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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 598 Defterrrdtzischr Wochenschrift Nr. 31 geschäftlichen Verkehr zum Genannten, ausgenommen, daß ich in der Krankheit meines seligen Vaters (weiland Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde) von diesem Herrn Hulicius für einige Hundert Gulden Medicinalweine gekauft und bar bezahlt habe. Nun ad rem: Mit dem Abendzuge der B. Nordbahn, der zwischen Prag und Bakov verkehrt, fuhr ich Sonntag den 15. Juli von Chotetov nach Jungbunzlau-Haltestelle. Ich hatte mich in ein Nichtraucher Coupe gesetzt, das außer mir von einem christlichen mir bekannten Hausierer und zwei unbekannten Personen besetzt war. Ich setzte mich in eine Ecke, von Müdigkeit übermannt schlummerte ich ein. In der nächsten Station Stranov weckte mich unsanft Herr Hulicius, stark angetrunken, eine Bekanntschaft im Nichtraucher-Coupe suchend. Er fand nichts Passendes, aber zum Ersatz einen Juden, zu welchem er sich sans fa?ons setzte. „Du bist ein Jud". schrie er und war sofort in seinem Fahrwaffer. Ich glaubte durch Schweigen den angeheiterten Herrn los zu werden. Mit nichten, denn er kehrte in das Hintercoupe, wo er früher gesessen nur zurück, um der dortigen zahlreichen Gesellschaft mitzutheilen: „Ein Jud ist dort, ein Jtzig", was von den wackeren Ariern mit lautem Jubel ausgenommen wurde. Nachdem Herr Hulicius seine Entdeckung mitgetheilt, kehrte er in das Nichtraucher-Coupe zu mir zurück und regalirte mich dort in unstäthigsten Schimpfwörtern bis Jungbunzlauöijtic. Hier war das Endziel seiner Reise. Mir zuliebe blieb er noch sitzen. Ich schrie in den menschenerfüllten Bahnhof hinaus, den Conducteur rufend. Kein Conducteur zu sehen, niemand vom Zugspersonal, kein Stationschef da! Als dem brutalen Antisemiten die Stimme ausgegangen war und er mich auf einige Zeit verließ, b-nützte ich diesen Moment in der dunklen Nacht zu verschwinden, obwohl ich die Absicht gehabt, noch ein Stück weiter zu fahren. Selbstredend habe ich die Klage gegen Herrn Fr. Hulicius überreicht. Die Tagfahrt ist am 8. August a. c. Achtungsvoll Jacob Fischet, Buchhalter bei I. Gellner's Sohn, Jungbunzlau. Landesgerichtsrath Dr. Barber. Wir lesen in der „Bukowinaer Rundschau" ddo. Czerno- ' witz, 29. Juli. Endlich! In freudiger Erregung ist uns dieses Wort entschlüpft, denn es erfüllt uns mit Genugthuung, daß es endlich doch ernst und wahr wurde, auf was wir seit Jahren vergebens gewartet. Wie wird aber einem diese Freude vergällt, wenn man die bloße, nackte Thatsache der Ernennung sich näher besieht. Daß sie hier einem Manne zutheil wurde, der längst dazu prädestinirt schien, eine hervorragende Rolle in unserem Beamtenkörper einzunehmen, das macht diese -- endliche Ernennung um so schmerzlicher. Sechsundzwanzig Dienstjabre liegen hinter Herrn Dr. Barber, sechsundzwanzig Dienstjahre voller Aufopferung und reicher Thätigkeit. An seinen Namen knüpfen sich die lautersten Eigenschaften, die dem Manne nur zur Zierde gereichen; man spricht von ihm nur mit dem Ausdrucke der höchsten Achtung und bewundernden Anerkennung seiner geradezu sprichwörtlichen Ehrenfestigkeit und gentlemanliken Vollkommenheit — und dennoch wurde ihm die Bitterniß nicht erspart, so oft präterirt zu werden. Wie oft hat er jüngere Menschen kommen sehen, die es selbst gern eingestanden, an ihn nicht hinanzureichen, seinem Wesen nicht gleichkommen zu können, — sie haben tief unter ihm begonnen und sind vorwärts gekommen, haben ihm den Rang abgelaufen , sind immer höher die Beamtenlaufbahn emporgeschritten. ihn hinter sich lassend — und dies alles nur deshalb, weil Dr. Barber trotz seiner 26 Dienstjahre, trotz seiner wiederholt belobten Thätigkeit, trotz seiner anerkannten Vorzüge nie in die Lage kam, seiner Qualifikation den Taufschein beizulegen! Und nur deshalb wurde er unzähligemale präterirt, — bis man endlich nicht mehl konnte, bis man sich vor sich selbst zu schämen anhub und langsam einzusehen begann, daß man damit den constitutionellen, gewährleisteten Rechten schon derbe Faustschläge ins Gesicht versetzte — bis man endlich, mit einem Worte, selbst schon die Ueberzeugung gewann, daß dieses Vorgehen ihm gegenüber, das so lange Jahre beobachtet wurde, eine Schande ist, die jedem Oesterreicher die Schamröthe ins Gesicht treiben muß! Bei diesem letzten Punkte angelangt, entschloß man sich endlich, ihn „aufsteigen" zu lassen, wahrlich, — die Genugthuung, die ihm nun für sein dem Staate gewidmetes Leben und Arbeiten zu Theil geworden, ist so klein, so gering und so unsäglich unbedeutend, daß es ganz dahinschwindet, wenn man bedenkt, wie lange er darauf warten mußte, wie. so oft und so sehr er durch das Präteriren geradezu gedemüthigt wurde. Eine Koryphäe der antisemitischen Partei — durchgebrannt. Gewiß ist unseren Lesern, welche mit uns das wüste und agitatorische Treiben der antisemitischen Partei aufmerksamen Blickes in allen ihren merkwürdigen Stadien verfolgen, der Name des Pfarrers von Schrick bei Mistelbach, des Herrn Scherz er, geläufig, des Freundes und Gesinnungsgenossen Lu eg er's. Er war eine Koryphäe — eine erste Größe — eine Capacität — - ein Matador seiner Partei — er w a r es, ach! und ist es — „leider" sagen die Antisemiten, „Gott sei's gedankt" die honetten Leute — heute nicht mehr, da er es vorgezogen hat — zu verduften. Er ist — abgereift, und hat vergessen, seine neue Adresse zu hinterlassen. Seit 3 Wochen ist er abgängig, Niemand kennt seinen Aufenthalt. Studirt er an einer neuen Hetzrede für eine Wählerversammlung? Will er in beschaulicher Einsamkeit gegen die Talmudmoral neues erdrückendes Materiale aufhänfen, um sie in ihrer ganzen Erbärmlichkeit und Verworfenheit entrüstet aufzudecken? Zu welchem Zwecke hätte er aber denn die Waisen - und Stiftungsgelder mitgenommen?? Böse Zungen behaupten, er hätte solche in der Höhe von 5000 Gulden unterschlagen! Doch ist das wohl nicht der richtige Ausdruck — er wird sie blos an einen sicheren Ort zur Aufbewahrung hinterlegt haben, damit sie vor den Juden ganz sicher seien. Pfarrer S ch e r.z e r ist bekanntlich ein Mann von sehr einnehmenden Manieren. Nicht einmal das Fräulein Marie weiß den Aufenthaltsort ihres zerstreuten Herrn. Die arme Wirthschafterin — Alles hat sie ihm gegeben. Ihr ganzes Vermögen — bei 2000 Gulden — hat ihr der geistliche Herr in Teilbeträgen sachte herausgelockt, denn er verfügt über eine erstaunliche Ueberredungskunst. Die Beredsamkeit ist doch eine herrliche, prächtige Sache. Besonders die in antisemiiischen Conventikeln erworbene, der kann Niemand widerstehen. Etliche Wirthe und Möbelhändler — ob Juden oder Arier, darüber schweigt vorläufig noch die Weltgeschichte — kommen auch um ansehnliche Beträge. Sch er zersägte immer, 1 es müsse etwas zur Hebung des Kleingewerbes geschehen. Es dürfe nicht mehr von den Juden ausgebeutet werden. Jetzt erst verstehen wir den Ausspruch des bedeutenden Mannes in seiner ganzen Bedeutung und wie es gemeint war. . .. Das mysteriöse Verschwinden wird nicht verfehlen, auch in Wien außerordentliches Aufsehen hervorzurufen, denn ehe Scherzer zum Pfarrer von Schrick ernannt wurde, fungirte er durch mehrere Jahre in Wien als Cooperator, und zwar vorerst in der Pfarre St. Elisabeth auf der Wiede n und später in der Pfarre zum heiligen Florian in Margarethen. Scherzer war damals populärer und bekannter in Wien, als es von einem einfachen Cooperator zu erwarten gewesen wäre; freilich beschäftigte sich Cooperator Sch er zernicht nur mit den Obliegenheiten seines kirchlichen Amtes, sondern auch in hervorragender Weise mit Politik und in den Wiener Wahlcampagncn der letzten Jahre spielte Cooperator Scherzer eine führende Rolle. Er stand mit Begeisterung im Lager Dr. Karl Lueger 's, obwohl er manchmal auch deutschnationale Anwandlungen hatte; beim „Goldenen Sieb", bei den „Drei Engeln" und in verschiedenen anderen Localen hielt er sehr häufig Reden, die den stürmischen Beifall des Auditoriums erweckten, und schließlich candidirte er sogar selbst für den Bezirksausschuß Wieden, wobei er freilich durchfiel.

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