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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 604 Vrstrrredtzlptzr WmtzrnfrtzrM Nr. 31 vornehmlich die Interessen der Großindustrie und war auch; unter dem terminus technicus „Fab ri kant e n -Z eitu n g" bekannt. Thatsächlich ist die „Deutsche Zeitung" unter den heimischen Industriellen stark verbreitet, und es erscheint geboten, unsere Glaubensgenossen auf die Wandlung und Schwenkung ins antisemitische Lager aufmerksam zu machen, welche gut thun werden, durch irgend welche Unterstützung nicht die Natter an dem eigenen Busen zu nähren. Wien. (Ernennung.) Der Justizminister hat den Staatsanwalts-Substituten Julius Turteltaub in Tarnopol zum Landesgerichtsrathe für das Kreisgericht in Stanislau ernannt. Wien. (Ferienheim.) Der Andrang schwacher und erholungsbedürftiger, israelitischer Kinder war in diesem Jahre ein so außerordentlicher, daß die bisher bestandenen 2 Feriencolonien in S cha t tm a nn s d o rs und Petrau sich als nicht mehr ausreichend erwiesen und zur Schaffung einer neuen Colonie geschritten werden mußte. Dieselbe befindet sich in Straßnitz, nächst Ro hat etz an der Nordbahn, wohin Montag, den 30. Juli, 12 Knaben unter Aufsicht des Doctoranden M. Bauer entsendet wurden. Wien. (Zu den Vorgängen an der Wiener Universität.) In Vertretung der Studenten Hermann Benedikt und Leopold Schön, welche infolge ihrer Action bei der Freiwilligen Rettungsgesellschaft aus Anlaß der vom akademischen Senate über die Demonstration gegen Herrn Professor Nothnagel geführten Disciplinaruntersuchung auf zwei Semester von der Wiener Universität relegirt wurden, hat Hof-und Gerichtsadvocat Dr. Gustav Fried den Recurs an das Ministerium für Cultus und Unterricht eingebracht. Wien. (Eine Klage des Baron Hirsch.) Aus Budapest wird uns gemeldet: Baron Hirsch hat durch einen hauptstädtischen Advocaten eine 70 Bogen umfassende Appellation gegen eine Entscheidung des Preßburger Gerichtshofes an die königl. Tafel überreichen lassen. Baron Hirsch hatte gegen den Güterdirector August Ruß, den Cassier Ernst Schank und mehrere andere Beamten seines Besitzes in St. Johann a. d. March die Klage erhoben, daß ihn die Genannten durch eine Reihe von Jahren um den Betrag von mehr als hunderttausend Gulden betrogen haben, indem sie die Belege fälschten und fingirte Ausgaben verbuchten. Prag. Der antisemitische Journalist Jaromir Husek, der eben wegen Vergehens der Aufreizung gegen die Juden eine Arreststrafe abbüßt, hatte sich vorige Woche abermals wegen dieses Vergehens vor einem Ausnahmssenate des hiesigen Strafgerichtes zu verantworten, weil er in drei Artikeln seines Blattes „Ceske Zajmy“ (Czechische Interessen)" zum Hasse gegen die Juden aufgererzt und so das Vergehen nach § 301 St.-G. begangen hatte. Nach geheim durchgeführter Verhandlung wurde er schuldig erkannt und zu weiteren zwei Monaten strengen Arrestes verurtheilt. Der Angeklagte war geständig. Die Anklage vertrat Staatsanwalt-Substitut Mayer, welcher in seinem Plaidoyer treffend das Wesen und die Ziele des Antisemitismus gekennzeichnet hat. Prag. Laut Meldung des „Prager Tagblatt" wurde Herr Dr. Julius Re ach aus Prag, Hörer des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau, zum Rabbiner der Gemeinde Raudnitz a. d. Elbe gewählt und als solcher von der politischen Behörde bestätigt. Herr Dr .R e a ch gilt hier als tüchtiger Talmudist und hat sich bereits als Rabbinatsverweser in Reichenberg (Böhmen) und Religionslehrer der dortigewStaats-Mittelschule in jungen Jahren bewährt. Mähr.-Weißkirchen. Herr David Kann, seit elf Jahren Cantor der hiesigen Cultusgemeinde feierte am 29. v. M. das Fest seiner silbernen Hochzeit. Dem verdienten Manne wurden aus diesem Anlasse mannigfache Ehrungen zu theit. Muglitz, am 27. Juli 1894. Mit Bezug auf Ihre Notiz in Nr. 30, Hohenstadt betreffend, erlaube ich mir Sie aufmerksam zu machen, daß die Herren Braß, Vater und Söhne, wohldeutschnaticnal, keinesfalls aber Antisemiten, am wenigsten aber enragirte Antisemiten sind, was schon daraus hervorgeht, daß in ihrem Comptoir ein Jude, u. zw. ein Bruder des Ignaz G a n s e l, schon seit Jahren als Buchhalter gut angestellt ist, ferner daß Herr Braß zur Zeit der Reichsrathswahlen dem antisemischen Candidaten bei seiner Wahlrede ausdrücklich erklärt hat, in Hohenstadt darf der Antisemitismus nicht eingebürgert werden. E. B. Nachod. (D em Großindustri ellen Herrn Hermann Doctor) wurde vou Seiner Majestät dem Kaiser die Annahme und das. Tragen des ihm vom König von Serbien verliehenen Takowa-Ordens gestattet. E. B. Ungar.-Brod. (D er S t att h alter von Mähren) stattete während seiner jüngsten Anwesenheit auch der Glasfabrik der Firma Emanuel Zahn einen Besuch ab und war von der Reichhaltigkeit derselben, von der kunstvollen Ausführung der einzelnen Stücke entzückt. Neutitschein, 23. Juli. Heute wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der zu den besten Männern unserer Gegend gehörte, Herr Adolf (Abraham) Oppenheim aus Braunsberg bei Mistek, der am 21. d. M. dort im 75. Lebensjahre verschied. Er war der zweite Sohn des berühmten R. Beer Oppenheim in Eibenschitz, der sich ursprünglich den Studien gewidmet, nach dem Jahre 1848 aber sich dem Geschäftsleben zuwandte und in Brünn mit seinem Schwager Em. S ch ö n h o f seligen Angedenkens einen Tuchexport betrieb. Ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, dem Glauben der Väter treu ergeben, genoß er in seiner Stadt wie in weiteren Kreisen ungewöhnliche Achtung. Ihn beweinen eine zärtlich geliebte Gattin, sechs Söhne und vier Töchter nebst zahlreichen Freunden. An feinem Sarge hielt fein Neffe Dr. Oppenheim, Rabbiner in Olmütz, einen ergreifenden Nachruf und ein zweiter Neffe, D'r. Oppenheim ans Brünn, nahm am offenen Grabe tiefbewegt Abschied von den Manen des Verewigten. Er ist das Muster eines aufopfernden Gatten und Vaters, wie eines edlen Menschen und treuen Juden gewesen. Sein Andenken fei gesegnet! Budapest. (Seltene Bravour einer Gräfin.) Am jüngsten Samstag brach in Csakvar Feuer aus, welches den israelitischen Tempel und die Schule beinahe einäscherte. Bei den Löscharbeiten war die Gemalin des Gutsherrn Grafen Niolaus Eszterhazygeb. Prinzessin Schwarzenberg erschienen und nahm mit solcher Bravour an der Löschaction theil, daß die Bewohner des Ortes, von dem seltenen Beispiel angeeifert, schaarenweise zur Hilfe herbeiströmten. Die edle Gräfin arbeitete mit solcher Hingebung, daß sie selbst ihre eigene Sicherheit außer Acht ließ und von einer kritischen Stelle mit Gewalt entfernt werden mußte; im nächsten Augenblick stürzten einige verkohlte Balken krachend auf die Stelle, wo die muthkge Dame eine Minute vorher gestanden. Das Publicum bereitete der Gräfin lebhafte Ovationen. Budapest. (Todesfall.) Am 23. Juli verschied Herr Max Gräber in B u d a p e st im 74. Lebensjahre und wurde am 26. Juli in T. - S z t. - M ar t o n zur ewigen Ruhe bestattet. Der vortreffliche, charakterfeste Mann, welcher im Kreise seiner zahlreichen Familie als Patriarch verehrt wurde, wird in Folge feiner ausgezeichneten Charaktereigenschaften Vielen unvergeßlich sein. Friede seiner Asche. Paris, 18. Juli. Die Herren Ingenieure Hauser, Professor an der Marine-Akademie, und Major H. Weile sind zu Officieren der Ehrenlegion ernannt worden. Cambridge, im Juli. Bei den Titel- und Preis-Stipendien-Verleihungen an der hiesigen Universität haben sich zahlreiche jüdische Studirende hervorgethan, darunter besonders Herr I. I a k o b in der Mathematik und Herr M. L a n g e in semitischen Sprachen. Außerdem haben sich acht Studirende Auszeichnungen erworben. Rom, 18. Juli. Unser Glaubensgenosse Abgeordneter Romanin Jacur ist zum Unlerstaatssecretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ernannt worden. Bereelli, 16. Juli. Der kürzlich verstorbene nichtjüdische Commendatore Luigi Quagliotti hat 35.000 Lire für das hiesige israelitische Krankenhaus hinterlassen. Testaments- Vollstrecker ist der Erzbischof von Bereelli. Constantinopel, 14. Juli. Dem furchtbaren Erdbeben, welches am 10. d. M. unsere Stadt heimgesucht hat, sind auch einige Synagogen und Lehrhäuser zum Opfer gefallen. Am ärgsten hat das Erdbeben im Judenviertel Galata gehaust, wo drei Juden und ein jüdisches Mädchen, die sich nicht mehr rechtzeitig retten konnten, von den Trümmern der einflürzenden Häuser erschlagen wurden. Ein Glück ist es noch zu nennen, daß die ärmere, jüdische Bevölkerung zumeist in hölzernen

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