Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 31 (3.8.1894)
- Date
- 1894-08-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021039--03731-3027882- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 31 Veflrrretchischr Wochenschrift Seite 603 folg gehabt, daß von 60.000 Einwanderern nur 99 znrückgewiesen worden seien. Man sage, daß die mittellosen Einwanderer, namentlich die sich im Ostende Londons niederließen, der Gemeinde zur Last fielen. Es seien aber hauptsächlich Juden, und da komme dies nicht vor, weil ihre Glaubensgenossen für sie sorgten. Ein paar tausend Ausländer könnten am Ende dem britischen Volke wenig Schaden zusügen. Die in Rede stehenden ausländischen Juden seien namentlich in der Fabrication billiger Kleider beschäftigt. In den letzten Jahren habe sich die Ausfuhr dieses Artikels um 62 Procent gehoben. Wozu also gesetzlich einschreiten? Jerusalem, 26. Juli. Das Altersversorgungshans „No8edab 8ekemw« dahier hat einen bedeutenden Fortschritt zu verzeichnen. Im letzten Jahre hat er nicht nur alte Männer, sondern auch Greisinnen, hilflose alte Witwen ausgenommen. Diese höchst wohlthätige Anstalt wurde vor 14 wahren ins Leben gerufen. Jerusalem ist meistens nur eine Zuflnchtsstätte aller, lebensmüder Greise, die, einem religiösen Antriebe gehorchend, ihre irdische Pilgerfahrt in der heiligen Stadt vollenden wollen. An Erwerbsquellen fehlt es hier sogar Manchem, der noch genug Energie besitzt, für sein Brot zu arbeiten: es ist daher einleuchtend, daß die alten Leute, die hierher kommen, keinen anderen Zweck im Auge haben, als hier in Gottesfurcht zu leben und sich mit dem Studium der Gotteslehre zu beschäftigen sticht alle, die Jerusalem aufsuchen, sind vermögend, die meisten fristen ihr Dasein unter lausend Entbehrungen, oft ohne Obdach, mit kärglicher Speise u. s. w. Biele ruhen des Nachts im Beth-Hamidrasch auf denselben harten Bänken, ans denen sie am Tage beim „Lernen" sitzen. Die israelitische Bevölkerung der heiligen Stadt kann leider zur Linderung ^cs Elends nichts oder sehr wenig beitragen. Da ist denn der Verein „No3edab Lelreuiw" eine große Wohlthat. Er hat es erreicht, die alten Leute in einem eigenen Hause unterzubringen, wo er auch eine eigene Synagoge gründete. Für Frauen war bisher noch nicht gesorgt. Ein trauriger Vorfall zwang den Verein trotz Mangels an Mitteln für unsere hilflosen Schwestern doch etwas zu thun. Um die Zeit, als der Wohnungstermin zu Ende ging, wurden mehrere alte Witwen, die mit der Miethe im Rückstände waren, von ihren Hausherren schonungslos hinausgestoßen und lagen obdachlos auf der Straße. Deshalb miethete der Verein gegenüber des „Altersversorgungsheim" Räumlichkeiten, um die Obdachlosen zu beherbergen. Dieser Vorfall blieb kein Geheimniß in der Stadt und bald kamen noch mehrere alte Witwen, die händeringend um Aufnahme baten. In den letzten Jahren beherbergte der Verein 60 Männer und 12 Frauen. Die Anstalt besitzt aber gar keinen Fond, sondern ist nur auf die freiwilligen Spenden von Wohlthäteru und die Beiträge einer verhältnißmäßig geringen Anzahl von Mitgliedern angewiesen. Die Ausgaben betragen durchschnittlich Fr. 2000 — pro Monat. Ein Glaubensgenosse hat dem Verein ein Grundstück zum Zwecke der Errichtung eines neuen Heims geschenkt. Dasselbe hat eine sehr gesunde und freie Lage außerhalb der Stadt an der Chaussee, die nach Jaffa führt. Aus diesem Grundstück soll sich mit Gottes Hilfe das neue Heim erheben. 5 Stuben des Parterres sind bereits aufgesührt. Die beschränkten Mittel jedoch versagten dem Verein den Bau fortzusetzen. Die Ausgaben überstiegen im verflossenen Semester die Einnahmen um Frcs. 885.70. Wir wenden uns daher an unsere mildthätigen Glaubensgenossen, und hoffen, daß sie in Berücksichtigung der Größe der Aufgabe, auch zur fernern Erhaltung dieser humanen und besonders in Jerusalem so nothwendigen Anstalt nach Kräften beitragen werden. VermMites. 8.8. Wien. (Per son a ln a chr i ch t en.) Der Lehrer der englischen Sprache Professor Ferdinand Kukla tritt eine Studienreise nach London an, von welcher er bis Mitte September wieder nach Wien zurückkehrt. — Am 24. Juli d. I. starb in Venedig der als Pädagog geschätzte Adolf P i ck, ein gebürtiger Ungar, welcher im Austrage der italienischen Regierung wiederholt Informations-Reisen in Schulangelegenheiten unternommen hatte und der eifrigste Förderer des Fröbel'schen Kindergarteusystems in Italien war. — Der Lehrer der Stampfener Schule, Herr Moritz Polacsek, feiert am 5. August sein 25jähriges Lehrerjubiläum. E. B. Wien. (P romotio s u b a u s p i c ii s Imperatoris.) Seine Majestät der Kaiser hat gestattet, daß der Candidat der Rechte Arnold K r a s n y sub auspiciis Imperatoris zum Doctor der Rechte an der Wiener Universität promovirt werde. Doctorand Krasny hat schon im Vorjahre die Aufmerksamkeil der juristischen Kreise auf sich gelenkt. Als blutjunger Studiosus juris erwarb er sich den ersten Preis für die Verfassung einer Abhandlung über Bergrecht, welche in Folge ihrer Gründlichkeit und Beherrschung des einschlägigen Materiales allgemeines Aufsehen erregte. Bemerkenswerth war dabei auch der Umstand, daß die betreffenden beiden anderen Preise nicht verliehen werden konnten, trotz der Competenz vieler Fachmänner auf dem Gebiete des Bergrechtes, weil alle Arbeiten im Vergleiche zu der Arbeit Drd. Krasny's abfielen. Wir wünschen, daß der Fleiß, die Gründlichkeit und der Jntellect Drd. Krasny's bei den jüdischen Studenten Schule mache und Nachahmung finde. Die arischen Studenten aber, welche derzeit in der Pflege des Biercomments und rüden Antisemitismus das Um und Aus studentischer Thätigkeit erblicken, können wir mit Genugthuung und Befriedigung auf die Erfolge eines jungen, jüdischen akademischen Bürgers der Alma materVindobonensis Hinweisen. Geht hin und thut desgleichen. Wien. (Todesfälle.) Am 30. v. M. starb hier Frau Pauline F or ch h e im e r, geborne Popper, im 61. Lebensjahre. — In Brünn starb am 31. v. M. Kammerrath Samuel Morgenstern, einer der bedeutendsten Malz- und Bierfabrikanten Oesterreichs. Wien, 28. Juli. (Leichenbegängnis) Unll r starker Betheiligung fand gestern Vormittags das Leichenbegängniß des Genossenschaftsvorstehers Herrn Moriz Eisenschimmel statt. Am Grabe hielt Herr Commerzialrath S t i a ß n y namens der Genossenschaft einen warmen Nachruf, indem er die Pflichttreue des Verstorbenen als Soldat, Bürger und insbesondere als Vorsteher hervorhob und dem Todten die letzten Grüße zurief. Wien. (Stiftung.) Herr Baron Nathaniel v. Rothschild hat. wie uns von der Direction des Erzherzogin Sophien - Spitales mitgetheilt wird, derselben den statutenmäßigen Betrag von 6000 fl. für eine Bettstiftung übermittelt zur Vermehrung der chirurgischen Stiftbetten der Anstalt. Wien. (Ein zerlegbarer Muniiionskarren.) Der Hof-Maschinenlieserant B. Pollitzer in Wien hat einen zerlegbaren Karren construirt, der zum Transport der Jnfanteriemunition bis in die Feuerlinie dient. Der complete, aus Stahlblech hergestellte Munitionskarren wiegt etwa 50 Kilo und kann, wenn er mit 4500 bis 5000 Patronen gefüllt ist, von einem Manne gezogen werden. Da der Karren zerlegbar ist, so kann derselbe in ein bis zwei Minuten zusammengelegt, mit den ledernen Zuggurt zusammengeschnallt und während der Märsche aus den großen Jnfanterie-Munitionswagen verladen und in derselben Zeit wieder zur Benützung ausgestellt werden. Im Lager findet der Zugkarren für oen Truppcn-Verpflegsdienst Verwendung. Mehrere Exemplare dieses Munitionskarrens befinden sich gegenwärtig bei verschiedenen Truppenkörpern in Erprobung. 8 8. Wien. (Hyrtl und die No v ara - Exped ition.) Durch den unermüdlichen Eifer des leider zu früh verstorbenen Schiffsarztes Dr. Eduard Schwarz glückte es, eine Sammlung von weit mehr als hundert Raffenschädeln in Südafrika im malayschen Archipel und Holländisch-Jndien, in China, Australien und Neuseelands auf den Südseeinseln und in Südamerika zu erlangen, welche sodann von Hyrtl für die anthropologisch.ethnographische Abtheilung des naturwifsenschaftlichen Hofmuseums präparirt wurden. 8. 8. Wien. (Techn o log isches Gew erbemuseum.) Dem Schüler des dritten Jahrganges für Färberei und Chemie, Albert Kann, wurde vom Vorstande der Anstalt in Gegenwart des gesammten Lehrkörpers und der Frequentanten die demselben als Musterschüler verliehene silberne Medaille mit einer feierlichen Ansprache überreicht. 8. 8. Wien. (D i e „D e u t s ch e Z e i t un g"), langeJahre hindurch ein liberales Blatt, ist seit Kurzem ein Organ der Deutschnationalen Antisemiten S teinwen d e r'scher Couleur geworden. Als liberales Blatt vertrat die „Deutsche Zeitung"