur selben Stunde alle hiesigen Redactionen, den wahren Sachverhalt aufzuklären, was von allen Seiten bereitwilligst geschehen ist. Die „Kölnische Volkszeitung", das Hauptorgan der Katholiken Deutschlands, brachte sogar einen längeren Entrüstungsartikel über das elende Treiben des antisemitischen Vereines. Die ganze Sache hat also mit dem Judenthum soviel zu thun, wie — der Antisemitismus mit der Wahrheit. Allein, wäre der Spanier auch Jude, welch niedrige Gesinnung gehört dazu, diesen Fall zu generalisiren und ihn der Gesammtheit der Juden zum Vorwurf zu machen! Charakteristisch für das Treiben der Antisemiten ist noch der Umstand, daß diese Placate ohne Angabe des Druckers, also in straffälliger Weise, heimlich angeklebt worden sind. Die Antisemiten setzen sich also schon heute — gleich den Anarchisten — über die Gesetze des Staates hinweg. Daß kein Drucker in Köln zu finden war, der seinen Namen auf ein solches Placat setzen wollte, ist verständlich; wer hat aber das Ding, der antisemitischen Groschen halber, doch gedruckt? So also kämpfen die Herren. Und doch steht an der Spitze dieses Kölner antisemitischen Vereines ein Hauptmann a. D., von dem man doch wahrlich eine etwas ehrlichere und anständigere Kampfesweise erwarten sollte. Ja, die Wahrheit! Die ist den armen Antisemiten -ebenso unbequem wie das böse, römische Recht. Daß die nichtantisemitischen Spießbürger nicht endlich einsehen. daß für eine so edle Bewegung wie die judenfeindliche eine Wahrheit überhaupt nicht existirt! Es ist unglaublich, wie verjudet noch unsere Moral ist. F. 8." Der Moniteur für Lügner und Schufte, genannt „Deutsches Volksblatt" in Wien, entblödet sich nicht, in der Nummer vom 8. August 1894, die Lüge zu erneuern, den arischen Spanier für einen „Rassenjuden" auszugeben. Nun hat die „Kölnische Volkszeitung", eines der angesehensten Organe der Katholiken in Preußen, ausdrücklich constatirt: „Johann Spanier ist am 20. Mai!845 zu Prüm geboren, beide Eltern waren katholisch, er selbst wird noch auf einer Abmeldebescheinigung von 1892 als katholisch bezeichnet. Früher war er Hausknecht und Schreiber, am 7. Juni 1894 hat er in Köln einen Stahl-, Kurz- und Galanteriewaren-Handel angemeldet. Ob seine That eine nichlswürdige Rohheit oder eine unbewußte Religionsschändung war, wird die Untersuchung answeisen." In einer Rede, welche der Abgeordnete Dr. Bloch im October 1890 im Vereine „Oest.-Jsrael. Union" gehalten hat citirt er actenmäßig einen ähnlichen Fall der Kirchenschändung, aus K o l o m e a. „Die Protokolle des M a g i st r a t e s von K o l o m e a erzählen von einem noch abscheulicheren Wahnwitz des Judenhasses. Es war in einem der Siebziger-Jahre, vier Tage vor den jüdischen Ostern, da gingen mehrere Leute nach Mitternacht vor der griechischkatholischen Kirche in der Svbieskystraße vorbei. Sie bemerkten im Kirchthurme Licht, welches aber von da bald verschwand und wieder im Schiff der Kirche zum Vorschein kam. Die Passanten schöpften Verdacht und weckten den in der Nabe der Kirche wohnenden Geistlichen. Dieser versammelte schnell einige Nachtwächter, Polizisten und Kirchenbrüder. Ein Theil besetzte die Eingänge zur Kirche und der andere Theil ging in das Gotteshaus. Noch ehe man die Lichter anzündete, wurden schon die Gernchsnerven afficirt, und als es in der Kirche dann hell wurde, sah man mit Abscheu den Altar schändlich entweiht und die Heiligenbilder besudelt. Eine Statue trug ein Arba-Kaufos mit langen Schanfüden über die Schultern und sämmtliche Sammelbüchsen waren ausgeleert. Das kann nur ein Jude gethan haben, schrieen Alle entrüstet, „sie werden's büßen müssen!" Schade, daß unser ältester Kirchenbruder Zalucki nicht da ist. der versteht's noch aus seinem Dienst als Polizei-Feldwebel her, mit Juden umzugehen." Rache gegen die Juden schnaubend, bestieg man noch den Kirchthurm, um zu sehen, wie's mit der großen Kiste bestellt ist, worin das Kirchenvermögen avfbewahrt war. Auch diese war total ansgeplündert. Aber als man unter die Kiste sah, die auf einem hohen Gestelle stand, wurde der so sehnlich herbeigewünschte Zalucki entdeckt. Er lag zusammengekauert wie ein Igel, den ganzen Kirchen» raub fest in den Armen haltend. Der fromme Kirchenbruder, der jeden Sonntag in den Wirthshäusern Hetzreden gegen die Inden hielt, wurde der Polizei übergeben und nach einer langen Untersuchungshaft vor Gericht gestellt. In seiner Bertheidigung hieß es wörtlich: „I ch habe nicht d i e A b s i ch t gehabt, die Kirche zu schänden und zu berauben, s o n o e r n als gute r Christ d i e s e, V e r b r e ch e n nur a l s M i t t e l g e b r a n ch t, um e i n e V e rf v l g u n g gegen die g ot tl o s e n Juden h e r a u f z u b e s ch w ö r e n." Neuerdings erinnern wir hier daran, was der erleuchtete Papst Clemens XIV. Gangane lli in seinem Gutachten über die angeblichen rituellen Kindermoroe sagt. Er schrieb (Seite 57): „Was würde aber der Fiscns von Luccoria sagen, wenn bewiesen würde, daß ein gleich entsetzliches Verbrechen mehrere Male (Gott verhüte, daß nicht immer) von Christen begangen worden ist, sogar vom e i g e n e n B a t e r, und daraus d e n unglückliche ri Juden; u g e s ch o b e u wurde? Ich schäme mich den Verdacht auszusprechen, aber vielmehr bringt es mich außer Fassung, hicfür den authentischen Beweis, bezeichnet Let. D., darzubietcn. Dort lese man, wie ein christlicher Vater eine seiner Porten Töcht e r an verschiedenen K ö r p e r t h c i l e n v e r st ü nr m e l t e, nach i h r e r t ö d t l i ch e n V e r w n n d n 1t g z rv i s ch e n T ü d) er einwickelte u n d in einer Krippe i m S t a l l e e i n e s W i r t h s h a u s e s, das nach der Sitte in Polen von I u d e n gehalten wirb, z n r ü cklie ß. Dort lese man, daß dasselbe Kind, welches durch göttlichen -'^'illen länger lebte, mit eigene m Munde bekannt e, daß es vom eigenen Barer mit vielen Wunden rrnd Verstümmelungen zngerichtet wurde. Und doch hatte sich schon der Verdarbt gegen die Inden gebildet, wollte man schon gegen die Juden Vorgehen!" Wir haben wiederholt an dieser Stelle nachgewiesen, daß die Anstifter des Synagogenbrandes in Neustettin, die Mörder des Knaben Hegemann in Xanten Antisemiten gewesen sind. Die Verbrechen waren von vornherein darauf angelegt, den Juden angedichtet zu werden, oder sie wurden von den den Verbrechern und den Verbrechen nahestehenden Antisemiten in doppeltem Sinne fructificirt: zur Sicherung des Schuldigen und zur fröhlichen Hatz. Wie oft ist es dem „Deutschen Bolksblatt" passirt, daß es Spitzbübereien der Antisemiten den Juden unterschiebt, einen waschechten Arier als Semiten ausgibt, eigene Parteigenossen, welche schmähliche Lumpereien begingen, als „Liberale" bezeichnet. Hier wieder ein Beispiel dafür aus den jüngsten Tagen. Das Morgenblatt des Verganew vom 2. August meldete: „(Ein Liberaler.) Unter diesem Schlagworte brachten wir im Vorjahre eine Notiz über den damaligen Wiener Stationsvorstand der Nordbahn, Hußnik. Anknüpfend an diese Notiz erfahren wir aus sicherer Quelle, daß über den mittlerweile strafweise nach Mährisch-Ostrau versetzten Herrn Hußnik vom obersten Gefällsgerichte (Finanzministerium) das Urtheil geschöpft wurde, welches da lautet auf 4000 fl. Strafbetrag, außerdem Verlust sämmtlicher Orden und Niederlegung des Titels, kaiserlicher Rath. Die Judenblätter werden aus begreiflichen Gründen natürlich nichts darüber in die Oeffentlichkeit bringen." Das Abendblatt erzählte wiederum: „(Ein Liberaler.) Im heutigen Morgenblatte meldeten wir, daß der mittlerweile nach Mührifch-Ostrau versetzte ehemalige Stationsvorstand der Nordbahn (Wien) Herr Hußnik vom obersten Gefällsgerichte (Finanzministerium) zu 4000 fl. Strafe, außerdem zum Verluste sämmtlicher Orden und Niederlegung des Titels kaiserlicher Rath verurtheilt worden sei. Wie uns nun von competentester Seite mitgetheilt wird, beruht diese Nachricht auf einer vollständig irrigen Information, die uns allerdings in den letzten Tagen wiederholt zugekommen war, so daß wir keinen Anstand nahmen, vsn ihr Gebrauch zu machen. Richtig ist, daß Herr Hußnik wegen einer Gefällsentziehung in erster Instanz — jedoch nicht zu der in unserer Notiz erwähnten Strafe — verurtheilt wurde. Herr Hußnik hat degegen den Recurs ergriffen, dessen Erledigung noch aussteht." Wie unendlich zart, wie lieblich.duftig da Alles abgeschwächt erscheint! Herr Hußnik ist nämlich eifriger Antisemit, der seine jüdischen Subalternen gewaltig chicanirte. Er wurde nicht zu 4000 fl. Strafe verurtheilt, sondern nur zu 3560 fl. Man sehe doch, wie gut das „Deutsche Volksblatt" die Kunst des Berhüllens, Verschleierns und Errathenlassens unter Umständen versteht. In dem, was er weise verschweigt, zeigt sich der Meister — nicht blos des Styls, sondern auch der — Lumperei! - _ ,«« >»> ■■l'HII—IWirilllTT mm

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