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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 Veflerreichtfchr wochenfchrifl Sette 611 waren, persönlich nach ein paar Tagen -- der hohe Herr machte ihm einige schmeichelhafte Complimente über seine Kunst und gab seiner Zufriedenheit durch Ueberreichung einer prachtvollen Busennadel beglückenden Ausdruck. In der Schlacht von Königgrätz führte der erlauchte Erzherzog das Commando über die Artillerie, die an diesem Tage die äußersten Anstrengungen machte, um den geschlagenen Oesterreichern den Rückzug zu ermöglichen und die Preußen an deren Verfolgung aufzuhalten. Um 4 Uhr Nachmittags kam der Erzherzog zu einer Batterie, deren Officiere alle schon den Heldentod gestorben waren, und die noch von einem Feuerwerker und einigen Artilleristen bedient wurde. Ununterbrochen schleuderten die wenigen Geschütze, die noch im Gebrauche waren, ihre Geschosse gegen den heranstürmenden Feind, die große Verheerungen in seinen Vorderreihen anrichteten. „Sie sind der bravste Officier, meiner Armee!" rief der Erzherzog dem Feuerwerker zu und reichte ihm die Hand, die dieser ehrfurchtsvoll küßte. Es war dies der jüdische Feuerwerker A d o l f H ü t t n e r, der dem Tode trotzig in die Augen sah und muthig für seinen Kaiser kämpfte. Nach Beendigung des Feldzuges erhielt Hüttner auf Verwendung des Erzherzogs in Wien die Concession zu einer Branntweinschänke. Hüttner ist vor wenigen Jahren in Wien gestorben. Stampigliusse. Berlin, 30. Juli. In der gestrigen Nummer eines hiesigen Antiseniitenblattes befindet sich unter der Rubrik „Fremde Welttheile" folgender Artikel, den wir mit Auslassung des Unwesentlichen zunächst wörtlich anführen: „Kauft nicht bei Juden! Hätte der Bruder des Sultai s von Marocco diese Devise beherzigt, so wäre er nicht sobald eingelocht worden. Dieser ließ nämlich nach der „N. Fr. Pr." einige jüdische Petschaftstecher in Fez zu sich kommen und bestellte bei ihnen eine Nachahmung des großen Siegels des Sultans. Sie versprachen, ihm dasselbe zu liefern. Da ihnen die Sache doch zu gefährlich erschien, trugen sie die Angelegenheit dem ihnen gewogenen Sherif vor, der ihnen verbot, den Auftrag anszuführen, und sie, um sie vor der Rache des Prinzen und seiner Anhänger zu sichern, in seinem Hause gefangen hielt." . . . Also, weil die jüdischen Petschsststecher ihre Pflicht und Schuldigkeit als Unterthanen und Staatsbürger gethan haben, selbst ihr Leben gefährdeten, als sie den an Hochverrath streifenden Fälschungsversuch des aufrührerischen Prinzen der Behörde anzeigten, werden sie von der antisemitischen Presse geschmäht, und auch diese nur rühmenswerthe That einiger jüdischer Geschäftsleute wird zu dem nichtswürdigen Rufe: „Kaust nicht bei Juden!" ausgenutzt. Allerdings, in einem Punkte müssen wir jenem Blatte Recht geben. Auch wir stimmen mit demselben überein: „Kauft nicht bei Juden, wenn Ihr falsche Stempel oder dergleichen erwerben wollet; in diesem Falle wendet Euch lieber an den Freund und Gesinnungsgenossen der Herren B achle r und A h lw ardt, an den österr eichischen Reichsrathsabgeorneten und Stampiglienfälscher Mechaniker Schneider in Wien!" Hätte der marokkanische Prinz sich an diese Adresse gewendet, so wäre er besser bedient worden. „Jüd. Pr." Ein jüdischer Wohlthäter. In ihrem dieswöchentlichen Sonntagsblatte veröffentlichte die „N. F.P." einenBericht über eine wahrhaft großartige Stiftung, welche Herr Mond für England ins Leben gerufen und die sogar die Schenkung einer halben Million Reichsmark übertrifft, welche der verstorbene Berliner Siemens zum Zwecke der Errichtung einer physikalisch-technischen Reichsanstalt der deutschen Reichsregierung zur Verfügung stellte. Herr Mond, geboren zu Kassel, kam als armer junger Mann nach England und verlegte sich auf die Fabrikation von Soda. Er wurde ein reicher Mann und hat in dankbarer Würdigung der Quelle seines Vermögens ein großartig geplantes physikalisch-chemisches Laboratorium in London gegründet, das nicht nur zu Unterrichts-, sondern hauptsächlich Forschungszwecken dienen und für die chemische Industrie die wissenschaftliche Führerrolle zu übernehmen bestimmt ist. Mr. Mond kaufte das Palais des Earl of Albemarle, das in der Straße gleichen Namens nächst der Royal Institution gelegen ist, richtete es auf das Munificenteste als chemisch-physikalisches Institut ein, unterstellte es einem von der Royal Institution gebildeten Comite, dessen Obmann als unmittelbarer Leiter des »I)av)'-?'3raäa)s-Re8earc1i-I.Ldorator^« zu fungiren haben wird, und widmete eine sehr beträchtliche Summe, hinreichend, um swn den Zinsen die Gehalte und gesammte Verwaltung des neuen Institutes zu bestreiten. Er verzichtete sogar darauf, wie man steht, der Stiftung seinen eigenen Namen als Bezeichnung zu geben, wie dies in England vielfach geschieht, sondern wählte die Namen jener großen englischen Naturforscher, deren Manen gleichsam die neue Pflegestätte der Wissenschaft geweiht ist. Das königliche Institut hat durch diese wahrhaft fürstliche Widmung eines Bürgers die seit Decennien ersehnte Ergänzung erfahren. Wenn solche Beispiele nur, wie Mr. Mond selbst gelegentlich äußerte, ansteckend wirken würden! So weit die Notiz der „N. Fr. Pr.", die wir aber von unserem Standpunkte dahin ergänzen müssen, daß Herr Mond, was nicht allgemein bekannt sein dürfte, Jude ist. Herr Mond, der einen großen Theil des Jahres in seinem prächtigen Palazzo in Rom wohnt, nimmt in der römischen Gesellschaft eine hervorragende Stelle ein und sein gastfreies Haus ist der Sammelpunkt der geistigen Elite Roms. Politiker, Diplomaten, Schriftsteller, Gelehrte, Maler und Bildhauer sind hier gern gesehene und willkommene Gäste und sie Alle sind entzückt von der wahrhaft bestrickenden Liebenswürdigkeit, mit der Herr Mond, im Vereine mit seiner Gemahlin, eine durch Geist und Herzlichkeit ausgezeichnete Dame, die Honneurs macht. An der Schwelle des Palazzo Mond nmchen Confession und Nationalität Halt, und wahre Bildung, weitausblickendes Weltbürgerthum und edle Humanität sind hier verkörpert. Eine Sehenswürdigkeit, einzig in ihrer Art, ist die M o n d'sche Kunstsammlung, welche herrliche, äußerst seltene Schätze, die das Entzücken und die Bewunderung des Beschauers Hervorrufen, birgt. Wer jemals in den Salons des Herrn Mond verkehrt hat, wird wohl niemals der dort verbrachten, genußreichen Stunden vergessen. Antisemitische Lüge über den Schwiegersohn Bleichröder's. Die „Deutsche Ze'üung", in rührender Uebereinstimmung mit dem Moniteur Vergani's, brachte in den letzten Wochen spaltenlauge Leitartikel über die angebliche Spende von 300 000 fl., welche der Schwiegersohn Bleichröder's der socialdemokratischen Partei für Agitationszwkcke zur Verfügung gestellt hat. Die Lüge war der Berliner „Kreuzzeitung" entnommen und wurde von den Wiener Lügengenossen nach Parteiart ausgebeutet. Nun publicirt die Berliner socialdemokratische Parteileitung Folgendes: Die „Kreuz-Zeitung" hat wieder einmal einen Beweis für die Berjudung der Socialdemokratie entdeckt, sie bezieht sich dabei aus die vom „Jntelligenzblatte" ausgeheckte und von vielen Blättern colportirte Nachricht, nach welcher „Dr. Leo Arons 300.000 M. der socialdemokratischen Parteicasse zur Fortführung des Bierbvycotts zur Vertilgung gestellt hat". Wir haben von diesem albernen Gewäsch keine Notiz genommen, weil wir unser Blatt für viel zu gut halten, um jede Zeileureißerei des Polizeiblattes und seiner Nachbeter der Ehre einer Antwort zu würdigen. Nachdem jedoch auch ernstbatt zu nehmende Blätter Neigung zu haben scheinen, diese neueste Seeschlange gegen die Sozialdemokratie loszulassen, erklären wir, daß Tr. Arons der socialdemokrotischen Parteicasse weder für den Bierboycott. noch für einen anderen besonderen Zweck irgend welche Summe zur Verfügung gestellt hat. Heber die regelmäßigen Beiträge, welche Dr. Arons als Mitglied der socialdemokratischon Partei zahlt, gibt die allmonatlich im „Vorwärts" veröffentlichte Quittung des Parteivorstandes unter der Chiffre Dr. L. A. Aufschluß. Ein arisches Schutzmittel gegen das Ratengesetz. Welche Folgen ein den Ratenhandel gefährdendes Ratengesetz, wie das von unserem Abgeordnetenhause beschlossene, für die auf Ratenkäufe angewiesenen Bevölkerungsschichten hat, zeigt sehr klar folgende, von der bekannten Rähmaschinen-Agentur Neidlinger herrührende Instruction, zu deren Erlassung sich diese Firma in Folge des neuen, deutschen Ratengesetzes bewogen fand: „Instruction für meine Angestellten betreffend das Bermiethen von Maschinen. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes, betreffend die Abzahlungsgeschäfte, kann ich an unbemittelte Arbeiter und Arbeiterinnen keine Nähmaschine mehr verkaufen; ich kann sie nur vermiethen, ohne daß der Miether durch die Miethbezcchlung einen Anspruch aus die Maschine erwirbt. Nachstehend die äußersten Bedingungen: Miethe:

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