Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 32 (10.8.1894)
- Date
- 1894-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 612 OrffrrreichMr Wochenschrist Nr. 32 Der Miether einer Nähmaschine verpflichtet sich, eine wöchentliche Miethe von Mark 1.50 zu zahlen und die gemiethete Maschine schonend und sorgsam zu behandeln. Caution: Der Mielher stellt beim Empfang der Maschine eine Caution von Mark 8.—. G. N e i d l i n g e r." Wir constatiren zunächst, daß der Erfinder des Ratenhandels ein Arier streng katholischer Observanz, Baron Sothen, war. Dagegen war es ein Jude, u. zw. das verstorbene Mitglied der Wiener Handelskammer, Adolf Humpoletz, welcher die erste Anregung zur Schaffung eines Gesetzes gegen den Ratenhandel gegeben hat. Ein diesbezüglicher Antrag von ihm gab der Kammer Veranlassung, beim Ministerium ein solches Gesetz zu urgiren. Und nun ist es wiederum ein Arier, dessen Scharfsinn das Mittel entdeckt hat, das Gesetz gegen den Ratenhandel unwirksam zu machen. Sebastian Brant über den Wucher. Der berühmte Verfasser 'des „Narrenschiffes" (erschienen 1494), Sebastian Brant, gibt in diesem Werke eine Schilderung des Wuchers seiner Zeit, die beweist, daß der Wucher der Christen den der Juden weit übertraf. Es heißt dort: Dem soll man greifen an die Hauben, Und ihm die Zecken wohl abklauben, Und rupfen die Schwungfedern ans, Wer kaust auf Vorrath in sein Haus So Wein wie Korn im ganzen Land Und fürchtet weder Sund' noch Schand' Damit ein armer Mann nichts finde Und Hungers sterb' mit Weib und Kinde. Drum ist es jetzo auch so theuer, Denn schlimmer als früher ist es Heuer; Für Wein man zehn Pfund jüngst nahm, In einem Mond es dahin kam, Daß man jetzt dreißig zahlet gern, Gleichwie für Weizen, Roggen, Kern. Von Aufgeld will ich gar nichts schreiben, Das man mit Zins und Gefall thut treiben, Mit Leihen, Ramschkauf und mit Borgen. Ein Pfund gewinnt an einem Morgen Mehr als im ganzen Jahr es sollt'. Man leiht jetzt Münze aus um Gold. Für zehne schreibt man elf ins Buch. Der Juden Zins war leidlich genug. Aber sie können nicht mehr bleiben, Die Christenjuden sie vertreiben, Die mit dem Judenspieß selbst rennen Ich kenne viel und könnt' sie nennen. Dir treiben Handel wild und schlecht, Und dazu schweigt Gesetz und Nicht. Graf Schack und Josephine v. Wertheimstein. Am 16. Juli ist in Wien Josephine v. W.ertheimstein gestorben, eine Frau, die im geistigen Leben der Donaustadt eine große Rolle gespielt und in einem Kreise hervorragender Dichter und Künstler gelebt hat. Auch Graf A. F. v. Schack unterhielt Beziehungen zu dieser seltenen Frau, und noch zwei Wochen vor seinem Tode hat er dem „Deutschen Dichterheim" in Wien ein an „Frau Josephine v. W." gerichtetes Sonett zur Veröffentlichung übersandt, das erst jetzt in Nr. 18 des genannten Organs zum Abdruck gelangte. Dieses Gedicht lautet: Gefloh'n hast Du der dumpfen Hauptstadt Nähe Und von dem Wagenrasseln fern, dem Qualme, Im Steirerlande auf der grünen Alme Umspielen traulich Dich dke Bergesrehe. So oft ich hier Dich, weise Freundin, sehe, Glaub' ich, daß Feierklang von einem Psalme Zu Häupten mir im Wipfel einer Palme, Vermengt mit Duft von Sarons Rosen, wehe. Nicht lassen wolltest Du das angestammte Gelübd' der Väter, doch im Herzen flammte, In Deiner Brust ein hoher, heil'ger Brand. Und reiner, als ihn frühere Geschlechter Geahnt, lebt Jesu Geist in Dir, und echter, Als bei den Christen, die ich je gekannt. A. F. Graf v. Schack. Antisemitische Schwindler. Aus Dortmund wird gemeldet: Der Antisemit Börger, Expedient der antisemitischen „Reform", wurde wegen Betruges und Urkundenfälschung zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt, er hatte viele Handwerker und Geschäftsleute um Kleidungsstücke, Möbel rc. beschwindelt und die Scheine mit dem Namen seines Principals unterschrieben, dem er auch 4'0 Mark unterschlug. Dresden, 22. Juli. Lehrer Klitzsch in Heiersdorf ist lvegen schweren Sittlichkeitsverbrechen, deren er sich seinen Schülerinnen gegenüber schuldig gemacht hat, verhaftet worden. Klitzsch war eine der Hauptstützen der antisemitischen „Reform"-Partei in Sachsen. Straßburg, 1. August. Ein antisemitischer Parteiführer wird von dem hiesigen Amtsgericht steckbrieflich verfolgt. Der Sachverwalter Paarmann, der in letzter Zeit mehrfach als Concursverwalter zugelassen wurde, ist flüchtig geworden. Er hat sämmtliche Gelder der Otto Schulz'schen Concursmasse unterschlagen und noch nicht ausbezahlte Gelder eines früheren Concurses vom Vorschußverein behoben und ebenfalls für sich verbraucht, bezw. unterschlagen. Paarmaun war der Führer der hiesigen Antisemiten. Arische Sittlichkeit. Aus u n s e r e m C i t a t e n s ch a tz. Handbuch für Untersuchungsrichter voll Dr. Groß, Staatsanwalt in Graz. 2. Auflage (S. 631): „Juniperus sabina dürfte das bekannteste Abtreibungsmittel sein. Die Wissenschaft verhält sich zwar zweifelnd über die Wirksamkeit desselben, das Volk gewiß nicht. Wer jemals in einem allgemein zugänglichen, botanischen Garten den Sadebaumstrauch allgesehen hat, wird wissen, wie zerzaust und zerzupft, wie von Ziegen abgefressen derselbe aussieh t". Prob^tum est. Wien, 25. Juli 1894. Löbliche Redaction! Der in Wien wegen seiner Altersschwäche und wegen seiner Geistlosigleit sattsam berüchtigte „alte Kikeriki" ersetzt den Mangel an Humor und Gedanken durch ein geradezu unverschämtes Schimpfen und Höhnen über die Juden. Die Stammgäste des Cafe Commercial, I., Rndolssplatz, haben deshalb corporativ den Eigenthümer dieses Kaffeehauses ersticht, das Schmutzblatt weder zu abonniren,. noch aufzulegen. Der Herr Cafetier, ein überaus entgegenkommender Mann, Christ, hat erklärt, daß er, bevor er noch den Wunsch seiner Gäste vernommen, das Abonnement aufgegeben habe, weil er einsehe, daß ein solches „Witzblatt" (?) nicht für fein von Juden besuchtes Local tauge. Ebenso hat der Eigenthümer des Caso Commercial erklärt, daß er bereit sei, die in antiliberale Hände übergegangene „Deutsche Zeitung" auf Wunsch seiner Gäste nicht mehr aufzulegen und ein weiteres Abonnement dieses arischen Blattes zll unterlassen. Sowohl das Vorgehen der Stammgäste, wie auch das des Casetiers verdient zrir Nachahmung empfohlen zu werden, denn nur so kann den antisemitischen Lumpen der Garaus gemacht werden. Ich theile Ihnen dies mit, unter gleichzeitigem Ersuchen, in einer Notiz Ihres Blattes zur Nachahmung auszufordern. kl. M. (Name und Adresse sind der Redaction bekannt.) Die Nampsesweife unserer Feinde. Man schreibt uns aus Köln: „Vor 14 Tagen besudelte ein verkommener Maisch auf eine rohe Weise den Platz vor dem Christusbilde der katholischen St. Jacob-Kirche zu Köln. Das hat keine große Erregung hervorgerufen, denn man nahm mit Recht an, daß der Mensch betrunken war. Der Thäter wurde polizeilich notirt und damit schien die Sache für die Oeffentlichkeit erledigt. Unglücklicherweise aber muß der Mensch Spanier heißen und seines Zeichens H ausirer sein. „Hausirer?" „Spanier?" dachten unsere Antisemiten, „halt, das ist ein Jude, nun ist Israel verloren." In einer dunklen Nachtstunde in der vorigen Woche wurden daher große Placate an die Straßenecken angeklebt, in denen mit gräulichen Farben die schreckliche Missethat des „Juden Spanier" geschildert wurde. Da's Placat schließt dann wörtlich: „Auffälligerweise schweigen die hiesigen Zeitungen bis zur Stunde über diesen empörenden Act jüdischer Gemeinhei